Heimliche Selbstbefriedigung am See
Ich hatte nie vorgehabt, an diesem Tag die Wohnung zu verlassen. Der Sommer klebte in den Straßen, eine träge, flirrende Hitze, die selbst die Vögel zum Schweigen brachte. Mein Körper fühlte sich schwer an, gesättigt von einer Unruhe, die ich seit Tagen mit mir herumtrug. Es war ein diffuses Pochen unter der Haut, das weder der kühle Morgenkaffee noch die belanglosen To-do-Listen des Alltags hatten besänftigen können. Es war, als hätte sich etwas in mir aufgestaut, ein Druck, der nicht weichen wollte. Schließlich griff ich fast mechanisch nach meinen Schlüsseln und trat hinaus in das gleißende Licht. Ich hatte kein Ziel, aber ich war nur getrieben von der vagen Hoffnung, dass Bewegung die Spannung lösen könnte, die sich wie ein feiner Draht um meine Nerven spannte.
Der Weg zum See war ein vertrauter, fast automatischer Pfad. Vorbei an brütenden Häuserfassaden und Gärten, deren Rosen unter der Last der Sonne die Köpfe hängen ließen, bis der Asphalt unter meinen Sohlen aufbrach in eine grobkörnige Uferböschung. Das Wasser lag da, eine riesige, matt geschliffene Platte aus Licht, in der sich die gegenüberliegenden Bäume nur schemenhaft spiegelten. Es roch nach warmem Schilf und trocknendem Schlamm, eine erdige Süße, die sofort meine Kehle weitete. Ich suchte mir eine Bank im Halbschatten einer alten Linde, deren Blätterwerk ein feines, flirrendes Netz aus Schatten und Sonnenflecken auf meine Arme warf. Der Platz war gut gewählt: mit dem Rücken zum Weg, den Blick fest auf die Wasserfläche gerichtet. Abgeschirmt vom gelegentlichen Spaziergänger wurde er durch eine dichte Hecke aus wildem Flieder. Diese war längst verblüht, bildete aber immer noch einen undurchdringlichen grünen Wall. Ich war allein mit dem Summen der Insekten und dem fernen, glucksenden Schlagen eines Fisches, der die gläserne Oberfläche durchstieß. Es schien, als wolle er mich an eine andere, verborgene Welt unter dem Spiegel erinnern.
Die Bank war unbequem, Latten aus hartem Holz, die sich in meine Oberschenkel drückten, doch ich begrüßte diesen kleinen, scharfen Reiz. Er hielt mich im Hier, verhinderte, dass meine Gedanken in das formlose, fiebrige Kreisen abglitten, das mich in der Stille meiner eigenen vier Wände so oft überkam. Ich legte den Kopf in den Nacken, spürte, wie der leichte Windzug vom Wasser her meine Schläfen kühlte und einzelne, feine Härchen an meinem Haaransatz anhob. Es war ein friedliches Bild. Und doch war da, ganz tief unter dieser ruhigen Oberfläche, ein Beben. Ein unhörbares Summen, das nicht von den Bienen stammte, sondern aus meinem eigenen Inneren. Es war der Vorbote einer Lust, die sich nicht benennen ließ, die sich schamvoll und doch drängend in den Zwischenräumen meines Bewusstseins versteckte. Es war die Idee einer heimlichen Selbstbefriedigung, die noch keinen festen Entschluss kannte, sondern nur ein vages, körperliches Flüstern im Wind. Ich schloss die Augen und ließ es zu, dieses Knistern einer Möglichkeit, während die See vor mir atmete und der Nachmittag sich langsam auf seinen goldenen Höhepunkt zubewegte.
Ein Schattenspiel
Das Geräusch war so leise in das kontinuierliche Zirpen der Grillen eingebettet, dass ich es zuerst nicht als fremd wahrnahm. Ein Knirschen, ein dumpfer, rhythmischer Druck auf dem kiesigen Untergrund, der sich langsam von meiner linken Seite näherte. Ich öffnete die Augen einen Spaltbreit, ohne den Kopf zu bewegen, träge und fast widerwillig, den Frieden meiner selbstversunkenen Starre aufzugeben. Durch die Lücken des Flieders sah ich eine Gestalt, die sich gegen das flirrende Licht behauptete, ein Mann, dessen Umrisse erst mit jedem Schritt an Kontur gewannen. Er schob ein Fahrrad, ein schweres, dunkles Modell ohne den modischen Leichtsinn der Rennräder, und seine Bewegungen hatten etwas Ruhiges, fast Bedächtiges an sich, das sofort mit der hektischen Zeit verfeindet schien. Ich wollte schon den Blick wieder abwenden, zurück zu den stillen Geheimnissen des Wassers, da hielt er an. Setzte das Rad gegen den Stamm einer Weide, die ihre langen, schmalen Blätter wie trauernde Finger ins Wasser hängen ließ, und trat ans Ufer. Er war nur wenige Meter von mir entfernt, nah genug, dass ich die Details seiner Erscheinung studieren konnte, ohne aufdringlich zu wirken. Sein Profil war scharf gegen den hellen Himmel geschnitten, mit einer geraden Nase und einem Mund, der streng und doch weich wirkte. Seine Haare sahen in der Sonne aus wie dunkler Honig, an den Schläfen waren sie schon ein wenig von Grau durchzogen. Er trug ein einfaches Leinenhemd, das an den Schultern spannte. Als er sich bückte, um die Hand ins Wasser zu tauchen, zeichnete sich unter dem dünnen Stoff das Spiel der Muskeln ab. Es war ein unerwartet deutliches Relief von Schulterblättern und Rücken, das mir einen jähen, heißen Stich in die Magengrube versetzte.
Er richtete sich auf, und für eine endlose Sekunde schien sein Blick ziellos über die Wasserfläche zu schweifen, um dann, fast zufällig, an meinem Versteck in der Dunkelheit der Blätter hängenzubleiben. Ich erstarrte. Nicht vor Schreck, sondern vor einer viel tieferen, elektrischen Regung. Seine Augen waren von einem unbestimmbaren Graugrün, genau wie der See bei bedecktem Himmel. Sie trafen mich mit einer solchen ruhigen Direktheit, dass ich das Gefühl hatte, er könne durch das Blattwerk hindurch nicht nur meine Gestalt lesen. Ich hatte das Gefühl, dass er auch die ganze unruhige, lüsterne Spannung in meinem Inneren lesen könne. Ein spärliches, kaum merkliches Lächeln hob seinen Mundwinkel, kein Lächeln der Erkennung, sondern eher der stillen, zufriedenen Feststellung, nicht allein zu sein in diesem abgeschiedenen Winkel der Welt. Ich erwiderte es instinktiv, ein Nicken, das kaum meine Kinnspitze bewegte, und er wandte sich ab, als wolle er mir den Gefallen tun, nicht aufdringlich zu sein. Er setzte sich auf eine Wurzel, die wie eine versteinerte Schlange aus der Böschung ragte, zog ein Buch aus seiner Satteltasche und begann zu lesen. Das war alles. Ein so vollkommen alltäglicher Vorgang, dass ich mich beinahe für das innere Beben schämte. Aber dann sah ich, wie er seine Haltung einnahm – mit einer so vollkommenen, animalischen Selbstverständlichkeit, dass mein Körper darauf antwortete, bevor mein Verstand es einordnen konnte. Er saß nicht, er ruhte in sich selbst. Seine Schultern waren entspannt, seine langen Finger hielten das Buch mit einer Zärtlichkeit, die nichts mit dem Papier zu tun hatte, sondern Ausdruck einer grundsätzlichen, durchdringenden Sinnlichkeit war.
Ich merkte, wie mein Blick immer wieder von der vermeintlich schützenden Weite des Sees abschweifte und an ihm hängenblieb. An der Kuhle seines Nackens, wo der Hemdkragen einen winzigen Streifen sonnengewärmter Haut freigab. An der Art, wie seine Unterarme auf seinen Knien lagen, dem Spiel der Sehnen unter der Haut und dem unmerklichen Zucken seiner Finger, wenn er eine Seite umblätterte. Er hieß Samuel. Ich wusste es nicht, aber ich gab ihm diesen Namen, als müsse ich das namenlose Begehren, das sich in mir regte, an etwas Festem verankern. Und mit diesem Namen kam eine Flut von Bildern, die ich nicht rief und nicht abwehrte. Mein Geist malte sich aus, wie diese Hände sich nicht um Buchrücken, sondern um eine warme, willige Haut schlossen. Wie dieser Mund, der jetzt so gelassen die Zeilen verfolgte, sich zu einem stummen, fragenden O formte. Die Vorstellung war so greifbar, dass mein eigener Atem flacher wurde und meine Lippen sich unmerklich teilten. Ich glaubte, den Geschmack von Salz auf meiner Zunge zu schmecken, obwohl der See doch Süßwasser war. Unter meinem leichten Sommerkleid, einem dünnen Baumwollstoff, der nur so tat, als sei er keusch, begann die Haut meiner Oberschenkel zu prickeln wie von tausend winzigen Nadelstichen. Ich presste sie fester zusammen, ein Reflex, den ich sofort bereute, denn der Druck sandte eine Welle dumpfer Hitze durch mein Becken, die mich kurz die Augen schließen ließ. Das Knistern war da, es war real, und es trug einen Namen.
Das Echo der eigenen Tiefe
Der Moment, in dem die Grenze zwischen äußerer Betrachtung und innerem Erleben endgültig zerbrach, kam ohne Vorwarnung. Samuel, mein stummer, ahnungsloser Begleiter, hob den Kopf und sah direkt aufs Wasser hinaus, als suche er dort etwas, das nur er erkennen konnte. Seine Lippen bewegten sich leicht. Vielleicht formte er lautlos einen Gedanken, möglicherweise ein Gedicht, das er gerade gelesen hatte. Genau dieses unschuldige, unbewusste Selbstgespräch traf mich jedoch mit der Wucht eines gezielten Schlags. Plötzlich war es nicht mehr seine bloße Anwesenheit, die mich elektrisierte, sondern die wilde Projektion meiner eigenen Fantasie, die sich wie eine zweite Haut über die Szenerie legte. Ich sah ihn nicht mehr als den Fremden mit dem Buch, sondern als einen Mann, der das gleiche, geheime, unaussprechliche Verlangen in sich trug wie ich. Die Vorstellung war absurd und gleichzeitig so zwingend, dass mein Körper sie als unumstößliche Wahrheit akzeptierte. Was, wenn er dort auf seiner Wurzel saß und seine Ruhe nur Fassade war? Was, wenn unter dem groben Stoff seiner Hose dieselbe pochende, fordernde Spannung wuchs wie unter meinem dünnen Baumwollkleid? Der Gedanke an seine Erregung, an die Möglichkeit einer verborgenen, parallelen Lust zu meiner, ließ meine Bauchdecke sich schmerzhaft zusammenziehen. Es war eine Form von Empathie, die so tief ins Fleisch schnitt, dass sie zur reinen Selbstbezüglichkeit wurde.
Ich konnte den Blick nicht mehr von ihm lösen, aber ich konnte auch nicht länger still sitzen bleiben. Meine Hände, die bis eben brav in meinem Schoß geruht hatten, begannen ein Eigenleben. Zuerst war es nur eine Fingerkuppe, die gedankenverloren über die Innenseite meines Unterarms strich, so leicht, dass es kaum eine Berührung war, eher die Erinnerung an eine. Doch meine Haut war längst nicht mehr meine eigene; sie war eine einzige, sensible Membran, die jedes noch so zarte Signal tausendfach verstärkte. Die Härchen auf meinen Armen richteten sich auf, und ich spürte die feinen Rillen meiner eigenen Epidermis wie ein Relief unter meiner tastenden Fingerspitze. Es war ein Erkunden meiner selbst unter seinem ahnungslosen Blick, ein zutiefst verbotener und gerade deshalb so betörender Akt. Ich ließ die Hand tiefer wandern, erst über die weiche, noch kühle Innenfläche meines Ellenbogens, dann zum Saum meines Kleides, der auf halber Höhe des Oberschenkels spielte. Der Stoff war warm von der Sonne. Als meine Finger ihn ein winziges Stück weit anhoben, kroch die Luft vom See heran. Ein kühler Hauch auf der erhitzten Haut ließ mich kurz aufkeuchen. Das Geräusch war so leise, dass es im Zirpen der Grillen sofort ertrank, doch für mich klang es wie ein Donnerschlag.
Nun war da kein Spielraum mehr für Unschuld. Meine Finger lagen flach auf meinem Oberschenkel. Ich spürte mit grausamer Deutlichkeit, wie sich die Wärme unter meiner eigenen Handfläche staute. Das Blut floss dort dichter und langsamer, als würde mein Körper selbst zur Melasse werden. Ich wagte nicht, zu Samuel hinüberzusehen, aus Angst, sein Blick könnte den meinen einfangen und das fragile Kartenhaus meiner Illusion zum Einsturz bringen. Aber ich hörte ihn. Das leise Rascheln einer umgeblätterten Seite, ein kaum hörbares Räuspern, das sich in meinem Kopf sofort in ein dumpfes, lustvolles Brummen verwandelte. In meiner Fantasie war er jetzt nicht mehr passiv. Er hatte das Buch sinken lassen, seine Hand ruhte auf seinem eigenen Schenkel, genau wie meine, und seine Finger rieben, ganz langsam und unendlich bedächtig, über die raue Naht seiner Hose. Die Projektion war so machtvoll, dass ich die Grenze nicht mehr ziehen konnte. Ob er es wirklich tat oder nicht, war irrelevant. Die Lust, die ich ihm andichtete, wurde zu meiner eigenen, einem monströsen, schönen Geschöpf aus Licht und Schatten, das sich in meinem Unterleib einnistete und gnadenlos zu wachsen begann.
Ich öffnete meine Knie einen Spaltbreit, eine minimal-invasive Bewegung, die unter dem weiten Rock niemand sehen konnte. Die Luft, die nun eindrang, war kühl und doch brannte sie wie ein unsichtbares Feuer auf dem empfindlichen Gewebe meiner inneren Schenkel. Meine Finger, nun nicht mehr zu bändigen, folgten dieser Einladung. Sie krochen höher, dorthin, wo die Hitze am intensivsten war, ein unerträglich pulsierender Punkt, der gegen den dünnen Baumwollslip drückte, den ich trug. Ich berührte mich nicht direkt, noch nicht. Meine Fingerspitzen verharrten auf dem Stoff, genau über jener Stelle, die sich unter der Berührung nach außen wölbte wie eine verbotene Frucht. Ich spürte mein eigenes Geschlecht als ein geschwollenes, pochendes Etwas, das gegen das Gewebe drückte, feucht genug, um einen kleinen, dunklen Fleck im Stoff zu hinterlassen. Die Vorstellung, dass Samuel, wenn er nur genau genug hinsähe, diese winzige, verräterische Spur meiner Geilheit erkennen könnte, ließ mich fast ohnmächtig werden vor Scham. Gleichzeitig verspürte ich eine Lust, die so scharf war wie ein Messer. Ich malte mir aus, wie sein Blick sich verdunkeln würde und wie seine graugrünen Augen diesen dunklen Punkt fixieren würden. Zudem stellte ich mir vor, wie seine Zunge langsam über seine eigene Unterlippe führen würde, um sie zu befeuchten. In diesem Moment, in dieser gleißenden, inneren Vision, gab es kein Außen mehr, nur noch das schwere, rhythmische Atmen meines eigenen Körpers und das unhörbare Echo seines eingebildeten dazu.
Unter den Augen des stillen Mannes

Das Seil, an dem ich mich so lange festgehalten hatte, riss mit einem fast körperlich spürbaren Klang. Ich konnte nicht mehr. Die Spannung in mir war so unerträglich angewachsen, dass sie jede Vorsicht, jede Scham und jede rationale Überlegung einfach hinwegspülte wie ein Sturzbach dünne Uferbefestigungen. Es war kein bewusster Entschluss mehr, es war ein Fallenlassen, eine Kapitulation vor der übermächtigen Forderung meines eigenen Fleisches. Meine Hand, die eben noch zitternd und unschlüssig auf meinem Oberschenkel verharrt hatte, schob mit einer einzigen, entschlossenen Bewegung den laschen Baumwollstoff meines Slips zur Seite. Der Kontakt mit der nackten, feuchten Haut war so unmittelbar, so überwältigend direkt, dass ich einen scharfen Atemzug nehmen musste, der wie ein kleiner, erstickter Schrei durch die stille Luft brach. Ich warf einen panischen Blick zu Samuel hinüber, doch er saß noch immer regungslos da, das Buch in seinen Händen, seinen Blick auf das stille Wasser gerichtet. Er schien nichts gehört zu haben. Oder er überhörte es mit jener meisterlichen Diskretion, die ich ihm in meiner Fieberfantasie nur allzu gerne zuschrieb. Diese Vorstellung, dass er mich gewähren ließ, vielleicht sogar wusste, was hinter der Fliederhecke geschah, und es stillschweigend duldete, gab mir den letzten Rest an Mut, den ich brauchte. Ja, vielleicht befeuerte er das Ganze sogar innerlich.
Die Luft um mich herum schien sich zu verdichten, als wäre die gesamte Atmosphäre dieses Nachmittags nun ausschließlich auf diesen einen, mikroskopisch kleinen Punkt zwischen meinen Beinen fokussiert. Meine Finger glitten durch das nasse, krause Haar, das sich sofort in kleinen, verklebten Strähnen um meine Knöchel schlang, und fanden die schwellenden, heißen Falten meines Geschlechts. Ich ertastete mich selbst mit einer Präzision, die nur aus tiefster, über Jahre geschulter Kenntnis meines eigenen Körpers stammen konnte. Da war die äußere, pralle Rundung meiner Schamlippen, die unter meiner Berührung sofort noch weiter anschwoll, als würde das Gewebe förmlich nach meiner Hand gieren. Da war die feine, fast schon ledrige Textur der Haut, die sich so sehr von der samtigen Weiche meiner Innenschenkel unterschied. Und da war, verborgen und doch so unverschämt präsent, der steife, pochende Punkt meiner Klitoris, der sich unter seiner schützenden Haube hervordrängte wie ein winziges, nervöses Tier, das endlich ans Licht wollte. Ich berührte ihn nur mit der äußersten Spitze meines Mittelfingers. Ein einziger, fast keuscher Kontakt – und doch genug, um eine Welle von solch stechender, scharfer Lust durch meinen Unterleib zu jagen. Meine Hüfte zuckte unkontrolliert nach vorn und mein Rücken presste sich gegen die harte Holzlehne der Bank. Ein Stöhnen stieg in mir auf, tief und kehlig. Ich biss mir so fest auf die Unterlippe, dass ich den metallischen Geschmack von Blut auf der Zunge hatte, um es zu ersticken. Es durfte nicht sein. Kein Laut, der das fragile Schweigen zwischen ihm und mir zerbrach.
Ich begann, mich zu bewegen. Meine Finger kreisten nicht, wie ich es oft in der dumpfen Einsamkeit meines Schlafzimmers tat – sie rieben in einer langsamen, fast meditativen Auf-und-Ab-Bewegung über die gesamte Länge meiner empfindsamen Spalte. Die Reibung war enorm, denn ich war so nass, dass meine eigene Erregung die Bewegung zu einem gleitenden, schmatzenden Geräusch machte, das in meinen Ohren so obszön klang wie ein offenes Geheimnis. Mit jeder Bewegung verteilte ich die Feuchtigkeit über meine Schamlippen, befeuchtete sie, bis sie glänzten wie die Schuppen eines frisch dem Wasser entstiegenen Fisches. Mein Gedanke war vollkommen bei diesem Gefühl, vollkommen bei der Vorstellung, wie ich für ihn aussehen musste, obwohl er mich nicht sah. In meinem Kopf war ich ein Tableau, ein lebendiges Gemälde der Lust. Meine Beine waren weit gespreizt, so weit die enge Bank es zuließ. Mein Kleid war eine einzige zerknüllte Stoffwolke um meine Taille. Mein Gesicht – ich spürte es – war eine einzige, heiße, errötende Maske der Scham und Gier. Die Lippen waren feucht, die Augen halb geschlossen, die Lider flatternd wie die Flügel eines sterbenden Schmetterlings. Und er, Samuel, war der stille Betrachter dieses Bildes, dessen bloße imaginierte Existenz meine Lust verzehnfachte.
Mein Rhythmus wurde schneller, härter, fordernder. Ich drückte nun fester zu, presste die flache Hand gegen mein ganzes Geschlecht, nicht nur die Finger, und rieb es in einer ungestümen, animalischen Bewegung gegen das Becken, das mir entgegenkam. Die Bank knarrte unter mir, ein leises, verräterisches Geräusch, das ich in meiner Ekstase kaum noch hörte. Stattdessen hörte ich sein Atmen, das ich mir so viel tiefer und unregelmäßiger vorstellte als zuvor. In meiner Fantasie hatte er nun das Buch endgültig beiseitegelegt. Seine Hände lagen flach auf seinen eigenen Schenkeln. Ich sah mit traumwandlerischer Klarheit, wie sich der Stoff seiner Hose über einer massiven, pulsierenden Erektion spannte. Ein harter, aufragender Grat, den er nicht zu verbergen suchte, sondern den er mir darbot, so wie ich ihm meine offene, tropfende Spalte. Wir waren keine zwei getrennten Wesen mehr, sondern ein einziger, geschlossener Kreislauf aus Begehren und Spiegelung, ein stilles, ekstatisches Gebet, das auf keinem Altar als dem unserer eigenen Körper dargebracht wurde. Ich führte zwei Finger in mich ein, nur ein kleines Stück, bis zum zweiten Knöchel. Dann zog ich sie sofort wieder heraus, um die ungeheure, saugende Enge zu demonstrieren, die er mit seinem Körper füllen sollte. Sie waren überzogen von meiner eigenen dickflüssigen, klaren Erregung. Ich rieb diese Flüssigkeit über meine geschwollene Klitoris, bis der kleine Knoten aus Nerven so hart und prall war wie eine unreife Beere. Es war der Punkt ohne Wiederkehr.
Die Stille nach dem Beben
Der Orgasmus kündigte sich nicht an, er überfiel mich. Nicht die schrittweise Annäherung, das langsame Anschwellen einer Welle, die ich kannte und berechnen konnte – nein, es war ein jäher, kataklysmischer Bruch. Ein inneres Reißen, als würden alle Dämme meines Körpers mit einem einzigen, gewaltigen Schlag brechen. Mein Kopf flog in den Nacken, so heftig, dass ich das dumpfe Knacken meiner Halswirbel hörte. Für einen Moment sahen meine Augen nicht das grüne Dach der Linde, sondern nur ein grelles, weißes, pulsierendes Licht, das alle Konturen auslöschte. Ich kam mit einer solchen Heftigkeit, dass ich meine eigenen Finger kaum noch spürte. Sie hatten sich tief und krampfhaft in mein Inneres gebohrt, als wollten sie mich an diesem einen, aufgelösten Punkt im Universum festhaken. Die Kontraktionen überfielen mich in schnellen, unerbittlichen Wellen, eine nach der anderen. Jede einzelne presste einen Schwall von Flüssigkeit aus mir heraus, der so reichlich war, dass ich spürte, wie er meine Finger umspülte. Über meine Handfläche lief er und tropfte in einem warmen, stetigen Rinnsal meine Innenschenkel hinab auf die hölzerne Sitzfläche der Bank. Es war ein Gefühl von so überwältigender, fast schmerzhafter Intensität, dass ich jeden Atemzug vergaß. Meine Lunge war leer, mein Brustkorb zu einem starren, stillen Gewölbe erstarrt. Dann, mit einem kehigen, fast schluchzenden Laut, sog ich die Luft wieder in mich hinein, als wäre ich eben noch ertrunken und würde nun an die Oberfläche gerissen.
Mein Körper bäumte sich weiter auf, in kleinen, hilflosen Nachbeben, die ich nicht kontrollieren konnte. Meine Hand, die noch immer zwischen meinen Beinen lag, war klitschnass und klebrig, und ich zog sie nicht fort. Ich hielt mich, ich umschloss meine eigene, noch immer pulsierende und zuckende Vulva mit einer fast zärtlichen Geste der Nachsorge, während ich langsam, ganz allmählich, zurück in die Welt fand. Die Geräusche kehrten zurück, zuerst nur ein dumpfes Rauschen, dann das schrille, monotone Sirren der Grillen, das mir jetzt wie ein Triumfgesang vorkam. Die Farben waren noch intensiver als zuvor, das Grün der Linde war ein grelles, fast giftiges Neon, das Blau des Sees ein tiefes, melancholisches Schieferschwarz. Ich war zerstört und gleichzeitig so unfassbar wach, so hellsichtig in jedem einzelnen Nerv, dass ich das Gefühl hatte, die Welt zum ersten Mal wirklich zu sehen. Mein Blick suchte Samuel, fast flehentlich, als müsste ich mich vergewissern, dass die Welt, die ich mir erschaffen hatte, noch existierte. Und da saß er. Immer noch auf seiner Wurzel, doch das Buch lag nun tatsächlich geschlossen auf seinen Knien. Sein Kopf war mir zugewandt, und unter der schattigen Wölbung der Weide konnte ich den Ausdruck in seinen Augen nicht lesen. Aber ich konnte seine Haltung lesen – eine Haltung von so unendlicher, ruhiger Stille, dass sie fast schon eine Art von Antwort war. Ob er mich gehört hatte? Ich wusste es nicht. Aber in dem entscheidenden Moment, als mein nasser, erschöpfter Körper sich in die harten Latten der Bank zurücklehnte, spürte ich keinerlei Scham. Nur eine tiefe, durchflutende Ruhe, wie sie nur nach einem Gewitter kommt, das lange über dem Tal gestanden hat und endlich, befreiend, niedergegangen ist.
Ich richtete mich langsam auf, strich mein zerknittertes Kleid glatt und wischte meine feuchte Hand verstohlen an der Innenseite des Stoffes ab. Die Bewegung war praktisch, fast banal, und doch trug sie die ganze Erinnerung an das soeben Geschehene in sich.
Ich atmete tief durch – ein Atemzug, der aus der Tiefe meines Bauches kam. Als ich ihn wieder ausstieß, war es, als gäbe ich nicht nur Luft von mir, sondern auch eine Last, die ich wochenlang mit mir herumgetragen hatte.
Ich stand auf. Meine Beine waren weich, die Knie wacklig, und ich musste mich einen Moment an der Lehne der Bank festhalten, um nicht zu stolpern. Dann trat ich aus dem Schatten der Linde hinaus in das gleißende Sonnenlicht.
Der Weg zurück war klar; er führte unweigerlich an Samuel vorbei. Als ich auf seiner Höhe war, hob er den Blick. Sein Gesicht war offen. In seinen Augen lag weder ein Vorwurf noch ein anzügliches Wissen, sondern nur eine stille, beinahe kollegiale Anerkennung. Diese könnte vielleicht nichts weiter sein als ein Produkt meiner eigenen, noch immer überreizten Einbildungskraft.
Ich nickte ihm kaum merklich zu. Es war ein stummes Lebewohl an einen Mann, mit dem ich nie gesprochen hatte, und der doch für einen brennenden, goldenen Nachmittag lang der intimste Vertraute meiner Seele gewesen war.
Dann ging ich weiter, den knirschenden Kiesweg entlang.
Ich hatte das sichere Wissen, dass dieser Ort, diese Bank, dieser Blick auf den See für immer imprägniert sein würden von meinem Geruch und meiner Lust. Außerdem würde er imprägniert sein von der unvergesslichen, befreienden Ekstase meiner heimlichen Selbstbefriedigung.
– ENDE –
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