Einsame Lust
Annika stellte ihre Trinkflasche mit einem dumpfen Klacken auf der Holzbank ab und zog sich das Kreideband von den Fingern, während ihr Blick durch die fast leere Halle wanderte. Die graue Regenwand vor den Panoramafenstern dämpfte jedes Geräusch, verwandelte das Klackern einzelner Karabiner und das ferne Sirren des Ventilators in etwas Watteweiches. Es roch nach Magnesiumstaub und altem Schweiß, nach dem gummiartigen Eigengeruch der dicken Matten. Und unter all dem lag dieser spezielle Geruch nach nassem Asphalt, der durch die Lüftung hereindrang, wenn es draußen zu lange schüttete. Die letzten Kletterer hatten vor zwanzig Minuten aufgegeben, ihre nassen Seile eingesammelt und sich fluchend in Richtung Parkplatz verzogen. Jetzt war nur noch das Pärchen an der gegenüberliegenden Wand da, das mehr miteinander beschäftigt war als mit den Griffen. Hinten links in der Sitznische war Simon, der in irgendeinem Kletterführer blätterte und dabei so tat, als würde er sie nicht beobachten. Sie kannte dieses Gefühl, dieses leichte Prickeln zwischen den Schulterblättern, wenn jemand einen anschaute, ohne dass man es sehen konnte. Es war ein warmer Punkt auf der Haut, eine stille Anmeldung fremder Aufmerksamkeit, und sie war ihm in den letzten zwanzig Minuten so beständig gefolgt wie der Regen draußen den Fensterscheiben. Ihre Finger schälten sich fast von selbst aus dem verschwitzten Leinen. Währenddessen spürte sie, wie die einsame Lust dieses Nachmittags – dieses dumpfe, bislang unbenannte Ziehen, das schon beim Aufwachen in ihrem Bauch genistet hatte – langsam Kontur annahm. Sie hatte nicht gewusst, wonach sie suchte, als sie bei strömendem Regen ins Auto gestiegen und zur Halle gefahren war. Jetzt, in dieser Stille, mit diesem fast schmerzhaften Bewusstsein für Simons Gegenwart zwanzig Meter entfernt, begann sie zu ahnen, dass ihr Körper längst Bescheid wusste.
Die Griffe der abgeschlossenen Route über ihr ragten wie erstarrte Fragen aus der Wand. Annika presste die Handflächen auf ihre Oberschenkel, spürte die Wärme ihrer eigenen Haut durch das dünne Legging-Material. Es war eine merkwürdige Stimmung in dieser leeren Halle, etwas zwischen Verlorenheit und Erwartung. Als würde die Zeit hier drinnen anders ticken als draußen im Regen. Als würde der Raum darauf warten, dass etwas geschah. Sie hob die Flasche an die Lippen, trank einen Schluck Wasser, der kühl ihre Kehle hinunterrann, während ihre Augen zu Simon hinüberwanderten. Er hatte das Buch längst sinken lassen und sah jetzt offen zu ihr her. Kein Nicken, kein höfliches Weglächeln – nur dieser Blick, der fragte, ohne Worte zu brauchen. Annika stellte die Flasche zurück auf die Bank, das dumpfe Aufsetzen des Metalls auf Holz das einzige Zugeständnis an die Wirklichkeit um sie herum. Der Regen klopfte jetzt lauter gegen das Glasdach, ein Trommeln, das den Raum noch enger machte, noch privater. Ihre Zehen krümmten sich in den engen Kletterschuhen. Dieses vertraute brennende Gefühl, das sie normalerweise zum Ausziehen zwang, war jetzt jedoch seltsam passend. Es war ein körperlicher Anker in einem Moment, der sonst vielleicht zu schnell entschwebt wäre in reine Fantasie.
Sie sah zu, wie Simon das Buch zuklappte und ohne Eile beiseitelegte. Nichts an der Bewegung war zufällig. Es war das bewusste Ablegen einer Beschäftigung, die nur dazu gedient hatte, ihm etwas in die Hände zu geben, während er sie beobachtete. Annika kannte solche Gesten. Sie selbst hatte vorhin viel zu lange gebraucht, um ein und denselben Knoten in ihrem Sicherungsseil zu lösen, nur damit ihre Hände etwas taten, während ihr Kopf woanders war. Diese Halle hatte schon immer diese Wirkung auf sie gehabt.
Die Art, wie die gedämpfte Akustik jeden Atemzug und jedes leise Knarzen eines Tritts in etwas Intimes verwandelte, war beeindruckend. Auch wie der feine Magnesiumstaub in der Luft einen Film auf die Haut legte und jede Berührung weicher machte, gefiel ihr sehr. Sie lehnte sich zurück gegen das Holz der Bank und spürte die Kanten der Bretter durch das dünne Shirt an ihren Schulterblättern. Sie ließ zu, dass ihre Gedanken weiterliefen, als ihr Körper es wagte. Das war das Besondere an der einsamen Lust, dieser stillen Begleiterin langer Nachmittage: Sie musste nicht sofort handeln. Sie konnte einfach da sein und sich ausbreiten wie Wärme unter einer Decke, den Puls nur leicht erhöhen und die Atmung nur eine Spur flacher machen. Doch war sie immer bereit, sich an etwas festzumachen. An einem Blick. An einem leeren Raum. An der Art, wie jemand ein Buch aus der Hand legte und einen ansah, als wäre man die einzige andere Person auf der Welt.
Manche Räume werden zu Gefäßen, sobald zwei sich darin erkennen.
Simon beugte sich vor, stützte die Unterarme auf seine Knie und verschränkte die Finger. Es war eine absichtslose Haltung, eine Position des Zuhörens, auch wenn es nichts zu hören gab außer dem Regen und dem Summen der Lüftungsanlage. Annika registrierte jedes Detail mit einer Schärfe, die sie von sich selbst überraschte. Die Art, wie seine nackten Zehen leicht den Hallenboden berührten, wurde ebenso registriert wie eine einzelne Haarsträhne, vom Schweiß dunkel, die sich in seine Stirn legte. Auch die Bewegung seiner Brust unter dem grauen T-Shirt, die einen Rhythmus vorgab, in den sie fast gegen ihren Willen hineinsank, wurde genau wahrgenommen. Es handelte sich nicht um eine aufdringliche Beobachtung oder offensichtliches Anstarren, sondern um ein wechselseitiges Wahrnehmen und Katalogisieren von Details, die plötzlich von Bedeutung waren. Sie fragte sich, ob er die feinen Risse im Magnesium an ihren Fingerspitzen sehen konnte. Sie fragte sich auch, ob er bemerkte, wie sich ihre Brustwarzen unter dem engen Sporttop gegen den Stoff drückten, nicht aus Kälte, sondern aus einer anderen Art von Spannung. Die einsame Lust von vorhin war nicht länger einsam, und genau das machte sie so überwältigend.
Die Spannung zwischen ihnen hatte jetzt ein Eigenleben entwickelt, etwas Atmendes, das sich ausdehnte und zusammenzog wie eine Lunge. Annika spürte, wie ihre Finger ohne ihren bewussten Befehl ihren Oberschenkel entlangstrichen, eine kaum merkliche Bewegung, eine Selbstberührung, die sie bei jedem anderen Anlass sofort abgebrochen hätte. Jetzt nicht. Jetzt ließ sie ihre Hand dort liegen und spürte die Wärme durch das dünne Material. Sie sah Simon weiter an und er sie. Irgendwo zwischen ihnen schmolz die letzte Distanz. In einer leeren Boulderhalle an nassen Nachmittagen hält man sie eigentlich immer ein, um nicht zu nahe zu kommen, nicht zu echt zu werden und nicht das zu tun, wonach man sich eigentlich sehnt. Die Griffe über ihr glänzten im Halblicht, unerreichbar und plötzlich völlig unwichtig. Annika dachte an frühere Besuche in dieser Halle. Sie dachte an all die Male, die sie hier geschwitzt und geflucht und sich über ihre Technik geärgert hatte, und daran, wie wenig von alledem in diesem Moment übrig blieb. Was blieb, waren ihr und Simons Körper in diesem weiten, stillen Raum. Die Frage, was zwei Menschen taten, wenn sie in genau demselben Augenblick erkannten, dass sie nicht hierher gekommen waren, um zu klettern, blieb auch.
Er stand auf, langsam, fast beiläufig, aber Annika erkannte die Absicht in der Bewegung so klar wie einen ausgestreckten Arm. Er kam nicht sofort zu ihr, sondern ging zuerst zu dem schmalen Tisch, auf dem die Thermoskannen standen. Dort goss er sich eine Tasse von dem dünnen Hallentee ein, den sie vom vielen Kommen und Gehen hier kannte. Dann drehte er sich um, die Tasse in beiden Händen, und kam direkt auf sie zu, ohne einen Umweg, ohne zu zögern. Annika blieb sitzen, ihr Körper war eine gespannte Frage. So nah war er noch nie gewesen. Sie roch das Waschmittel in seiner Kleidung und darunter etwas Erdiges, Eigenes, das kein Deo überdecken konnte. Er setzte sich neben sie auf die Bank, nicht so nah, dass es offensichtlich war. Aber nah genug, dass sie die Wärme seines Oberschenkels durch den schmalen Abstand spüren konnte, fast wie einen physischen Druck.
»Magst du auch einen Schluck?« Seine Stimme war leiser als nötig, auch wenn sonst niemand mehr da war außer dem Pärchen, das mittlerweile an der Tür stand und seine Sachen zusammensammelte. Annika schüttelte den Kopf, fasziniert von der Normalität seiner Worte in dieser aufgeladenen Stille. Er stellte die Tasse auf den Boden zwischen seinen Füßen, und sie sah, wie seine großen Zehen sich leicht in den Hallenboden krallten, eine unbewusste Spannungsgeste. Das Pärchen winkte ihnen zu, ein kurzes, abwesendes Heben einer Hand, und verschwand durch die Glastür in den Regen. Das Zufallen der Tür klang endgültig.
Jetzt waren sie allein.
Was die Haut erinnert, bevor der Verstand es ahnt

Simon atmete hörbar aus. Annika sah, wie sich seine Brust senkte, wie seine Schultern nachgaben, als hätte er etwas lange Zurückgehaltenes endlich losgelassen. Sie spürte die Reaktion ihres eigenen Körpers, dieses warme Strömen, das von ihrer Brust ausging und sich in alle Richtungen ausbreitete, als ob ihr Inneres plötzlich flüssig wäre und einem Gefälle folgte. Sie hob eine Hand und strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht, eine alltägliche Geste, die jetzt die Bedeutung eines Einverständnisses annahm. Simons Blick folgte ihren Fingern und glitt dann über ihr Gesicht, ihren Hals und ihre Schultern. Sie ließ es geschehen und bot sich diesem Blick dar, der auf ihrer Haut brannte wie die Kreide an den Fingern nach einem langen Aufstieg.
»Du hast mich beobachtet«, sagte sie, und es war weder Vorwurf noch Frage, nur eine Feststellung, ein Aussprechen dessen, was zwischen ihnen stand.
»Du mich auch«, antwortete er, und das leichte Heben seiner Mundwinkel war kein richtiges Lächeln, sondern etwas Komplizierteres, eine bewusste Entscheidung, die Situation nicht mehr zu vernebeln.
Annika nickte. Ihre Hände fanden zueinander in ihrem Schoß, was eine vertraute Haltung darstellt, und doch war an diesem Nachmittag nichts alltäglich. Der Regen peitschte jetzt schräg gegen die Scheiben, und die Halle war ein Kokon aus Dämmerlicht und Stille. Die einsame Lust, mit der dieser Tag begonnen hatte, war nicht mehr einsam, aber sie war auch noch nicht geteilt. Es war ein Zwischenzustand, dieses aufgeladene Jetzt, in dem alles möglich schien und nichts passieren musste, weil bereits das Warten so erfüllend war. Simon hob eine Hand, langsam, als gäbe er ihr Zeit, sich zu entziehen, und legte sie auf ihren Unterarm. Seine Finger waren warm, die Haut etwas rau von den Griffen, und der Druck war genau richtig – fest genug, um kein Zufall zu sein, leicht genug, um jederzeit zurückgenommen werden zu können. Annika sah auf seine Hand, auf die feinen weißen Linien, die das Magnesium in seinen Fingerfurchen hinterlassen hatte, und ließ ihren eigenen Arm schwer in seiner Hand liegen, ein stilles »Ja«.
Sein Daumen bewegte sich, ein langsames Streichen über ihre Innenseite des Handgelenks, und Annika schloss für einen Moment die Augen. Berührungen konnten so vieles sein – mechanisch, zufällig, bedeutungslos –, aber das hier war keine dieser Berührungen. Es war ein Experiment, ein vorsichtiges Erkunden, das sich mit jedem Streichen weiter vorwagte. Sie spürte ihren eigenen Pulsschlag gegen seinen Daumen, wie ihr Herz sich meldete und Auskunft gab über Dinge, die der Mund noch nicht aussprechen wollte. Wärme breitete sich von der Stelle unter seinen Fingern aus und kroch in Wellen ihren Arm hinauf. Sie breitete sich über Schultern und Nacken aus und wurde zu einem Ziehen tief in ihrem Bauch, das sie nicht mehr ignorieren konnte. Ihre Atmung vertiefte sich, wurde bewusster, als müsste sie sich an diesen neuen Rhythmus anpassen.
»Ist das okay?«, fragte er, und die Frage selbst war eine weitere Berührung, ein weiteres Streicheln über bereits empfindsame Haut.
»Ja«, sagte Annika, und das Wort kam tiefer aus ihrer Kehle als gewöhnlich, schwerer, beladener mit Bedeutung.
Simon ließ ihren Arm los und legte stattdessen seine Hand auf ihr Knie. Das Gewicht war warm und fest, und sie spürte jeden einzelnen seiner Finger durch den dünnen Leggings-Stoff hindurch. Sie öffnete die Augen und sah ihn an, sah die Frage in seinem Gesicht, das leichte Beben seiner Lippen, die geweiteten Pupillen. Sie nickte kaum merklich, und seine Hand begann zu wandern, glitt langsam ihren Oberschenkel hinauf, während ihr Körper unter der Berührung zu pulsieren begann. Es war, als hätte sie Hitze gespeichert, tage- oder wochenlang, und seine Finger waren der Katalysator, der all diese aufgestaute Energie auf einmal freisetzte. Sie hörte sich leise einatmen, als seine Hand die Außenseite ihres Schenkels erreichte und dort verharrte. Die Finger waren leicht gespreizt, der Daumen an der Innenseite, nur durch den dünnen Stoff von ihrer intimsten Berührung getrennt. Ihre Beine öffneten sich ein wenig, eine Einladung, und er folgte ihr.
Ihre eigenen Hände, die nutzlos in ihrem Schoß gelegen hatten, fanden jetzt zu ihm. Sie legte sie auf seine Brust, spürte die Wärme durch das Baumwollshirt, die Festigkeit unter dem Stoff. Sie konnte seinen Herzschlag spüren, schnell und abgehackt, das Echo ihrer eigenen Erregung. Ihre Finger wanderten nach oben, fanden seinen Hals, die leichte Bartstoppel an seinem Kinn. Sie zog ihn näher, nicht zu einem Kuss, nur näher, bis seine Stirn fast ihre berührte. Sie konnte seinen Atem auf ihren Lippen spüren, diesen warmen, leicht süßlichen, der nichts Verborgenes mehr hatte.
»Ich beabsichtige, dich anzufassen«, flüsterte er, und die Worte klangen wie eine Bitte und ein Versprechen zugleich.
»Dann tu es«, antwortete sie, und es war Erlaubnis und Aufforderung in einem.
Wenn zwei Körper zu einer Sprache finden
Seine Finger fanden den Saum ihres Sporttops, schoben sich darunter, und der erste direkte Kontakt seiner Haut auf ihrer war wie ein elektrischer Schlag, der durch ihren gesamten Oberkörper zuckte. Annika stöhnte leise auf, ein Laut, der aus einer Tiefe kam, die sie an sich selbst nicht kannte. Seine Hände waren warm und ein wenig rau, und sie glitten über ihren Bauch, ihre Rippen, höher, bis seine Handflächen ihre Brüste umfassten und sie vor Lust fast die Augen verdrehte. Ihre Brustwarzen waren hart und überempfindlich, und als seine Daumen darüberstrichen, zuckte ihr Becken unwillkürlich nach vorn, suchte Druck, Reibung, mehr. Sie grub ihre Finger in seine Schultern, während er sie erforschte, langsam, konzentriert, als wollte er sich jede kleinste Reaktion einprägen.
Sie zog an seinem Shirt, riss es ihm fast vom Körper, und er half ihr, streifte es über den Kopf und ließ es achtlos zu Boden fallen. Sein Oberkörper war schmal und drahtig, die Muskeln von zahllosen Kletterstunden gezeichnet, eine Landkarte aus Anspannung und Kraft unter warmer Haut. Annika legte beide Hände auf seine Brust, ließ sie langsam hinabgleiten, über den flachen Bauch, die feine Linie dunkler Haare, die unter dem Bund seiner Shorts verschwand. Sie spürte, wie er unter ihrer Berührung erschauerte, wie seine Muskeln sich anspannten und wieder lösten, und diese Macht, dieser Effekt, den sie auf ihn hatte, steigerte ihre eigene Erregung ins Unermessliche.
Er zog ihr Top aus, langsam, genoss das Entblößen jeder neuen Hautstelle. Die kühle Hallenluft traf ihre feuchte Haut, ließ sie frösteln und gleichzeitig glühen. Der Gegensatz war berauschend. Simon beugte sich vor und küsste die Stelle zwischen ihren Brüsten, wo der Schweiß der Anstrengung noch feucht stand. Seine Zunge schmeckte das Salz auf ihrer Haut, und Annika hielt seinen Kopf fest, drückte ihn an sich, während ihr Atem stoßweise kam. Seine Hände glitten über ihre Seiten und Hüften, schoben sich unter den Bund ihrer Leggings und zogen sie Stück für Stück hinunter. Währenddessen wanderten seine Lippen tiefer, über ihren Bauch, der sich unter ihm hob und senkte wie eine Dünung, bis zum Rand des hauchdünnen Slips, den sie trug.
Sie hob die Hüften, half ihm, die nasse, verschwitzte Kleidung loszuwerden, und dann lag sie halb nackt auf der Holzbank, nur noch der dünne Stoff ihres Höschens zwischen ihr und der Welt. Simon kniete jetzt vor ihr auf den dicken Matten, seine Hände auf ihren Oberschenkeln. Er betrachtete sie mit einem Ausdruck von solcher Intensität, dass Annika das Gefühl hatte, unter diesem Blick zu brennen. Er schob ihre Beine auseinander, sanft, respektvoll, aber unaufhaltsam, und legte seine Handfläche genau dort auf sie, wo der feuchte Stoff ihres Slips nichts mehr verbarg. Der Druck ließ sie aufkeuchen. Seine Finger massierten sie durch den dünnen Baumwollstoff, fanden ihre empfindlichste Stelle, rieben in kleinen, konzentrierten Kreisen, die von ihrer Mitte aus Blitze durch ihren ganzen Körper jagten.
»Fass mich an«, stöhnte sie, und ihre eigene Stimme klang fremd in ihren Ohren, heiser und fordernd. »Unter dem Stoff.«
Er gehorchte, schob den Slip zur Seite, und seine Finger glitten über ihre nackte, glühend heiße Haut. Sie war so feucht, dass seine Finger fast von selbst in sie hineinglitten. Sie bäumte sich auf, als er sie betrat, erst mit einem Finger, dann mit zweien, während sein Daumen auf ihrer Klitoris kreiste, fest, rhythmisch, genau richtig. Annika klammerte sich an die Kanten der Holzbank, ihre Knöchel traten weiß hervor, während ihr Becken gegen seine Hand stieß, den Rhythmus aufnahm, ihn beschleunigte. Sie war so erregt, dass sie kaum noch klar denken konnte. Sie konnte nur noch fühlen, nur noch empfangen, nur noch diese anschwellende Welle in ihrem Inneren, die immer weiter stieg und jeden Moment zu brechen drohte.
»Nicht aufhören«, keuchte sie, »bitte nicht aufhören, genau so, ja, genau da …«
Simon beugte sich tiefer, sein Atem heiß auf ihrem Bauch. Dann spürte sie seine Zunge auf ihrer Klitoris, während seine Finger sie weiter füllten. Das war zu viel und genau genug zugleich. Ihr Orgasmus riss sie empor und schleuderte sie in eine gleißende Helligkeit, die keine Gedanken und keine Zeit mehr kannte. Nur noch dieses Zucken, dieses Beben, diese Welle um Welle, die durch ihren Körper brandete und sie mit jedem Stoß weiterriss, war noch vorhanden. Sie hörte sich aufschreien, einen langen, kehligen Laut, der von den Hallenwänden widerhallte. Er kam ihr irgendwie unwirklich vor, als gehörte die Stimme nicht ihr, sondern einer anderen Annika, einer wilden, freien und vollkommen verlorenen.
Nachbeben und erste Worte einer neuen Sprache
Als sie wieder zu sich kam, lag Simon neben ihr auf den Matten, die Beine ausgestreckt, den Kopf auf einen alten Chalkbag gebettet. Seine Shorts spannte sich über seiner eigenen, noch unerlösten Erregung, aber er lag ganz ruhig, die Hände hinter dem Kopf verschränkt, und sah sie an. Annika blinzelte und versuchte, ihre Umgebung wieder in Einklang zu bringen. Sie fühlte die Holzbank unter ihrem Rücken, die hohe Hallendecke über ihr und hörte den Regen, der draußen immer noch gegen die Scheiben trommelte. Aber es war leiser jetzt, als würde der Sturm sich legen. Ihr Körper fühlte sich weich und durchlässig an, als hätte der Orgasmus all ihre Grenzen für einen Moment aufgelöst und sie käme jetzt langsam wieder zu sich selbst, aber anders, neu sortiert.
Sie drehte sich auf die Seite, stützte sich auf einen Ellbogen und sah ihn an. Der Anblick seiner immer noch erregten Männlichkeit, die sich gegen den Stoff seiner Shorts drückte, weckte eine neue Welle der Lust in ihr, weicher diesmal, weniger dringend, aber genauso tief. Sie legte eine Hand auf seinen Bauch, spürte die harten Muskeln unter der warmen Haut, ließ sie tiefer wandern.
»Jetzt du«, sagte sie leise, und es war kein Angebot, sondern eine Feststellung. Sie wollte ihn berühren, wollte sehen, wie er die Kontrolle verlor, wollte Zeugin seiner Lust sein, so wie er Zeuge ihrer gewesen war.
Simon richtete sich ein wenig auf, zog selbst seine Shorts und die Boxershorts darunter aus, befreite seine harte, pochende Erektion. Sein Penis lag schwer in seiner Hand, die Spitze feucht, die Adern geschwollen, und der Anblick ließ Annikas Unterleib erneut zusammenzucken. Sie kniete sich auf die Matte und schob seine Hand beiseite, ersetzte sie durch ihre eigene. Seine Haut war seidig und heiß, und sie spürte den Puls in ihm, so stark, dass er gegen ihre Handfläche zu pochen schien. Sie begann, ihn zu streicheln, langsam, fest, fand einen Rhythmus, der ihn aufstöhnen ließ. Seine Hüften begannen, sich ihr entgegenzuheben, und sie sah, wie seine Augenlider flatterten, wie er mit der Lust kämpfte und sie gleichzeitig willkommen hieß.
Sie beugte sich tiefer, nahm ihn in den Mund, und sein Stöhnen wurde lauter, unkontrollierter. Der Geschmack von Salz und Haut füllte ihren Mund, und sie ließ ihn tiefer gleiten, bis fast nichts mehr von ihm zu sehen war. Seine Hände fanden ihren Kopf, ihre Haare, hielten sie nicht fest, sondern streichelten nur, während sie ihn nahm und wieder freigab und wieder nahm, in einem langsamen, genüsslichen Tempo, das ihn fast um den Verstand brachte. Sie spürte, wie seine Erregung sich aufbaute, wie seine Atmung flacher wurde, wie seine Bauchmuskeln sich anspannten. Und dann, als sie ihn tiefer nahm und gleichzeitig mit der Hand ihren Schaft umfasste, explodierte er in ihrem Mund. Sie hielt ihn, ließ ihn kommen und spürte jeden Spasmus, jede Welle, die durch seinen Körper raste, während er ihren Namen stöhnte, zweimal, dreimal, ein Flehen und Danken zugleich.
Danach lagen sie nebeneinander auf den Matten, die Halle um sie herum still und warm wie ein Nest. Annika fühlte Simons Herzschlag unter ihrer Hand, der sich langsam beruhigte. Der Regen draußen hatte fast aufgehört, nur noch einzelne Tropfen tickten gegen das Glas.
»Das war nicht einsame Lust heute«, sagte sie leise, mehr zu sich selbst, und Simon küsste sie auf die Schläfe.
»Nein«, sagte er. »Das war es nie.«
– ENDE –
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