Die letzte Bahn – Lesbisches Verlangen beim Minigolf kurz vor Ladenschluss

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Lesedauer 12 Minuten

Lesbisches Verlangen

Ich sehe, wie Hannah den Schläger dreht. Nicht auf die lässige Art, mit der man einen Minigolfschläger in der Hand hält, während man auf seinen Einsatz wartet. Sondern konzentriert, fast andächtig, als wäre der abgegriffene Griff aus Kunstleder etwas, das ihre ganze Aufmerksamkeit verdient. Ihre Finger gleiten darüber, prüfend, und ich ertappe mich dabei, dass ich dieses Gleiten viel zu lange beobachte. Viel zu genau. Es ist dieser Moment, in dem mir klar wird, dass aus einem freundschaftlichen Feierabend-Minigolf etwas anderes geworden ist, etwas, das unter meiner Haut summt wie eine angeschlagene Saite. Hannah steht im orangefarbenen Licht der Bahnbeleuchtung, die ihre Umrisse weich zeichnet. Ich frage mich, seit wann ich bei einer Freundin auf die Art achte, wie sich ihre Jeans an der Hüfte spannt, wenn sie das Gewicht verlagert. Seit wann dieses lesbische Verlangen in mir pulsiert, das ich jahrelang unter dem Deckmantel der Bewunderung versteckt habe. Hannah hebt den Kopf und lächelt mich an, und in diesem Lächeln ist nichts Zufälliges. Es ist ein Wissen. Eine Frage, auf die sie die Antwort bereits zu kennen scheint.

Die Anlage liegt in der beginnenden Dämmerung wie ein vergessenes Relikt aus einer anderen Zeit. Farbige Hindernisse bleichen vor sich hin, der Windmühlenflügel quietscht leise, wenn er sich dreht, und der künstliche Wasserfall rauscht mit einer Beharrlichkeit, die fast schon trotzig wirkt. Wir sind die letzten Gäste. Der junge Mann am Kassenhäuschen hat uns die Schläger und Bälle mit dem erleichterten Gesichtsausdruck eines Menschen überreicht, der seinen Feierabend herannahen sieht. „Bahn achtzehn schließen wir in dreißig Minuten ab“, hat er gesagt und dabei auf seine Armbanduhr getippt, als wären wir Schulkinder, die man an die Zeit erinnern muss. Hannah hat gelacht, dieses tiefe, kehlige Lachen, das ich inzwischen in meinem Brustkorb spüre, als würde es dort ein Echo werfen. Jetzt stehen wir an Bahn siebzehn, der vorletzten, und ich habe keine Ahnung, wie ich die letzten sechs Bahnen gespielt habe. Meine Gedanken waren woanders. Bei Hannahs Nacken, als sie sich über den Schläger gebeugt hat. Bei der schmalen Stelle ihrer Taille, die kurz entblößt wurde, als ihr T-Shirt nach oben gerutscht ist. Bei der Selbstverständlichkeit, mit der sie vorhin meine Hand genommen hat, um mich an eine bessere Abschussposition zu führen, und bei der Art, wie ihre Finger eine Sekunde länger auf meinem Handgelenk geblieben sind, als nötig gewesen wäre.

„Ich glaube, ich habe noch nie so schlecht Minigolf gespielt“, sage ich und meine etwas völlig anderes.

Hannah stellt den Schläger ab, lehnt ihn gegen die Bande und kommt einen Schritt auf mich zu. Der Abstand zwischen uns schrumpft, und die Luft scheint dicker zu werden, als wäre sie mit etwas Ungesagtem gesättigt. „Ich auch nicht“, sagt sie. „Dabei mag ich Minigolf eigentlich.“ Ihre Stimme ist leise, aber nicht schüchtern. Eher wie jemand, der ein Geheimnis mit mir teilt, das wir beide längst kennen. Ich rieche ihren Duft – etwas Blumiges, vielleicht Jasmin, vermischt mit dem salzigen Hauch eines langen Tages. Der Geruch ist so nah, dass ich das Verlangen spüre, mein Gesicht an ihrem Hals zu vergraben und einfach nur einzuatmen.

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Der Lautsprecher knistert. Eine blecherne Stimme kündigt an, dass die Anlage in fünfzehn Minuten schließt. Hannah und ich sehen uns an, und keiner von uns bewegt sich in Richtung der letzten Bahn.

„Wollen wir die noch spielen?“, frage ich, und meine Stimme klingt belegt. „Bahn achtzehn?“

„Unbedingt“, sagt Hannah. „Ich habe gehört, die soll besonders sein.“

Dass Bahn achtzehn eine simple Rampe mit einem aufgemalten Clownsgesicht ist, das den Ball ins Loch lenkt, wenn man nur fest genug schießt, wissen wir beide. Es geht nicht um die Bahn. Es geht um das Danach, den unausweichlichen Moment, in dem wir die Schläger zurückgeben und uns fragen müssen, ob dieser Abend hier endet oder ob er erst anfängt. Ich will nicht, dass er endet. Ich will, dass Hannahs Finger wieder meine Haut berühren, diesmal ohne den Vorwand einer Spielanleitung. Ich will wissen, ob ihre Lippen so weich sind, wie sie aussehen. Ich will den Mut finden, den ersten Schritt zu machen, oder den Mut, zu warten, bis sie ihn macht – je nachdem, was mehr Mut erfordert.

Der Ball rollt, doch meine Aufmerksamkeit liegt auf ihrer atmenden Stille.

Hannah legt ihren Ball auf den markierten Abschlagpunkt. Sie tut es mit einer Sorgfalt, die fast zeremoniell wirkt, als würde sie einen Altar vorbereiten. Ich lehne an der Bande und sehe zu, wie sie sich ausrichtet, die Hüften leicht nach hinten schiebt, den Oberkörper nach vorn beugt. Ihr T-Shirt spannt sich über ihren Schulterblättern, und ich male mir aus, wie es wäre, mit den Fingerspitzen genau diese Kontur nachzufahren. Sie holt aus, der Schläger schwingt in einem sauberen Bogen zurück, und der Ball rollt die Rampe hinauf, verfehlt das Clownsgesicht um Haaresbreite und prallt von der Bande ab. Erst beim dritten Versuch findet er sein Ziel, verschwindet mit einem hohlen Klacken im Loch. Hannah richtet sich auf und dreht sich zu mir um. Ihre Wangen sind leicht gerötet, und ich kann nicht sagen, ob von der Anstrengung oder von etwas anderem.

„Deine Runde“, sagt sie und reicht mir den Schläger.

Unsere Finger berühren sich beim Wechsel, und diesmal ist es mehr als ein zufälliges Streifen. Ihre Fingerkuppen bleiben auf meinem Handrücken liegen, leicht, fragend, als würden sie eine Tür nur einen Spaltbreit öffnen und darauf warten, dass ich sie aufstoße oder schließe. Ich schließe sie nicht. Stattdessen drehe ich meine Hand um, sodass unsere Handflächen einander zugewandt sind, und lasse meine Finger langsam zwischen ihre gleiten. Es ist eine winzige Bewegung, kaum sichtbar für jemanden, der uns beobachten würde, aber sie fühlt sich an wie ein Sprung von einer Klippe. Hannahs Atem stockt. Es ist nur ein kurzes Zögern im Rhythmus ihres Brustkorbs, aber ich höre es, spüre es in meinen eigenen Lungen, als wären wir durch einen unsichtbaren Faden verbunden.

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„Ich wollte das schon früher“, sagt Hannah leise. „An Bahn sieben, als du dich über das Wasserhindernis geärgert hast und deine Unterlippe so vorgeschoben hast, wie du es immer tust, wenn du frustriert bist.“

Mir wird warm bei dem Gedanken, dass sie mich so genau beobachtet. Dass sie Details an mir kennt, von denen ich nicht wusste, dass sie sichtbar sind. „Warum hast du nichts gesagt?“

„Weil es schön ist, sich Zeit zu lassen“, sagt sie. „Weil jeder Moment, in dem ich warte, die Spannung vergrößert. Wie bei einem Ball, der auf der Rampe zögert, bevor er ins Loch fällt.“

Ihre Worte sickern in mich ein wie warmes Wasser. Ich spüre das Knistern zwischen uns, dieses elektrische Feld, das entsteht, wenn zwei Körper sich nahe kommen, ohne sich zu berühren, wenn zwei Wünsche aufeinandertreffen und sich gegenseitig erkennen. Meine Kehle ist trocken, und mein Herz schlägt so heftig, dass ich sicher bin, Hannah kann es sehen, wenn sie auf meinen Hals blickt.

Der Lautsprecher knackt erneut. Diesmal ist es keine höfliche Erinnerung, sondern die direkte Aufforderung, die Schläger zurückzugeben. Der Kassierer ist in Sichtweite gekommen, ein Schatten hinter dem beleuchteten Häuschen, und seine Körperhaltung sagt deutlich: Beeilt euch. Ich löse mich widerwillig von Hannahs Blick und lege meinen Ball auf den Abschlag. Meine Bewegungen sind mechanisch, der Schlag ist unkonzentriert, der Ball springt irgendwohin, wo ich ihn nicht verfolge. Ich habe keine Ahnung, ob ich treffe oder nicht. Es spielt keine Rolle.

Hannah hat ihren Schläger bereits zurückgebracht. Sie steht am Rand der Bahn, das Gesicht halb im Schatten, halb im warmen Licht der Abschlussbeleuchtung. „Komm“, sagt sie einfach, und dieses eine Wort trägt das Gewicht einer Einladung, die über die Minigolfanlage hinausgeht. Ich bringe meinen Schläger zurück, nehme meine Tasche, und wir gehen gemeinsam durch das quietschende Metalltor, das der Kassierer bereits schließt, kaum dass wir hindurch sind. Hinter uns erlischt das Licht der Bahn achtzehn, aber vor uns liegt das gedämpfte Blau des Abendhimmels und, ganz nah, Hannahs Wagen.

Wir stehen auf dem leeren Parkplatz. Der Asphalt strahlt die gespeicherte Wärme des Tages ab, und irgendwo in der Ferne brummt der Verkehr. Ein Flugzeug zieht eine stumme Spur über den Himmel. Alles ist normal, alles ist, wie es immer ist, aber nichts fühlt sich normal an. Weil Hannahs Hand jetzt in meiner liegt und ihre Finger sich mit meinen verschränken, als wäre das die natürlichste Sache der Welt. Vielleicht ist es das auch. Vielleicht ist das, was sich so lange falsch angefühlt hat, nichts anderes als die Unterdrückung von etwas zutiefst Natürlichem.

„Ich will nicht, dass der Abend aufhört“, sage ich.

„Muss er auch nicht“, sagt Hannah.

Neben dem Golfplatz wird die Dämmerung zum ersten Bekenntnis

Ihr Auto ist ein kleiner Gebrauchtwagen, unaufgeräumt und gemütlich, mit einem Hauch von Kaffee in den Sitzen und einem angefangenen Hörbuch auf dem Display. Ich kenne dieses Auto, bin unzählige Male darin mitgefahren, aber noch nie war mir die Enge des Innenraums so bewusst wie jetzt. Die Scheiben sind von außen leicht beschlagen, die Welt draußen verschwimmt zu diffusen Lichtern, und wir sind allein. Vollkommen allein, eingeschlossen in dieser Blase aus Stoff und Metall und naher Atemluft. Hannah dreht den Zündschlüssel nicht um. Stattdessen dreht sie sich auf ihrem Sitz zu mir, den rechten Arm auf die Mittelkonsole gelegt, die Hand geöffnet, und wartet. Es ist dieselbe Geste wie vorhin an der Bande, das Angebot einer Berührung, und diesmal ergreife ich es ohne Zögern.

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„Ich bin nervös“, sage ich, und es ist die ehrlichste Aussage, die ich je gemacht habe.

„Ich auch“, sagt Hannah. „Das ist okay, oder?“

Ich nicke. Wir sitzen uns gegenüber, Hände ineinander, und es ist, als würden wir beide auf ein unsichtbares Startsignal warten. Dann hebt Hannah ihre freie Hand und legt sie an meine Wange. Ihre Finger sind warm, ein bisschen rau an den Kuppen, und sie streichen über meinen Wangenknochen, als würden sie Blindenschrift lesen, als wäre mein Gesicht ein Text, den sie auswendig lernen will. Ich schließe die Augen und gebe mich der Berührung hin. Es ist so lange her, dass mich jemand so berührt hat. So langsam. So absichtsvoll. Lesbisches Verlangen durchflutet mich in Wellen, die von diesem einzigen Kontaktpunkt ausgehen und sich in meinem ganzen Körper ausbreiten, bis in die Zehenspitzen und die Haarwurzeln.

„Schau mich an“, flüstert Hannah, und ich öffne die Augen. Ihr Gesicht ist ganz nah. Ihre Pupillen sind geweitet, die Iris ein tiefer See, in dem ich ertrinken könnte. „Ich möchte dich küssen, Mia. Darf ich?

„Ja“, sage ich, und das Wort ist kaum mehr als ein Hauch.

Ihr Kuss beginnt zögernd, nur ein sanftes Drücken der Lippen, ein Vorgeschmack, der mehr verspricht, als er gibt. Ich schmecke einen Rest von Pfefferminztee. Ihre Unterlippe ist weicher als alles, was ich mir vorgestellt habe, und der Kuss vertieft sich, als ich meine Hand in ihren Nacken lege und sie näher ziehe. Ihre Zunge tastet nach meiner, und das Geräusch, das in meiner Kehle entsteht, ist ein halb ersticktes Seufzen, das sich mit ihrem Atem vermischt. Wir küssen uns, und die Welt außerhalb des Autos hört auf zu existieren.

Ihre Hand ist von meiner Wange gewandert, den Hals hinunter, über das Schlüsselbein, und bleibt an meinem Ausschnitt liegen, wo sie die Grenze meines T-Shirts ertastet. Ihre Finger malen Muster auf meine bloße Haut, Kreise und Schleifen, die meine Nervenenden zum Singen bringen. Ich spüre, wie sich meine Brustwarzen unter dem Stoff zusammenziehen, wie mein Unterleib sich anspannt, wie meine Oberschenkel einander suchen und einen Druck erzeugen, der süß und quälend zugleich ist.

„Ich will dich fühlen“, murmelt Hannah gegen meinen Mund. „Mehr. Darf ich?“

Ich antworte, indem ich selbst ihr T-Shirt hochziehe, entschlossen, aber nicht hastig. Meine Finger finden den warmen Bund ihrer Jeans und schieben sich darunter, nur ein Stück, nur um die Haut an ihrer Hüfte zu finden. Hannah atmet scharf ein und lehnt sich zurück, gibt mir Raum, und ich nutze ihn. Ich ziehe ihr Shirt höher, entblöße ihren Bauch, die feine Linie von Härchen, die im Ziffernblatt des Armaturenbretts silbrig schimmert. Ich beuge mich vor und küsse diese Linie, lasse meine Zunge darüber gleiten, schmecke Salz und Seife und etwas, das einfach Hannah ist. Ihr Stöhnen ist leise, aber es erfüllt den Wagen, vibriert in den Scheiben, spiegelt sich in meinem eigenen Körper.

Sie zieht mich hoch, ihre Hände an meinem Gesicht, und küsst mich wieder, diesmal fordernder. Während unsere Münder verschlungen sind, öffnet sie den Knopf meiner Jeans, langsam, mit einer Geduld, die mich fast wahnsinnig macht. Der Reißverschluss gibt nach, und ihre Hand gleitet in meine Hose, aber sie verharrt dort, die Finger flach auf meinem Bauch, millimetergenau über dem Bund meines Slips. Eine letzte Frage. Eine letzte Schwelle. Ich schiebe meine Hüften nach vorn, dränge ihre Hand tiefer, und das ist Antwort genug.

Wo kein Hindernis mehr steht, nur noch verschlungene Hingabe

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Ihre Finger tauchen unter den Stoff, und der erste direkte Kontakt mit meiner Feuchtigkeit ist eine Erlösung, die mich aufstöhnen lässt. Ich bin nass, so unglaublich durchweicht, dass Hannahs Finger mühelos in mich gleiten, als wären sie dafür gemacht, diesen Weg zu finden. Sie bewegt sich in mir, erst langsam, dann in einem Rhythmus, der meinen Hüften befiehlt, ihr entgegenzukommen. Ich halte mich an ihren Schultern fest. Mein Kopf ist zurückgelehnt und meine Augen sind geschlossen. Ich überlasse mich vollkommen dieser Hand, die weiß, was sie tut. Sie liest mich wie eine Partitur und findet jede Stelle, die anschwellen will.

„Du bist so schön“, flüstert Hannah, und ihre Stimme ist heiser vor Erregung. „Ich habe so lange gewartet, dich so zu sehen.“

Ihre Finger krümmen sich, finden genau den Punkt, der alles in mir zusammenzieht, und ich keuche auf. Meine Jeans ist längst weiter heruntergerutscht, meine Schenkel liegen offen, so weit es die Enge des Sitzes zulässt, und Hannah arbeitet an mir mit einer Konzentration, die mich fast verlegen macht. Aber die Verlegenheit wird weggespült von den Wellen der Lust, die von ihrem Handgelenk ausgehen. Dies geschieht auch von der kreisenden Bewegung ihres Daumens auf meiner Klitoris und von den zwei Fingern in mir, die sich spreizen und wieder schließen und jede verborgene Faser zum Schwingen bringen.

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„Jetzt“, sage ich, und es ist keine Bitte, sondern eine Feststellung. „Ich komme.“

Mein Orgasmus ist kein plötzlicher Blitz, sondern eine Welle, die sich lange aufgebaut hat und nun über mir zusammenbricht. Ich zittere. Meine Muskeln ziehen sich um Hannahs Finger zusammen und meine Hüften pressen sich ihr entgegen. Ich schreie fast, aber der Laut wird von ihrem Mund aufgefangen, der sich auf meinen legt und mein Beben in sich aufnimmt. Es ist ein langer, tiefer Höhepunkt, der mich vollkommen ausfüllt und dann langsam verebbt und mich atmend und glühend zurücklässt.

Lange Momente sage ich nichts. Ich kann nichts sagen. Meine Stirn ruht an Hannahs Schläfe, und mein Atem geht stoßweise, während mein Körper nachzittert. Hannah hält mich, ihre Hand ruht immer noch an meinem Bauch, nass von mir, und sie streicht mir mit der anderen übers Haar. Es ist die zärtlichste Geste, die ich je erlebt habe, und sie bringt mir Tränen in die Augen, weil sie so selbstverständlich ist, so ohne Forderung, so voller Fürsorge.

Als ich wieder zu mir komme, sehe ich, dass Hannahs Augen glänzen. Ihr eigenes Verlangen ist unübersehbar – ihre angespannte Haltung, die geballten Fäuste, die Art, wie ihre Oberschenkel sich reiben. Ich richte mich auf, mein Körper noch träge von der Erschöpfung, aber bereits erfüllt von neuem Begehren, dem Begehren, ihr das zu geben, was sie mir geschenkt hat. Ich öffne ihren Gürtel, während meine Lippen über ihren Hals wandern, über die pulsierende Ader, die mir ihren Herzschlag verrät, der so schnell geht wie meiner. Ich knöpfe ihre Hose auf und ziehe sie ihr über die Hüften. Sie hilft mir, indem sie sich anhebt, und plötzlich ist sie unter mir, der Sitz halb zurückgelehnt, die Beine geöffnet, und ich beuge mich über sie wie über einen Schrein.

Mein Mund findet ihren Bauch, dann tiefer, die feuchte Spur meiner Zunge zeichnet den Weg vor, den ich gehen will. Ich schiebe ihren Slip beiseite und dann küsse ich sie dort, wo sie mich längst erwartet. Sie schmeckt nach Meer, nach Wärme, nach dem unverwechselbaren Geschmack einer erregten Frau, und ich trinke sie, als wäre ich jahrelang verdurstet. Meine Zunge malt Kreise um ihre Klitoris, während meine Finger in sie eindringen, zuerst einer, dann zwei. Ich spüre, wie ihre Wände sich um mich schließen, wie ihr Atem stoßweise geht, wie ihre Hände meinen Kopf halten und steuern.

„Genau da“, keucht sie. „Lass mich kommen.“

Ich lasse sie. Ich spüre, wie ihr Körper sich aufbäumt und wie ihre Schenkel meinen Kopf umschließen. Ein Schauer fährt durch sie hindurch und trägt sie für endlose Sekunden an einen Ort, an dem nur sie und diese Lust existieren. Ihr Stöhnen ist tief, fast ein Schluchzen, und ich halte sie, während sie fällt und wieder auftaucht, während ihre Augen sich öffnen und mich ansehen mit einem Blick, der alles verändert hat.

Das leise Echo einer Annäherung, die noch lange nachklingt

Später, viel später, als der Parkplatz nur noch eine schwarze Fläche ist und die Lichter der Anlage endgültig erloschen sind, liegen wir in Hannahs Auto. Die Sitze sind so weit zurückgestellt, wie es geht. Mein Kopf ruht an ihrer Schulter, mein Bein liegt über ihrem, und wir sind bedeckt mit meiner Jacke, die als improvisierte Decke dient. Der Stoff riecht nach Heu und frisch gemähtem Gras von einem Ausflug letzte Woche, und ich weiß, dass ich diesen Geruch nie wieder von diesem Abend trennen können werde. Das lesbische Verlangen, das uns hierher geführt hat, ist für einen Moment gestillt, aber ich spüre bereits, wie sich unter der Oberfläche der nächste Hunger regt. Nicht nur körperlich – obwohl auch das, ganz sicher –, sondern ein Hunger nach mehr. Nach Nähe, nach Wiederholung, nach dem, was aus dieser Nacht wachsen kann.

„Warst du schon immer …?“, frage ich und lasse den Satz in der Luft hängen.

„Ja“, sagt Hannah. „Und du?“

„Ich glaube, ich wusste es nur nicht. Oder ich wollte es nicht wissen.“ Ich hebe den Kopf und sehe sie an. „Bis heute.“

Hannah lächelt. Ein echtes Lächeln, das ihre Augen erreicht und kleine Fältchen in die Haut gräbt, die ich bisher nie bemerkt habe. „Und was hat heute den Ausschlag gegeben?“

„Du hast den Schläger gedreht“, sage ich. „So, wie du ihn in der Hand hattest. Ich konnte nicht anders, als hinzusehen. Und dann konnte ich nicht mehr wegsehen.“

„Der Minigolfschläger“, sagt Hannah und grinst. „Das ungewöhnlichste Aphrodisiakum der Welt.“

Wir lachen, leise, mit den Köpfen nah beieinander, und das Lachen ist wie ein Siegel auf dem, was zwischen uns passiert ist. Es macht es real, macht es alltäglich und doch besonders.

Die Nacht draußen ist jetzt vollständig, ein samtiges Blau, das nur von den fernen Straßenlaternen unterbrochen wird. Die Stille ist nicht unangenehm, sondern voller Nachklang. Meine Haut ist empfindlich, jeder Punkt, an dem Hannah mich berührt hat, speichert die Erinnerung wie eine kleine Batterie. Meine Brustwarzen schmerzen leicht, meine inneren Muskeln erinnern sich an die Dehnung, meine Lippen fühlen sich geschwollen an. Ich fühle mich lebendig, durchblutet, anwesend in meinem Körper auf eine Weise, die ich lange nicht erlebt habe.

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„Ich beabsichtige, dich wiederzusehen“, sagt Hannah. „Nicht erst in drei Wochen zum nächsten Minigolf.“

„Morgen“, sage ich. „Morgen Abend.“

„Zu früh?“

„Nein.“ Ich schüttle den Kopf. „Kein bisschen.“

Wir vereinbaren nichts Konkretes, keinen Ort, keine Zeit – das werden wir morgen klären, wenn die Köpfe klarer sind und die Knie nicht mehr weich von dem, was dieser Abend gebracht hat. Aber die Zusage steht, und sie ist das Einzige, was zählt. Eine Tür, die geöffnet wurde und die niemand mehr schließen wird.

Irgendwann richtet Hannah sich auf und dreht den Zündschlüssel. Der Motor erwacht mit einem sanften Brummen, die Scheinwerfer schneiden Kegel aus der Dunkelheit. Sie fährt mich nach Hause, quer durch die Stadt, und jede Ampel, an der wir halten, ist eine Gelegenheit, sich noch einmal zu küssen. Jeder Blick, den wir wechseln, ist eine Erinnerung daran, dass zwischen uns nichts mehr so sein wird, wie es vor diesem Abend war. Vor meinem Haus umarmen wir uns lange – nicht leidenschaftlich, sondern innig, die Umarmung zweier Menschen, die etwas gefunden haben, das zu suchen sie nie gewagt hätten.

Ich stehe auf dem Bürgersteig und sehe ihren Rücklichtern hinterher, bis sie um die Ecke verschwunden sind. Dann gehe ich hinein, schließe die Tür hinter mir und lehne mich dagegen, die Augen geschlossen. Meine Wohnung riecht nach Lavendel und Büchern, vertraut und fremd zugleich, als hätte ich sie mit neuen Augen gesehen. Ich öffne die Augen, sehe mein Spiegelbild im Flur, die zerzausten Haare, die verschwollenen Lippen, den Film von Schweiß auf der Stirn. Ich sehe eine Frau, die sich endlich getraut hat, die endlich hinsieht, die endlich fühlen kann, was sie sich so lange verboten hat.

In der Stille meiner Wohnung, umgeben von all den Gegenständen, die mein bisheriges Leben ausmachen, spüre ich, wie das lesbische Verlangen in mir weiterschwelt. Es ist kein Strohfeuer gewesen, keine einmalige Entladung. Es ist ein Teil von mir, der endlich Luft bekommt und der wachsen wird, solange ich ihn nähre. Und ich werde ihn nähren. Morgen Abend. Mit Hannah, die den Minigolfschläger so gedreht hat, dass mein ganzes Leben eine andere Richtung genommen hat.

Ich lächle mein Spiegelbild an, und zum ersten Mal seit Jahren macht esdies ehrlich zurück.

– ENDE –

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