Lesbische Verführung
Der Regen hatte die alte Feldsteinmühle fest im Griff, als Svenja den Mietwagen auf dem knirschenden Kiesweg zum Stehen brachte. Die Scheibenwischer kämpften einen aussichtslosen Kampf gegen die Wassermassen, die seit Frankfurt unablässig auf sie herabgeprasselt waren. Durch die Tropfen hindurch erkannte sie die Silhouette des Gebäudes – massiv, verwittert, mit dunklen Fensterhöhlen, die sie an Augen erinnerten, die längst zu viel gesehen hatten.
Das Mühlenrad, gigantisch und moosbewachsen, stand still. Irgendwo in der Ferne grollte ein Gewitter.
Sie zog den Schlüssel aus der Zündung und lauschte einen Moment dem Regen, der auf das Wagendach trommelte. Ihr eigenes Spiegelbild blickte ihr aus der beschlagenen Seitenscheibe entgegen – die dunklen Haare feucht vom Versuch, das Gepäck einzuladen, die Augen etwas müde von der Fahrt. Achtunddreißig. Geschieden seit zwei Jahren. Und jetzt das hier: eine Woche Auszeit in einer Mühle, von der ihre beste Freundin geschwärmt hatte wie von einem geheimen Liebesnest.
Franziska würde erst morgen eintreffen. Ein Tag nur für sie allein. Ein Tag, um anzukommen, um sich zu sortieren, bevor dieser seltsame, unausgesprochene Pakt zwischen ihnen in Kraft trat. Eine Woche gemeinsam, eine Woche, von der beide wussten, dass sie mehr war als ein Urlaub unter Freundinnen. Das letzte Telefonat hatte in Svenjas Brustkorb noch tagelang nachgeschwungen, Franziskas leises: „Ich freue mich auf dich.“ Wirklich. So sehr.
Sie stieg aus, rannte die drei Stufen zur schweren Eichentür hinauf und schob den altmodischen Schlüssel ins Schloss. Drinnen empfing sie ein Geruch, der sofort ihre Sinne weitete – altes Holz, Bienenwachs, ein Hauch von Rauch, als hätte jemand vor Tagen einen Kamin angezündet. Die Diele öffnete sich zu einem Raum, der einmal der Mahlboden gewesen sein musste. Jetzt standen dort lederne Sessel um einen offenen Kamin, die Deckenbalken waren dunkel gebeizt, und irgendwo summte leise die Fußbodenheizung gegen die Feuchtigkeit der Mauern an.
Svenja ließ ihre Tasche auf die Fliesen fallen. Es gab kein Zurück mehr. Sie spürte es mit einer Klarheit, die fast körperlich war.
Die Mühle roch nach Möglichkeit. Nach etwas, das noch nicht geschehen war, aber in der Luft lag wie das Gewitter draußen – elektrisch, wartend, unvermeidlich. Langsam ging sie durch die Räume, strich mit den Fingerspitzen über die kühlen Wände, die das Wasser seit Jahrhunderten kannten. Die Küche war klein, aber fein ausgestattet, der Holztisch trug die Spuren vieler Mahlzeiten, und auf der Fensterbank stand ein Glas mit getrockneten Lavendelstängeln, die jemand liebevoll zu einem Bündel geschnürt hatte. Franziskas Handschrift war das. Bestimmt. Auch wenn Svenja es nicht wissen konnte, spürte sie es in jeder Faser.
Das Schlafzimmer lag unter dem Dach. Die Balken waren schräg und niedrig. Das Bett war breit und mit Leinen bezogen, das nach Waschmittel roch, aber auch nach dem, was zwischen den Fasern lebte. Ein leichter Hauch von Moschus vielleicht, etwas Animalisches, das die Textilien aufgesogen hatten wie ein stummes Gedächtnis. Svenja trat ans Fenster und sah auf das regennasse Mühlrad hinab. Das Wasser lief in Rinnsalen über das Holz, als ob es weinte.
Sie zog sich aus, langsam, ohne Eile. Die feuchten Kleider fielen auf einen Stuhl. Ihre Haut roch nach Regen und nach der langen Fahrt. Sie würde ein Bad nehmen müssen, sich einweichen lassen von der Wärme, bevor morgen alles begann – oder vielleicht schon heute Nacht, in ihren Gedanken, in ihren Träumen. Denn Franziska würde kommen, und mit ihr alles, was seit Monaten zwischen ihnen unausgesprochen schwelte wie Torf unter der Erde.
Die Badewanne stand frei im Raum, eine kupferne Schönheit, die das Wasser mit einem sanften metallischen Klang empfing. Svenja ließ sich hineinsinken, spürte die Wärme ihre Muskulatur umschmeicheln, ihre Schenkel, ihren Bauch. Der Dampf stieg auf, kräuselte sich vor ihrem Gesicht. Sie schloss die Augen und dachte an Franziskas Stimme. An die Art, wie sie ihren Namen aussprach – Svenja –, immer mit dieser winzigen Pause vor dem ersten Konsonanten, als müsste sie Anlauf nehmen für das, was dann kam.
Das Wasser strich über ihre Brustwarzen, die sich unter der Berührung aufrichteten. Sie atmete tief ein und roch den Lavendel aus der Küche, der durch die offenen Türen zu ihr herüberwehte. Alles hier war eine Einladung. Alles wartete.
Die Stille vor dem Mahl
Am nächsten Morgen war der Regen einer bleiernen Stille gewichen. Die Wolken hingen tief, aber sie hatten aufgehört, sich zu entleeren, als hielte der Himmel den Atem an. Svenja erwachte früh, viel zu früh, mit diesem Kribbeln im Solarplexus, das nur bevorstehende Begegnungen auslösen – Begegnungen, auf die der Körper längst eingestimmt war, bevor der Verstand sie einordnen konnte.
Sie trat barfuß auf die Terrasse, die jemand an die Südseite der Mühle gebaut hatte, eine simple Holzkonstruktion, die jetzt dunkel vom Regen glänzte. Der Kies unter ihren Sohlen war kalt. Sie trug nur ein Hemd, das sie aus dem Koffer gezogen hatte, ohne nachzudenken. Es war ein altes Leinenhemd von ihrem Exmann, das sie aus irgendeinem Grund behalten hatte – vielleicht weil es so weich war, so körperlos, ein Textil, das nichts von ihr verlangte.
Der Kaffee dampfte zwischen ihren Händen. Sie wartete.
Und dann, kurz nach neun, hörte sie das Auto. Kein Knirschen diesmal, sondern das satte Brummen eines Motors, der den Weg kannte. Franziska fuhr einen alten Volvo, Baujahr irgendwann in den Neunzigern, mit Ledersitzen, die nach Leben rochen. Als sie ausstieg – heller Leinenmantel, die blonden Haare hochgesteckt – blieb Svenjas Herz kurz stehen. Nicht, weil Franziska so schön war, obwohl sie das war. Sondern weil sie so genau so aussah wie die Frau, die Svenja in den letzten Monaten in ihren Gedanken getragen hatte. Die gleiche Frau. Die gleiche Neigung des Kopfes. Das selbe Lächeln, das nicht ganz vollständig war, weil es etwas zurückhielt, eine Frage vielleicht, ein Angebot.
Sie umarmten sich. Und es war anders als sonst. Ihre Körper berührten sich an mehr Punkten. Franziskas Hand lag tiefer an Svenjas Rücken. Ihre Wange blieb länger an Svenjas Hals. Und als sie sich lösten, blieb etwas zwischen ihnen, ein Faden aus Wärme, der nicht mehr abriss.
»Du hast Lavendel mitgebracht«, sagte Svenja, weil sie etwas sagen musste.
»Erinnerst du dich?« Franziska lächelte, und jetzt war es vollständig. »Du hast mal gesagt, Lavendel wäre der Geruch von Nachhausekommen.«
Innen legten sie Franziskas Sachen ab. Der Tag verging in kleinen Handlungen – Brot schneiden, Käse auspacken, Weinflaschen entkorken, obwohl es noch früh war. Die Mühle summte um sie herum, als wäre sie Teil des Geschehens, als hätte sie längst begriffen, was die beiden Frauen noch nicht aussprachen.
Am Nachmittag machten sie einen Spaziergang. Der Weg führte am Mühlbach entlang, der träge und braun zwischen Erlen dahinfloss. Moos überzog die Steine, die Luft roch nach Erde und nach dem, was unter der Erde lebte. Sie gingen dicht nebeneinander her, und irgendwann streifte Franziskas Hand Svenjas Finger, ein winziger Kontakt, den keine von beiden kommentierte. Aber Svenja spürte ihn noch Minuten später, als wäre er in ihre Haut eingebrannt.
»Warum hast du eigentlich gesagt, dass du mitkommst?«, fragte Svenja, als sie an einer Biegung des Weges stehen blieben. Vor ihnen öffnete sich der Blick auf eine Wiese, die im fahlen Licht des bedeckten Himmels dalag wie ein Versprechen.
Franziska sah sie an. Ihre Augen hatten einen Grauton, der je nach Licht blau oder grün wirkte, und jetzt wirkten sie blau. Tiefblau. »Weil ich nicht mehr so tun will. Weil ich jeden Abend eingeschlafen bin und an dich gedacht habe. Weil es mich zerrissen hat, Svenja. Dieses Nichtwissen. Dieses Warten.«
Svenja atmete aus. Der Atem formte eine kleine Wolke vor ihrem Gesicht, obwohl es nicht kalt war. »Und jetzt?«
»Jetzt bin ich hier.«
Was unter der Oberfläche liegt
Der Abend kam rasch in der Mühle, schneller als draußen in der Welt, als zöge das alte Gemäuer die Dunkelheit an wie ein durstiger Schwamm. Sie hatten den Kamin angezündet, das erste Mal in dieser Woche, und das Feuer fraß sich durch die Scheite mit einem Eifer, der Svenja unanständig vorkam. Vielleicht lag es an ihr. Vielleicht war alles unanständig, wenn man es durch die richtige Linse betrachtete.
Franziska saß im Sessel gegenüber, die Beine untergeschlagen, ein Glas Rotwein in der Hand, das sie nicht trank, sondern nur hielt, als bräuchte sie etwas zum Festhalten. Der Feuerschein malte wandernde Schatten auf ihr Gesicht, auf ihren Hals, auf den Ansatz ihres Dekolletés, wo das Hemd einen Knopf zu wenig geschlossen hatte – oder genau die richtige Anzahl. Svenjas Blick glitt immer wieder dorthin, zu diesem kleinen Dreieck Haut, das sie kannte und doch nicht kannte, jedenfalls nicht so, nicht in diesem Licht.
»Du starrst«, sagte Franziska, aber es war kein Vorwurf.
»Ja.«
Mehr sagte Svenja nicht. Sie wollte keine Erklärungen liefern, keine Rechtfertigungen für das, was ihr Körper längst beschlossen hatte. Stattdessen stand sie auf, ging zum Kamin hinüber, kniete sich vor das Feuer. Die Hitze schlug ihr entgegen, eine trockene Welle, die ihre Wangen rötete und ihre Augen zum Tränen brachte. Sie legte ein neues Scheit auf, sah zu, wie die Flammen es ergriffen.
Hinter ihr knarzte der Sessel. Dann waren Schritte da, barfuß auf den alten Dielen, und dann Franziskas Hand an ihrer Schulter. Leicht. Fragend.
»Ich will dich küssen«, sagte Franiska. Die Worte fielen einfach so, ohne Vorwarnung, ohne die mindeste dramaturgische Vorbereitung. Sie fielen, und sie lagen im Raum, und sie warteten darauf, aufgenommen zu werden.
Svenja drehte sich um. Ihre Knie schmerzten vom harten Holz, aber das war nebensächlich, ein körperliches Detail, das sofort bedeutungslos wurde, als sie in Franziskas Gesicht blickte. Es war offen. Völlig offen. Alle Masken gefallen, alle Vorsicht verbraucht.
»Dann tu es«, sagte Svenja.
Und Franiska tat es.
Ihre Lippen waren weicher, als Svenja sie sich je vorgestellt hatte. Und sie hatte sie sich oft vorgestellt, in den Nächten allein in ihrer Wohnung, wenn der Mond durch die Jalousien schnitt und ihr Bett zu weitläufig war für einen Körper. Jetzt waren sie hier, diese Lippen, echt und warm und schmeckend nach Rotwein und nach etwas darunter, etwas Salzigem, etwas, das nur Franziska war.
Der Kuss begann vorsichtig, eine Frage, die auf Antwort wartete. Svenja gab sie, ohne zu zögern. Ihre Münder öffneten sich gleichzeitig. Ihre Zungen fanden sich, berührten sich, zogen sich zurück und suchten sich wieder. Es war ein Tanz, der so alt war wie die Mühle selbst, ein Mahlen, ein Zerreiben von Zweifeln zu etwas Neuem.
Franziskas Hände legten sich um Svenjas Gesicht, hielten es, als wäre es etwas Zerbrechliches, das sie nicht fallen lassen durfte. Ihre Daumen strichen über Svenjas Wangenknochen, und Svenja spürte jeden Millimeter dieser Berührung, als hätte sie nie zuvor Haut auf Haut gespürt. Ihr eigener Körper antwortete, lange bevor sie es ihm befahl – ihre Brustwarzen zogen sich zusammen unter dem Leinenhemd, zwischen ihren Schenkeln entstand eine Wärme, die nichts mit dem Kamin zu tun hatte.
»Ich habe dich so lang gewollt«, murmelte Franziska in Svenjas Mund. Die Worte waren undeutlich, halb verschluckt vom Kuss, aber Svenja verstand sie trotzdem. Sie verstand sie mit jeder Zelle.
»Dann nimm mich.«
Es war nicht geplant gewesen, diese Antwort. Aber sie kam, und sie war richtig. Sie war das Einzige, was jetzt noch zu sagen war, nach all den Monaten der Andeutungen, der Blicke, der Telefonate, die zu lang dauerten, um nur freundschaftlich zu sein. Nach dem Jahr der Scheidung, in dem Franziska ihre Hand gehalten hatte, ohne Fragen zu stellen. Nach dem Abend im Sommer, als sie zusammen auf dem Balkon gesessen und geschwiegen hatten und Svenja gemerkt hatte, dass das Schweigen zwischen ihnen lauter war als jedes Gespräch.
Franziska zog sie hoch. Ihre Knie knackten, ihre Körper fanden eine neue Nähe, Brust an Brust, Bauch an Bauch. Svenja konnte Franziskas Herzschlag spüren, ein hämmerndes Pochen, das direkt in ihre eigenen Rippen übertragen wurde. Oder war das ihr eigenes Herz? Sie wusste es nicht mehr. Die Grenzen verschwammen, die Körper wurden eins in ihrer Wahrnehmung, zwei Wesen, die dasselbe wollten.
»Nicht hier«, sagte Franziska. »Das Feuer ist zu laut.«
Svenja verstand sofort. Nicht das Knistern der Flammen war zu laut. Sondern das, was kommen würde. Die Laute, die sie machen würden, brauchten Stille. Oder etwas anderes, das sie trug.
Sie gingen die Treppe hinauf, Hand in Hand, und jede Stufe war eine Entscheidung.
Das Mahlen der Körper

Das Schlafzimmer unter dem Dach empfing sie mit einer Stille, die nur vom Regen draußen gebrochen wurde – einem feinen Sprühen jetzt, das gegen die Schindeln rieselte wie Seide. Das Bett war aufgeschlagen, das Leinen kühl unter Svenjas Fingern, als sie sich darauf niederließ. Franziska blieb vor ihr stehen, eine Silhouette gegen das letzte Tageslicht, das durch die Dachluke fiel.
Langsam, mit Bedacht, öffnete sie die Knöpfe ihrer Bluse. Svenja sah zu, ohne zu blinzeln. Jeder Knopf ein Versprechen. Jeder Zentimeter Haut, der freigelegt wurde, eine Antwort auf Fragen, die sie nie gestellt hatte, aber deren Lösungen sie längst kannte. Franziskas Brüste lagen unter dem Stoff wie zwei Geheimnisse, die endlich gelüftet werden wollten – schwer, blass, mit dunklen Höfen, die sich im kühlen Raum zusammengezogen hatten.
»Komm her«, sagte Svenja, und ihre Stimme war rau, als hätte sie zu lange geschwiegen.
Franziska kam. Sie kniete sich über Svenja, ihre Schenkel zu beiden Seiten von deren Hüften, und dann beugte sie sich hinab und küsste sie erneut. Diesmal war der Kuss tiefer, dringlicher, einer, der nichts mehr fragte, sondern alles forderte. Ihre Zungen umspielten sich, ihre Zähne stießen leicht aneinander, und Svenja schmeckte jetzt mehr – den Wein, den Speichel, etwas Wildes, das sie nicht benennen konnte.
Sie begann, Franziskas Körper zu erkunden. Ihre Hände glitten über nackte Schultern, folgten den Konturen der Schlüsselbeine, fanden die Rundungen der Brüste und schlossen sich darum, als hätten sie nie etwas anderes gehalten. Franziska atmete scharf ein, ein kleines kehliges Geräusch, das Svenja elektrisierte.
»Ist das gut?«
»Ja. Gott, ja.«
Svenjas Daumen fanden die Warzen, die bereits hart waren – zwei kleine Knospen, die unter ihrer Berührung noch härter wurden. Sie umkreiste sie, langsam, dann schneller, und Franziska ließ den Kopf in den Nacken fallen, als könnte sie das Gewicht dieser Empfindung nicht mehr tragen. Ihre Hüften begannen, sich zu bewegen, ein unbewusstes Kreisen, auf das Svenjas eigenes Becken antwortete.
Die Kleider fielen. Es war keine bewusste Handlung mehr, sondern ein gegenseitiges Entblößen, ein Schälen, ein Freilegen dessen, was unter den Schichten gelebt hatte. Svenja spürte die kühle Luft auf ihren Brüsten, dann Franziskas Mund. Die Lippen schlossen sich um ihre linke Brustwarze, die Zunge spielte damit. Svenja stöhnte auf – ein Laut, der aus einer Tiefe kam, die sie nicht kannte, einem inneren Raum, der nur für diesen Moment existierte.
»Ich will dich schmecken«, murmelte Franziska an ihrer Haut. »Überall.«
Ihr Mund wanderte tiefer. Über Svenjas Rippenbogen, der sich unter den Küssen hob und senkte wie ein atmendes Meer. Über ihren Bauch, wo die Zunge in die kleine Mulde des Nabels tauchte und Svenja die Hüften entgegenwarf. Tiefer. Immer tiefer.
Der Duft war jetzt überall – ein schwerer, moschusartiger Geruch, der aus Svenjas Körpermitte aufstieg wie Dampf. Franziska atmete ihn ein, als wäre er das kostbarste Parfüm. Ihre Finger fanden den Bund von Svenjas Hose, öffneten ihn bedächtig, und dann glitten sie darunter, über den Stoff des Slips hinweg, und Svenja spürte, wie sie nass war – nass, weich und bereit.
»Du bist so feucht«, sagte Franziska, und es war keine Feststellung, sondern eine Verehrung.
Sie zog den Slip zur Seite. Das erste Berühren war ein Finger, nur ein Finger, der durch die weichen Falten strich, als zeichnete er eine Landkarte, die er bereits kannte. Svenja biss sich auf die Lippen. Ihr Körper spannte sich an, empfing die Berührung, und sie wusste, dass sie nicht mehr lange würde warten können.
»Mehr«, bat sie. »Bitte, mehr.«
Franziska verstand. Ihr Finger glitt tiefer, fand die Öffnung, die sich ihm entgegenwölbte, und drang ein – langsam, behutsam, aber bestimmt. Svenjas inneres Gewebe umschloss ihn, heiß und pulsierend. Sie konnte spüren, wie ihre eigenen Muskeln sich um diesen Eindringling spannten, ihn aufnahmen, ihn weiter hineinzogen.
»Schau mich an«, sagte Franziska.
Und Svenja tat es. Ihre Blicke trafen sich, während Franziskas Finger in ihr war und sich vor und zurück bewegte. Gleichzeitig fand seine Daumenkuppe Svenjas Klitoris – diesen winzigen Knoten aus Nerven, der jetzt unter der Berührung anschwoll und pochte wie ein eigenes Herz. Franziska begann, ihn zu umkreisen, in kleinen konzentrischen Bewegungen, die Svenja die Kontrolle raubten.
Ihr Atem wurde stoßweise. Ihre Hände krallten sich in das Leinen. Und dann, ohne Vorwarnung, durchflutete sie die erste Welle. Es war ein Orgasmus, der aus ihrem Zentrum aufbrach und sich in alle Richtungen ausbreitete. Er erfüllte ihre Schenkel, ihren Bauch und ihre Kehle, aus der ein Laut brach, der die Mühle erzittern ließ. Oder vielleicht war es nur der Regen. Vielleicht war es beides.
Franziska hielt sie, während sie zuckte und bebte, während die Wellen kamen und gingen und noch einmal kamen. Sie ließ den Finger in ihr, spürte das Pulsieren der inneren Muskeln, das Zusammenziehen und Freigeben, das so rhythmisch war wie das Mühlenrad draußen im Bach – nur dass es nicht mehr stillstand. Es malte. Es malte sie beide.
Als Svenja wieder zu sich kam, war Franziskas Gesicht über ihr, und es lächelte. Ein tiefes, zufriedenes Lächeln. »Jetzt weiß ich es«, sagte sie.
»Was?«
»Wie du schmeckst, wenn du kommst, ist mir jetzt klar. «Ich hab es auf meiner Zunge.«
Svenja zog sie zu sich herab und küsste sie. Sie schmeckte sich selbst auf Franziskas Lippen – salzig, erdig, lebendig. Und sie wusste, dass die Nacht noch jung war. Dass dies erst der Anfang gewesen war von etwas, das kein Ende haben würde.
Im Nachklang des Wassers
Der Morgen danach kam leise, wie Frühe nach solchen Nächten immer kamen – als wüsste die Welt, dass sie behutsam sein musste. Das Licht fiel schräg durch die Dachluke und malte helle Streifen auf das zerwühlte Leinen und auf die Körper. Diese hatten sich im Schlaf ineinander verschlungen wie zwei Pflanzen, die nach demselben Licht strebten.
Svenja erwachte zuerst. Ihr linker Arm war taub, weil Franziska auf ihm lag, aber sie zog ihn nicht fort. Sie wollte diese Taubheit spüren, dieses kleine Opfer, das ihr Körper für den anderen brachte. Fransikas Atem ging ruhig, ihre Lippen waren leicht geöffnet, und auf ihrer Wange lag ein einzelner Sonnenstrahl, der die flaumigen Härchen zum Leuchten brachte.
Vorsichtig, sehr vorsichtig, strich Svenja mit dem Finger über diese Wange. Über die Schläfe. Über das Ohr, dessen Muschel sie gestern Nacht mit ihrer Zunge erforscht hatte. Der Körper erinnerte sich an alles – an jede Berührung, an jeden Geschmack, an jede Stelle, die sie gemeinsam entdeckt hatten wie eine unbekannte Landschaft, die nur ihnen gehörte.
Franziska regte sich. Ihre Augen öffneten sich, fanden sofort Svenjas Blick, und das Lächeln, das dann kam, war so weich wie der Morgen selbst. »Guten Morgen.«
»Guten Morgen.«
Kein Wort darüber, was geschehen war. Kein Bedarf, es einzuordnen, zu kategorisieren, in Begriffe zu pressen, die doch nur wieder verengten, was sich geweitet hatte. Stattdessen eine Hand, die unter die Decke glitt, die Svenjas Bauch fand, ihre Hüfte, die Senke zwischen ihren Schenkeln, wo die Wärme noch immer lagerte wie ein schlafendes Tier.
»Noch einmal?«, fragte Franziska.
»Immer.«
Und diesmal war es anders. Diesmal war es langsamer, ein Auskosten, ein Genießen ohne die Dringlichkeit des ersten Mals. Sie wussten jetzt, wie sie schmeckten, wie sie rochen, wie sie klangen, wenn die Lust sie übermannte. Sie konnten es sich leisten, zu verweilen. Franziskas Finger fanden Svenjas Mitte, aber sie drangen nicht sofort ein. Sie verharrten an der Schwelle, strichen durch die Feuchtigkeit, die sich über Nacht gesammelt hatte, verteilten sie wie eine Salbe. Und Svenja ließ es geschehen, gab sich hin, öffnete sich erneut, und diesmal war es kein Sturm, sondern ein Fließen.
Sie kamen zusammen. Nicht gleichzeitig, aber ineinander, eine nach der anderen, und dann die erste noch einmal unter den Händen der zweiten, ein Kreislauf der Lust, der kein Ende finden wollte. Und als sie schließlich dalagen, erschöpft und selig, roch die Mühle nach ihnen – nach Schweiß und Sex und nach dem Lavendel, den Franziska mitgebracht hatte. Ein Geruch von Nachhausekommen.
Später, viel später, machten sie Kaffee. Sie tranken ihn auf der Terrasse, nackt unter den Mänteln, die sie sich übergeworfen hatten. Sie sahen dem Mühlrad zu, das sich jetzt drehte – irgendjemand musste die Schleuse geöffnet haben, das Wasser floss, das Rad mahlte. Es war, als wäre die Mühle zum Leben erwacht, als hätte sie nur auf diesen Moment gewartet, auf das, was zwischen ihren Mauern geschehen war.
»Weißt du«, sagte Franziska, und ihre Stimme war nachdenklich, »ich habe jahrelang gedacht, ich wäre nicht die Frau für so etwas. Für eine andere Frau. Für diese Art von … Hingabe.«
Svenja sah sie an. »Und jetzt?«
»Jetzt denk ich, ich war immer die Frau dafür. Ich habe es nur nicht gewusst. Oder nicht gewollt. Oder beides.« Sie nahm Svenjas Hand, verschränkte ihre Finger mit ihren. »Du hast mich zu mir selbst verführt. Weißt du das? Du hast mich nicht nur zu dir verführt. Sondern zu dem Teil von mir, den ich immer weggeschlossen hatte.«
Svenja schwieg. Aber sie drückte Franziskas Hand. Und in diesem Druck lag alles, was Worte nicht sagen konnten – die ganze Nacht, die ganzen Morgen, die ganze Woche, die noch vor ihnen lag wie ein unbeschriebenes Blatt. Oder vielmehr wie ein Blatt, das schon beschrieben war, aber mit einer Schrift, die nur sie beide lesen konnten.
Die Mühle mahlte. Das Wasser floss. Und irgendwo, tief in Svenjas Brust, hatte etwas begonnen, das nicht mehr aufhören würde. Ein Begehren. Eine Zugehörigkeit. Eine Liebe, die so alt war wie die Steine um sie herum und so neu wie dieser Morgen, der noch immer seinen Atem über sie legte.
Sie würden bleiben. Sie würden sich lieben, wieder und wieder, in dieser Nacht und in den folgenden, bis ihre Körper jede Stelle des anderen kannten wie die eigene. Und dann würden sie nach Hause fahren, nach Frankfurt, in ihre unterschiedlichen Wohnungen, aber sie würden nicht mehr getrennt sein. Sie hatten sich gefunden, in einer Mühle, im Regen, in einer lesbischen Verführung, die keine Verführung gewesen war, sondern eine Ankunft. Ein Nachhausekommen in einem Körper, der immer schon für sie bestimmt gewesen war.
Franziska lächelte. Und Svenja lächelte zurück. Und das Mühlrad drehte sich, als wäre es nie anders gewesen.
– ENDE –
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