Pure Anziehung zwischen Frauen
Ich wusste in dem Moment, als sie sich umdrehte und mich mit diesem halb verschwörerischen, halb herausfordernden Lächeln ansah, dass dieser Tag anders enden würde als geplant. Nicht dass ich Pläne hatte – ein Freizeitparkbesuch mit einer fast Fremden ist schon Planbruch genug. Aber was sich zwischen uns anbahnte, während wir in dieser scheinbar endlosen Schlange vor dem Colossos standen, das hatte nichts mit Achterbahnfahrten zu tun. Das war rohe, ungefilterte Anziehung zwischen Frauen, die sich nicht länger hinter Smalltalk und höflichen Blicken verstecken ließ.
»Wie lange stehen wir jetzt schon hier?«, fragte Sophie und stellte sich auf die Zehenspitzen, um an den Leuten vor uns vorbeizuspähen. Ihre Hand landete dabei an meinem Unterarm – ein beiläufiger Kontakt, der mich mehr elektrisierte, als ich zugeben wollte. Seit drei Stunden bewegten wir uns nun schon durch diesen Park. Wir waren zwei Frauen Anfang dreißig, die sich über gemeinsame Freunde kannten und beschlossen hatten, etwas Verrücktes zu tun: einen Samstag im Freizeitpark zu verbringen, ohne Anhang, ohne Kinder, ohne Männer. Einfach, weil wir beide eine Schwäche für Adrenalin und Zuckerwatte hatten.
»Eine Dreiviertelstunde«, sagte ich. »Mindestens.«
»Mindestens«, wiederholte sie und ließ ihre Hand an meinem Arm liegen. Ihre Finger waren warm, ein bisschen feucht vom Festhalten an den Stahlgriffen der vorherigen Fahrgeschäfte. Ich spürte jeden einzelnen davon durch den dünnen Stoff meiner Bluse.
Wir waren ein ungleiches Paar an diesem Vormittag gewesen. Sie hatte wilde dunkle Locken, die sie ständig aus dem Gesicht pustete. Ich hatte einen strengen Pferdeschwanz, den ich mir vor dem Spiegel im Bad akribisch gebunden hatte. Ich hatte den Eindruck, ich wollte mit dem Pferdeschwanz Ordnung in einen Tag bringen, der von Anfang an nach Kontrollverlust roch. Sophie trug ein ärmelloses Top, das ihre Schultern freilegte, diese Schultern mit den feinen Sommersprossen, die aussahen, als wären sie mit Goldstaub bestreut. Ich hatte sie den ganzen Tag schon angesehen, diese Schultern. Ich hatte beobachtet, wie sich die Muskeln darunter bewegten, wenn sie lachte, sich an den Wagen festhielt und Zuckerwatte von den Fingern leckte.
»Wenigstens ist es nicht so heiß«, sagte sie jetzt und sah zum Himmel. Graue Wolken hingen tief, die Luft war schwer und voller Spannung. Ein perfektes Spiegelbild dessen, was in mir vorging. Der Park summte um uns herum – Kindergeschrei, mechanisches Rattern von Fahrgeschäften, die blecherne Musik aus den Lautsprechern –, aber in unserem kleinen Universum zwischen den Absperrgittern der Warteschlange wurde es merkwürdig still.
»Sophie?«, hörte ich mich sagen, obwohl ich gar nicht wusste, was ich eigentlich fragen wollte.
Sie drehte sich wieder zu mir, und diesmal war sie näher als vorher. Ihre Hüfte streifte meine. Ein versehentlicher Kontakt, oder zumindest einer, den man als unbeabsichtigt abtun konnte.
»Ja?«
Ihre Augen waren von diesem unwahrscheinlichen Grün, das man sonst nur auf Instagram-Filtern sieht. Aber an ihr war es real, so echt wie der warme Geruch nach Sonnencreme und diesem blumigen Deo, das sie benutzte und das ich jetzt, so nah, ganz deutlich wahrnehmen konnte.
»Nichts«, murmelte ich. »Ich wollte nur deinen Namen sagen.«
Sie lächelte. Nicht dieses höfliche Kennenlerngrinsen von vorhin, sondern etwas Tieferes, das ihre Mundwinkel langsam hob, als würde sie einen Gedanken auskosten. »Sag ihn noch mal.«
Die Schlange rückte ein Stück vor. Wir bewegten uns mechanisch mit, als ob unsere Körper auf Autopilot liefen, während unsere Köpfe ganz woanders waren.
Der Moment, in dem sich die Warteschlange in einen Kokon verwandelte
Rückblickend war es genau dieser Moment, in dem sich die Dynamik zwischen uns verschob. Vielleicht lag es an der erzwungenen Nähe in der Schlange, vielleicht an der Mischung aus Vorfreude auf die Achterbahn und dieser seltsamen, kribbelnden Nervosität, die beide nichts mit der Fahrt selbst zu tun hatte. Der Park, die Menschen um uns herum, die quietschenden Geräusche des Freizeitparkbetriebs – alles trat in den Hintergrund. Was zählte, war Sophies Hand an meinem Arm und die Art, wie ihre Finger jetzt langsam, fast unmerklich, über meine Haut strichen.
»Entschuldigung«, flüsterte sie, »das ist ganz schön eng hier.« Und rückte noch ein Stück näher.
Ich sagte nichts. Ich konnte nicht. Mein Hals war wie zugeschnürt, und zwischen meinen Beinen begann ein dumpfes Pochen, das ich nur zu gut kannte und das ich den ganzen Tag schon zu ignorieren versucht hatte. Jedes Mal, wenn Sophie sich zu mir herüberbeugte, um eine Bemerkung über irgendein Fahrgeschäft zu machen, wenn ihre Brust dabei meinen Arm streifte, wenn sie lachte und ihren Kopf in den Nacken legte und ich die Sehnen an ihrem Hals sah und dachte: Wie würde es sich anfühlen, genau dort die Lippen aufzulegen?
»Es ist okay«, brachte ich schließlich heraus. »Es ist … gut so.«
Sie sah mich an. Sie sah mich wirklich an, mit einer Intensität, die mich durchfuhr wie ein Stromschlag. Und in diesem Blick lag etwas, das ich vorher nicht gesehen hatte, oder vielleicht nicht hatte sehen wollen: die gleiche unausgesprochene Spannung, die mich den ganzen Vormittag begleitete. Sophie spürte es auch. Sophie wollte es auch. Und Sophie, das wurde mir in diesem Moment klar, war nur darauf aus, den richtigen Vorwand zu finden, genau wie ich.
Ihre Finger wanderten höher, von meinem Unterarm zum Ellbogen, und verharrten dort. Eine Frage ohne Worte. Mein Atem ging schneller, und ich sah an uns herunter, auf diesen Punkt an meinem Arm, wo ihre Berührung kleine elektrische Impulse durch meinen ganzen Körper jagte. Ich wollte so viel mehr davon. Ich wollte ihre Hände überall.
»Lena«, sagte sie, und es war das erste Mal, dass sie meinen Namen aussprach, seit wir das Spielchen mit dem Namen-Sagen begonnen hatten. Er klang vollkommen anders aus ihrem Mund. Voll. Sinnlicher. So, als ob sie ihn schmeckte.
»Sophie«, antwortete ich, und auch mein Tonfall war nicht mehr derselbe. Es war ein Versprechen.
Die Leute vor uns unterhielten sich über die Achterbahn, eine Gruppe Jugendlicher alberte herum, irgendwo weinte ein Kind. Normales Freizeitpark-Chaos. Aber wir standen mittendrin wie in einer Glasglocke, abgeschirmt von der Welt, und diese Glasglocke wurde immer kleiner, immer enger, bis nur noch wir beide darin Platz hatten.
Sie hob ihre andere Hand und strich mir eine lose Haarsträhne aus der Stirn. Eine zärtliche Geste, viel zu vertraut für zwei Frauen, die sich kaum kannten. Ich schloss für eine Sekunde die Augen, einfach um die Berührung zu fühlen, die Wärme ihrer Finger an meiner Schläfe, das leise Kratzen ihrer Nägel auf meiner Kopfhaut. Als ich sie wieder öffnete, war ihr Gesicht nur noch wenige Zentimeter von meinem entfernt. Ich konnte die winzigen goldenen Sprenkel in ihren grünen Augen sehen, den leichten Glanz auf ihrer Stirn von der schwülen Luft, den feinen Riss in ihrer Unterlippe, wo die Haut ein bisschen trocken war vom Wind in den Fahrgeschäften.
»Ich möchte dich küssen«, sagte sie. Nicht als Frage. Nicht als Bitte. Einfach als Feststellung, so selbstverständlich wie das Rattern der Achterbahn über uns.
»Dann tu es«, flüsterte ich.
Und sie tat es.
Ihre Lippen legten sich auf meine, weich und warm und alles andere als zögerlich. Es war kein flüchtiger Kuss, kein Testballon. Sophie küsste mich mit einer Selbstverständlichkeit, die mir den Atem raubte, mit offenem Mund und einer forschenden Zunge, die gegen meine Lippen drückte und Einlass verlangte. Ich öffnete mich ihr, und der Geschmack von Zuckerwatte und Kaffee und etwas anderem, etwas, das einfach Sophie war, füllte meine Sinne.
Meine Hand fand wie von selbst ihre Taille, krallte sich in den Stoff ihres Tops, während ihre Finger sich in meinem Nacken verfingen und mich näher zogen. Der Kuss vertiefte sich und wurde fordernder. Ich spürte ein leises Stöhnen, das aus ihrer Kehle kam und direkt in meinem Körper landete, irgendwo tief unten, wo das Pochen jetzt zu einem drängenden Hämmern geworden war.
Als wir uns voneinander lösten, schwer atmend, mit glasigen Augen und geschwollenen Lippen, waren mindestens zwanzig Minuten vergangen, seit wir unser Gespräch begonnen hatten. Die Schlange hatte sich kaum bewegt. Um uns herum ging das Leben weiter, ungerührt, unbeeindruckt. Aber für mich würde nie wieder etwas sein wie vor diesem Kuss.
»Das wollte ich den ganzen Tag schon tun«, gestand Sophie und lehnte ihre Stirn gegen meine. »Seit wir uns heute Morgen getroffen haben. Als du aus deinem Auto gestiegen bist in diesem Kleid und mich angelächelt hast. Da wusste ich es.«
Der Staudamm bricht.

Ihr Geständnis löste etwas in mir aus. Eine Hemmschwelle, die ich den ganzen Vormittag mühsam aufrechterhalten hatte, brach mit einem Mal in sich zusammen, und was übrig blieb, war pure, unverfälschte Lust. Lust auf diese Frau, auf ihre Berührungen, auf alles, was noch kommen würde. Ich zog sie wieder an mich, diesmal heftiger, und presste meine Lippen auf ihre. Es war kein zärtlicher Kuss mehr, sondern ein hungriger und fordernder Kuss, der voller unausgesprochener Sehnsucht nach Wochen und Monaten ohne Zärtlichkeit war. Meine Zunge glitt tief in ihren Mund, und sie empfing mich mit derselben wilden Intensität.
»Ich beabsichtige, dich anzufassen«, flüsterte ich an ihren Lippen, ohne zu wissen, woher der Mut für diese Direktheit kam. Vielleicht war es die Anonymität der Schlange, in der wir nur zwei von Hunderten waren. Vielleicht war es das Adrenalin, das durch den Park pulsierte. Vielleicht war es einfach Sophie.
Sie lächelte gegen meinen Mund. »Hier?« Ihre Stimme war ein raues Flüstern. »Vor all den Leuten?«
»Ja«, sagte ich ohne Zögern. »Hier.«
Meine Hand, die immer noch an ihrer Taille lag, schob sich unter den Saum ihres Tops. Ich spürte die Hitze ihrer Haut, die sich samtig unter meinen Fingerspitzen anfühlte, das leichte Beben, das durch ihren Körper lief, als ich höher wanderte. Sophie schloss die Augen, ihre Lippen öffneten sich leicht, und ich sah, wie ihre Brust sich schneller hob und senkte.
»Lena«, hauchte sie. Kein Widerstand. Nur Hingabe.
Meine Finger erreichten den Bund ihres BHs, verharrten dort einen Moment, spielten mit dem elastischen Stoff. Die Schlange rückte wieder vor, und wir taumelten ein paar Schritte, ohne uns voneinander zu lösen, ein synchrontanzendes Paar inmitten der Wartenden. Niemand beachtete uns, zu sehr war jeder mit sich selbst beschäftigt, mit Warten, mit Langeweile, mit Vorfreude auf die Fahrt.
Ich ließ meine Hand weiter nach oben gleiten, schob den BH zur Seite und umfasste ihre Brust. Sie war voll und warm, und ihr Nippel war hart unter meiner Handfläche. Sophie stöhnte leise auf und biss sich auf die Unterlippe, um ruhiger zu sein. Ihr Kopf sank gegen meine Schulter, und ihre eigenen Hände, die nicht untätig bleiben wollten, wanderten meinen Rücken hinab bis zum Ansatz meines Rocks.
»Wir sollten aufhören«, murmelte sie, aber ihre Hände taten genau das Gegenteil. Sie schoben sich unter den Stoff meines Rocks, fanden die nackte Haut meiner Oberschenkel, und ich erschauerte unter der Berührung. Ihre Finger waren leicht rau von den Stahlgriffen der Fahrgeschäfte, aber sanft, so sanft, während sie Kreise auf meine Haut malten, die immer weiter nach oben führten.
»Sollten wir?«, fragte ich und sah sie an. Sie hatte die Augen halb geschlossen, ihre Wangen glühten, und ich wusste, dass sie genauso erregt war wie ich. Dass sie genauso wenig aufhören würde wie ich.
»Nein«, gab sie zu, und ihre Finger erreichten den Saum meines Slips. Sie zögerte nur eine Sekunde, dann schob sie den Stoff zur Seite, und ich spürte ihre Fingerspitzen an meiner empfindlichsten Stelle. Ein Schauer durchlief meinen ganzen Körper, und ich musste mich an ihrer Schulter festhalten, um nicht laut aufzustöhnen.
»Du bist so feucht«, flüsterte sie anerkennend, während ihre Finger mich erkundeten, langsam, mit einem Rhythmus, der mich fast um den Verstand brachte. »So unglaublich feucht. Ist das alles für mich?«
»Alles für dich«, presste ich hervor. »Nur für dich.«
Ihre andere Hand lag in meinem Nacken und hielt mich fest, während sie mich weiter streichelte, mit kreisenden Bewegungen, die mich höher und immer weiter trieben. Ich hatte vergessen, wo wir waren, vergessen, dass Dutzende von Menschen um uns herumstanden. Meine Welt bestand nur noch aus Sophies Fingern, die mich berührten, aus ihrem heißen Atem an meinem Ohr und aus den leisen Stöhnlauten, die sie ausstieß. Sie beobachtete mich und studierte meine Reaktionen wie eine Landkarte, die sie sich einprägen wollte.
Ich spürte den Druck in mir wachsen, dieses vertraute Ziehen, das sich immer weiter aufbaute wie die Achterbahn, die wir eigentlich besteigen wollten – langsam, Stück für Stück, kurz vor dem unvermeidlichen Sturz. Aber ich wollte noch nicht kommen. Bisher nicht. Ich wollte sie auch fühlen, wollte in ihr sein, sie genauso zittern sehen wie sie mich.
»Jetzt du«, sagte ich und griff nach ihrer Hand, zog sie weg von mir, obwohl mein Körper protestierte.
»Ich dachte, du beabsichtigst, mich anzufassen«, neckte sie mit rauer Stimme.
»Das will ich. Das will ich so sehr.« Und ich ließ meinen Worten Taten folgen. Meine Hand glitt unter ihr Top, fand ihre Brust und umfasste sie fester diesmal. Ich senkte den Kopf und zog den Stoff zur Seite, bis ich ihren Nippel mit den Lippen umschließen konnte. Sophie keuchte auf und krallte ihre Hände in meine Schultern. Während meine Zunge den harten Knopf umspielte, saugte ich daran und reizte ihn zwischen meinen Zähnen, bis sie sich an mir festhielt wie eine Ertrinkende an einem Rettungsring.
»Oh Gott«, stieß sie aus, und ich spürte, wie ihre Knie weich wurden. »Lena, das ist … das ist unglaublich.«
Ich ließ meine Hand tiefer gleiten, über ihren Bauch, der unter meiner Berührung flatterte, weiter, bis meine Finger am Bund ihrer Shorts ankamen. Ohne Vorwarnung öffnete ich den Knopf und schob meine Hand in ihre Hose, direkt unter den Stoff ihres Slips, und fand sie genauso feucht vor, wie sie mich vorgefunden hatte. Ihr Aufstöhnen war lauter diesmal, so laut, dass der Typ vor uns sich kurz umdrehte. Aber Sophie presste ihr Gesicht in meine Halsbeuge und erstickte das Geräusch an meiner Haut.
Ich bewegte meine Finger in ihr, langsam zuerst, dann schneller, fand den Rhythmus, den sie brauchte, spürte, wie sie sich um mich herum zusammenzog. Ihre Hüften begannen, sich gegen meine Hand zu bewegen, und ihr Atem wurde zu einem hastigen Keuchen, das mich fast wahnsinnig machte. Ich wollte sie kommen sehen, jetzt, in dieser Schlange, unter meinen Fingern, vor all den ahnungslosen Menschen. Aber vor allem wollte ich den Ausdruck auf ihrem Gesicht sehen, wenn sie fiel.
»Sieh mich an«, flüsterte ich. »Sophie, sieh mich an, wenn du kommst.«
Sie hob den Kopf von meiner Schulter, ihre Augen waren verschleiert vor Lust, ihre Lippen geöffnet, das Grün ihrer Iris fast vollständig von Pupillen verdrängt. Wir sahen uns an. Ich spürte, wie ihre Muskeln sich um meine Finger verkrampften und wie ihr Körper sich anspannte. Dann, endlich, ließ sie in einem langgezogenen Beben los, das sie von Kopf bis Fuß durchschüttelte. Ihr Mund formte meinen Namen, ohne Laut, während sie kam, und es war das Schönste, was ich je gesehen hatte.
Ich hielt sie, als sie sich wieder beruhigte, ließ meine Hände sanft auf ihrer Haut liegen, bis die letzte Welle verebbt war. Die Schlange war ein gutes Stück vorgerückt, ohne dass wir es gemerkt hatten.
Freier Fall ohne Netz und Boden
Sophie brauchte einen Moment, um sich zu sammeln. Dann, ohne Vorwarnung, packte sie mein Handgelenk und zog mich aus der Schlange heraus, vorbei an verwirrten Gesichtern und einem genervten »Hey!« von irgendwo hinter uns. Sie lief zielstrebig auf etwas zu, und ich folgte ihr, wie ich ihr in diesem Moment überallhin gefolgt wäre.
Sie steuerte auf ein kleines, verstecktes Häuschen zu, eingezwängt zwischen einem Souvenirstand und dem Ausgang eines Fahrgeschäfts. Ich erkannte es als Behindertentoilette, als sie die Tür öffnete und mich hineinzog. Die Tür fiel hinter uns ins Schloss, und Sophie schob mich gegen das Waschbecken, ihre Hände auf meinen Schultern, ihre Augen funkelnd mit einer Intensität, die mich erschauern ließ.
»Jetzt bin ich dran«, sagte sie, und ihre Stimme war tiefer als vorher, ein kehliges Knurren, das direkt in meinem Unterleib landete und dort ein neues Feuer entfachte.
Der Raum war eng, funktional, mit kalten Kacheln und dem Geruch von Desinfektionsmittel. Aber jetzt, mit Sophie, die mich gegen das Waschbecken presste und meinen Rock mit einer entschlossenen Bewegung bis über die Hüften schob, verwandelte er sich in das erotischste Schlafzimmer, in dem ich je gewesen war.
Sie ging vor mir auf die Knie, mitten auf dem gefliesten Boden, und ich vergaß zu atmen. Ihre Hände lagen auf meinen Oberschenkeln, ihre Daumen zeichneten langsame Kreise auf meine erhitzte Haut, während sie zu mir aufsah. Das Bild, das sie bot – kniend vor mir, die wilden Locken zerzaust, die Lippen noch geschwollen von unseren Küssen, die Augen voller Verlangen – brannte sich in mein Gedächtnis.
»Ich will dich zu schmecken«, sagte sie schlicht, und dann zog sie mir mit einer einzigen fließenden Bewegung den Slip herunter. Der kühle Luftzug auf meiner feuchten Haut ließ mich zusammenzucken, aber nur für eine Sekunde. Dann beugte Sophie sich vor, und ihre Zunge glitt in mich hinein, und nichts, absolut nichts hätte mich auf dieses Gefühl vorbereiten können.
Ich griff hinter mich, suchte Halt am Waschbecken, während ihre Zunge mich erkundete, langsam und gründlich, als hätte sie alle Zeit der Welt. Sie leckte mich von unten bis oben, umspielte meine Klitoris mit der Spitze ihrer Zunge, bis ich am ganzen Leib zitterte und nicht mehr wusste, wie ich stehen sollte. Meine Knie waren weich wie Wachs, und das Einzige, was mich aufrecht hielt, waren das Waschbecken im Rücken und Sophies fester Griff um meine Hüften.
»Oh mein Gott«, stöhnte ich, und die Worte hallten von den Kachelwänden wider, vermischten sich mit dem Geräusch ihrer Zunge, die mich bearbeitete. Sie lachte leise, ein vibrierendes Summen gegen meine empfindlichste Stelle, und ich dachte, ich würde durchdrehen.
Sie löste sich für einen Moment von mir, nur um zu sagen: »Du schmeckst fantastisch. Noch besser, als ich es mir vorgestellt habe.« Und dann tauchte sie wieder ein, diesmal mit zwei Fingern zusätzlich zu ihrer Zunge, und der doppelte Reiz war fast zu viel. Ich fühlte mich ausgefüllt und gleichzeitig umspielt, und der Druck in mir baute sich auf wie die Spannung kurz vor dem Sturm, der draußen über dem Freizeitpark hing.
Sophie fand einen Rhythmus, der mich immer weiter trieb, ihre Finger in mir, ihre Zunge auf mir, ihre andere Hand fest an meinem Hintern, der mich hielt, lenkte, dirigierte. Ich spürte den Orgasmus kommen, unausweichlich wie die Schwerkraft, und ich ließ mich fallen in das Gefühl, gab mich ganz der Lust hin, die Sophie mir schenkte.
»Komm für mich«, murmelte sie gegen meine Haut, und ihre Worte, die Vibration ihrer Stimme, ihre Zunge, ihre Finger – alles kippte über in einen Moment reinen Feuers, der mich durchfuhr, als wäre ich eins mit dem Blitz, der draußen am Himmel zuckte. Ich schrie auf, lauter, als ich wollte, hörbarer, als ich konnte. Sophie hielt mich, während mein Körper bebte und zuckte unter ihrem Mund, während die Wellen der Lust durch mich hindurchrollten, eine nach der anderen. Schließlich sackte ich erschöpft zusammen.
Sie fing mich auf, zog mich zu sich herunter auf den Boden und wir saßen zwischen Waschbecken und Tür. Wir waren zwei erwachsene Frauen, die gerade auf einer Behindertentoilette im Freizeitpark die außergewöhnlichste sexuelle Erfahrung ihres Lebens gehabt hatten. Ich lehnte meinen Kopf an ihre Schulter und lachte leise, ein Lachen, das halb Schluchzen war, halb Befreiung.
»Wow«, brachte ich schließlich heraus. »Einfach nur … wow.«
Sophie küsste meine Schläfe, zärtlich jetzt, vorsichtig, als ob etwas Zerbrechliches zwischen uns geworden war, das sie nicht zerstören wollte. »Dito«, flüsterte sie.
Aufstieg und Ausblick – eine Fahrt, die nie endet
Wir blieben noch eine Weile auf dem Boden sitzen, sortierten unsere Kleidung, arrangierten uns selbst. Der Sturm draußen war näher gekommen, und durch das kleine Fenster der Toilette hörte ich das erste ferne Donnergrollen. Ironisch eigentlich – wir waren nicht Achterbahn gefahren, aber ich hatte das Gefühl, mehr Loopings gemacht zu haben als in jeder Fahrt zuvor.
»Glaubst du, die haben uns vermisst?«, fragte Sophie mit einem schiefen Grinsen. »In der Schlange, meine ich.«
»Ich glaube, die haben uns längst abgeschrieben«, sagte ich und stand auf. Meine Beine waren immer noch ein wenig wackelig.
Auch Sophie erhob sich, und wir betrachteten uns im Spiegel über dem Waschbecken. Zwei Frauen mit zerzausten Haaren, glühenden Wangen und Lippen, die zu viel gelächelt und zu viel geküsst hatten. Sophie legte von hinten ihre Arme um meine Taille und zog mich an sich. Ich sah unseren Spiegelungen zu, wie wir so dastanden, ihre Hände auf meinem Bauch, ihr Kinn auf meiner Schulter.
»Was jetzt?«, fragte sie.
Ich drehte mich in ihren Armen um, bis ich ihr ins Gesicht sehen konnte. Ihr Gesicht, das mir noch vor ein paar Stunden so neu gewesen war, fühlte sich jetzt vertraut an wie mein eigenes. Ich kannte die winzigen Sprenkel in ihren Augen, die raue Stelle an ihrer Unterlippe, den Geruch ihrer Haut. Ich kannte ihren Geschmack und ihre Geräusche und die Art, wie ihre Hände sich anfühlten auf meiner Haut.
»Jetzt«, sagte ich und küsste ihre Nasenspitze, »holen wir uns erst mal eine Zuckerwatte. Und dann fahren wir Achterbahn. Und dann …«
»Und dann?«
»Und dann nehme ich dich mit zu mir. Oder zu dir. Oder irgendwohin, wo wir ein Bett haben und mehr Zeit und keine fluoreszierenden Röhren über uns.«
Sophie lachte, dieses offene, warme Lachen, das ich den ganzen Tag so geliebt hatte. »Das klingt nach einem perfekten Plan.«
Wir verließen die Toilette zwanzig Minuten später, mit gewaschenen Händen und so ordentlicher Kleidung, wie man sie nach einem Quickie in einem Freizeitpark eben haben kann. Draußen hatte sich der Himmel noch weiter verdunkelt, und der Wind trieb Papierreste und leere Zuckerwattetüten über den Asphalt. Aber die Achterbahn fuhr noch, und das würde sie auch noch eine Weile tun. Genau wie wir.
Während wir auf die Colossos-Warteschlange zugingen – ein zweiter Anlauf sozusagen, diesmal Hand in Hand und ohne die bohrende Frage, ob die andere auch dasselbe fühlt –, dachte ich über das nach, was vorgefallen war. Über diese unbändige Anziehung zwischen Frauen, die sich nicht erklären ließ, die einfach da war, so selbstverständlich wie der Sturm über uns, so elementar wie das Adrenalin in unserem Blut. Ich hatte noch nie so schnell so viel für einen Menschen empfunden. Ein Tag im Freizeitpark, ein bisschen Warten in der Schlange, und mein ganzes Gefühlsleben stand Kopf.
»Weißt du, was das Beste ist?«, sagte Sophie, als wären meine Gedanken auf sie übergesprungen.
»Was denn?«
»Dass der Tag noch so lang ist. Und wir beide so viel Zeit haben.«
Sie drückte meine Hand, und ich mit ihr, und über uns ratterte die Achterbahn mit kreischenden Fahrgästen, und ich dachte: Ja, wir haben Zeit. Wir haben alle Zeit der Welt.
Die Schlange vor dem Colossos war noch lächerlich lang, aber das war in Ordnung. Ich freute mich schon aufs Anstehen.
– ENDE –
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