Lesbisches Verlangen an einer einsamen Landstraße: Als Carlotta auf Greta traf und der Bus nie kam

lesbisches Verlangen
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Lesbisches Verlangen

Carlotta bemerkte als Erstes, wie die fremde Frau ihren linken Handrücken mit dem Daumen der rechten Hand rieb. Es war eine langsame, fast gedankenverlorene Bewegung, die sie drei-, viermal wiederholte, während ihr Blick auf der staubigen Landstraße ruhte. Es war diese Geste, die Carlotta innehalten ließ, noch bevor sie die Bank an der Haltestelle erreicht hatte. In dieser Geste gab es etwas zugleich Selbstberuhigendes und unbewusst Sinnliches, das in ihr ein leises, aber unmissverständliches Echo weckte. Ein Echo, das sie als das erkannte, was es war – lesbisches Verlangen, das nie ganz schlief, nur manchmal unter der Oberfläche trieb und auf solche winzigen Auslöser wartete.

Die Frau saß allein auf der Holzbank unter dem Wartehäuschen aus Wellblech, das in der Nachmittagshitze leise knisterte, als dehne sich das Metall. Carlotta trat näher, der Kies knirschte unter ihren Sandalen, und die Frau blickte auf. Kein Erschrecken, kein automatisches Lächeln. Nur ein ruhiges Taxieren aus graugrünen Augen, das Carlotta mit einer Selbstverständlichkeit erwiderte, die sie selbst überraschte.

„Seit einer Stunde kein Bus“, sagte die Frau. Ihre Stimme war tiefer, als Carlotta erwartet hatte, mit einem leichten Rauchrand, als hätte sie den Morgen mit zu viel Kaffee und zu wenig Worten verbracht. Ein einzelnes blondes Haar hatte sich aus ihrem hochgesteckten Knoten gelöst und lag feucht an ihrem Nacken.

„Dann warte ich eben mit Ihnen.“ Carlotta setzte sich auf die andere Seite der Bank, ließ bewusst eine Handbreit mehr Platz als nötig. Die Luft zwischen ihnen war schwer von Jasmin, die irgendwo hinter der Böschung wild wucherte, und vom harzigen Geruch der Kiefern, die sich den Hang hinaufstaffelten. Hochsommer im Hügelland, kein Haus in Sicht, keine Autos, nur das Sirren der Zikaden und dieses flirrende Licht, das die Konturen der Dinge weichzeichnete.

Carlotta zog ihr Buch aus der Tasche, schlug es auf, las jedoch keine Zeile. Stattdessen beobachtete sie über den Rand der Seiten hinweg die Hände der Frau. Gepflegt, aber nicht lackiert. Ein schmaler Silberring am Mittelfinger, kein Ehering. Sie trug ein ärmelloses Leinenkleid, rostrot, das in weichen Falten über ihre Oberschenkel fiel, und am Saum hatte sich ein feiner Staubfilm abgesetzt. Ihre Waden waren nackt, die Füße in flachen Ledersandalen, die Zehen reglos.

„Sie lesen gern?“ Die Frau hatte den Kopf leicht geneigt, eine beiläufige Frage, die trotzdem wie eine Sonde wirkte, ausgeworfen, um etwas zu prüfen.

„Manchmal. Heute wohl eher nicht.“ Carlotta klappte das Buch zu, ohne das Lesebändchen einzulegen. „Ich bin Carlotta.“

„Greta.“ Kein Nachname. Kein Händeschütteln. Nur dieser Blick, der jetzt einen Moment länger auf Carlottas Mund ruhte als auf ihren Augen.

Carlotta spürte, wie ihr Puls in den Handgelenken zu pochen begann. Nicht heftig, nicht beunruhigend – eher wie ein leises Klopfen an einer Tür, die sie lange verschlossen gehalten hatte. Sie war dreiundvierzig, geschieden seit vier Jahren, und sie hatte in diesen vier Jahren gelernt, allein zu sein. Aber sie hatte auch gelernt, die Signale zu erkennen, die ihr Körper sendete. Dieses kaum merkliche Sich-Verschieben auf dem Sitz, diese neue Aufmerksamkeit für die eigene Haut, für die Stelle unter ihrem Schlüsselbein, wo ein Tropfen Schweiß hinabrann und im Ausschnitt ihres Baumwollkleids verschwand.

Greta strich sich das lose Haar hinters Ohr, eine schnelle, fast ungeduldige Bewegung, und dabei verschob sich der Ausschnitt ihres Kleides um eine Fingerbreite. Kein BH. Carlotta registrierte es, ohne hinzusehen – das wusste sie einfach, so wie man weiß, ob jemand die Wahrheit sagt oder nicht.

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Die Hitze stand zwischen ihnen wie eine dritte Person, die darauf wartete, vorgestellt zu werden. Carlotta überlegte, ob sie dem Impuls nachgeben sollte, näher zu rücken. Sie tat es nicht. Noch nicht. Stattdessen ließ sie die Stille wachsen, gab ihr Raum, bis sie von selbst zu einem Ende kam.

„Wohin wollen Sie?“, fragte Greta schließlich.

„Eigentlich nirgendwohin.“ Das war ehrlicher als beabsichtigt. „Ich bin einfach losgefahren. Irgendwann war hier Endstation, und dann bin ich ausgestiegen und weitergelaufen.“ Sie machte eine vage Handbewegung in Richtung der Hügel. „Und jetzt warte ich auf den Bus zurück. Und Sie?“

„Ich wohne hier.“ Greta zeigte mit dem Kinn den Hang hinauf, wo zwischen den Kiefern ein steinernes Haus sichtbar wurde, fast überwachsen von Efeu und wildem Wein. „Seit zwei Jahren. Allein. Die Busse fahren unregelmäßig, aber meistens kommen sie. Heute offenbar nicht.“

Allein. Das Wort blieb in der Luft hängen, ein unhörbarer Nachhall. Carlotta fragte sich, ob Greta es ebenso deutlich gespürt hatte wie sie. Es war dieses kaum merkliche Verrutschen der Situation, als hätte sich die Welt um eine halbe Drehung weitergedreht und dabei eine unerwartete Tür geöffnet.

H3: Die unsichtbare Grenze zwischen zwei atmenden Körpern

Carlotta lehnte sich zurück, spürte das raue Holz durch den dünnen Stoff ihres Kleides. Sie betrachtete Gretas Profil: die gerade Nase, die hohen Wangenknochen, den Mund, der selbst in der Ruhe einen Zug von Entschlossenheit hatte. Eine Frau, die wusste, was sie wollte. Oder eine, die geübt darin war, es zu verbergen.

„Und was macht man so“, dehnte Carlotta die Worte, „wenn man hier allein wohnt und die Busse nicht kommen?“

Greta lächelte, kaum sichtbar, nur ein Zucken in den Mundwinkeln. „Warten. Lesen. Das Haus renovieren. Manchmal male ich. Und manchmal stehe ich einfach am Fenster und sehe den Füchsen zu, die abends über die Lichtung schleichen.“

„Keine Menschen?“

„Fast keine.“ Und dann, leiser: „Bis jetzt.“

Es war nicht kokett, nicht einmal eindeutig. Es war ein Satz, der alles bedeuten konnte und nichts. Carlotta spürte dennoch, wie sich ihre Bauchmuskeln unwillkürlich anspannten. Sie kannte dieses Gefühl: Es war die körperliche Antwort auf die Möglichkeit, dass etwas geschehen könnte. Nicht die Gewissheit – nur die Möglichkeit.

Die Hitze wurde drückender. Weit entfernt grollte etwas, aber kein Gewitter. Möglicherweise ein Steinbruch, vielleicht nur die Einbildung. Carlotta stand auf, trat einen Schritt aus dem Schatten des Wartehäuschens ins volle Licht, reckte die Arme über den Kopf, bis ihre Wirbelsäule knackte. Sie wusste, dass Greta sie beobachtete – sie spürte den Blick wie eine Hand auf ihrer Taille.

Als sie sich umdrehte, hatte Greta die Beine übereinandergeschlagen und den Kopf in den Nacken gelegt, die Augen halb geschlossen. Ihr Hals war lang und hell, die Haut darüber gespannt wie bei einer Frau, die jünger war, als ihre Hände verrieten. Carlotta schätzte sie auf Ende vierzig, vielleicht fünfzig. Die Fältchen um die Augen waren fein, aber vorhanden, und die Bewegungen hatten diese Ökonomie, die mit dem Alter kam – nichts Überflüssiges, keine fahrigen Gesten.

„Mögen Sie es, beobachtet zu werden?“, fragte Greta, ohne die Augen zu öffnen.

Die Direktheit traf Carlotta wie ein warmer Luftzug. „Kommt darauf an, von wem.“

„Von mir.“ Jetzt öffnete sie die Augen, und es war kein Spiel mehr in ihrem Blick.

Carlotta blieb stehen, ließ den Moment wirken. Dann ging sie langsam zur Bank zurück, setzte sich aber diesmal nicht auf die andere Seite, sondern in die Mitte. Die Distanz zwischen ihnen schrumpfte auf eine Handbreit. Sie konnte Gretas Geruch wahrnehmen: kein Parfum, sondern Seife, Baumwolle und darunter etwas Herbes, fast Rauchiges, das zu dieser Stimme passte.

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„Ja“, sagte Carlotta. „Ich mag es, von Ihnen beobachtet zu werden.“

Es war ein Zugeständnis und eine Aufforderung zugleich. Greta nahm beides an, indem sie sich leicht zur Seite drehte und den Arm auf die Rückenlehne der Bank legte. Sie berührte Carlotta nicht, aber so nah konnte sie seine Wärme spüren, bevor sie sie wirklich berührte.

Die Minuten zogen sich wie Sirupfäden. Carlotta hörte ihr eigenes Herz schlagen und spürte das Blut in ihren Venen wandern. Sie wusste mit plötzlicher Klarheit, dass sie diesen Bus nicht besteigen würde, selbst wenn er jetzt um die Kurve böge und der Fahrer verwundert die zwei Frauen im Halbschatten musterte. Sie hatte längst entschieden, dass sie bleiben würde, was immer das bedeutete.

„Ich habe Limonade im Haus“, sagte Greta. „Selbst gemacht. Mit Zitronen aus dem Garten und Minze.“ Es klang beiläufig, aber ihre Finger hatten begonnen, mit dem Saum ihres Kleides zu spielen – eine Unruhe, die im Widerspruch zu ihrer gelassenen Miene stand.

„Ich dachte, Sie warten auf den Bus?“

„Ich warte auf vieles.“ Gretas Stimme war jetzt fast ein Flüstern. „Auf den Bus warte ich schon lange nicht mehr.“

Zwischen Zitronen und Minze beginnt der Körper, eine eigene Sprache zu sprechen.

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Der Weg zum Haus führte über einen schmalen Pfad, gesäumt von Lavendel, der in der Hitze betäubend duftete. Carlotta ging hinter Greta, sah zu, wie sich die Wadenmuskeln bei jedem Schritt spannten und lösten, wie die Hüften unter dem rostroten Kleid eine ruhige Wellenbewegung vollführten. Sie stellte sich vor, ihre Hand flach auf Gretas Kreuzbein zu legen, genau dort, wo sich unter dem Leinen die Wirbelsäule abzeichnete.

Das Haus war kühl und roch nach Holz und Terpentin. Im Wohnzimmer stapelten sich Leinwände an den Wänden, einige fertig, andere nur grundiert. Carlotta blieb vor einem halb abstrakten Akt stehen, der die Konturen eines weiblichen Körpers in den Farben des Sonnenuntergangs darstellt. Der Akt liegt hingestreckt über einer Chaiselongue, die Carlotta ein paar Meter weiter in der Ecke sah.

„Sie malen sich selbst?“, fragte sie.

„Manchmal. Wenn niemand sonst da ist.“ Greta war in der Küche verschwunden, das Klirren von Gläsern und das Öffnen eines Kühlschranks waren zu hören. „Man malt, was man hat. Oder was man sich wünscht.“

Carlotta trat vor das nächste Bild: zwei Frauen, einander zugewandt, die Gesichter nur angedeutet, aber die Körper mit einer Zärtlichkeit gemalt, die fast wehtat. Die eine Hand der einen Frau lag im Nacken der anderen, und obwohl die Pinselstriche locker waren, schien die Berührung vollkommen gegenwärtig.

„Wünschen Sie sich das?“ Carlotta drehte sich um. Greta stand im Türrahmen, zwei Gläser in den Händen, und ihr Gesicht war offen wie eine Einladung, die nur darauf wartete, gelesen zu werden.

„Seit zwei Jahren“, sagte Greta, und es klang wie eine Erklärung, wie eine Entschuldigung, wie beides zugleich.

Carlotta nahm ein Glas und trank einen Schluck. Sie spürte die Kälte und die Süße und die leichte Säure auf ihrer Zunge. Dann stellte sie das Glas ab, ohne den Blick von Greta zu lösen. Sie machte einen Schritt auf sie zu, dann noch einen, bis sie so dicht vor ihr stand, dass sie die feinen Linien auf ihren Lippen erkennen konnte.

„Ich bin nicht die erste Frau, die mit Ihnen an der Haltestelle wartet, oder?“

„Nein.“ Greta atmete aus. „Aber Sie sind die erste, deren Warten sich anfühlt, als wüssten wir beide schon, wie es endet.“

Carlotta hob langsam die Hand und gab Greta damit jede Gelegenheit, zurückzuweichen. Greta wich nicht zurück. Carlottas Finger berührten Gretas Schläfe, folgten der Kontur ihrer Wange bis zur Kinnspitze und verharrten dort. Gretas Haut war warm und trocken, und unter Carlottas Fingerspitzen begann sie zu prickeln, als erwache sie aus einem langen Schlaf.

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„Seit wann wissen Sie es?“, flüsterte Carlotta. Sie meinte nicht das Wissen um diesen Moment, sondern das andere, das tiefer liegende Wissen.

„Immer schon.“ Greta schloss die Augen. „Nur gelebt habe ich es selten genug.“

Da küsste Carlotta sie. Nicht auf den Mund, noch nicht. Sondern auf die Stelle zwischen Hals und Schlüsselbein, wo der Puls sichtbar unter der Haut schlug. Greta sog scharf die Luft ein, ihre freie Hand fand Carlottas Hüfte, krallte sich leicht in den Stoff des Kleides.

Carlotta ließ ihre Lippen wandern: den Hals hinauf, über die Kinnlinie, bis zu dem Punkt, wo Gretas Mund auf sie wartete, leicht geöffnet, bereit. Der Kuss war zuerst zögernd, eine Frage, die gestellt werden musste, dann drängender, eine Antwort, die keine weiteren Worte brauchte. Gretas Zunge war kühl von der Limonade, und sie schmeckte nach Minze und nach etwas Tieferem, das Carlotta nur als Greta identifizieren konnte.

Das Glas in Gretas Hand stieß gegen Carlottas Schulter, kippte, kalte Flüssigkeit rann über ihren Arm. Greta lachte leise, stellte das Glas beiseite, und dann waren ihre Hände frei, lagen auf Carlottas Rücken und zogen sie näher, während diese begann, die Knöpfe von Gretas Kleid zu öffnen.

Der Stoff gab nach, glitt über Gretas Schultern, und Carlotta trat einen halben Schritt zurück, um sie anzusehen. Gretas Brüste waren voll und weich, die Brustwarzen dunkel und hart in der kühlen Raumluft. Carlotta beugte sich vor, nahm eine davon in den Mund, und Greta stöhnte auf – ein tiefer, kehliger Laut, der in Carlottas eigenem Körper widerhallte, als hätte sie ihn selbst ausgestoßen.

„Komm“, sagte Greta, nahm ihre Hand und führte sie zu der Chaiselongue unter dem Fenster, auf der kein Modell lag, nur das Nachmittagslicht, das sich wie ein goldener Schleier über den Polsterstoff breitete.

H3: Unter dem goldenen Schleier verschwimmt, was wir waren, mit dem, was wir werden.

Carlotta schob Gretas Kleid vollends über die Hüften, ließ es zu Boden gleiten. Greta stand nackt vor ihr, nur den Silberring am Finger, das blonde Haar jetzt ganz gelöst und um die Schultern fallend. Sie war bezaubernd auf eine Weise, die nichts mit Jugend zu tun hatte – die Schönheit eines Körpers, der gelebt hatte und begehrt werden wollte, genau so, wie er war.

„Du bist überzogen“, sagte Greta und begann, Carlotta auszuziehen, mit ruhigen, präzisen Bewegungen, die nichts von Hast an sich hatten. Sie öffnete den Reißverschluss des Baumwollkleids, ließ die Träger von Carlottas Schultern gleiten und löste den BH-Verschluss mit einer Selbstverständlichkeit, die Carlotta den Atem raubte. Dann kniete sie nieder, um Carlotta den Slip auszuziehen.

In dieser Position verharrte sie. Ihr Gesicht war auf der Höhe von Carlottas Scham, und die spürte Gretas Atem auf ihrer Haut, warm und feucht, bevor ihre Lippen sie überhaupt berührten. Die Erwartung allein ließ sie erzittern, ließ ihre Knie weich werden.

„Setz dich“, flüsterte Greta, und Carlotta ließ sich auf die Chaiselongue sinken, lehnte sich zurück in die Polster, die noch die Nachmittagswärme gespeichert hatten. Greta kniete vor ihr, schob Carlottas Schenkel auseinander und senkte schließlich, endlich, den Kopf.

Ihre Zunge war präzise und forschend, fand Carlottas Klitoris mit der Sicherheit einer Frau, die wusste, wo die Lust sitzt, weil sie dieselbe Anatomie besaß, dieselben Nervenenden, dasselbe pochende Verlangen. Carlotta stöhnte auf, griff in Gretas Haar, hielt sich daran fest wie an einem Rettungsseil, während die Wellen der Erregung durch ihren Unterleib rollten.

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Greta leckte langsam, fast meditativ, als hätten sie alle Zeit der Welt. Ihre Zunge umkreiste die empfindliche Spitze, glitt dann tiefer, drang in Carlotta ein, kehrte zurück. Mit jedem Strich baute sich die Spannung weiter auf, wurde zu einem Druck, der Carlottas ganzen Körper erfasste, bis sie nicht mehr stillhalten konnte, bis ihre Hüften sich Gretas Mund entgegendrängten.

„Nicht aufhören“, keuchte sie, „bitte, nicht aufhören“, und Greta hörte nicht auf. Sie legte zwei Finger an Carlottas Eingang, ließ sie langsam hineingleiten, während ihre Zunge den Rhythmus beibehielt, und Carlotta spürte, wie etwas in ihr zerbrach und sich gleichzeitig zusammenzog – der Orgasmus riss durch sie hindurch wie ein Blitz, der von innen kam, ließ sie aufschreien und die Kontrolle verlieren, ließ sie vergessen, wer sie war und wo sie sich befand.

Als sie wieder zu sich kam, lag Greta neben ihr, den Kopf in die Armbeuge gestützt, und lächelte. Es war kein triumphierendes Lächeln, sondern eines von tiefer Zufriedenheit, als hätte sie etwas geschenkt bekommen, das sie lange entbehrt hatte.

„Jetzt du“, sagte Carlotta, noch atemlos, und zog Greta zu sich heran. Sie tauschten die Plätze: Greta lag auf dem Rücken, das Licht malte goldene Muster auf ihre Haut, und Carlotta beugte sich über sie. Sie küsste Gretas Hals, ihre Brüste, ihren Bauch, knabberte sanft an der Innenseite ihrer Schenkel. Greta wand sich unter ihr, die Beine leicht gespreizt, die Schamlippen geschwollen und feucht.

Carlotta tauchte ein. Der Geruch, der Geschmack – das war der Kern von allem, das war, wonach ihr Körper sich jahrelang gesehnt hatte, ohne dass sie es in Worte fassen konnte. Sie ließ ihre Zunge tief in Greta versinken, spürte, wie die inneren Muskeln sich um sie zusammenzogen, hörte Greta fluchen, leise und heiser, und dann lauter, je näher sie dem Höhepunkt kam.

Carlotta wollte sie nicht nur kommen sehen – sie wollte sie halten, wenn es geschah. Sie griff mit der linken Hand nach Gretas Fingern und verschränkte sie mit ihren eigenen. Gleichzeitig massierte sie mit der rechten Hand Gretas Klitoris, erst mit dem Daumen in kreisenden Bewegungen, dann mit zwei Fingern, die sie gleichzeitig in ihr bewegte. Greta bäumte sich auf. Ihre Hand drückte Carlottas Finger fast schmerzhaft zusammen. Dann kam sie mit einem langgezogenen, bebenden Laut, der von irgendwo tief aus ihrer Kehle stieg. Carlotta spürte das Pulsieren der Lustwellen an ihren Lippen.

H3: Der Bus kommt immer zu früh, wenn wir gelernt haben, zu bleiben.

Sie lagen nebeneinander auf der schmalen Chaiselongue, verschlungen wie zwei Pflanzen, die gemeinsam gewachsen waren. Schweiß auf der Haut, die Fenster beschlagen vom Atem zweier Frauen, die sich in der Hitze des Nachmittags gefunden hatten. Draußen begann das Licht zu schwinden, die Kiefern warfen längere Schatten, und irgendwo in der Ferne, unwirklich wie eine Erinnerung, hörte man das Brummen eines Motors.

Carlotta hob den Kopf. „Das wird der Bus sein.“

„Ja“, sagte Greta, ohne sich zu bewegen. Ihr Arm lag quer über Carlottas Bauch, ihre Fingerspitzen zeichneten Muster auf Carlottas Haut, Buchstaben vielleicht, die Carlotta nicht entziffern konnte.

„Soll ich ihn nehmen?“

Es war eine Frage, auf die es nur eine Antwort gab, aber Carlotta wollte sie aus Gretas Mund hören, wollte die Entscheidung nicht allein treffen. Sie hatte ein Leben damit verbracht, Entscheidungen allein zu treffen. Es änderte nichts, wenn eine andere Frau den Raum mit ihr teilte – aber es erleichterte alles.

Greta drehte sich zu ihr, stützte sich auf den Ellenbogen. Ihr Gesicht war gerötet, die Augen glänzten, und sie sah zwanzig Jahre jünger aus als noch vor einer Stunde an der Haltestelle. „Bleib“, sagte sie. „Es gibt keinen Ort, an dem du heute mehr gebraucht wirst als hier. Und es gibt keinen Ort, an dem ich dich weniger gehen lassen will als diesen.“

Der Motor wurde lauter, ein altes Dieselklopfen, das sich den Hang hinaufquälte. Dann hielt der Bus an der Haltestelle, genau dort, wo Carlotta vor zwei Stunden ihr Buch aufgeschlagen und keine Zeile gelesen hatte. Die Türen öffneten sich zischend. Einen Moment lang geschah nichts, dann schlossen sie sich wieder, und der Bus fuhr weiter, leer, wie er gekommen war.

Carlotta atmete aus. Sie hatte nicht gemerkt, dass sie die Luft angehalten hatte. „Er wird erst morgen früh wiederkommen. Wenn überhaupt.“

„Daran bin ich gewöhnt.“ Greta lächelte und zog Carlotta enger zu sich. „Aber an dich werde ich mich wahrscheinlich nie gewöhnen. Du bist eine Überraschung, auf die ich nicht vorbereitet war.“

„Ich bin eine Überraschung, auf die ich selbst nicht vorbereitet war.“ Carlotta küsste Gretas Handgelenk, dort, wo der Puls unter der dünnen Haut schlug. Sie dachte an das, was geschehen war, und an das, was noch passieren würde, wenn die Nacht kam und das Haus im Dunkeln lag und keine Busse mehr fuhren. Dachte daran, wie sich die Körper zweier Frauen im Schlaf aneinanderpassten, wie sich Hände selbst im Traum weitertasteten. Sie hatte das schon lange nicht mehr erlebt, viel zu lange. Sie wusste nicht, ob Greta die Frau war, bei der sie bleiben würde – aber sie wusste, dass Greta die Frau war, bei der sie jetzt bleiben musste. Heute Nacht. Morgen früh. Und vielleicht noch einen Tag länger, wenn der Bus wieder nicht kam.

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Greta schien ihre Gedanken zu lesen. „Ich koche uns etwas“, sagte sie, und als sie aufstand, sah Carlotta, wie sich ihre Hüften bewegten, diese ruhige Wellenbewegung, die sie schon den Pfad hinauf begleitet hatte, und der Anblick ließ sie von Neuem erschauern. „Der Supermarkt ist zehn Kilometer entfernt, aber ich habe alles, was wir brauchen. Zitronen. Minze. Brot. Wein. Und dich.“

„Mich hast du schon“, murmelte Carlotta, und sie wusste, es stimmte. Morgen würde sie vielleicht wieder gehen. Vielleicht würde der Busfahrer sie am nächsten Nachmittag mitnehmen, eine fremde Frau mit zerzaustem Haar und einem Lächeln, das zu viel verriet. Aber das war morgen, und der war so weit entfernt wie der Horizont über den Hügeln, den sie jetzt durch das Fenster sehen konnte, violett und rosa im Schein der untergehenden Sonne.

Das Zirpen der Grillen setzte ein, erst zögerlich, dann lauter, ein Pulsieren in der Abendluft, das sich mit ihrem eigenen Herzschlag zu synchronisieren schien. Carlotta streckte die Hand aus, berührte Gretas Rücken, ließ ihren Finger langsam die Wirbelsäule hinabwandern, bis zu der Stelle, wo sich das Kreuzbein abzeichnete. Greta erstarrte für eine Sekunde, dann drehte sie sich um, nahm Carlottas Hand und küsste die Innenseite ihres Handgelenks.

„Weißt du“, sagte sie leise, „das mit dem lesbischen Verlangen ist wie mit diesem Bus. Man wartet und wartet, und wenn er endlich kommt, ist man sich nicht sicher, ob man wirklich einsteigen soll. Aber heute bin ich eingestiegen. Und ich bereue nichts.“

Carlotta antwortete nicht. Sie zog Greta zu sich herab in die Kissen und hielt sie fest. Draußen verschluckte die Nacht die letzten Reste des Tages, während der Jasmin seinen Duft durchs offene Fenster sandte, schwer, süß und voller Versprechen.

– ENDE –

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