Geheime Selbstbefriedigung
Julias Finger glitten über das aufgeraute Ventil des Schwimmreifs, während sie den Plastikring zwischen ihren Knien fixierte und die Lippen um das Mundstück schloss. Der vertraute Geruch von Chlor und sonnengewärmtem Gummi stieg in ihre Nase, vermischt mit etwas anderem – Benedikts Rasierwasser, das von seiner Haut herüberwehte, als er sich neben ihr auf der hölzernen Beckenumrandung niederließ. Sie spürte seinen Blick, ohne hinsehen zu müssen, so wie man die Wärme einer Flamme wahrnimmt, noch bevor man sie berührt. Der Schlauch des Kompressors lag ungenutzt zwischen ihnen, ein silbrig geringeltes Versprechen auf Effizienz, das sie beide stillschweigend ignoriert hatten.
Benedikt griff nach dem zweiten Schwimmreif, einem türkisfarbenen Ungetüm mit aufgedruckten Seesternen, und ließ seine Handfläche prüfend über die Naht gleiten. Die Nachmittagssonne stand hoch genug, um den Pool in gleißendes Licht zu tauchen, und die Zikaden im Oleandergebüsch hatten ihren monotonen Gesang aufgenommen. Es war dieser träge Teil des Tages, an dem die Zeit sich dehnt und selbst alltägliche Handlungen eine seltsame Intimität annehmen. Man hätte die Kompressorpumpe benutzen können – sie lag direkt neben Julias Knie, das schmale Mundstück nur eine Handbreit entfernt. Aber es ging längst nicht mehr um praktische Erwägungen.
Julia pustete mit kontrollierter Kraft in das Ventil, ihre Wangen rundeten sich, und sie beobachtete, wie Benedikts Adamsapfel sich bewegte, als er schluckte. Die Luft zwischen ihnen schien zu flirren, schwer von unausgesprochenen Dingen, die seit Wochen unter der Oberfläche ihrer freundschaftlichen Vertrautheit brodelten. Jede Berührung, jede beiläufige Geste war aufgeladen, ein unhörbares Summen, das sich in ihren Nervenenden festsetzte. Sie kannten einander seit Jahren – gemeinsame Grillabende, Doppelkopf, belanglose Gespräche über Zierpflanzen und Grundstückspreise – doch dieser Nachmittag fühlte sich an, als hätte jemand einen Schleier beiseitegezogen.
Das Gummi gab unter ihren Lippen nach und federte zurück, als sie ausatmete. Sie stellte fest, dass die Bewegung sie an etwas anderes erinnerte, etwas Verbotenes, das sie in stillen Nächten praktizierte: die geheime Selbstbefriedigung, die sie hinter verschlossenen Türen und zugezogenen Vorhängen auslebte. Der Gedanke ließ Hitze in ihre Wangen steigen, nicht aus Scham, sondern aus einem seltsamen Wiedererkennen. Die rhythmische Bewegung des Mundes, das Anspannen und Loslassen, der leichte Schwindel von zu viel Luft – all das war vertraut und doch neu, weil Benedikt ihr dabei zusah.
„Du machst das nicht zum ersten Mal“, sagte er, und seine Stimme war tiefer als sonst, mit einem Unterton, der ihr einen feinen Schauer über die Unterarme jagte.
„Es gibt Dinge, die man nicht verlernt“, erwiderte Julia und setzte ab, um kurz zu verschnaufen. Ihre Brust hob und senkte sich unter dem leichten Baumwolltop, und sie sah, wie sich seine Pupillen weiteten, während sein Blick über ihr Schlüsselbein glitt.
Benedikt hob seinen eigenen Reif an den Mund, hielt aber inne, die Lippen bereits geöffnet, als wartete er auf etwas. Auf sie. Immer auf sie. In den vergangenen Monaten hatte er gelernt, ihre kleinsten Gesten zu deuten – das Zucken ihres Mundwinkels, wenn sie etwas Belangloses sagte und dabei etwas Bedeutsames dachte. Das leise Kratzen ihrer Fingernägel über Stoff, wenn sie nervös war. Die Art, wie sie jetzt die Beine enger an den Schwimmreif presste, als suchte sie Halt an etwas, das unter ihren Händen Gestalt annahm.
Der Kompressor röchelte leise vor sich hin, als verhöhnte er ihre Ausrede, hier draußen zu sitzen, während die Luft flirrte und ihre Atemzüge sich vermischten. Julia nahm einen Schluck aus der Wasserflasche, die zwischen ihnen stand, und als Benedikt ebenfalls danach griff, berührten sich ihre Finger. Nur ein Sekundenbruchteil, doch es war, als hätte jemand einen Stromkreis geschlossen. Sie zuckte nicht zurück. Er auch nicht. Ihre Fingerspitzen blieben aneinander liegen, während das Wasser in der Flasche leise glucksend den veränderten Winkel ausglich.
Wo das Atmen aufhört und das Begehren beginnt
Die Grenze zwischen dem gemeinsamen Tun und einer schweigenden Verabredung war so dünn wie die Gummihaut unter Julias Lippen. Sie nahm den Rhythmus wieder auf, pumpte Luft in den Schwimmreif, der nun schon prall genug war, um Widerstand zu leisten. Mit jedem Atemzug, den sie hineinpresste, spannte sich das Material und dehnte sich. Es vibrierte unter ihren Händen und war ein unerwartet lebendiges Ding, das ihr mehr Konzentration abverlangte, als sie in Benedikts Gegenwart aufbringen konnte.
Er hatte aufgehört, an seinem eigenen Reif zu arbeiten. Stattdessen sah er ihr zu, ungeniert, mit einer Intensität, die sie körperlich spürte wie eine Berührung. Sein Atem ging schneller, obwohl er still saß, und unter dem dünnen Leinenstoff seiner Shorts zeichnete sich eine Reaktion ab, die er nicht zu verbergen suchte. Julias Mund war trocken, nicht von der Anstrengung, sondern von dem Wissen, dass sie beide dieselbe Szene mit denselben inneren Bildern verfolgten.
„Du starrst“, flüsterte sie, ohne von dem Ventil aufzusehen.
„Ja.“ Keine Entschuldigung, kein Zurückweichen. Nur dieses eine Wort, das wie eine Handvoll Kiesel in stilles Wasser platschte.
Ihre Finger glitten an der geschwungenen Rundung des Reifs entlang, prüften die Festigkeit, die sie geschaffen hatte. Die Bewegung war beiläufig und doch voller Bedeutung. Sie war eine unbewusste Parallele zu jenen Nächten, in denen ihre Hände unter der Bettdecke ähnliche Bahnen zogen. Sie forschten, bestätigten und maßen die Spannung, bevor sie sich fallen ließ in das vertraute Ritual der geheimen Selbstbefriedigung. Der Vergleich war so überwältigend präsent, dass sie für einen Moment glaubte, er müsse ihn ihr ansehen. Aber Benedikts Blick hing an ihren Lippen, als wären sie das Einzige, was auf dieser Welt noch existierte.
Sie entschied sich, sein Spiel mitzuspielen – falls es ein solches war. Sie zog den Reifen dichter an sich heran und presste die pralle Gummirundung gegen ihren Bauch. Sie ließ ihre Zunge für den Bruchteil einer Sekunde über die Unterlippe gleiten, bevor sie das Ventil erneut umschloss. Der Kunststoffgeschmack war längst vertraut, fast angenehm jetzt, ein kindliches Relikt aus Sommerferien, das sich seltsam mit der erwachsenen Spannung vermischte, die zwischen ihnen knisterte.
Benedikt verlagerte sein Gewicht. Die Holzplanken unter ihm knarrten, und als er die Knie ein wenig spreizte, tat er nichts, um die immer deutlichere Wölbung in seinem Schoß zu kaschieren. Seine Hand lag flach auf seinem Oberschenkel, die Finger leicht gekrümmt, als hielten sie etwas Unsichtbares. Julia kannte diese Haltung. Sie hatte sie selbst oft genug eingenommen, wenn sie im Halbschlaf die Kontrolle verlor und die Berührung suchte, bevor das Bewusstsein Einspruch erheben konnte.
Die Zikaden waren lauter geworden. Oder es kam ihr nur so vor, weil das Blut in ihren Ohren rauschte. Sie setzte ab, ließ den Schwimmreif zur Seite rollen, wo er gegen Benedikts Schienbein stieß und dort liegen blieb wie eine absurde Boje zwischen zwei Schiffen, die auf Kollisionskurs trieben. Der Schweiß auf ihrer Oberlippe schmeckte salzig.
„Jetzt du“, sagte sie und schob ihm den Reif zu, der noch schlaff über seinen Knien lag. „Zeig mir, wie gut du darin bist.“
Die Doppeldeutigkeit hing zwischen ihnen wie ein physisches Ding. Benedikts Lächeln war schmal, fast gequält von der Konzentration, die es ihn kostete, sich nicht auf sie zu stürzen. Er hob den Reifen an den Mund, und als seine Lippen das Ventil umschlossen, stieß Julia einen unhörbaren Seufzer aus.
Dass sie beide an dasselbe dachten, war nur einen Atemzug entfernt.

Die Welt war auf die Größe eines Swimmingpools geschrumpft, eingerahmt von Oleanderbüschen und dem beharrlichen Klang der Zikaden. Benedikt blies Luft in den Reifen, aber seine Lungen füllten sich nicht nur mit Sauerstoff – sie sogen Julias Geruch ein, diesen warmen, leicht moschusartigen Duft, den auszuhalten ihm immer schwerer fiel. Er hatte diesen Geruch in seinen Laken wiedererkannt, als sie neulich bei ihm übernachtet hatte, weil sie zu betrunken zum Fahren gewesen war, wie sie behauptet hatte. In jener Nacht hatte er wach gelegen und ihre Anwesenheit durch die dünne Wand gespürt wie ein permanentes Ziehen in den Eingeweiden. Irgendwann, gegen drei Uhr morgens, hatte seine Hand unter die Decke gefunden, was sie suchte.
Die geheime Selbstbefriedigung war für ihn nie ein Ersatz gewesen, sondern ein eigenständiges Ritual, ein Dialog mit seinem Körper, den er beherrschte und dem er gleichzeitig ausgeliefert war. Aber seit Julia in sein Leben getreten war, hatten sich seine Fantasien verändert. Es waren nicht mehr fremde Körper, anonyme Münder, gesichtslose Schenkel. Es war immer ihr Gesicht, das hinter seinen geschlossenen Lidern auftauchte. Es war das leise Zucken ihrer Braue, wenn sie konzentriert war, und der Schwung ihres Nackens, wenn sie den Kopf in ihn legte und lachte. Und jetzt saß sie zwanzig Zentimeter von ihm entfernt, die Beine lässig zur Seite gelegt, und beobachtete, wie sein Mund das Ventil umschloss.
Sein Herz schlug so hart, dass er es im Gaumen spürte. Der Schwimmreif füllte sich widerwillig, verlangte mehr Druck, mehr Atem, mehr von ihm. Er dachte an die Kompressorpumpe, die zwischen ihnen lag wie ein stummer Vorwurf, und wusste, dass er sie nicht benutzen würde, nicht einmal, wenn Julia ihn darum bäte. Das hier war kein Aufblasen. Das hier war Vorspiel in seiner elementarsten Form.
„Du machst Fortschritte“, sagte Julia, und ihre Stimme klang belegt, als hätte sie Kieselsteine im Hals.
Benedikt setzte ab, atmete schwer. Der Reif war halb voll, eine schlaffe Sichel, die sich gegen sein Schienbein drückte, als wollte sie ihn an ihre gemeinsame Aufgabe erinnern. Aber er hatte den Faden verloren, oder besser, er hatte ihn absichtlich fallengelassen. Seine Hand, die den Reif hielt, zitterte leicht – nicht aus Erschöpfung, sondern aus der Anstrengung, sie nicht nach ihr auszustrecken.
„Ich habe geübt“, sagte er, und die Worte waren schwer von unausgesprochenen Wahrheiten.
Julia lachte leise, ein kehliger Laut, der sich in seinem Brustkorb festsetzte wie ein Widerhaken. Sie hatte die Arme hinter sich aufgestützt, die Handflächen auf dem warmen Holz, die Brust leicht angehoben. Unter dem dünnen Stoff ihres Tops zeichneten sich die Konturen ihrer Brustwarzen ab. Sie waren hart von der Klimaanlage, die durch das offene Fenster des Hauses kalte Luft in ihren Nacken blies, oder vielleicht von etwas anderem.
Er zwang sich, den Blick zu senken, und konzentrierte sich auf seine Hände, die den Reif hielten. Seine Finger waren lang, die Knöchel ausgeprägt – Handwerkerhände, hatte sie einmal gesagt, obwohl er den ganzen Tag am Schreibtisch saß. Er stellte sich vor, wie diese Hände nicht den Reif hielten, sondern ihren Nacken, die Mulde zwischen ihren Schulterblättern, die sanfte Wölbung ihrer Hüfte. Er stellte es sich so lebhaft vor, dass seine Unterarme zu kribbeln begannen.
„Woran denkst du?“, fragte Julia, und es war keine beiläufige Frage. Es war eine Aufforderung.
Benedikt sah auf. Ihre Blicke trafen sich, und was er darin las, verschlug ihm den Atem. Es war keine Überraschung – sie war genauso erregt wie er, die leichte Rötung auf ihrem Dekolleté, die geweiteten Pupillen, die unbewusste Art, wie ihre Oberschenkel sich immer wieder aneinanderrieben. Aber die Offenheit, mit der sie es nun zeigte, traf ihn unvorbereitet.
„An dich“, sagte er. „Immer an dich. Besonders wenn ich allein bin und denke, dass niemand mich sieht.“
Julia atmete scharf ein, und ihre Brust weitete sich, als öffnete sich etwas in ihr. „Zeig es mir“, flüsterte sie, und ihre Stimme war nichts weiter als warmer Atem, der über seine Haut strich. „Zeig mir, was du tust, wenn du allein bist und an mich denkst.“ Sie befeuchtete ihre Lippen, ohne den Blick von ihm zu lösen, und ihre nächsten Worte tropften wie heißes Wachs zwischen sie. „Ich will sehen, wie deine geheime Selbstbefriedigung aussieht – die, bei der ich in deinem Kopf bin. Jetzt. Vor mir. Und während du es mir zeigst, werde ich mich selbst berühren, so wie du es dir immer vorgestellt hast. Wir haben lange genug so getan, als würden wir diese verdammten Reifen aufblasen wollen.“
Der Punkt, an dem die Hände zu reden beginnen
Benedikt registrierte das dumpfe Poltern, mit dem der halbvolle Schwimmreif von seinen Knien rutschte, während seine rechte Hand wie von selbst den Weg zum Bund seiner Shorts fand. Er zögerte nicht. Das Zögern hatte er in hundert einsamen Nächten durchlitten, immer wieder aufgeschoben auf einen Moment, der vielleicht nie kommen würde. Dieser Moment war jetzt.
Seine Finger öffneten den Knopf, senkten den Reißverschluss, und die Erleichterung, als das beengende Leinen endlich nachgab, entfuhr ihm als gepresster Atemzug. Er schob den Stoff beiseite, nicht hastig, sondern mit einer Langsamkeit, die er sich selbst auferlegte, weil er wusste, dass sie ihn beobachtete. Ihre Pupillen waren geweitet, die Lippen leicht geöffnet, und sie hatte ihre Position nicht verändert. Außer dass ihre linke Hand nun nicht mehr auf dem Holz lag, sondern auf ihrem Bauch ruhte, die Finger flach über dem Stoff ihres Rocks.
Er umfasste sich. Die Vertrautheit der Bewegung traf ihn mit fast schmerzhafter Intensität – das warme Gewicht in seiner Handfläche, das leise Pochen unter der Haut, der erste, kaum merkliche Impuls, den Druck zu erhöhen. Wie oft hatte er genau so dagesessen, in der Stille seines Schlafzimmers, den Kopf zurückgelehnt, die Augen geschlossen, und hinter den Lidern war sie gewesen. Immer sie. Jetzt waren seine Augen offen, und sie saß vor ihm, so wirklich, dass er die feinen Härchen auf ihren Unterarmen erkennen konnte, die sich im Luftzug aufstellten.
Julia ließ ihre Hand unter den Bund ihres Rocks gleiten. Der Stoff spannte sich über ihren Knöcheln, als sie die Baumwolle ihres Slips beiseiteschob, und das leise, feuchte Geräusch, das folgte, als ihre Finger fanden, was sie suchten, ließ Benedikt laut aufstöhnen. Es war ein erstickter Laut, halb ertrunken im Klang der Zikaden, aber sie hatte ihn gehört. Ihr Lächeln war schmal und konzentriert, die Konzentration einer Frau, die lange genug allein gewesen war, um genau zu wissen, welche Berührung sie brauchte.
Seine Hand begann sich zu bewegen, langsam, in dem Rhythmus, den er perfektioniert hatte. Es war eigenartig, es vor Publikum zu tun – kein mechanischer Akt mehr, sondern eine Darbietung, und gleichzeitig mehr. Ihre Blicke blieben ineinander verhakt, während sie einander beobachteten, jeder für sich gefangen in dem eigenen Rhythmus und doch synchronisiert wie zwei Metronome, die man nebeneinandergestellt hatte.
Er sah, wie ihre Finger Kreise zogen, sah das Heben und Senken ihres Rockstoffs, sah den flackernden Ausdruck auf ihrem Gesicht, der zwischen Konzentration und Hingabe schwankte. Ihr Atem wurde schneller, ihre Lippen formten Laute, die sie nicht ausstieß. Benedikt erhöhte den Druck, spürte die Reibung, die den vertrauten Strudel in seinem Unterbauch in Gang setzte, und sah, wie Julia das Gleiche tat, ihre Handgelenke synchron, als hätten sie es geprobt.
„Nicht aufhören“, flüsterte sie, und ihre Stimme klang heiser, fast beschwörend. „Ich will sehen, wie du kommst. Ich will dein Gesicht sehen, wenn es passiert.“
Ihre Worte waren wie ein Katalysator. Benedikts Hüften bewegten sich nun von selbst, stießen in seine Faust, während seine freie Hand den Rand der Holzplanken umklammerte. Er sah, wie Julias Oberschenkel zitterten, sah die rhythmische Bewegung unter ihrem Rock, hörte ihre Atemzüge schneller werden, und wusste, dass sie nah war, so nah wie er. Die Welt bestand nur noch aus dem Klang ihrer Atemzüge, dem Geruch von Chlor und Sonnencreme und etwas Animalischem darunter. Außerdem gab es den Anblick ihrer geschlossenen Lider, die sich plötzlich wieder öffneten, um ihn festzuhalten.
Ihr Mund öffnete sich zu einem stummen Schrei. Ihre Hand zuckte unter dem Stoff, ihre Hüften hoben sich von den Planken ab. Benedikt sah die Wellen, die durch ihren Körper liefen, und sah, wie sie die Zähne in die Unterlippe grub, während der Orgasmus sie durchfuhr. Der Anblick war zu viel – er spürte, wie sich alles in ihm zusammenzog, wie die Spannung unerträglich wurde und sich dann entlud, während sein Blick noch immer auf ihrem bebenden Körper lag. Er kam mit einem abgewürgten Laut, der sich in einem einzigen, langgezogenen Atemzug verlor. Währenddessen führte seine Hand die vertrauten Bewegungen aus, die er so oft im Verborgenen praktiziert hatte. Nur dass nichts an diesem Moment verborgen war.
Stille nach dem Beben, in der bereits der nächste Nachmittag wartet
Das Wasser im Pool gluckerte leise gegen die Kante, als hätte es die Erschütterung registriert und antwortete nun mit seinem eigenen Rhythmus. Julia zog ihre Hand unter dem Rock hervor und betrachtete ihre glänzenden Finger, bevor sie mit einer beiläufigen Bewegung nach der Wasserflasche griff und einen Schluck nahm. Die Normalität der Geste war absurd und gleichzeitig tröstlich – ein Anker in einer Welt, die gerade ihre Koordinaten verschoben hatte.
Benedikt hatte die Augen geschlossen, atmete tief und gleichmäßig. Seine Shorts waren noch immer geöffnet, der Stoff feucht, und er machte keinerlei Anstalten, daran etwas zu ändern. Er sah aus wie jemand, der nach einem langen, stillen Kampf endlich kapituliert hatte, und in seiner Erschöpfung lag etwas tief Zufriedenes.
Sie beugte sich vor und hob den Schwimmreif auf, der von ihren Knien gerutscht war. Das Gummi war warm von der Sonne, die auf ihren Schultern brannte, und sie merkte, dass sie bereits einen leichten Sonnenbrand haben musste. Am Abend würde ihre Haut sich röten und spannen, und bei der Berührung mit kaltem Wasser würde sie an diesen Nachmittag zurückdenken.
„Das war nicht das erste Mal, dass ich das getan habe, während du im selben Raum warst“, sagte sie und war selbst überrascht über den Gleichmut in ihrer Stimme. „Vor zwei Wochen, nach der Gartenparty. Du warst im Gästezimmer, und ich dachte, du schläfst. Ich saß auf der Couch, und deine Jacke lag noch da, und sie roch nach dir, und ich konnte nicht anders. Die geheime Selbstbefriedigung in dieser Nacht war nicht wirklich verborgen. Ich habe mir vorgestellt, dass du aufwachst und hereinkommst, genau in dem Moment, in dem ich komme. So wie eben, nur ohne die Wand dazwischen.“ Sie drehte den Reifen in ihren Händen, ein nutzloses Relikt eines Vorwands, den sie nicht länger brauchten.
Benedikt öffnete die Augen. Sein Blick war weich, aber wach. „Ich auch. Nicht nur einmal. Ich glaube, es gibt keinen Raum in deinem Haus, in dem ich nicht schon an dich gedacht habe, während ich mich berührt habe.“ Er richtete sich auf, schloss mit einer lässigen Bewegung seine Hose, und die Selbstverständlichkeit dieser Geste – nach allem, was geschehen war – brachte Julia zum Lachen. Es war ein leises, gelöstes Lachen, das erste wirklich entspannte Geräusch seit Stunden.
Die Kompressorpumpe lag noch immer zwischen ihnen. Julia hob sie auf, wog sie in der Hand, und dann legte sie sie beiseite, unter die Holzbank, wo sie im Schatten verschwand. Sie würden sie weder heute noch an den kommenden Nachmittagen brauchen. Sie wusste mit plötzlicher Gewissheit, dass es weitere Nachmittage geben würde. Dieses erste Bekenntnis ihrer Körper war nur der Anfang. Das Aufblasen von Schwimmreifen war nur die erste einer langen Reihe von Ausreden, die sie füreinander erfinden würden.
„Nächsten Samstag“, sagte Benedikt, und es war weniger eine Frage als eine Feststellung, „braucht dein Schlauchboot dringend eine Druckprüfung. Ich habe gehört, das kann Stunden dauern.“ Er grinste, und das Grinsen war jungenhaft und anzüglich zugleich, eine Mischung, die Julia mehr erregte, als sie zugeben wollte.
„Stunden“, bestätigte sie und stand auf, wobei ihre Knie leicht zitterten. „Und bis dahin …“ Sie ließ den Satz in der Luft hängen, während sie die Schwimmreifen einsammelte und neben die Terrassentür stellte. Der Nachmittag dehnte sich noch immer, weigerte sich, in den Abend überzugehen, als wollte er ihnen mehr Zeit schenken. Aber sie brauchten keine Zeit mehr. Was sie gebraucht hatten, war dieser eine Moment, dieses gemeinsame Atmen, dieser Verzicht auf alle Ausreden.
Benedikt trat neben sie, während sie die Glastür öffnete. Seine Hand berührte ihren Ellenbogen, eine leichte, fast schüchterne Geste, die im seltsamen Kontrast zu dem stand, was sie gerade geteilt hatten. Aber sie verstand. Es war ein Versprechen auf mehr, auf ein nächstes Mal, auf all die Male, die noch kommen würden. Nicht mehr im Geheimen, nicht mehr mit geschlossenen Türen und unterdrückten Lauten. Sondern in der gleißenden Helle eines Sommernachmittags, am Beckenrand, mit dem Geruch von Chlor und Gummi und dem Gesang der Zikaden als einzigem Zeugen.
Julia drehte sich um und sah ihn an. Sie bemerkte die feinen Linien um seine Augen, die Spuren von Sonne und Lachen. Zudem spürte sie, wie etwas in ihr sich löste, das sie nicht einmal benennen konnte. „Ich habe noch nie jemandem dabei zugesehen“, sagte sie leise. „Und ich habe noch nie jemanden zusehen lassen.“ Sie machte eine Pause, in der die Bedeutung ihrer Worte sich zwischen ihnen entfaltete. „Aber jetzt möchte ich, dass du bleibst. Dass wir nicht vorgeben, als wäre nichts gewesen. Ich möchte, dass es mein Gesicht ist, das du vor dir siehst, auch wenn wir nicht im selben Raum sind. Und ich möchte, dass es dein Gesicht ist, das ich vor mir sehe, jedes verdammte Mal, wenn ich allein bin und meine Hand zwischen meine Schenkel gleitet. Verstehst du, was ich meine?“
Benedikt nickte langsam. Seine Hand glitt von ihrem Ellenbogen zu ihren Fingern, und ihre Hände verschränkten sich, warm, ein wenig feucht und vollkommen richtig. „Ich verstehe“, sagte er. „Und ich werde wiederkommen. Nicht nur für die geheime Selbstbefriedigung, bei der wir einander zusehen. Sondern für alles, was danach kommt. Alles, was wir noch nicht getan haben, was wir noch nicht einmal ausgesprochen haben. Jeden einzelnen Teil davon – gemeinsam, ohne Ausreden, ohne vorgehaltene Hände. Und falls wir doch noch einen Grund brauchen, um hier draußen zu sitzen und uns nicht sofort aufeinander zu stürzen …“ Er deutete mit dem Kinn auf die unaufgeblasenen Schwimmreifen neben der Tür und lächelte.
Julia lachte leise und öffnete die Terrassentür. Die kühle Luft des Hauses schlug ihnen entgegen und trug den Geruch von Kaffee und Bohnerwachs mit sich. Sie trat über die Schwelle und zog ihn hinter sich her, und sie wusste, dass dieser Nachmittag nicht das Ende von etwas war, sondern der Anfang. Die Erkenntnis war so überwältigend simpel, dass sie ihr beinahe die Tränen in die Augen trieb. Sie hätte ihn früher ansehen sollen, hätte ihre Blicke deuten müssen, all die kleinen Gesten, die sie beide jahrelang übersehen hatten – oder zu sehen vermieden, aus Angst vor dem, was sie bedeuteten. Aber vielleicht brauchte es genau diesen Moment, diese gleißende Hitze, diesen Geruch von Gummi und Chlor und die absurde Ausrede mit den Schwimmreifen. Vielleicht musste die geheime Selbstbefriedigung erst geteilt werden, bevor sie zu etwas völlig Neuem werden konnte. Sie war geheim nur noch, wenn der Abend kam und sie beide müde und gesättigt in ihre getrennten Häuser zurückkehrten. Aber sie waren verbunden für immer durch das Wissen um das, was am Beckenrand geschehen war. Und was noch passieren würde an all den kommenden Samstagen, die wie ein endloser, flirrender Nachmittag vor ihnen lagen.
– ENDE –
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