Sandkasten, Schrauben und beidseitige Lust – Was zwischen Annika und Simon wirklich entstand

beidseitige Lust
  • Beitrags-Kategorie:Bisex
Lesedauer 14 Minuten

Beidseitige Lust

Annika sah, wie Simon seine Unterlippe zwischen die Zähne zog, während er die Bauanleitung studierte. Nicht hastig oder nervös – sondern langsam, fast genüsslich. Ein Detail, das sie noch nie an ihm bemerkt hatte, obwohl sie seit drei Jahren Tür an Tür wohnten. Sie registrierte es mit einer Genauigkeit, die sie selbst überraschte. Währenddessen kniete er auf ihrer Terrasse, umgeben von Holzbrettern, Schrauben und dem unvermeidlichen Chaos eines Projekts, das seine Ordnung erst noch finden musste.

„Die Querbalken sind falsch nummeriert“, murmelte er. „Wer auch immer dieses Set zusammengestellt hat –“

„Hat nie selbst einen Sandkasten gebaut?“

„Oder hasst Menschen.“ Er sah auf, und sein Grinsen war schief, fast jungenhaft. „Zum Glück hast du mich gefragt. Ich liebe verhasste Anleitungen und unlogische Schraubensets.“

Annika lachte. Es klang rauer als beabsichtigt. „Lisa meinte, das dauert zwei Stunden, wenn man zu zweit ist. Ich dachte, du bringst vielleicht handwerkliches Geschick mit und ich Kaffee und exquisite Musik. Beidseitige Lust am Selbermachen sozusagen. Aber wenn das eine Hassliebe wird –“

„Beidseitige Lust“, wiederholte er, und das Wort hing kurz zwischen ihnen. „Gute Formulierung. Trifft nicht nur aufs Schrauben zu, oder?“

Sie antwortete nicht sofort, sondern ließ den Satz in der Juniluft stehen. Die Terrassentür stand offen, irgendwo im Haus lief leise ein Song, den sie nicht benennen konnte. Erinnerungen an Rhythmus ohne Titel. Die Kinder waren bei Lisa und Mark im Schwimmbad – sie hatten mindestens drei Stunden, bis die Bande zurückkommen und das Ergebnis begutachten würde.

„Kaffee?“, fragte sie.

„Später. Erstmal das hier.“ Er klopfte auf die Holzbretter. „Sonst sitzen wir heute Abend noch hier, und Sand bekommt der Kasten auch nicht von allein. Weißt du eigentlich, wie schwer ein Kubikmeter Spielsand ist?“

„Schwerer, als ich heben will?“

„Exakt. Deshalb habe ich zwei Säcke bestellt, die kommen morgen per Spedition. Heute nur der Rahmen.“ Er zog die Bauanleitung näher zu sich heran, und Annika ging neben ihm in die Hocke. Dabei streifte ihr nackter Oberarm seinen, und er hielt inne. Nur kurz. Nur einen Lidschlag.

Sie trug ein ärmelloses, olivgrünes Top aus Leinen, ein Stück Stoff, das ihr am Morgen praktisch erschienen war. Jetzt war sie sich plötzlich jeder Naht bewusst. Der Stoff lag locker auf ihrer Haut, aber wo Simons Blick jetzt streifte – ihr Schlüsselbein, der Ansatz ihrer Schulter – brannte ein unsichtbarer Pfad.

„Dann mal los“, sagte sie und griff nach dem Akkuschrauber, als wäre das eine Waffe gegen die Anspannung, die sie selbst nicht kommen sah. „Sag mir, was ich tun soll. Ich bin gut darin, Anweisungen zu befolgen.“ Der Satz war harmlos gemeint. Er war nur ein Satz. Aber Simon stutzte für einen winzigen Moment, und der Akkuschrauber in ihrer Hand wurde zu etwas anderem. Zu einem Angebot, das sie nicht ausgesprochen hatte.

„Gut zu wissen“, sagte er leise und strich mit den Fingerspitzen über die angeraute Oberfläche eines Brettes.

Um sie herum der Sommer. Grillen, irgendwo ein Rasenmäher, das Klappern einer Gießkanne zwei Gärten weiter. Alles normal. Alles wie immer. Nur dass zwischen Annika und Simon ein unsichtbarer Faden zu vibrieren begann, den keiner von ihnen benennen wollte. Noch nicht.

Sie verstand nicht, warum es heute anders war. Sie kannten sich. Sie hatten zusammen gegrillt, sich beim Ausparken zugewunken, Pakete angenommen, über den zu hohen Zaun des Nachbarn gelästert. Alles freundschaftlich, unverfänglich.

Aber noch nie hatte sie ihn allein auf ihrer Terrasse gehabt, während der Sommer sie umhüllte wie ein feuchtheißes Tuch. Noch nie hatte sie dieses unterschwellige Summen im Solarplexus gespürt, wenn er sie ansah. Noch nie hatte sie seine Unterlippe zwischen seinen Zähnen bemerkt und sofort gedacht: Wie das sich wohl anfühlt.

Sie verbannte den Gedanken. Griff nach einer Holzschraube. Drückte Simon die Tüte entgegen. „Fang an. Ich assistiere. Beidseitige Lust, erinnerst du dich?“ Der Begriff war ihr einfach wieder rausgerutscht, und sie fragte sich, ob das Unterbewusstsein hier längst die Regie übernahm.

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Simon nickte langsam. Seine Augen waren hellgrau, fast silbrig im Sonnenlicht, und sie hielten ihren Blick fest forschend, als läse er eine Sprache, die sie nicht absichtlich sprach. „Dann wollen wir mal“, sagte er. „Äh, die Seitenteile zuerst. Hältst du mal?

Sie nickte, kniete sich hin. Ihre Knie berührten die warmen Terrassenbretter. Der Stein unter dem Holz hatte sich aufgeheizt, die Wärme kroch in ihre Gelenke. Simon beugte sich vor, und sein Atem strich über ihren Nacken, als er die erste Schraube ansetzte.

Als seine Finger ihre Haut streiften – und beide den Kaffee für immer vergaßen

Der Akkuschrauber surrte. Das Gerät zog die Schraube mit einem tiefen Sirren ins Holz, und das Brett saß. Erste Verbindung. Simons Hand lag neben ihrer, beide auf demselben Holzbrett, und keiner zog sie weg. Eine Sekunde. Zwei. Drei.

„Gut so?“, fragte Annika. Ihre Stimme klang belegt.

„Perfekt.“ Er räusperte sich. „Jetzt das zweite Seitenteil. Spiegelseite. Wenn wir die Längsbretter danach einsetzen, sollte das Ganze stabil werden. Theoretisch.“ Er lachte kurz, aber es war ein Lachen, das nicht ganz echt klang. Zu kontrolliert.

Sie stellte sich hinter ihn, als er das zweite Brett ausrichtete. Konnte den Geruch seines Shampoos wahrnehmen – irgendwas mit Sandelholz – und den leichten Schweißgeruch, der sich daruntermischte. Kein unangenehmer Geruch. Eher etwas Animalisches, etwas, das ihren Puls beschleunigte, obwohl nichts geschah. Nur Arbeit. Nur ein Sandkasten für die Kinder der Nachbarn.

„Du riechst gut“, sagte sie, bevor sie nachdenken konnte. Die Worte waren ausgesprochen, und es gab keine Rückwärtstaste für diesen Satz.

Simon drehte den Kopf langsam zu ihr, und seine grauen Augen fokussierten sie mit einer Intensität, die alles veränderte. Jetzt hing es im Raum. Jetzt war es benannt. Noch nicht die Handlung, noch nicht der Akt, aber das Potenzial. Die Möglichkeit.

„Du auch“, antwortete er. So leise, dass sie es fast nicht hörte. „Schon den ganzen Nachmittag fällt mir das schwer, mich auf die Bretter zu konzentrieren. Vielleicht ist das nicht nur Holz, was hier entsteht. Vielleicht ist das etwas anderes. Beidseitige Lust – das hast du vorhin gesagt. War das nur so dahingesagt, oder steckt da mehr?

Annika spürte, wie ihre Brustwarzen sich unter dem Leinentop aufstellten. Keine bewusste Reaktion. Der Körper tickte anders als der Verstand, und sie fühlte ihn jetzt laut und unmissverständlich. Sie dachte an Mark, ihren Ex-Mann, seit zwei Jahren getrennt. Sie dachte an die gescheiterte Beziehung mit Sandra, vor einem Jahr. Sie dachte an all die Abende, an denen sie allein auf dieser Terrasse gesessen und sich vorgestellt hatte, wie es wäre, noch einmal neu anzufangen.

Jemand Neues. Etwas Neues.

Simon war nicht neu. Aber diese Situation war neu. Dieser unausgesprochene Raum zwischen zwei Menschen, die sich kannten und sich jetzt neu entdeckten.

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Er legte den Akkuschrauber beiseite. Seine Hand hob sich, langsam, fragend, und seine Fingerspitzen berührten ihre Wange. Es war eine Feder von Berührung, kaum Haut, eher die Idee von Hautkontakt. Annika atmete aus. Der Atem kam zittrig.

„Ich war lange nicht mehr so“, sagte sie. „Mit jemandem so. So – offen.“ „So offen wie?“ „So, als ob ich nicht wüsste, wer ich bin, wenn du mich ansiehst. Und es gleichzeitig komplett egal ist. Weil ich bin, spielt keine Rolle jetzt. Nur dass du nicht aufhörst, mich so anzusehen. Und anzufassen. Und –

Er küsste sie mitten im Satz.

Seine Lippen waren wärmer als erwartet, fester. Keine zögerliche Geste, keine Fragehaltung. Er wusste, dass sie das wollte, und sie kannte, dass er es wusste. Ihr Mund öffnete sich, und die Zungenspitzen trafen sich zuerst scheu, dann energischer. Simon schmeckte nach Pfefferminz und Kaffee – sie hatten noch gar keinen aufgebrüht.

Ihre Finger krallten sich in sein T-Shirt, zogen ihn näher, während sich ihre Knie auf den harten Terrassenbrettern begegneten. Ein Holzbrett kippte um, schepperte, interessierte sie nicht. Simons Hand wanderte von ihrer Wange zu ihrem Hals, fühlte ihren Pulsschlag, ließ den Daumen über ihre Kehle gleiten, ohne Druck, nur Entdeckung.

„Annika“, murmelte er gegen ihre Lippen. „Ich möchte dich. Ich möchte das. Aber ich will nichts tun, was du nicht –

„Ich weiß, was du willst. Ich will es auch. Keine Fragezeichen, Simon. Kein Rückzug. Beidseitige Lust, verdammt. Das war kein Zufallsbegriff.“ Sie lachte, und es war ein Lachen der Erleichterung und der Erwartung. „Ich glaube, mein Unterbewusstsein ist klüger als mein planender Verstand. Ich habe dich nicht nur wegen des handwerklichen Geschicks hergebeten. Ich glaube, ich wollte das. Uns. Schon länger. Nur wusste ich nicht, wie ich fragen soll. Und ob du –

Er küsste sie erneut, und die Antwort war so klar wie das Sirren der Grillen in der Sommerluft.

Die Terrassentür schloss sich – dahinter wartete mehr als nur Neugier.

Beidseitige Lust

Sie rappelte sich auf. Halb stolpernd, halb ziehend taumelten sie durch die offene Terrassentür ins Wohnzimmer hinein, und ihre Hände fanden sich immer wieder, ihre Münder, ihre Körper. Simons T-Shirt war weich unter ihren Fingern, und als sie es hochschob, spürte sie die Wärme seiner Haut, das harte Muskelspiel unter dem Stoff. Kein trainierter Körper – ein Männerkörper kurz vor vierzig mit weichen und festen Zonen, mit einer Geschichte, die sie bisher nicht kannte.

Sie wollte ihn kennenlernen. Jede Narbe, jedes Muttermal, jede Empfindlichkeit. Sie wollte herausfinden, wie er klang, wenn er wirklich gab, was er zu geben hatte.

„Du“, sagte sie, und riss sich das Top über den Kopf. Keine Kunstpause, kein verführerisches Zögern. „Keine Spielchen. Ich bin zu alt für Spielchen. Ich möchte ehrlichen Sex. Direkt. Keiner spielt was vor. Du zeigst dich mir, und ich zeig mich dir. Alles. Alles, was wir sind und was wir wollen.“ „Ich bin bisexuell“, sagte er, und sein Blick suchte ihren. Nicht verunsichert, nur klarstellend. „Nur dass du’s weißt. Falls das für dich –

Annika lächelte. Es war das breiteste Lächeln seit Monaten. Sie griff nach seiner Gürtelschnalle, öffnete sie und zog sein Hemd aus den Jeans. „Weißt du was? Ich auch. Ex-Mann Mark. Ex-Freundin Sandra. Und jetzt du. Jemand, der das versteht, ohne dass ich dreitausend Erklärungsrunden drehen muss. Beidseitige Lust bedeutet für mich auch: Lust darauf, dass der andere begehrt, was er will. Ohne enge Normen. Ohne Schubladen.“ Sie küsste seine nackte Brust. Seine Brustwarze stand hart auf, und sie nahm sie zwischen die Lippen, spürte, wie er zitterte. „Ist das okay?“, flüsterte sie gegen seine Haut.

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„Mehr als okay.“ Seine Stimme war ein Knurren geworden. „Das wird großartiger, als ich mir heute Morgen beim Rasieren erträumt habe. Und ich hab viel geträumt beim Rasieren.“ Er lachte heiser, und sie stimmte mit ihm ein, während sie aufs Sofa sanken, nicht ganz synchron, eher ein Kippen und Fallenlassen, das sie beide kurz aus dem Gleichgewicht brachte.

Dann lag Annika auf dem Rücken, und Simon beugte sich über sie. Seine Hand fuhr über ihren Bauch, folgte der Linie ihres Hüftknochens, schob den Bund ihrer Shorts ein Stück nach unten. Ihre Haut kribbelte unter seinen Fingern, als hätte sie monatelang auf Berührung gewartet und entlud sich nun elektrisch.

„Ich will dich schmecken“, sagte er ruhig, und seine Augen fragten nicht mehr – sie stellten fest.

Sie nickte, und er öffnete ihre Shorts mit einer Geduld, die ihr fast die Tränen trieb. Kein zerrendes Hasten, keine ungeschickte Eile. Er genoss das Auspacken, und sie fand Freude daran, ausgepackt zu werden. Jeder Zentimeter Stoff, der wich, jeder Atemzug auf neu entblößter Haut war ein eigener Akt der Hingabe.

Der Slip war nass, bevor er ihn berührte. Annika wusste es, und Simon wusste es, und keiner tat so, als wäre es nicht so. Er zog den dünnen Baumwollstoff beiseite und senkte den Kopf zwischen ihre Schenkel, und sein Mund fand sie mit einer Sicherheit, die keinen Zweifel ließ – er wusste, was er tat.

Seine Zunge war warm und genau. Sie strich über ihre Klitoris, nicht direkt zu Beginn, erst umrundend, fragend, auskostend. Annika stöhnte auf, biss sich auf die Lippe, ließ die Kontrolle los. Ihre Hände gruben sich in seine Haare, und sie zog ihn näher, als er ihre Schamlippen mit der Zunge teilte und tiefer vordrang.

„So“, murmelte sie. „So. Nicht aufhören. Verdammt, Simon, nicht aufhören.“ Er hörte nicht auf. Er variierte den Druck, die Bewegung, die Geschwindigkeit, und sie spürte den Orgasmus wie eine Welle, die von irgendwo tief in ihrem Becken aufstieg, sich sammelte, wuchs. Seine Hände hielten ihre Hüften, als sie sich ihm entgegendrückte. Seine Zunge konzentrierte sich dabei auf ihre Klitoris, direkt und gleichmäßig, bis sie die Spannung nicht mehr halten konnte. Schließlich ergab sie sich mit einem Laut, der sowohl ein Schluchzen als auch ein Lachen war, während sie seinen Namen rief.

Als sie wieder klar sehen konnte, lag Simon neben ihr. Er hatte seinen Slip ausgezogen, sein Penis stand aufgerichtet, die Spitze glänzte. Annika griff danach, nicht zögernd, nicht unsicher. Sie wollte ihn in der Hand spüren, wollte die Wärme, die Härte, die pulsierende Bereitschaft. Sie umschloss ihn, und er stöhnte auf.

„Jetzt du“, sagte sie. „Was willst du? Sag’s mir. Ich will deine Phantasien hören, Simon. Was auch immer es ist. Ich urteile nicht. Ich will nur beteiligt sein. Mach mich beteiligt.“ Ihr Blick war offen und direkt, und in diesem Moment gab es keine Scham mehr zwischen ihnen, keine Zurückhaltung, nur das nackte Verlangen, das sich entlud.

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„Ich will in dir sein. Aber ich will auch dich in mir spüren. In mir, Annika. Beidseitige Lust heißt für mich nicht nur geben und nehmen zwischen zwei Personen, sondern auch zwischen zwei Körpern, die sich abwechseln, wer führt und wer empfängt. Verstehst du? Ich will, dass du mich nimmst. So wie ich dich gleich nehme. Wenn du das willst. Wenn du bereit bist.“ Ihre Augen weiteten sich für einen Moment, nicht aus Schock, sondern aus plötzlicher Erkenntnis. Der Nachmittag hatte eine Tür geöffnet, hinter der viel mehr wartete als ein schnelles Abenteuer auf dem Sofa.

„Dann nimm mich jetzt“, flüsterte sie. „Und dann nehme ich dich. Ich möchte das. Ich will dich ganz. Von jeder Seite. In jeder Rolle. Ich habe zu lange in Schubladen gedacht. Diese Schubladen sind zu eng, Simon. Zeit, sie aufzubrechen.“ Sie zog ihn auf sich und führte ihn, ohne Umschweife, in sich ein. Er drang tief und langsam ein, und sie spürte jede Bewegung wie ein Echo, das ihren Körper durchlief.

Kein Zurück – Annika und Simon brechen alle Schubladen auf

Sie fanden einen Rhythmus, der nichts mit der Musik aus dem anderen Zimmer zu tun hatte. Annika umklammerte Simons Schultern, zog ihn tiefer in sich hinein, und seine Stöße wurden schneller, fordernder. Sie spürte, wie er sich in ihr bewegte, wie sein Körper auf ihren reagierte, und sie sah sein Gesicht über sich, diese Mischung aus Konzentration und Hingabe, die sie so anziehend fand. Er schloss nicht die Augen. Er sah sie an, während er in ihr war, und das machte die Vereinigung so intim, dass es fast schmerzte.

„Ich bin gleich soweit“, keuchte er. „Sag, wo –“

„In mir. Komm in mir. Ich bin geschützt, lass los, Simon. Ich will dich spüren, wenn du kommst. Ich will dein Gesicht sehen, ich will hören, wie du mich dabei rufst. Verlier dich. Jetzt.“

Sein Körper spannte sich an, und sein Stöhnen wurde zu einem langen, rauen Laut, den sie in jeder Faser mitfühlte. Sie spürte, wie er sich in ihr ergoss, wie sein Rhythmus brach und er zitternd über ihr verharrte, während sein Atem rasselte und sein Schweiß auf ihre Brust tropfte. Sie hielt ihn, bis er ruhiger wurde, strich über seinen Rücken, presste ihre Stirn an seine.

„Das war erst die Hälfte“, sagte sie nach einer Weile. Ihre Stimme klang rauchig, zufrieden, aber noch nicht gesättigt. „Du hast mir was versprochen, Simon. Jetzt bin ich dran. Jetzt nimmst du mich. Oder besser: Jetzt lasse ich dich mich nehmen. Wo willst du mich? Was willst du? Zeig’s mir.“ Ihr Puls beschleunigte sich wieder bei dem Gedanken an das, was kommen würde. Sie hatte das lange nicht getan, nicht mit Sandra, nicht mit Mark. Aber sie wollte es. Sie wollte ihn in sich spüren, wie er sie in sich gespürt hatte.

„Komm mit“, sagte er, und sie gingen ins Schlafzimmer, nackt, verschwitzt, ohne falsche Scham. Simon holte Gleitgel aus seiner Umhängetasche – offenbar war er vorbereiteter gewesen, als er zugegeben hatte – und Annika lächelte.

„Du hast das geplant.“ „Gehofft. Nicht geplant. Es gibt einen Unterschied.“ Er lachte leise. „Ich habe immer Gleitgel dabei. Für alle Fälle. Für alle Menschen. Das ist kein Plan, das ist Lebenspraxis eines bisexuellen Mannes in seinen Dreißigern, der gelernt hat, dass erfreuliche Überraschungen Vorbereitung brauchen. Beidseitige Lust kommt selten ganz ohne Utensilien aus.“ „Philosophische Weisheit direkt aus der Tasche“, sagte sie und zog ihn aufs Bett.

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Dann positionierte er sich, auf dem Rücken, die Beine leicht angewinkelt, und sie kniete sich zwischen seine Schenkel. Sie trug eine dünne Schicht Gleitgel auf ihre Finger auf und dann langsam und sorgfältig auf ihn. Sein Atem stockte, als ihre Finger über seinen Damm strichen und schließlich seinen Eingang fanden. Ein Finger zuerst, vorsichtig tastend. Er entspannte sich unter ihrer Berührung, ließ sie eindringen, und sie spürte die Wärme und Enge, die sie gleich ausfüllen würde.

„Mehr“, murmelte er. „Ich bin bereit für mehr. Deine Finger sind geschickt, aber ich will dich, Annika. Ich will dich in mir. Jetzt.“ Sie nahm den Dildo, den sie aus ihrer eigenen Schublade geholt hatte – ein schlichtes, ergonomisches Teil, das sie seit Monaten nicht benutzt hatte. Silikon, nicht zu dick, nicht zu lang, perfekt für diesen Moment. Sie trug Gleitgel auf, kniete sich anders hin und brachte die Spitze an seinen Eingang.

„Atme aus“, sagte sie leise. Er atmete aus, sie drückte sanft, und der Dildo glitt in ihn hinein. Simon ächzte auf, ein Laut der Hingabe, nicht des Schmerzes, und als sie tiefer vordrang, begann er, sich ihr entgegenzubewegen. Sie stieß langsam zu, fand einen eigenen Rhythmus, während sie mit der anderen Hand seinen Penis umschloss, der wieder hart wurde, der pulsierte, der mehr wollte.

„Fick mich“, flüsterte er. „Fick mich so, wie du gefickt werden willst. Zeig mir, wie du’s brauchst. Ich halt das aus. Ich will das. Dich.“ Sie stieß fester zu und spürte, wie sein Körper sie aufnahm und wieder freigab. Das Gefühl der Macht und der Hingabe in ein und derselben Handlung rauschte durch sie hindurch wie ein zweiter Orgasmus, der sich ankündigte. Sie beugte sich vor, küsste ihn, während der Dildo in ihm steckte, und ihre Zunge spielte mit seiner. Beide keuchend, beide jenseits aller Schubladen, beide vollkommen nackt im übertragenen und im wörtlichen Sinn.

„Ich komme nochmal“, stieß sie hervor, „wenn du es tust. Gemeinsam. Ich will, dass wir gemeinsam kommen. Zeitgleich. Zwei Arten von beidseitiger Lust in einem einzigen Augenblick. Ist das möglich? Können wir das?“ Er nickte hektisch, umfasste ihre Hand mit seiner und führte sie fester an seinen Penis. Er zeigte ihr den Rhythmus, den er brauchte, während sie den Dildo tief in ihm bewegte, zirkulierend und stoßend. Dann sahen sie sich an, und es geschah.

Simon bäumte sich auf und sein Samen schoss über seine Bauchdecke. Währenddessen erbebte Annika in einem zweiten, tieferen Orgasmus, der durch ihre Hand und ihren Körper und den Dildo und alles, was sie für ihn tat, ausgelöst wurde. Sie schrie seinen Namen, er rief ihren, und der Moment dehnte sich, bis sie beide erschöpft nebeneinander sanken.

Der Sandkasten wartet – und alles hat sich verändert.

Sie lagen auf dem Bett, und das Nachmittagslicht fiel schräg durch die Jalousien. Irgendwann raschelte ein Vogel im Gebüsch vor dem Fenster. Irgendwann räusperte sich Simon.

„Der Sandkasten“, sagte er. „Wir haben vielleicht noch eine Stunde? Wenn Lisa und Mark pünktlich sind.“ „Wir könnten sagen, es war komplizierter als gedacht. Diese verhassten Anleitungen.“ Annika lachte, und es war ein Lachen, das sie jünger machte. Leichter.

„Das Problem ist: Ich wünsche, weiterzumachen. Nicht heute, heute bin ich glücklich erschöpft. Aber generell. Willst du das wiederholen? Ich will dich wiedersehen, Annika. Nicht nur als Nachbarin. Sondern als das, was hier gerade vorgefallen ist. Das war mehr als ein Nachmittag. Das war der Anfang von etwas, das ich noch nicht benennen kann.“ Sie stützte sich auf einen Ellbogen und sah ihn an, diesen Mann, der vor drei Stunden noch nur ein Nachbar gewesen war. Jetzt war er ein Teil von ihr. Buchstäblich. Im übertragenen und im praktischen Sinne.

„Ich bin bisexuell“, sagte sie ruhig. „Das habe ich bisher nur zwei Menschen erzählt. Meinem Ex-Mann und Sandra. Mark hat’s nicht verstanden, Sandra hat’s verstanden, und dann hatten wir andere Probleme. Aber du – du musst das nicht verstehen. Du lebst es. Und das ist der Unterschied. Mit dir muss ich nicht erklären, warum ich einen Mann und eine Frau und alles dazwischen gleichzeitig begehren kann. Das ist einfach da. Und es fühlt sich richtig an. Beidseitige Lust als Lebensmodell. Nicht als Ausnahme, sondern als Regel.“ „Dann wiederholen wir das. Und zwar heute Abend. Wenn der Kasten steht und die Kinder ihren Sand begutachtet haben und die Nachbarn wieder in ihren Häusern sind.“ Er grinste. „Mein Haus oder dein Haus?“ „Mein Haus. Ich habe den besseren Kaffee.“ „Stimmt. Du hattest mir Kaffee versprochen, und wir haben nie welchen gemacht. Vielleicht holen wir das nach. Oder vielleicht trinken wir nie Kaffee und landen jedes Mal im Bett. Das ist auch eine Option.“ „Die bessere Option“, sagte Annika. Dann stand sie auf, zog sich an, nicht hastig, nicht verführerisch – einfach praktisch, so wie jemand, der noch einen Sandkasten bauen muss und weiß, dass nach dem Sandkasten mehr kommt.

Sie traten wieder auf die Terrasse. Das Holz lag noch immer, wo es gelegen hatte. Der Akkuschrauber lag auf einem Brett, die Bauanleitung war vom Wind umgeblättert. Nichts hatte sich verändert, und doch war alles anders.

„Und wenn die Kinder uns fragen, warum der Sandkasten so lange gedauert hat?“, fragte Simon, während er das erste Brett wieder aufnahm. „Dann sagen wir: Es war komplizierter als gedacht. Viele Schrauben. Und wir mussten zwischendurch Pausen machen. Bedeutende Pausen. Erwachsenenpausen.“ „Das checken die doch nie.“ „Lisa und Mark vielleicht. Aber die sind cool.“ „Das sind sie. Sie haben uns ja schließlich einander empfohlen. Nicht für den Sandkasten. Für mehr. Glaubst du, die wussten, was passieren würde?“ Annika dachte an die beiläufige Bemerkung von Lisa letzte Woche: „Du und Simon, ihr versteht euch doch so gut.“ Könnt ihr nicht mal zusammen etwas machen? Ich glaube, ihr habt mehr gemeinsam, als ihr denkt.

„Ich glaube, Lisa ist eine verdammt gute Menschenkennerin“, sagte Annika. „Und ich sollte ihr Blumen schicken. Oder Sekt. Oder beides.“ Sie lachte, und Simon lachte mit ihr.

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Dann bauten sie den Sandkasten. Sie arbeiteten schneller als zuvor, mit einer Selbstverständlichkeit, die vor drei Stunden noch nicht dagewesen war. Ihre Finger berührten sich beim Anreichen der Schrauben und ihre Schultern streiften sich beim Halten der Bretter. Und jedes Mal war da dieses Knistern, dieses Versprechen, dass der Abend mehr bringen würde als das, was jetzt unter dem Akkuschrauber entstand.

Der Rahmen stand zwanzig Minuten, bevor Lisas Auto in der Einfahrt hielt. Zehn Minuten blieben ihnen noch. Zehn Minuten, in denen sie den letzten Kaffee des Nachmittags tranken und sich ansahen – erwachsene Menschen mit Neugier und Offenheit und einer Lust, die nicht aufhörte, nur weil das Tageslicht schwand.

„Heute Abend“, sagte Simon, als das Autotüren-Klappen näherkam. „Heute Abend“, bestätigte Annika. „Und diesmal mit Kaffee. Oder ohne. Je nachdem, wie lange wir ihn stehen lassen. Ich schlage vor, wir lassen ihn stehen. Kaffee ist überschätzt, wenn der andere Kaffee wichtiger wird.“ Sie zwinkerte, und Simon lachte, bevor er sich zu den Kindern umdrehte, die auf die Terrasse stürmten, um den Sandkasten ihrer Eltern zu begutachten.

Hinter ihnen die halbvolle Packung Schrauben. Über ihnen der endlose Sommerhimmel, der so viel versprach, wie zwei Menschen bereit waren, ihm abzuringen. Und in Annikas Bauch das warme Wissen, dass heute Nacht keine Lektion in Kompliziertheit wartete, sondern eine in Einfachheit.

Beidseitige Lust – sie hatten sie gefunden. Und sie würden sie behalten.

– ENDE –

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