Lesbisches Verlangen entdeckten
Manchmal wünschte ich, ich hätte damals im Baumarkt nicht nur Farbe und Dübel verkauft, sondern endlich den Mut gefunden, dieses bohrende, unerfüllte lesbische Verlangen beim Namen zu nennen, das mich jedes Mal durchfuhr, wenn sie mit ihren schmalen Händen den Kassenschlüssel drehte. Es ist ein Gedanke, der kommt und geht wie das Flackern der Leuchtstoffröhren kurz vor Geschäftsschluss – unberechenbar, irritierend und doch so vertraut, dass man ihn kaum noch hinterfragt. Ich stand an Kasse drei, die Hände noch feucht vom letzten Kunden, der eine ganze Palette Blumenerde bar bezahlt hatte, und beobachtete sie. Lea sortierte am Ende ihres Bandes Pfandbons, die linke Strähne hinter das Ohr geklemmt, die Stirn leicht gerunzelt, als würde sie innerlich längst woanders sein, vielleicht bei einem Glas Wein auf einem Balkon, von dem ich nichts wusste.
Der Baumarkt roch immer gleich um diese Zeit: nach Holzstaub, der sich in die Kleidung fraß, nach billigem Maschinenöl aus der Werkstatt hinten links und einem Hauch von Kunststoffplane, die irgendwo im Lager aufgerollt lag und darauf wartete, am nächsten Morgen von einem überambitionierten Heimwerker abgeholt zu werden. Die Lautsprecherdurchsage, dass der Markt in zwanzig Minuten schließe, klang blechern und weit weg, fast wie eine Erinnerung an eine Erinnerung. Ich hatte mich längst daran gewöhnt, dass der Job nicht mehr war als ein Zwischenstopp – ein Ferienjob, anständig bezahlt, körperlich nicht zu anstrengend, seelisch eine Art Wartezimmer für etwas, das ich nicht benennen konnte. Bis Lea anfing. Bis sie plötzlich da war mit ihrer ruhigen Art, die Preisetiketten geradezurücken, als wäre das eine Kunst, und mich mit einem Blick zu bedenken, der mich aus meiner eigenen Gleichgültigkeit riss wie eine Angel den Fisch aus dem trüben Teich.
Draußen vor den automatischen Schiebetüren war es noch hell genug, dass die Sensorleuchten am Parkplatz nicht ansprangen. Die letzten Kunden schoben ihre Wagen mit dem typischen Quietschen über den Linoleumboden, das ich noch abends im Bett hören konnte, wenn ich die Augen schloss. Alles an diesem Ort war durchdrungen von einer seltsamen Endgültigkeit des Feierabends, einer Mischung aus Erschöpfung und dieser dumpfen Erwartung, dass der eigentliche Tag vielleicht erst jetzt beginnen könnte. Ich wischte mir die Hände an der Arbeitsweste ab, spürte den rauen Stoff unter den Fingerspitzen und wagte es, hinüberzusehen. Wieder.
Lea hatte inzwischen ihren Pfandbonstapel ordentlich zusammengeschoben und lehnte jetzt mit dem Rücken am Tresen, die Arme vor der Brust verschränkt, den Kopf leicht zur Seite geneigt. Sie sah nicht müde aus. Sie sah aus wie jemand, der darauf wartet, dass etwas passiert. Ich kannte diesen Ausdruck, weil ich ihn in meinem eigenen Spiegelbild wiedererkannte, morgens und abends und immer dann, wenn die Stille besonders laut war. Vielleicht war es das, was mich so zu ihr hinzog: diese stille Verwandtschaft zweier Menschen, die wussten, dass unter der Oberfläche noch etwas anderes schlummerte, etwas, das mit dem Piepsen der Scanner und dem Rattern der Kassenladen wenig zu tun hatte, aber alles mit dem, was kam, wenn die Neonröhren endlich ausgingen.
Die Stille zwischen zwei Pieptönen
Es war kurz vor Ladenschluss, als sie an mein Band trat. Nicht als Kundin, sondern einfach so, mit diesem halb entschuldigenden Schulterzucken, das sie immer aufsetzte, wenn sie etwas tat, das nicht explizit in der Aufgabenliste stand. „Nora“, sagte sie und mein Name klang in ihrem Mund nach mehr als nur zwei Silben, „hast du nachher noch was vor?“ Ich schüttelte den Kopf, vielleicht zu schnell, vielleicht zu heftig, doch sie lächelte nur und lehnte sich gegen die Kartenleser-Abdeckung, nah genug, dass ich das Waschmittel riechen konnte, mit dem sie ihre Arbeitsweste behandelte, und darunter einen Hauch von Zitronenmelisse oder irgendetwas anderem, das nicht hierher gehörte. „Ich auch nicht“, sagte sie. „Und ich dachte, vielleicht können wir gemeinsam nichts vorhaben.“
Ich lachte, ein bisschen atemlos. Sie hatte diese Art, Sätze zu formulieren, die wie beiläufige Angebote wirkten, aber in Wirklichkeit kleine, behutsame Einladungen waren, deren eigentliche Bedeutung sich erst nach und nach entfaltete, wie eine Blüte im Zeitraffer. Die Lautsprecherdurchsage ertönte erneut, diesmal mit Nachdruck: Der Markt schließe in zehn Minuten, alle Kunden möchten bitte zur Kasse kommen. Der Akzent des Sprechers war irgendwo zwischen Berlin und Brandenburg, ein Klang, der mich sonst anöden würde, aber jetzt war ich zu sehr damit beschäftigt, Leas Augen zu studieren: haselnussbraun mit einem winzigen goldenen Sprenkel im linken, den ich noch nie zuvor gesehen hatte, weil ich noch nie so nah gestanden hatte. So nah, dass ich die feinen Fältchen um ihren Mund erkennen konnte, Lachfalten, die von irgendwelchen Sommern erzählten, die sie ohne mich verbracht hatte.
Wir schlossen die Kassen ab, zählten das Bargeld, unterschrieben die Listen. Alles wie immer, und doch war jede Handlung aufgeladen mit einem Knistern, das ich körperlich spürte, einem Summen unter der Haut, das mit jedem Handgriff lauter wurde. Die letzten Kollegen verabschiedeten sich, ließen ihre Spinde zuknallen, riefen ein müdes „Schönen Feierabend“ den Flur entlang. Lea und ich blieben zurück, als wäre es die selbstverständlichste Sache der Welt. Der Baumarkt war jetzt still bis auf das leise Zischen der Heizung und das gelegentliche Knacken der Gebäudetechnik. Die Gänge lagen im Halbdunkel, nur die Notbeleuchtung warf fahle Rechtecke auf den Boden, und die Regale mit den Schrauben und Muttern und Gewindestangen standen da wie stumme Zeugen einer Welt, die plötzlich ganz klein geworden war.
„Manchmal frage ich mich, wie viele Leute wohl hier im Baumarkt schon Sex hatten“, platzte ich heraus, ohne nachzudenken, und spürte sofort, wie mir die Röte ins Gesicht schoss. Sie hielt inne, die Hand noch am Lichtschalter des Personalraums, und drehte sich langsam um. Ihr Blick war amüsiert, aber darunter lag etwas anderes, etwas, das ich nicht sofort benennen konnte, eine Art wissender Ernst, der mich durchfuhr, als hätte ich einen Schalter umgelegt, von dem ich nicht einmal geahnt hatte, dass er existierte.
„Keine Ahnung“, sagte sie leise. „Sollen wir’s herausfinden?“
Ich hörte mein eigenes Herz schlagen, dumpf und viel zu schnell. Sie kam einen Schritt auf mich zu, dann noch einen, und plötzlich stand sie direkt vor mir, ihre Hand an meinem Ellenbogen, federleicht, als wäre sie sich nicht sicher, ob ich bleiben würde oder weglaufen. Ich blieb. Ihr Daumen strich einmal über die Innenseite meines Unterarms, eine Berührung, die so zart war, dass sie fast nicht stattfand, und gleichzeitig so intensiv, dass ich dachte, meine Haut würde jeden Moment Feuer fangen. Der Baumarkt um uns herum verschwand nicht, aber er veränderte sich, wurde zur Kulisse, zu einer unwirklichen Traumwelt aus Regalmetern und Betonboden, in der nur noch zählte, dass sie mich ansah, als könnte sie alles sehen, was ich je versteckt hatte.
Unter dem Neonlicht, das nicht lügt

Das Erste, was ich an ihrem Mund schmeckte, war der Instant-Kaffee aus dem Automaten hinten am Eingang, den sie vor einer halben Stunde getrunken haben musste, und darunter der salzige Hauch von Haut, echt und roh und so ganz anders, als ich es mir in all den einsamen Abenden vorgestellt hatte, in denen ich mir eingeredet hatte, es sei nur eine verrückte Idee, dieses lesbische Verlangen, das mich nachts wachhielt und tagsüber vergessen ließ, warum ich mich jemals für Männer interessiert hatte. Wir standen im Gang des Malerbedarfs, irgendwo zwischen den Farbmischmaschinen und den Tapetenmustern, als sie mich küsste. Nicht zögerlich, nicht fordernd, sondern mit einer Selbstverständlichkeit, die mir den Boden unter den Füßen wegzog, als hätte sie nie etwas anderes vorgehabt, als mich an einem Dienstagabend zwischen den Dispersionsfarben von der Leiter der Einsamkeit zu holen.
Meine Hände fanden ihren Nacken, ihre Schultern, die Rundung ihrer Hüften unter der dünnen Bluse, die sie unter der Weste trug. Sie seufzte in meinen Mund, ein kleines, ersticktes Geräusch, das in meinem Brustkorb widerhallte, und ich spürte, wie mein ganzer Körper reagierte, wie meine Brustwarzen sich unter dem BH aufrichteten, wie mein Bauch sich zusammenzog, wie meine Oberschenkel sich aneinanderpressten, ganz von selbst. Ich zog sie näher, die grobe Baumarktweste zwischen uns, dieses lächerliche Kleidungsstück, das plötzlich zum Symbol von allem wurde, was wir hier hinter uns ließen. Ihre Finger öffneten den Reißverschluss meiner Weste mit einer Geschicklichkeit, die mich kurz innehalten ließ. Dann schob sie mir den Stoff von den Schultern, und ich tat dasselbe mit ihrer, und unsere Westen fielen auf den Linoleumboden wie abgestreifte Häute, wie die Exoskelette zweier Frauen, die nicht länger so tun mussten, als wären sie nur Kolleginnen.
Sie presste mich gegen das Regal, sanft, aber bestimmt, und ich spürte die Kanten der Farbdosen im Rücken, kühl und hart, ein Kontrast zu der Weichheit ihrer Lippen, die über meinen Hals wanderten, meinen Puls küssten, der unter der Haut hämmerte, als wollte er ausbrechen. Ihre Hände glitten unter mein Hemd, fuhren die Furche meiner Wirbelsäule entlang, und jeder Nerv in meinem Körper schien sich auf diesen einen Punkt zu konzentrieren, diesen schmalen Streifen Haut, den sie berührte. Ich stöhnte auf, leise, aber im leeren Baumarkt klang es viel lauter, als es war, und der Gedanke, dass wir jeden Moment entdeckt werden könnten, dass irgendwo noch ein Nachtwächter seine Runden drehte oder die Putzkolonne unten an der Tür rüttelte, machte alles nur noch schärfer, noch dringlicher, noch unausweichlicher.
„Ich wollte das schon so lange“, flüsterte ich, und meine Stimme brach fast, als sie mit ihren Lippen mein Schlüsselbein entlangfuhr. Sie hob den Kopf, sah mich an mit diesen haselnussbraunen Augen, in denen jetzt ein Feuer loderte, das ich noch nie gesehen hatte, und dann lächelte sie, ein Lächeln, das mein Herz zerdrückte und gleichzeitig wiederbelebte. „Ich weiß“, sagte sie. „Ich auch.“ Sie öffnete meine Jeans, Knopf für Knopf, Millimeter für Millimeter, und schob den Stoff über meine Hüften, während sie vor mir in die Knie ging, als wäre es ein Gebet, und ich dachte: Wenn es einen Gott gibt, dann ist sie hier, gerade jetzt, zwischen den Tapetenmustern und den Farbfächern, und sie sieht aus wie der Beweis, dass mein Verlangen keine Sünde war, sondern das einzig Wahre in einer Welt voller Falschheiten.
Jeder Atemzug eine Farbe, die ich noch nicht kannte.
Ihr Mund fand mich dort, wo ich am empfindlichsten war, feucht und hungrig und zärtlich zugleich, und meine Hände krallten sich in das Regal hinter mir, suchten Halt zwischen den Farbmustertafeln, die klapperten, als mein Körper sich aufbäumte. Ich hatte gedacht, ich wüsste, wie sich das anfühlt – ich hatte es mir vorgestellt, hatte Nächte damit verbracht, mich selbst zu berühren und dabei an sie zu denken, hatte mir Filme angesehen und Bücher gelesen und mich gefragt, ob es wirklich so anders sein würde mit einer Frau. Es war anders. Es war so anders, dass ich für einen Moment vergaß zu atmen.
Ihre Zunge strich über mich, langsam, forschend, als würde sie mich lesen wie ein Buch, dessen Seiten sie nicht umblättern, sondern aufsaugen wollte. Sie hielt meine Hüften fest, die Daumen in die weiche Stelle oberhalb der Knochen gedrückt, und jeder Kreis, den sie zog, jeder vorsichtige Druck, jede Variation ihres Rhythmus, ließ mich tiefer in etwas sinken, für das ich keine Worte hatte. Meine Oberschenkel zitterten, meine Knie wollten nachgeben, und sie spürte es, natürlich spürte sie es, und sie fing mich auf, presste ihre Lippen fester auf mich, ließ ihre Zunge schneller werden, bis ich ihren Namen stöhnte, einmal, zweimal, immer wieder, und mein Becken sich gegen ihren Mund presste, unkontrolliert und gierig und so schamlos, dass ich hätte erröten müssen. Aber ich errötete nicht. Ich schloss die Augen und ließ mich fallen, und die Welt bestand nur noch aus dem Druck ihrer Lippen, der Hitze ihres Atems, dem elektrischen Schlag, der meinen Körper durchraste, als ich kam, endlich kam, mit einer Wucht, die mich aufschreien ließ, laut und hemmungslos in der Stille des Baumarkts, der unser Geheimnis wie ein stiller Mitwisser umschloss.
Ich zog sie hoch, bevor ich wieder Luft bekam, küsste sie, schmeckte mich auf ihren Lippen, auf ihrer Zunge, und ein Schluchzen stieg in mir auf, das nicht nur Erleichterung war, sondern Trauer und Freude und die Erkenntnis, dass ich jahrelang an etwas vorbeigelebt hatte, das jetzt so klar vor mir lag wie die offenen Regale um uns herum. „Komm her“, flüsterte ich, als wir uns lösten, und zog sie tiefer in den Gang, dorthin, wo die Kuscheldecken und Sitzkissen ausgestellt waren, eine kleine Musterwohnlandschaft, die griffbereit darauf wartete, benutzt zu werden.
Ich legte sie auf die weichste Decke, die ich finden konnte, ein dickes, flauschiges Ding in Senfgelb, und kniete mich über sie. Ihre Bluse war noch zu, also öffnete ich sie, Knopf für Knopf, und küsste jeden Zentimeter Haut, der zum Vorschein kam: das Brustbein, die Rippen, die sanfte Wölbung ihrer Brüste, die unter einem schlichten, weißen BH ruhten, den ich mit einem Handgriff öffnete. Ihre Brustwarzen waren dunkler als meine, bräunlich mit einem Stich ins Rosa, und sie richteten sich auf, als ich sie mit den Fingerspitzen berührte, erst vorsichtig, dann fester, bis sie die Augen schloss und leise wimmerte. Ich nahm eine in den Mund, saugte daran, leckte sie, biss vorsichtig, bis sich ihr Rücken durchbog und ihre Hände meinen Kopf hielten, genau da, wo ich war, als wollte sie mich nie wieder loslassen.
Meine Hand glitt ihren Bauch entlang, tiefer, in ihre Jeans, die sie immer noch trug, und ich spürte die Nässe, bevor ich sie sah. „Du bist so feucht“, sagte ich, und es klang wie ein Wunder, das ich nicht fassen konnte. Sie lächelte, ein schläfriges, erregtes Lächeln, und zog meine Hand fester an sich. Ich schob den Stoff ihrer Jeans über ihre Hüften, zog sie ihr ganz aus, und dann lag sie vor mir, nackt und bereit und schöner als alles, was ich je gesehen hatte. Ich ließ meine Finger zwischen ihre Beine gleiten, spürte die Hitze, die Weichheit, die pulsierende Enge, als ich in sie eindrang. Sie seufzte, tief und lang, und ich bewegte mich langsam, ganz langsam, genoss das Gefühl, sie von innen zu spüren, den Rhythmus ihres Beckens, das sich mir entgegendrängte, die feuchten Geräusche, die unsere Körper machten, die Art, wie sie meinen Namen hauchte, als wäre er ein Geschenk.
Ich fand ihren Rhythmus, schneller jetzt, drängender. Mein Daumen rieb über ihre Klitoris, während meine Finger sich in ihr bewegten, und ich sah zu, wie sie sich verlor, wie die Kontrolle von ihr abfiel, wie ihre Hände in die Decke krallten, wie ihr Kopf in den Nacken fiel und ein animalischer Laut aus ihrer Kehle brach, als sie kam, lange und bebend, und ich hielt sie, presste meine Stirn an ihre und flüsterte sinnlose Dinge, irgendwas von Schönheit und Zugehörigkeit und dass ich das niemals vergessen würde, niemals.
Was die Morgenschicht nicht wissen wird
Wir lagen noch eine Weile so, auf den zusammengeschobenen Decken, die Beine ineinander verschlungen, während die Heizung summte und die Kühltruhen im Hintergrund brummten wie ein Schlaflied für Erwachsene. Der Baumarkt war vollkommen still und vollkommen uns. Ich strich mit den Fingerspitzen über Leas Schulter, zeichnete Kreise auf ihre Haut, spürte die winzigen Härchen, die sich unter meiner Berührung aufrichteten. Sie hatte die Augen geschlossen, aber ich wusste, dass sie nicht schlief – ihr Atem war zu flach, zu bewusst, zu sehr bei mir.
Der Gedanke an den nächsten Morgen drängte sich in meinen Kopf, ungebeten und unvermeidlich. Die Frühschicht würde um sieben Uhr die Türen aufsperren, die Kassen hochfahren, die ersten Kunden bedienen, und niemand würde ahnen, was in der Nacht zuvor in diesen Gängen geschehen war. Niemand würde sehen, dass sich unter der senfgelben Decke noch die Wärme unserer Körper hielt, dass wir mit dem Geschmack der anderen auf der Zunge nach Hause gehen würden, dass sich etwas Grundlegendes verändert hatte, nicht nur zwischen uns, sondern in uns. Ich dachte an die Jahre, in denen ich versucht hatte, das lesbische Verlangen zu ignorieren, es kleinzureden, es in Schubladen zu stopfen, die nicht dafür gemacht waren. Es kam mir jetzt so absurd vor, wie das Warten auf einen Zug, von dem man wusste, dass er nie kommen würde, während direkt vor einem ein anderer Zug bereitstand, die Türen offen, die Sitze leer, das Ziel versprechend wie nichts sonst auf der Welt.
„Was passiert jetzt?“, fragte sie, ohne die Augen zu öffnen, und ihre Stimme hatte diesen rauen, postkoitalen Klang, der mich sofort wieder erregte. Ich küsste ihre Schulter, ihre Halsbeuge, die Stelle hinter ihrem Ohr, die so weich war, dass ich fürchtete, sie mit meinen Lippen zu verletzen. „Ich weiß es nicht“, gab ich zu. „Aber ich will es herausfinden. Mit dir. Morgen und übermorgen und an jedem Tag, der noch kommt.“ Sie öffnete die Augen, und da war wieder dieses Lächeln, das mich vom ersten Tag an umgehauen hatte, dieses Lächeln, das besagte, dass sie mir glaubte, dass sie keine Bestätigung brauchte, dass sie mich verstand, selbst da, wo ich mich selbst noch nicht verstand.
Wir standen auf und sammelten unsere Kleider ein, zogen uns an, Stück für Stück, in einer Umkehrung des Ausziehens, die trotzdem etwas Heiliges hatte, fast wie ein Ritual. Die Arbeitswesten, die wir wieder überzogen, fühlten sich anders an als noch vor einer Stunde, weniger nach Uniform, mehr nach einem geteilten Geheimnis, einer Markierung für Eingeweihte. Lea strich mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht, eine kleine, beiläufige Geste, die mich tiefer berührte als all die großen Worte, die ich nicht aussprechen musste, weil sie ohnehin zwischen uns standen, klar und deutlich wie die Preisschilder an den Regalen.
Wir verließen den Baumarkt durch den Personaleingang, hektisch und leise, zwei Schatten, die über den Parkplatz huschten und dabei kicherten wie Teenager, die etwas angestellt hatten. Draußen war es jetzt dunkel, die Sensorleuchten waren doch noch angesprungen und warfen ihr fahles Orange auf den Asphalt. Wir standen noch einen Moment an meinem Auto, ihren Rücken an die Fahrertür gelehnt, meine Hände an ihren Hüften, und küssten uns noch einmal, langsamer jetzt, mit dem Wissen, dass es nicht der letzte Kuss sein würde. „Bis morgen“, sagte sie, als sie sich löste. „Gleich nach der Schicht.“ Und ich nickte, die Kehle zu eng für Worte, und sah ihr nach, wie sie zu ihrem eigenen Wagen ging, einer kleinen, verbeulten Limousine, die bei Tageslicht banal gewirkt hätte, aber jetzt, im flackernden Licht der Parkplatzlampen, aussah wie das Vehikel in eine neue Welt.
Ich setzte mich hinters Steuer, atmete tief durch, spürte den Geruch von ihren Haaren an meiner Jacke, ihren Geschmack auf meiner Zunge, das leichte Brennen meiner noch immer empfindlichen, gesättigten Mitte. Der Parkplatz leerte sich um mich herum, und ich blieb noch sitzen, die Hände auf dem Lenkrad, den Blick ins Nichts, während ich versuchte, diesen Moment festzuhalten, ihn zu konservieren wie eine seltene Briefmarke oder ein getrocknetes Blütenblatt, damit ich ihn hervorholen konnte, wenn ich je wieder zweifeln würde, wer ich war und wen ich liebte. Die Frage, die mich so lange begleitet hatte, war nicht mehr ob, sondern wie – und das war mehr, als ich mir je zu hoffen gewagt hatte.
– ENDE –
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