Lesbische Verführung
Ich hätte nie gedacht, dass ausgerechnet Greta mich so durcheinanderbringen würde. Nicht Greta mit ihren praktischen Kurzhaarfrisuren und den immer leicht zu kurzen Hosen, die seit fünfzehn Jahren meine Nachbarin ist und deren Katze ich füttere, wenn sie ihre Mutter in Husum besucht. Aber da stand sie nun in meiner Vorratskammer, hielt ein Glas eingelegte Birnen gegen das trübe Licht der nackten Glühbirne und fragte: „Carlotta, wann hast du die eigentlich das letzte Mal eingekocht?“
Ich lehnte am Türrahmen und sah zu, wie sie mit schmalen Fingern den Staub von einem weiteren Glas wischte. Seit zwanzig Minuten räumte sie meine Regale um, zog altes Dörrobst hervor, rümpfte die Nase über abgelaufenes Pesto von 219 und stapelte alles neu. Sie hatte angeboten zu helfen, weil ich erwähnt hatte, dass ich vor dem Großeinkauf erst mal Platz schaffen müsste. „Vorratskammer ausmisten“ klang nach einer unverfänglichen Sonntagnachmittagsbeschäftigung zwischen zwei Frauen, die sich seit Jahren kannten und nie mehr als Freundschaft geteilt hatten.
„Die Birnen waren ein Geschenk von Tante Margit. Ich glaub, die sind von 217“, sagte ich.
Greta drehte sich um und lachte. Dieses Lachen. Es war nicht anders als sonst, und trotzdem war etwas anders. Vielleicht lag es an der Enge der Kammer, dem Geruch nach Gewürzen und altem Holz, der stickigen Wärme, die sich zwischen den Regalen fing. Vielleicht lag es daran, dass ich sie zum ersten Mal richtig ansah. Nicht als Nachbarin, nicht als die Frau, die immer zu früh Weihnachtskarten in meinen Briefkasten warf, sondern als jemanden mit vollem Mund und einem Leberfleck am Hals, der aussah wie ein Tintenklecks.
Ich trug ein ärmelloses Top, weil es in der Kammer wärmer war als im Rest der Wohnung. Greta hatte nach zehn Minuten ihren Pullover ausgezogen und stand jetzt in einem BH-Träger-Top da, das ihr Schlüsselbein und die blassen Arme freigab. Sie hatte kräftige Oberarme, rund und weich, und als sie sich streckte, um ein Glas vom obersten Brett zu angeln, spannte sich der Stoff über ihrem Rücken.
Ich beobachtete sie. Richtig beobachtend, nicht nur hinschauend. Und ich merkte, wie mein Magen sich zusammenzog.
Vielleicht war es dieser Hauch von lesbischer Verführung, der plötzlich im Raum stand, obwohl noch gar nichts passiert war. Nur ein Blick, den ich ihr zuwarf, und einer, den sie erwiderte, etwas zu lang für zwei Frauen über vierzig, die sich eigentlich nichts zu sagen haben sollten außer „Soll ich deine Pakete annehmen, wenn du weg bist?“
„Du starrst“, sagte Greta leise.
„Tu ich nicht.“
„Tust du wohl.“
Sie stellte das Glas ab und wischte sich die Hände an der Jeans ab. Der Stoff war ausgebleicht an den Oberschenkeln, an den Knien dünn gescheuert. Ich kannte diese Jeans seit Jahren. Sie trug sie immer beim Gärtnern, beim Fahrradfahren, bei mir. Jetzt sah ich, wie sie an ihren Hüften spannte, wie der Bund sich leicht nach außen wölbte, wenn sie sich bewegte.
„Was ist los mit dir?“, fragte sie.
Ich zuckte mit den Schultern. „Nichts. Alles. Die Hitze hier drin.“
„Stimmt. Ist stickig.“ Sie fuhr sich mit dem Handrücken über die Stirn. „Sollen wir Pause machen?“
„Nein“, sagte ich zu schnell. Dann räusperte ich mich. „Ich meine, wir sind noch nicht fertig. Da hinten sind noch die ganzen Marmeladen.“
Greta zog eine Augenbraue hoch. „Die Marmeladen von 216, die du nie aufmachst, weil sie von deiner Ex sind?“
„Die Ex war 215. Aber ja, die.
„Die schmeißen wir weg“, sagte sie. „Oder willst du dich noch mal durch die ganze Erinnerung löffeln?“
Ich antwortete nicht sofort. Ich dachte an Miriam und an die Art, wie sie Kirschmarmelade machte, mit zu viel Zucker und zu wenig Liebe. Dann sah ich Greta an, die auf einem umgedrehten Bierkasten saß und mich musterte, und dachte: Warum denke ich jetzt an Zärtlichkeit? Warum denke ich an Berührungen, während meine Nachbarin auf einem Bierkasten in meiner Vorratskammer hockt und auf eine Antwort wartet?
„Löffeln wäre schön“, murmelte ich. Und Greta errötete. Wirklich errötet, als hätte sie genau verstanden, was ich meinte.
Ein Glas fällt, und die Entschuldigung dauert länger als nötig.
Sie stand auf, zu schnell, und ihr Ellenbogen stieß gegen das Regalbrett. Ein Glas mit getrockneten Tomaten kippte, rollte, und ich machte einen Satz nach vorn, um es aufzufangen. Gleichzeitig griff Greta nach dem Glas, und unsere Hände trafen sich in der Luft, verfehlten es jedoch, sodass es auf den Dielenboden schlug und zerbarst. Rot eingelegte Tomatenstreifen quollen zwischen den Scherben hervor wie Innereien.
„Scheiße“, sagte Greta. „Meine Schuld.“
„Quatsch. Ich hätte es nicht so weit vorn hinstellen sollen.“
Wir knieten uns gleichzeitig hin. Ich griff nach den umfangreicheren Scherben, Greta sammelte die Tomaten auf. Unsere Köpfe waren nah beieinander. Ich roch sie. Nicht Parfüm, sondern Seife und Schweiß, diesen leicht salzigen Geruch, den die Haut annimmt, wenn man sich in einem warmen Raum bewegt hat. Er war nicht aufdringlich, eher etwas, das ich in meinem eigenen Körper wiedererkannte. Vertraut und fremd zugleich.
„Pass auf, du schneidest dich“, sagte Greta und nahm mir die Scherbe aus der Hand. Ihre Finger berührten meine Handfläche. Sie waren warm und etwas rau von der Gartenarbeit, und sie ließ sie eine Sekunde zu lang liegen. Oder bilde ich mir das ein? Ich sah auf unsere Hände hinunter. Ihre über meiner. Ihre Fingerkuppen, von denen eine kleine Narbe quer über den Daumen lief, weil sie sich vor drei Jahren an einer Rosenhecke geritzt hatte und ich ihr ein Pflaster gebracht hatte.
Damals hatte ich ihr Pflaster gebracht und war wieder gegangen.
Jetzt kniete ich vor ihr auf dem Küchenboden, mit Tomatenöl an den Knien und einem Herzschlag, den ich bis in die Schläfen spürte.
„Carlotta?“, flüsterte sie.
Ich sah auf. Ihr Gesicht war nah. So nah, dass ich die feinen Fältchen um ihre Augen sehen konnte und die winzige Unebenheit in ihrer linken Pupille, als wäre die Iris dort ein wenig verwischt. Sie hatte braune Augen, die ich immer für rehbraun gehalten hatte, aber aus dieser Entfernung waren sie eher wie nasser Waldboden nach einem Sommerregen. Dunkel, warm, tief.
„Ja?“
„Du atmest ganz komisch.“
Ich lachte auf. Ein kurzes, fast bellendes Lachen, das den Moment zerbrechen sollte. Aber es zerbrach nichts. Greta lächelte nur und hielt immer noch meine Hand.
„Ich atme nicht komisch. Ich atme normal.“
„Du atmest wie jemand, der gleich etwas Verrücktes tun wird.“
Ich schluckte. Mein Hals war trocken. „Was wäre denn verrückt?“
Greta ließ meine Hand los und stand auf. Sie strich sich über die Oberschenkel, klopfte Staub und Glassplitter ab, die gar nicht da waren. „Keine Ahnung. Irgendwas, womit ich nicht rechne.“
„Womit rechnest du denn?“
Sie lehnte sich gegen das Regal und verschränkte die Arme. Ihre Brüste hoben sich leicht unter dem dünnen Top, und ich sah, wie sich die Spitzen abzeichneten, hart und deutlich, und ich dachte: Hat sie keinen BH an? Oder ist das der dünne Stoff, der nichts verbirgt?
„Ehrlich?“, sagte sie. „Ich rechne damit, dass wir gleich die restlichen Gläser umsortieren, uns einen Tee machen und so tun, als wäre hier nichts gewesen.“
„Und was ist hier?“
Sie antwortete nicht. Stattdessen drehte sie sich um und nahm ein Glas Quittengelee aus dem Regal, betrachtete es von allen Seiten, als müsste sie das Etikett entziffern. Ihre Schultern waren angespannt.
„Greta.“
„Hm?“
„Dreh dich um.“
Sie gehorchte. Langsam, fast widerwillig, mit dem Glas in der Hand wie einem Schutzschild. Ich trat einen Schritt auf sie zu. Dann noch einen. Ich war nie gut darin, auf Menschen zuzugehen. Miriam hatte immer gesagt, ich sei zu passiv, zu unsicher, ich ließe die Dinge geschehen, anstatt sie zu tun. Aber jetzt, in der stickigen Kammer, mit dem Geruch nach Essig und zerquetschten Tomaten in der Luft, spürte ich, wie sich etwas verschob.
Ich nahm ihr das Glas aus der Hand und stellte es weg. Dann griff ich nach ihren Händen. Diesmal war ich es, die festhielt. Ihre Finger waren kühl, aber ihre Handflächen warm. Ich spürte den Puls an ihrem Handgelenk, schnell und flatternd.
„Ich will nicht vorgeben, als wäre nichts“, sagte ich. Und bevor ich weiterdenken konnte, beugte ich mich vor und küsste sie.
Es war kein langer Kuss. Nur ein Drücken der Lippen auf ihre, ein kurzer, fast zaghafter Kontakt, der alles veränderte. Sie schmeckte nach nichts Bestimmtem, nur warm und lebendig. Ihre Lippen waren weich und bewegten sich nicht sofort, aber sie wichen auch nicht zurück. Ich spürte, wie sie stockte. Wie sie den Atem anhielt. Wie ihre Hände in meinen zitterten.
Dann löste ich mich. Ihr Mund war noch leicht geöffnet. Ihre Augen weit.
„Das war verrückt“, flüsterte sie.
„Ja.“
„Mach es noch mal.“
Ich machte es noch mal. Diesmal länger, mit mehr Druck. Ich ließ ihre Hände los und legte meine an ihre Hüften, zog sie ein bisschen näher. Ihre Hände legten sich zögernd auf meine Schultern, als wüssten sie nicht, ob sie mich festhalten oder wegschieben sollten. Sie schob nicht. Sie hielt. Ihre Finger krallten sich in den Stoff meines Tops, und ich spürte die Wärme ihrer Handflächen durch das dünne Material.
Der Kuss vertiefte sich. Greta öffnete die Lippen einen Spalt, und plötzlich war ihre Zunge da, vorsichtig und neugierig, eine leichte Berührung, die meinen ganzen Körper unter Strom setzte. Ich zog sie näher an mich heran, bis unsere Körper sich berührten, Brust an Brust, Bauch an Bauch. Sie war ein bisschen kleiner als ich, musste den Kopf leicht heben. Ich spürte die Festigkeit ihrer Schultern unter meinen Händen, die Wölbung ihrer Taille, das Beben, das durch sie hindurchging.
Als wir uns voneinander lösten, keuchend und mit leicht verschwommenem Blick, grinste sie. Ein breites, ehrliches Grinsen, das ihr ganzes Gesicht veränderte.
„Ich habe noch nie eine Frau geküsst“, sagte sie.
„Und?“
„Und nichts. Ich fands gut. Sehr gut.“
„Willst du weitermachen?“
Statt einer Antwort zog sie mich an ihrer Hüfte vorbei aus der Kammer ins Wohnzimmer. Wir stolperten fast über die Türschwelle, weil wir uns nicht losließen und nicht voneinander lassen konnten.
Ihre Finger lernen meinen Körper kennen, und ich vergesse, wie Atmen geht.

Das Sofa quietschte, als wir darauf fielen. Gretas Gewicht auf mir war überraschend und willkommen, ihre Knie links und rechts von meinen Hüften, ihre Hände neben meinem Kopf in die Polster gestützt. Sie hielt sich über mir auf ihren Armen, stark und zitternd zugleich, und sah auf mich hinunter wie auf etwas, das sie zum ersten Mal richtig anschaute.
„Du bist schön“, sagte sie.
„Du auch.“
„Nein, ich mein das ernst. Ich habe dich noch nie so gesehen. Also, ich habe dich gesehen, aber nicht so. Nicht mit dem Wissen, dass ich dich gleich anfassen werde.“
„Dann fass mich an.“
Sie zögerte. Ihre Hände lösten sich von den Polstern und schwebten über meiner Brust, unsicher, wie Vögel, die nicht wussten, wo sie landen sollten. Ich griff nach oben und führte ihre Hände an mein Top, schob den Stoff hoch, bis meine Brüste frei lagen. Greta atmete scharf ein, als sie meine nackte Haut sah.
„Du hast schöne Brüste“, murmelte sie. „Rund und fest und mit diesen dunklen Höfen, die … ich weiß auch nicht. Ich will sie anfassen. Darf ich?“
„Ja. Fasst sie an. Bitte.“
Ihre Finger waren vorsichtig, fast ehrfürchtig. Sie umfasste meine Brüste, ließ die Daumen über die Warzen gleiten, die sich sofort zusammenzogen und hart wurden. Ich stöhnte leise, und das Geräusch schien ihr Mut zu machen. Sie drückte fester, ließ ihre Handflächen kreisen, knetete das weiche Fleisch mit einer Mischung aus Neugier und wachsendem Verlangen. Dann beugte sie sich vor und nahm eine Brustwarze in den Mund.
Ich krallte meine Finger in das Polster. Ihre Zunge war warm und nass. Sie umkreiste die Warze und saugte sanft daran. Ich spürte, wie die Hitze von meiner Brust in meinen Unterleib wanderte, wie eine Flüssigkeit, die sich durch alle Schichten meines Körpers fraß. Meine Schenkel öffneten sich wie von selbst unter ihrem Gewicht.
Greta hob den Kopf. „Ist das gut so?“
„Das ist verdammt gut. Mach weiter.“
Sie tat es. Sie wechselte zur anderen Brust, während ihre Hand die erste weiter massierte. Ich schloss die Augen und ließ es zu. Ihre Lippen und Zunge, ihre Finger, die leichte Rauheit ihrer Handflächen auf meiner empfindlichen Haut – es war überwältigend, weil es so unerwartet war. Greta. Meine Nachbarin. Die Frau, die meine Pakete annahm und Quittengelee verschenkte. Jetzt leckte sie über meine Brustwarzen, als hätte sie nie etwas anderes machen wollen.
Ich zog an ihrem Top. „Ausziehen. Ich will dich auch spüren.“
Sie richtete sich auf und zog sich das Top über den Kopf. Ihr BH war ein einfaches, weißes Baumwoll-Ding, das sie mit einem geschickten Griff öffnete und abstreifte. Ihre Brüste waren schwer und weich, mit wuchtigen blassen Warzen, die sich in der kühlen Zimmerluft zusammenzogen. Sie hatte Sommersprossen auf dem Brustbein und eine kleine Narbe unterhalb des Schlüsselbeins, die ich noch nie bemerkt hatte.
Ich zog sie wieder zu mir hinunter. Diesmal war ich es, die küsste und leckte, die ihre Brüste umfasste, die schwerer in meinen Händen lagen als meine eigenen, weicher und nachgiebiger. Ich sog an ihren Warzen, biss sachte hinein, ließ meine Zunge über die empfindliche Haut kreisen, und Greta stöhnte auf, ein tiefes, kehliges Geräusch, das mich anfeuerte. Ihre Hüften begannen, sich gegen meine zu bewegen, unwillkürlich, suchend.
„Carlotta …“, keuchte sie.
„Ja?“
„Ich will mehr. Ich will … Ich weiß nicht, wie ich es sagen soll.“
„Dann zeig ich’s dir.“
Ich schob sie sanft von mir herunter und legte sie auf den Rücken. Jetzt war ich es, die über ihr kniete. Ich öffnete den Knopf ihrer Jeans, zog den Reißverschluss herunter, schälte den festen Stoff über ihre Hüften und Schenkel. Sie trug ein schlichtes, schwarzes Höschen, das sich feucht anfühlte, als ich mit den Fingerspitzen darüberstrich.
Greta unterdrückte ein Wimmern. Ihre Hände gruben sich in meine Arme, und ihr Becken schob sich meiner Hand entgegen.
Ich zog ihr das Höschen aus. Der Anblick ihres nackten Körpers – die Rundung ihrer Hüften, das dunkle Dreieck ihrer Schamhaare, die feuchte, glänzende Haut darunter – traf mich mit einer Wucht, die ich nicht erwartet hatte. Es war nicht nur Erregung. Es war Zärtlichkeit, vermischt mit einer Art von Ehrfurcht, dass sie sich mir so öffnete, so vertrauensvoll und ungeschützt.
„Du bist wunderschön“, sagte ich. Und meinte es.
Ich ließ meine Hand zwischen ihre Beine gleiten. Sie war nass, sehr nass, und meine Finger fanden sofort die Stelle, die sie suchen ließ. Ihre Klitoris war geschwollen und fest unter meiner Berührung. Greta stöhnte auf, als ich sie dort berührte, ein langgezogener, vibrierender Ton, der durch den stillen Raum hallte.
Wie ihr Körper sich öffnet und ich sie in den Mund nehme, als gäbe es nichts anderes mehr
Langsam, mit kreisenden Bewegungen, rieb ich sie. Meine Finger waren feucht von ihr, glitten leicht über die empfindliche Haut, und ich beobachtete ihr Gesicht. Wie ihre Augenlider flatterten, wie ihr Mund sich öffnete und schloss, wie sie die Zähne in die Unterlippe grub und dann wieder losließ. Sie hielt meine freie Hand umklammert, presste sie auf ihre Brust, direkt über ihr hämmerndes Herz, und ich konnte den Rhythmus mitfühlen, schnell, hart und voller Verlangen.
„Carlotta, ich … oh Gott …“
„Sag mir, wenn ich aufhören soll.“
„Hör nicht auf. Bitte hör nicht auf.“
Ich ließ meine Finger tiefer gleiten, fand ihre Öffnung und drang mit einem Finger in sie ein. Sie war eng und heiß, und sie schrie fast auf, als ich mich in ihr bewegte. Ihre inneren Muskeln zogen sich um meinen Finger zusammen, und ich spürte, wie sie zitterte, wie ihr Becken sich mir entgegenhob und wieder senkte. Ich fügte einen zweiten Finger hinzu, und sie nahm mich auf, dehnte sich um mich, und ich beugte mich vor und küsste ihren Bauch, ihre Hüfte, das weiche Fleisch ihrer Schenkel.
Dann schob ich mich tiefer zwischen ihre Beine. Ich hob ihre Knie an, spreizte sie sanft weiter, bis sie mir ganz geöffnet war. Ihr Geruch stieg mir in die Nase, würzig und moschusartig und unverwechselbar. Ich legte meinen Mund auf sie.
Greta schrie auf. Ein unartikulierter, überraschter Laut, der in ein Stöhnen überging, als meine Zunge ihre Klitoris fand. Ich leckte sie in langsamen, breiten Bahnen, und sie schmeckte salzig und ein bisschen süß und nach allem, was ich mir nicht zu wünschen getraut hatte. Ihre Hände fuhren in meine Haare, zerrten und hielten mich gleichzeitig fest, als fürchte sie, ich könnte aufhören.
Ich hörte nicht auf. Ich leckte und sog und ließ meine Zunge um die geschwollene Perle kreisen, während meine Finger sich weiter in ihr bewegten, fester jetzt, rhythmischer. Gretas Atem wurde stoßweise, ihre Hüften bewegten sich gegen mein Gesicht, sie flüsterte Worte, die ich nicht verstand, und dann lauter: „Ja, da, da, genau da, bitte …“
Ich spürte, wie sie sich versteifte, wie ihre Muskeln sich um meine Finger zusammenzogen, wie ihr ganzer Körper unter einem unsichtbaren Druck zu vibrieren begann. Und dann kam sie. Ein langer, zitternder Orgasmus zog sich in Wellen durch sie hindurch. Sie rief meinen Namen, wieder und wieder, leise und heiser. Während ich sie hielt und leckte, hörte ich nicht auf, bis ihre Hand meine Stirn leicht wegschob und sie flüsterte: „Genug. Ich kann nicht mehr.“
Ich ließ von ihr ab und kroch zu ihr hoch, nahm sie in die Arme. Sie schmiegte sich an mich, schwer atmend, mit geschlossenen Augen, ihr Körper noch immer von kleinen Nachbeben durchzuckt. Ich hielt sie und fühlte, wie mein eigenes Verlangen brannte, ungestillt, pochend und fordernd.
„Du zitterst ja selbst“, murmelte sie nach einer Weile und öffnete die Augen. „Du Arme. Komm her.“
Sie drückte mich sanft in die Kissen und begann, mein Top und meine Hose auszuziehen, mit langsamen, bedächtigen Bewegungen, als würde sie ein Geschenk auspacken. Dann war ich nackt vor ihr, und sie sah mich an mit einem Blick, der zugleich schüchtern und gierig war.
„Ich will dich auch schmecken“, sagte sie.
Und sie tat es. Ungeschickt zuerst, tastend, lernend, aber mit einer Hingabe, die mich fast um den Verstand brachte. Ihre Zunge war weich und feucht, ihre Lippen zart, aber unermüdlich. Sie fand meinen Rhythmus, lernte, was ich mochte – den leichten Sog, die kreisenden Bewegungen, die flache, breite Zunge im Wechsel mit der spitzen, harten Spitze. Ich leitete sie mit meinen Händen in ihren Haaren, mit meinen Hüften, die ich ihr entgegenhob, mit den Lauten, die ich von mir gab, ohne sie kontrollieren zu können.
Und als ich kam, in ihrem Mund und unter ihren Händen, war es wie ein Springen, ein Sturz, ein vollkommenes Loslassen in etwas Hinein. Ich konnte es nicht benennen außer mit ihrem Namen.
Der Abend wird lang, und die Einkaufsliste liegt noch immer unberührt auf dem Tisch.
Danach lagen wir schweigend auf dem Sofa, eng umschlungen, unsere Beine ineinander verschränkt. Das Licht vor dem Fenster wurde langsam golden, ein später Nachmittag, der in einen frühen Abend überging. Irgendwo im Haus lief eine Waschmaschine, ein dumpfes, mechanisches Brummen, das uns daran erinnerte, dass es eine Welt außerhalb dieses Zimmers gab.
„Der Großeinkauf“, sagte Greta plötzlich.
Ich lachte. „Was ist damit?“
„Der ist jetzt wohl gelaufen. Der Supermarkt macht um acht zu.“
„Dann gehen wir morgen.“
„Morgen ist Montag. Da muss ich arbeiten.“
Ich drehte mich zu ihr und strich ihr eine Haarsträhne aus der Stirn. Sie sah jetzt jünger aus, entspannter, mit geröteten Wangen und einem Mund, der nicht mehr aufhören konnte zu lächeln.
„Dann übermorgen. Oder nie. Vielleicht brauchen wir gar keinen Großeinkauf. Vielleicht leben wir von dem Zeug in der Vorratskammer.“
„Die Marmelade von 216?“, fragte sie und verzog das Gesicht. „Nein, danke. Die ist garantiert schlecht.“
„Dann schmeißen wir sie weg. Zusammen.“
„Zusammen“, wiederholte sie. Ihre Hand fand meine und verschränkte die Finger mit meinen. „Das klingt gut.“
Wir duschten gemeinsam, und das war fast noch intimer als alles davor. Das warme Wasser, das über unsere Körper lief, unsere Hände, die sich gegenseitig einseiften, die Blicke, die wir austauschten, als könnten wir immer noch nicht glauben, was geschehen war. Greta wusch mir den Rücken mit langsamen, kreisenden Bewegungen, und ich schloss die Augen und lehnte mich gegen sie, fühlte ihre Brüste an meinem Rücken, ihre Hände auf meiner Haut.
„Bleibst du über Nacht?“, fragte ich.
„Wenn du willst.“
„Ich will.“
Wir aßen spät. Brot mit Käse und dem Rest eines Chutneys, das noch genießbar war. Wir saßen an meinem kleinen Küchentisch, in Bademäntel gehüllt, und redeten. Über früher, über jetzt, über das, was vielleicht kommen würde. Über Miriam, meine Ex, und über Gretas gescheiterte Beziehungen zu Männern, die immer irgendwie halbherzig gewesen waren, ohne dass sie verstanden hatte, warum.
„Jetzt verstehe ich es“, sagte sie und sah mich an. „Es war nie die falsche Person. Es war das falsche Geschlecht.“
Ich nahm ihre Hand über den Tisch hinweg. „Bist du sicher?“
„Nein. Aber ich fühle mich sicherer als in den letzten fünfzehn Jahren mit irgendwem. Du?
„Ich fühl mich, als hätte ich etwas gefunden, von dem ich nicht wusste, dass ich es gesucht habe.“
Sie lächelte. Draußen war es dunkel geworden, und die Straßenlaterne warf ein orangefarbenes Licht ins Zimmer. Die Einkaufsliste lag noch immer auf dem Tresen, unberührt und vollkommen unwichtig.
„Lass uns das mit der Vorratskammer morgen zu Ende machen“, sagte Greta. „Aber nur, wenn du mich vorher nochmal küsst.“
Ich stand auf und küsste sie. Der Kuss schmeckte nach Ziegenkäse und Chutney und nach etwas Süßem, das ich nicht benennen konnte.
„Abgemacht“, murmelte ich an ihren Lippen.
Und während wir so dastanden, an meinem Küchentresen, halb angezogen und vollkommen verwirrt und glücklich, dachte ich, dass manche Dinge im Leben sich genau dann ereignen, wenn man sie am wenigsten erwartet. Zwischen Einmachgläsern und abgelaufenem Pesto. Zwischen Alltag und einer Nachbarin, die plötzlich keine Nachbarin mehr war. Vielleicht war das genau die Art von lesbischer Verführung, die das Leben für einen bereithielt – leise, unverhofft und für immer verändernd.
– ENDE –
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