Enge im Fotoautomaten, ein fremder Kuss – und die Hitze einer verbotenen Affäre auf dem Sommerfest

verbotene Affäre
Lesedauer 14 Minuten

Der Gedanke schoss mir durch den Kopf, noch während ich lachte – dieses etwas zu helle Lachen, das ich immer dann aufsetze, wenn ich nervös bin. Das Sommerfest lärmte um mich herum, eine Kakophonie aus Fahrgeschäften, Blechmusik und kreischenden Kindern. Ich war mit Freunden gekommen, eigentlich. Und Marcus war auch irgendwo. Mein Marcus. Der Mann, mit dem ich seit sieben Jahren zusammenlebte, der mir vor drei Stunden eine SMS geschrieben hatte: „Viel Spaß heute Abend, Liebes.“ Bin im Büro, wird später.

Ich war achtundzwanzig Jahre alt und hatte einen Job, der mich auslaugte. Meine Beziehung war in Routinen erstarrt. Jetzt stand ich hier mit einer Zuckerwatte in der Hand, die ich nicht wollte, und spürte, wie mir der Sommerabend den Schweiß zwischen die Schulterblätter legte.

„Noch eine Runde Karussell?“, rief Lisa, aber ich schüttelte lachend den Kopf und deutete auf eine Bank am Rand des Platzes. Ich brauchte eine Pause. Die Lichterketten flackerten in meinem Augenwinkel, und unter meinen Füßen spritzte der aufgewühlte Grasboden kleine Matschspritzer gegen meine Waden.

Da sah ich ihn.

Er lehnte an einem dieser schießbudenähnlichen Wurfstände, einen halbvollen Plastikbecher in der Hand, und lachte gerade über etwas, das sein Nebenmann gesagt hatte. Matthias. Ich kannte ihn flüchtig – Bekannte von Freunden, wie so oft. Ein kantiges Gesicht, Lachfältchen um die Augen und Hände, die aussahen, als könnten sie zupacken. Ich hatte ihn schon ein paarmal auf Partys gesehen, aber nie richtig mit ihm gesprochen.

Unser Blick traf sich. Kein Zufall – er hatte mich angesehen, ich war mir sicher. Denn seine Augen zuckten nicht weiter, sondern blieben an mir hängen, warm, neugierig, vielleicht eine halbe Sekunde länger, als es sich zwischen fast fremden Menschen gehörte.

Ich wandte den Blick ab. Zu spät. Das Kribbeln war da, ein winziger Stromschlag direkt unter dem Brustbein.

Warum blieb mein Puls so unruhig?

Ich stand auf, schlenderte ziellos über den Festplatz, ohne wirklich etwas zu sehen. Und plötzlich stand ich vor dem Fotoautomaten-Zelt – einem altmodischen Ding mit schwerem, dunkelrotem Samtvorhang und einem handgemalten Schild: 4 Bilder für 2 Euro – Erinnerungen für die Ewigkeit. Es wirkte beinahe deplatziert zwischen all dem blinkenden Neon, eine Insel aus gedämpftem Licht und dem Geruch von Chemikalien. Der Vorhang war zugezogen, aber ich hörte drinnen leises Lachen und dann die mechanische Stimme des Automaten: „Bitte lächeln!“

Ich zögerte kurz. Eigentlich wollte ich weitergehen. Aber meine Füße blieben stehen, und als der Vorhang zur Seite glitt und ein kicherndes Teenager-Pärchen heraustrat, trat ich fast automatisch auf das Zelt zu.

„Allein?“

Die Stimme hinter mir war leise, tief und ein wenig amüsiert. Ich fuhr herum. Matthias stand da, die Hände in den Hosentaschen, den Kopf leicht schief gelegt. Aus der Nähe konnte ich die Bartstoppeln an seinem Kinn erkennen, den winzigen Riss in seiner Unterlippe, die Wärme seiner Augen.

„Nur gucken“, sagte ich und spürte, wie idiotisch das klang.

Er grinste. „Ich auch. Aber ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich den Automaten interessant finde.“ Eine kurze Pause, in der mein Herz zwei Schläge zu viel machte. „Ich bin Matthias. Wir haben uns mal auf Daniels Geburtstag gesehen, oder? Du bist Laura, stimmt’s?“

Ich nickte. „Ja. Laura.“ Einfach nur mein Name, mehr brachte ich nicht heraus.

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„Hör zu“, sagte er, und er senkte die Stimme, als wollte er vermeiden, dass jemand mithörte. „Ich bin seit einer halben Stunde auf der Suche nach einem Vorwand, um dich anzusprechen. Das klingt jetzt wahrscheinlich komplett bescheuert. Aber ich hab dich vorhin auf der Bank sitzen sehen und …“ Er zuckte die Achseln, und ein leises, fast verlegenes Lachen entglitt ihm. „… ich wollte nicht unhöflich sein und einfach so wieder verschwinden, ohne wenigstens Hallo zu sagen. Magst du vielleicht mit mir …“ Er deutete auf den Automaten. „… ein Foto machen? Klingt albern, ich weiß. Aber dann hab ich wenigstens einen Beweis, dass ich dich nicht nur geträumt habe.“

Ein Mann, der so etwas sagte, war entweder ein unverbesserlicher Schwerenöter – oder tatsächlich so entwaffnend direkt, wie es in meinem Alltag nie jemand war.

Ich hätte Nein sagen sollen. Wirklich. Marcus, die gemeinsame Wohnung, das Leben, das wir uns aufgebaut hatten – all das hätte mir auf der Zunge liegen müssen wie ein Reflex. Aber das Einzige, was ich spürte, war ein seltsames, fast elektrisches Ziehen, das sich von meinem Bauch aus in den ganzen Körper ausbreitete.

Ich sah in sein Gesicht und dachte: Sollen wir wirklich …?

Aber ich nickte.

Ein Vorhang fällt – und mit ihm alle Regeln.

Der Vorhang raschelte, als ich ihn zur Seite schob. Drinnen war es eng und stickig, der Hocker vor dem Bildschirm war abgewetzt, der Automat brummte leise vor sich hin. Das schummrige Licht warf weiche Schatten auf Matthias‘ Gesicht, als er dicht hinter mir eintrat und der schwere Samt hinter uns wieder zufiel. Plötzlich waren die Geräusche des Festes gedämpft, weit weg, als ob sich eine unsichtbare Kuppel über uns gestülpt hätte.

Ich war allein mit ihm.

„Hier“, sagte er und ließ zwei Münzen in den Schlitz fallen. Der Automat erwachte mit einem Summen zum Leben. Der Bildschirm flackerte auf und zeigte eine Vorschau von uns beiden in krisseligem Videobild – mein Gesicht halb im Schatten, seins direkt daneben, die Schultern fast aneinander.

Mein Herz hämmerte jetzt so laut, dass ich überzeugt war, er müsste es hören können. Ich spürte die Wärme seines Körpers, obwohl er mich noch nicht einmal berührte, nur dieses leichte Knistern im schmalen Spalt zwischen uns. Er roch nach Sommer und Bier und irgendetwas Holzigem, das mir kurz die Kehle zuschnürte.

„Wann hast du das letzte Mal in einem Fotoautomaten gesessen?“, fragte er, und seine Stimme vibrierte einfach, als wäre auch er nicht so ruhig, wie er tat.

„Ich glaube, mit fünfzehn. Irgendwann in einem Einkaufszentrum mit einer Freundin.“ Ich verstummte, denn ich merkte, wie lächerlich das klang. Normaler Smalltalk in einer komplett abnormalen Situation.

Er drehte den Kopf zu mir. In dem engen Raum waren sich unsere Gesichter ganz nah – zu nah für zwei Menschen, die sich gerade erst richtig begegnet waren. Ich sah die Lachfältchen um seine Augen, aber jetzt lachte er nicht. Sein Blick war ernst, forschend, als würde er in meinem Gesicht nach etwas suchen.

„Laura“, sagte er leise. Nur meinen Namen. Aber die Art, wie er ihn aussprach, war kein Name mehr, sondern eine Frage.

„Ja?“, flüsterte ich.

Und dann hob er die Hand und legte sie ganz langsam an meine Wange. Keine plumpe Geste, keine Übergriffigkeit – nur eine Frage, ausgesprochen mit Fingerspitzen. Seine Hand war warm und rau, und sie zitterte ein winziges bisschen. Dieser Hauch von Unsicherheit zerstörte meine letzte Verteidigungslinie gründlicher, als jede glatte Selbstsicherheit es gekonnt hätte.

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„Ich würde dich jetzt gerne küssen“, sagte er. „Nur … ich will nicht, dass es nur für die Fotos ist. Ich will keinen Beweis. Ich will …“ Er brach ab und atmete hörbar aus.

Ich hätte antworten sollen: „Das können wir nicht.“ Oder: Ich bin in einer Beziehung. Oder einfach nur: Nein. Aber meine Kehle war trocken, und jedes Argument, das ich vorbringen konnte, löste sich auf wie die Zuckerwatte, die ich draußen im Regen stehen gelassen hatte.

Statt etwas zu sagen, legte ich meine Hand auf seine, die noch immer meine Wange hielt. Und ich drehte den Kopf ein winziges Stück, bis meine Lippen seine Fingerkuppe berührten.

Er verstand.

Seine andere Hand glitt in meinen Nacken, weich, aber bestimmt, und dann zog er mich zu sich heran. Der erste Kuss war vorsichtig, fast fragend – ein Druck, der mehr versprach als einlöste, ein Hauch von Lippen auf meinen. Ich spürte seinen Atem, warm und ein wenig unregelmäßig. Und dann, als ich die Lippen öffnete, wurde der Kuss tiefer, fordernder, ließ eine Hitzewelle durch meinen Körper strömen, die mich fast taumeln ließ.

Jetzt.

Der Automat klickte, der Blitz zuckte. Das erste Foto war gemacht. Das grelle Licht riss uns auseinander wie zwei ertappte Kinder, und für einen Wimpernschlag starrten wir uns an – beide mit geweiteten Pupillen, beide atemlos.

„Scheiße“, murmelte er und strich sich durch das Haar. Nicht so, als bereute er es. Sondern so, als hätte er gerade gemerkt, wie tief er schon gefallen war.

Ich hätte aufstehen und gehen können. Der Vorhang war direkt neben mir, das Fest draußen wartete nur darauf, mich wieder in seine lärmende Normalität aufzunehmen. Aber ich blieb sitzen. Mein Körper summte, meine Lippen prickelten, und zwischen meinen Beinen breitete sich eine pochende Wärme aus, die ich seit Monaten, vielleicht Jahren nicht mehr gespürt hatte.

Noch zwei Bilder, flüsterte eine Stimme in meinem Kopf. Nur noch zwei Bilder, dann ist es vorbei.

Matthias sah mich an. Sein Blick wanderte von meinem Mund zu meinen Augen und wieder zurück. „Sollen wir … weitermachen?“

Ich nickte.

Der Bildschirm zeigte den Countdown für das zweite Bild. Zehn Sekunden. Ich drehte mich auf dem Hocker zu ihm, so weit es ging, und diesmal war ich es, die die Initiative ergriff. Meine Finger krallten sich in sein Hemd, einen dünnen Baumwollstoff, unter dem ich seine Brustmuskeln spüren konnte, die Spannung, die Hitze. Ich zog ihn zu mir und küsste ihn, und diesmal war nichts Vorsichtiges mehr darin. Meine Zunge drängte in seinen Mund, traf auf seine, umspielte sie, tauchte tiefer. Er stöhnte leise, ein Geräusch, das von tief aus seiner Kehle kam, und ich fühlte, wie sich seine Hand fester in meinen Nacken grub.

Der zweite Klick. Das zweite Foto.

Die Last der unsichtbaren Ringe

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Im nächsten Moment veränderte sich etwas in der winzigen Kabine, eine unsichtbare Grenze, die wir beide spürten und beide überschritten.

Meine Hände, eben noch in seinem Hemd verkrallt, wanderten tiefer. Ich spürte die Hitze seiner Haut durch den Stoff, und während unsere Lippen noch miteinander kämpften, schob ich die Finger unter den Saum und zog das Hemd aus dem Hosenbund. Darunter war harte Bauchmuskulatur, ein schmaler Streifen weicher Haare, und ich spürte, wie seine Bauchdecke unter meiner Berührung kurz zuckte.

„Laura …“, flüsterte er gegen meinen Mund, und ich konnte nicht einordnen, ob es eine Warnung oder eine Ermutigung war. Vielleicht beides.

„Nicht aufhören“, hauchte ich. Die Worte waren kaum zu verstehen. Aber die Hände, die ich jetzt unter sein Hemd schob, die Finger, die über seine Brust glitten und die festen kleinen Knubbel seiner Brustwarzen fanden, waren unmissverständlich.

Seine Reaktion war unmittelbar. Er sog scharf die Luft ein und ließ seinen Kopf kurz gegen die gepolsterte Rückwand der Kabine sinken. Dann griffen seine Hände nach meinen Hüften und zogen mich auf dem schmalen Hocker näher zu sich, bis meine Schenkel seine berührten. Ich spürte, wie er reagierte – die wachsende Härte unter dem rauen Jeansstoff, unübersehbar gegen mein Bein gepresst. Meine Jeans waren dünn, zu dünn, und jeder Millimeter dieser Berührung brannte sich wie ein glühender Stempel in meine Haut.

Dritter Klick. Ich hatte den Automaten völlig vergessen, die Kamera, den Beweis, der hier entstand. Alles, was zählte, waren dieser Mann, diese Enge, diese pochende, betäubende Lust, die meinen ganzen Körper in Beschlag nahm.

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Es war falsch. Ich wusste das. Ein Bild von Marcus schoss mir durch den Kopf. Es zeigte Marcus an seinem Schreibtisch, im Büro, mit dem Telefon zwischen Ohr und Schulter geklemmt. Aber es verblasste sofort wieder, ausgelöscht von der überwältigenden Körperlichkeit dieses Moments.

„Wir können aufhören“, sagte Matthias mit rauer Stimme, doch seine Hände widersprachen dieser Aussage. Sie waren unter meinen Top gewandert, Fingerspitzen, die die Härchen auf meinem Rücken aufstellten, die den Bogen meiner Wirbelsäule nachzeichneten, bis sie am Verschluss meines BHs angelangt waren.

„Nein“, sagte ich. „Ich will nicht aufhören.“ Und dann, fast ein Schluchzen: „Ich will gefühlt werden. Und ich will dich fühlen. Nur das hier. Nur diesen Moment.“

Es war, als hätte ich einen Schalter umgelegt. Seine Zurückhaltung brach, und er küsste mich mit einer Intensität, die mich gegen die Seitenwand der Kabine drückte. Meine Hände fanden seinen Gürtel und fummelten an der Schnalle, während der leise metallische Klang, mit dem sie sich öffnete, das obszönste Geräusch war, das ich je gehört hatte.

Seine Lippen wanderten meinen Hals hinab und saugten sich an der empfindlichen Stelle unter meinem Ohr fest. Ich legte den Kopf zurück und stöhnte auf – laut, zu laut. Aber der Lärm des Festes draußen verschluckte jeden Ton. Ich fühlte seine Zunge, seine Zähne, die einfach über meine Haut schrammten. Gleichzeitig öffnete ich mit fliegenden Fingern den Knopf seiner Jeans, zog den Reißverschluss herunter und schob meine Hand in die Wärme darunter.

Er atmete zischend ein, als meine Finger ihn umschlossen. Schon halb steif, und er zuckte in meiner Hand, lebendig, heiß und glatt. Ich wollte ihn sehen. Alles von ihm. Diesen Körper, der mir nicht gehörte. Diesen Mann, der mich in eine Welt katapultiert hatte, in der nichts mehr galt außer Berührung und Hitze und Gier.

„Lass mich“, flüsterte ich und rutschte von dem schmalen Hocker auf meine Knie. Der Boden der Kabine war hart und klebrig von verschütteten Getränken, die Enge ließ mich kaum atmen, aber das war mir egal. Ich zerrte an seiner Jeans, und er hob die Hüften und half mir, sie über seine Schenkel zu schieben, zusammen mit der Boxershorts.

Und dann war er vor mir. Befreit. Hart.

Ich hielt kurz inne. Das schummrige Licht ließ den Schweiß auf seiner Haut glitzern. Der Anblick seiner vollen Erektion, der Adern, die sich unter der straffen Haut abzeichneten, und der dunkelrot schimmernden Spitze ließ meinen Atem stocken.

„Laura …“, sagte er heiser. „Du musst das nicht …“

Aber ich wollte. Ich beugte mich vor und nahm ihn in den Mund.

Der Countdown für das vierte Bild muss abgelaufen sein, der Blitz muss irgendwann gezuckt haben, aber ich nahm nichts davon wahr. Es gab nur noch den Geschmack von ihm, salzig und ein wenig bitter. Außerdem fühlte ich das Gewicht auf meiner Zunge und das Zucken jedes Mal, wenn ich es mit den Lippen fester umschloss und tiefer hinabglitt. Seine Hände krallten sich in meine Haare, nicht grob, aber fest, als müsste er sich irgendwo festhalten. Ich hörte seine Atemzüge, schnell und abgehackt, und das leise Stöhnen, das er nicht mehr unterdrücken konnte.

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Es war obszön, was ich tat. Und es war das Ehrlichste, das ich seit langer Zeit getan hatte.

Dann zog er mich sanft an den Schultern hoch. Seine Augen waren dunkel, fast schwarz, und seine Stimme klang rau wie Sandpapier. „Ich will auch dich fühlen. Alles. Bitte …“

Seine Hände fanden den Knopf meiner Jeans, öffneten ihn geschickt, zogen den Reißverschluss herunter, und ich half ihm, den Stoff über meine Hüften zu schieben. Nicht ganz ausziehen in dieser Enge, nur weit genug, um den Zugang freizugeben, den er suchte. Seine Finger glitten unter den dünnen Stoff meines Slips, und ich keuchte auf, als er mich berührte – erst zart, dann fordernder. Ein Finger drang in mich ein und wurde sofort von meiner Nässe umschlossen.

„Gott, Laura … „Du bist so feucht“, murmelte er, und die raue Bewunderung in seiner Stimme trieb mir die Schamesröte ins Gesicht und die Lust in den Bauch.

Ich wollte ihn in mir. Jetzt. Egal, was danach kam.

Jenseits aller Vorsicht – der Automat als stummer Zeuge

Der Automat surrte gleichgültig vor sich hin, während ich mich auf Matthias‘ Schoß schob, mit dem Rücken zu seiner Brust, weil die Kabine zu eng war, um einander gegenüber zu sitzen. Meine Jeans hingen um meine Knie, mein Slip war zur Seite geschoben, und ich spürte seine Hände auf meinen Hüften, die mich führten, während ich mich langsam auf ihn herabsenkte.

Das erste Eindringen war fast zu viel. Ich spürte die Dehnung, das Brennen, die intensive Fülle, als seine ganze Länge in mich glitt, Zentimeter für Zentimeter, bis ich ihn vollständig aufgenommen hatte und mit einem erstickten Laut innehielt. Mein Kopf sank gegen seine Schulter, mein Mund war geöffnet in einem lautlosen Schrei, meine Augen geschlossen.

„Alles okay?“, fragte er, und seine Stimme zitterte. Ich spürte, wie seine Brust sich hob und senkte, wie seine Hände auf meinen Hüften sich anspannten, während er versuchte, sich nicht zu bewegen, mir Zeit zu geben.

Statt einer Antwort begann ich, mich zu bewegen. Langsam erst, ein sanftes Kreisen meiner Hüften, das ihn noch tiefer in mich trieb und einen stechenden Blitz der Lust durch meinen Unterleib jagte. Seine Hände glitten unter mein Top und schoben den hochgerutschten BH beiseite. Bis seine Fingerspitzen meine Brüste fanden, die hart gewordenen Spitzen, hörte ich mein eigenes Stöhnen wie von weither. Als er sie zwischen Daumen und Zeigefinger nahm und sanft drückte, intensivierte sich mein Stöhnen.

„Härter“, keuchte ich. „Ja … genau so …“

Seine Hüften stießen nun von unten gegen mich, und ich stemmte mich mit den Händen an den Seitenwänden der Kabine ab, um den Rhythmus zu erwidern, den er vorgab. Schneller jetzt, dringlicher. Der Hocker quietschte leise unter unseren Bewegungen, ein völlig profanes Geräusch in dieser Symphonie aus Stöhnen und Keuchen und dem dumpfen Klatschen von Haut auf Haut.

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Ich hatte vergessen, wo ich war. Vergessen, dass nur ein dünner Samtvorhang uns vom Rest der Welt trennte. Vergessen, dass irgendwo draußen Lisa wahrscheinlich nach mir suchte, dass Marcus‘ letzte Nachricht noch immer auf meinem Handy blinkte. Es gab nur noch dies – den vollendeten, brutalen Rhythmus unserer Körper, seine tiefe Stimme, die meinen Namen murmelte wie ein Mantra. Es gab auch die pochende, sich zusammenballende Spannung in meinem Zentrum, die kurz vor dem Explodieren stand.

Ich spürte jeden Stoß, jede Bewegung, als wäre mein ganzer Körper eine einzige empfindliche Zone geworden. Meine Schenkel brannten von der Anstrengung, meine Knie waren wundgescheuert von der zerrissenen Jeans, und der Schweiß lief in kleinen Rinnsalen meinen Rücken hinab. Aber ich wollte mehr, schneller, tiefer, und ich schleuderte meine Hüften gegen ihn mit einer Wildheit, die ich nicht an mir kannte.

„Komm für mich, Laura“, flüsterte er in mein Ohr, und seine eine Hand löste sich von meiner Brust und glitt zwischen meine Beine, suchte und fand die geschwollene Perle, die dort pulsierte. Er rieb mit dem Daumen in langsamen, festen Kreisen darüber, während sein Rhythmus in mir unverändert blieb, und das war zu viel, es war einfach zu viel. Ich fühlte, wie sich die Spitze des Orgasmus ankündigte, eine weiße Hitze, die von meinem Schoß aus in meinen ganzen Körper strömte, und dann schlug sie über mir zusammen wie eine Welle.

Ich schrie. Ich stieß einen kurzen, abgewürgten Schrei aus, den ich im letzten Moment mit meiner eigenen Hand erstickte, während mein Körper sich in wilden Zuckungen um ihn herum zusammenzog und meine inneren Muskeln ihn pulsierend umklammerten, was ihn kurz innehalten ließ mit einem erstickten Fluch.

Und dann überließ auch er sich dem Rhythmus. Er stieß zwei, drei, vier letzte Male tief in mich hinein, bevor er sich in mir ergoss. Es gab ein langgezogenes, tiefes Stöhnen, seinen Kopf an meine Schulter gepresst, die Finger in meine Hüften gegraben. Ich spürte die pulsierenden Stöße seiner Ejakulation, die feuchte Hitze, die sich tief in mir ausbreitete, und ein letztes zartes Nachbeben der Lust flatterte durch meinen Unterleib.

Die Stille danach war fast betäubend. Nur unser schweres Atmen, das langsam ruhiger wurde, und der gleichmütige Brummton des Automaten, der vermutlich schon vor einer Ewigkeit die letzte Aufnahme gemacht hatte.

Der schwere Vorhang zur Normalität – und die offene Tür

Wir saßen so, wie wir waren, verkeilt in der viel zu engen Kabine, die Klamotten halb heruntergezerrt, die Herzen noch wild, und wussten beide nicht, was wir sagen sollten. Der Schweiß auf meiner Haut begann zu trocknen und hinterließ eine kühle Gänsehaut. Zwischen meinen Beinen spürte ich die klebrige Nässe, die aus mir herauslief, unsere gemeinsame Erinnerung, die kein Tampon der Welt hätte aufhalten können.

Matthias löste sich langsam aus mir, und das dumpfe Gefühl der Leere, das zurückblieb, war fast schmerzhaft. Ich zog meine Jeans mit zitternden Fingern hoch und versuchte, irgendetwas zu sagen, das diesem Moment eine Form und Bedeutung gab.

„Das … war keine gute Idee“, sagte ich schließlich. Meine Stimme klang kratzig und fremd.

Er lachte leise, humorlos. „Nein. War es nicht. Aber ich bereue es nicht.“ Seine Hand strich mir eine verschwitzte Strähne aus der Stirn, eine beinahe zärtliche Geste, die mich mehr aus dem Gleichgewicht brachte als alles andere. „Du?“

Ich schüttelte den Kopf. „Ich weiß es offen gesagt noch nicht. Mein Freund …“

„Ich weiß“, sagte er leise. „Ich habe gesehen, wie du vorhin auf dein Handy geschaut hast. Dein Startbildschirm … du und er. Ich hätte nichts sagen sollen, oder?“

„Nein, es ist gut, dass du es weißt. Dann weißt du auch, dass ich normalerweise nicht …“ Ich brach ab, weil mir klar wurde, dass nichts an dem, was ich sagen wollte, stimmte. Ich war nicht normalerweise die Frau, die fremdging. Aber heute Abend war ich es gewesen. Heute Abend hatte ich in einer schäbigen Fotokabine auf einem Sommerfest mehr Leidenschaft empfunden als in sieben Jahren mit Marcus. Das war ein Gedanke, der mir den Boden unter den Füßen wegzog.

„Keine falschen Versprechungen“, sagte Matthias. Er richtete sich auf, stopfte sein Hemd notdürftig in die Hose, strich sich durch die zerwühlten Haare. Bemüht, wieder der Mann zu sein, der er vor dieser halben Stunde gewesen war. Der Automat spuckte mit einem mechanischen Rattern den Bilderstreifen aus, und ich griff danach wie nach einem Beweisstück.

Vier Bilder. Das erste: unser zaghafter Kuss, meine Hand an seiner Wange, die Überraschung in unseren Gesichtern. Das Zweite: Leidenschaft, seine Hand in meinem Nacken, meine Augen geschlossen. Das dritte: verschwommene Bewegung, weil wir in diesem Moment schon jenseits aller Posen gewesen waren. Und das vierte … das vierte Bild war fast komplett schwarz, nur ein rötlicher Schimmer von Haut und die Wölbung meiner Schulter, die sich gegen das Objektiv drängte, während ich – das Wissen traf mich wie ein Hammerschlag – auf den Knien vor ihm gesessen hatte.

Ich starrte auf den Streifen, auf diesen greifbaren Beweis meiner Untreue, und meine Kehle schnürte sich zu.

„Behalt du ihn“, sagte Matthias, und ich sah, wie er schluckte. „Oder zerreiß ihn. Was auch immer sich für dich richtig anfühlt.“ Er machte eine Pause. „Ich habe keine Ahnung, was jetzt passiert, Laura. Aber falls du jemals … falls du reden willst oder …“ Er ließ den Satz in der Luft hängen, zog eine zerknitterte Visitenkarte aus der Hemdtasche und drückte sie mir in die Hand. Ich warf einen Blick darauf. Ein Architekturbüro, seine Nummer, seine E-Mail. Etwas ganz Normales in einer völlig irren Situation.

Der Vorhang raschelte, als er ihn zur Seite schob. Das grelle Licht der Festbeleuchtung fiel in die Kabine, und mit ihm kam die Kakophonie der Musik, der Leute, der Realität zurück. Blinzelnd stand ich auf und trat neben ihm ins Freie. Der Sommerabend roch nach gebrannten Mandeln und kaltem Rauch. Zwei Teenager warteten kichernd vor dem Automaten und musterten uns neugierig.

„Dann …“, sagte Matthias, die Hände wieder in den Hosentaschen, als wäre nichts gewesen.

„Dann“, sagte ich.

Er lächelte, ein Lächeln, das nicht ganz seine Augen erreichte, drehte sich um und ging. Ich sah ihm nach, wie er in der Menge verschwand, ein Mann unter vielen. Gleichzeitig war er der einzige Mensch auf diesem Fest, der mich jemals so gesehen hatte, wie ich in dieser Nacht gewesen war.

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Ich atmete tief durch. Der Bilderstreifen steckte jetzt in meiner Jeanstasche, eine Visitenkarte klemmte zwischen meinen Fingern, und Marcus würde wahrscheinlich in einer Stunde zu Hause sein und fragen, ob ich einen schönen Abend gehabt hatte.

Langsam ging ich in Richtung Karussell, von wo ich Lisas Stimme zu hören glaubte. Aber meine Schritte waren anders als vorhin – bewusster, schwerer, als trüge ich eine unsichtbare Last.

Oder vielleicht auch eine unsichtbare Tür.

Ich hatte keine Ahnung, ob ich sie öffnen würde. Ich wusste nur, dass sie jetzt da war, diese Tür, die vor einer Stunde noch nicht existiert hatte. Und dass der Mann, der hinter ihr wartete, mir die Hand entgegenstreckte.

Das Knistern des Samtvorhangs würde ich nie wieder aus meinen Ohren bekommen.

– ENDE –

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