Zwischen Gladiolen und schlechtem Gewissen – Eine Fremdgeh-Geschichte im Blumenladen

Fremdgehen Geschichte
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Eine Fremdgeh-Geschichte

Greta zog die Gartenschere mit einem entschlossenen Ruck aus der Lederscheide an ihrem Gürtel, während Moritz bereits den schweren Eimer mit den Pfingstrosen über den gekachelten Boden des Ladens schleppte. Das Wasser schwappte in trägen Wellen gegen den verzinkten Rand, und ein paar Tropfen verfingen sich in seinen Hemdsärmeln, die er bis zu den Ellbogen hochgekrempelt hatte. Es war einer dieser Nachmittage, an denen die Julihitze selbst durch die gekippten Oberlichter drang und den kleinen Blumenladen in eine dampfende Glaskuppel verwandelte. Es war eine Welt für sich, abgeschottet vom Rest der Stadt, der draußen vor den beschlagenen Scheiben seinem gewöhnlichen Treiben nachging. Eine Fremdgehgeschichte braucht solche Orte, dachte Greta später, solche unscheinbaren Bühnen, auf denen sich das Unausweichliche mit der Selbstverständlichkeit eines aufgehenden Sommersterns entfaltet.

Der Duft war das Erste, woran sie sich später immer erinnern würde. Hunderte von Blütenkelchen, die ihre betörende Süße in die schwere Luft entließen, vermischt mit dem herben Grün zerdrückter Stiele und der kühlen, mineralischen Frische des Wasserbeckens am Ende des Verkaufstresens. Dazwischen schwebte etwas anderes, kaum Greifbares: der herbe Geruch von Moritz‘ Haut, nachdem er den ganzen Vormittag Körbe geschleppt und Draht zurechtgebogen hatte, ein Geruch wie warmes Holz und Salz. Greta kannte diesen Geruch seit Jahren. Sie hatte ihn bei Betriebsausflügen im Bus wahrgenommen, bei Sommerfesten, wenn er sich lachend zu ihr hinüberbeugte, und bei unzähligen Arbeitstagen in diesem Laden, den seine Familie schon in dritter Generation führte. Doch heute war alles anders. Heute trug sie kein Unbehagen mehr in sich, nur noch die reine, klare Erwartung dessen, was kommen würde.

Die Sache mit den Sommersträußen war eine Tradition, die Moritz‘ Vater erfunden hatte und die sie nun schon den dritten Sommer gemeinsam fortführten. Die Kunden bestellten sie für Terrassenfeste, für Jubiläen und Hochzeiten, und Greta, die eigentlich nur aushilfsweise eingesprungen war, hatte sich längst zur unverzichtbaren Arrangeurin entwickelt. Ihre Finger kannten das Spiel mit den verschiedenen Höhen und Farben. Sie wussten, dass die Gladiolen aufragen mussten wie Türme, während die Zinnien sich am Fuß des Straußes drängeln durften wie eine farbenfrohe Kinderschar. Moritz reichte ihr die Blumen an und schnitt die Stiele mit zwei flinken Bewegungen schräg an. Dann befreite er sie von überflüssigem Blattwerk und hielt sie ihr hin wie ein Angebot, das weit über den bloßen Strauß hinausging.

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Ihre Hände berührten sich zum ersten Mal, als er ihr die ersten Sonnenhut-Blüten reichte. Es war eine flüchtige Berührung – seine Finger an ihren Knöcheln, kaum länger als ein Herzschlag – und doch durchfuhr es Greta wie ein heller Riss im Gewebe des Alltags. Sie sah auf. In seinen Augen lag ein Ausdruck, den sie so noch nie an ihm gesehen hatte. Es gab keine Unsicherheit, keine schüchterne Frage, sondern die ruhige Gewissheit eines Mannes, der lange über etwas nachgedacht und einen Entschluss gefasst hat. Der Laden roch plötzlich nicht mehr nur nach Blumen und Wasser und Sommer, sondern nach Möglichkeit. Nach dem unbetretenen Weg, der direkt vor ihren Füßen begann.

Anatomie eines Verrats: Wenn Finger mehr sprechen als Worte

Die Straußmitte füllte sich mit Dahlien, deren samtrote Köpfe so schwer waren, dass sie sich leicht zur Seite neigten. Greta musste sie tiefer in das Bündel schieben, musste den Druck ihrer Hand verstärken, um die aufsässigen Stiele zu bändigen. Bei jeder Bewegung streifte ihr Arm den von Moritz, und jedes Mal zuckte keiner von ihnen zurück. Es war, als hätten ihre Körper eine eigene stumme Sprache entwickelt, die sich unterhalb der vertrauten Arbeitsroutine vollzog wie eine verbotene Parallelhandlung. Als Moritz zur Kühltheke ging, um frische Stockrosen zu holen, spürte Greta seinen Blick auf ihrem Rücken, so deutlich, als läge eine warme Hand zwischen ihren Schulterblättern.

„Halt mal kurz“, sagte er leise, als er mit den hoch aufragenden Gladiolenstängeln zurückkam, und seine Stimme hatte den vertraulichen Klang eines Geheimnisses. Sie nahm das schwere Band von Schleierkraut entgegen, das er ihr hinhielt, und diesmal verharrten seine Finger eine halbe Sekunde länger auf ihren Handgelenken. Greta spürte, wie sich ihre Haut an den berührten Stellen erwärmte, als hätte jemand eine Kerze darunter gehalten. Sie blickte an sich herab, auf die grüne Schürze, unter der sich ihr Sommerkleid mit dem winzigen Margeritenmuster spannte. Plötzlich kam ihr dieser Stoff viel zu dünn vor, als läge ihre Haut zum Greifen darunter.

Die Klingel über der Ladentür schepperte, und eine ältere Frau trat ein, um einen bereits bestellten Trauerkranz abzuholen. Sie plauderte eine Weile mit Moritz, der die Rolle des zuvorkommenden Geschäftsinhabers mit jahrelanger Routine spielte, während Greta im hinteren Teil des Raumes weiterband. Sie nahm die Zinnien auf, deren leuchtendes Orange an Clementinen erinnerte, und ordnete sie so an, dass sie wie kleine Sonnen aus dem Schleierkraut hervorleuchteten. Dabei dachte sie an Christoph, ihren Mann, der in diesem Moment wahrscheinlich im Konferenzraum saß und mit roten Stiften Zahlenkolonnen auf Projektionsfolien korrigierte. Dieser Gedanke zog durch sie hindurch wie ein Messer durch weiches Wachs. Er hinterließ eine Spur, aber er hielt sie nicht auf. Sie verspürte kein Zögern, nur eine Art staunender Distanz zu ihrem bisherigen Leben, das ihr plötzlich vorkam wie ein sorgfältig gebundenes Bukett, dem man nun einen wilden, nicht genehmigten Zweig hinzufügte.

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Nachdem die Kundin gegangen war, wurde der Raum wieder schmaler und wärmer. Die Ladenglocke verklang, und sie waren erneut allein unter dem hohen, flirrenden Licht der Oberfenster. Moritz kam zu ihr zurück, blieb aber diesmal nicht auf seiner Seite des Arbeitstisches stehen. Er trat hinter sie, so nah, dass sie die Wärme seines Körpers durch den dünnen Baumwollstoff ihres Kleides spürte wie einen sanften Ofen. Eine Hand legte sich auf ihre Schulter, einfach, als wollte sie prüfen, ob diese Berührung überhaupt erlaubt war. Gretas erster Impuls war der einer Ehefrau: ein kleines, reflexhaftes Zurückzucken, das bereits in ihren Muskeln steckte, bevor ihr Verstand es genehmigen konnte. Aber sie unterdrückte es. Sie hielt still. Mehr noch: Sie lehnte sich einen kaum wahrnehmbaren Millimeter zurück, in seine Richtung, und dieses kleine Einverständnis wirkte wie das Öffnen einer Schleuse.

„Die Farben sind perfekt dieses Jahr“, murmelte Moritz, und sie wusste genau, dass er nicht nur das Arrangement meinte. Seine Stimme war leise und rau, nicht viel mehr als ein Vibrieren in der Luft direkt an ihrem Ohr. Seine Finger wanderten von ihrer Schulter über die Rundung ihres Oberarms, langsam, bedächtig, als zeichnete er die Umrisse eines noch unausgesprochenen Geständnisses nach. Greta Hände, die den Strauß umklammert hielten, begannen leicht zu zittern, und eine einzelne Dahlie löste sich aus dem Bündel und fiel auf die Arbeitsplatte wie ein zu früh geöffnetes Geschenk.

Wenn der Sommer den Verstand auszieht

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Er drehte sie zu sich um – nicht mit Gewalt, sondern mit einer langsamen, unerbittlichen Entschlossenheit, der sie nichts entgegensetzen wollte. Die Gartenschere fiel klappernd zu Boden, und das Geräusch zerschnitt die Stille wie der erste Pinselstrich auf einer leeren Leinwand. Moritz sah sie an, und in seinen Augen lag dasselbe Verlangen, das sie in sich selbst spürte wie eine zweite, heißere Blutbahn. Dann küsste er sie.

Dieser Kuss war nicht zögerlich oder fragend, sondern die Erfüllung eines sieben Jahre alten, unausgesprochenen Vertrags. Seine Lippen schmeckten nach Kaffee und nach etwas Dunklerem, nach jener Art von Hunger, der sich nie mit Mahlzeiten stillen lässt. Greta erwiderte den Kuss, als wäre ihr Mund eigens dafür geschaffen worden, und ihre Zunge traf auf seine mit einer Vertrautheit, die sie überraschte. Es war, als hätten ihre Körper all die Jahre über heimlich auf diesen Moment hin trainiert.

Seine Hände griffen unter ihre Schürze, nestelten sie auf, ließen sie zu Boden gleiten, wo sie sich auf den kühlen Fliesen ausbreitete wie ein grüner See. Darunter trug sie das dünne Sommerkleid, und Moritz ließ seine Fingerspitzen über den Stoff wandern, hinunter zu ihren Hüften, über die Wölbung ihrer Schenkel, während sein Mund sich nicht von ihrem löste. Greta stöhnte leise in ihn hinein, als seine Daumen die Innenseite ihrer Oberschenkel fanden und dort kleine, drängende Kreise zu ziehen begannen. Die Hitze zwischen ihren Beinen wurde unerträglich, ein pochendes Eigenleben, das jeden rationalen Gedanken übertönte.

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„Warte“, flüsterte sie, aber sie meinte nicht „Warte an der Tür“, sondern „Warte, lass mich atmen“, und Moritz verstand sie sofort. Er ließ von ihr ab, nur so weit, dass er ihr das Kleid über den Kopf streifen konnte. Der Stoff raschelte, während er fiel, und gesellte sich zu der Schürze auf den Boden. Greta stand nun in ihrer Spitzenunterwäsche vor ihm, dem hauchdünnen Zeug, das sie morgens noch ganz unschuldig aus der Schublade genommen hatte. Moritz betrachtete sie mit einem Ausdruck stiller Andacht, der sie mehr erregte als die drängendste Berührung. Seine Hände hoben sich, und er öffnete den Verschluss ihres BHs mit einer Geschicklichkeit, die sie nicht überraschte. Sie hatte ihn oft genug beobachtet, wie er mit denselben Fingern komplizierte Blumendrähte bog.

Ihre Brüste waren nun frei, die Brustwarzen hart und empfindlich in der warmen, duftschweren Luft. Er nahm eine davon in den Mund, während seine Hand die andere sanft umschloss. Greta krallte ihre Finger in seine Schultern und spürte die harte Muskulatur unter dem Baumwollhemd, das sie ihm nun ihrerseits aufknöpfte. Knopf für Knopf gab die weiße Baumwolle den Blick auf seine Brust frei, auf die hellbraunen Härchen, die in einem schmalen Pfad unter seinen Gürtel liefen wie eine vielversprechende Wegbeschreibung. Sie zog ihm das Hemd von den Schultern und strich über seine Arme, die vom Tragen der Wassereimer und der schweren Pflanzkübel kräftig geworden waren. Sie dachte kurz und mit einem stechenden Stolz daran, dass Christophs Arme schmaler waren.

Sie sank vor ihm auf die Knie, direkt dort, wo die kalten Fliesen ein Muster aus kleinen Sechsecken bildeten. Ihre Finger fanden den Gürtel, öffneten ihn, zogen den Reißverschluss seiner Hose mit einem Geräusch herab, das in der Stille des Ladens widerhallte wie ein öffentliches Geständnis. Seine Shorts spannten sich bereits, und als sie ihn daraus befreite, federte sein Glied ihr entgegen, warm und hart und mit einem leichten Pulsieren unter der samtigen Haut. Greta nahm ihn in den Mund, ohne Zögern, ließ ihre Zunge über die empfindliche Spitze gleiten und hörte, wie Moritz scharf die Luft einzog. Seine Hand legte sich auf ihren Hinterkopf, nicht fordernd, sondern einfach, um den Kontakt zu halten, während sie ihn tiefer in sich aufnahm, den salzigen Geschmack seiner Erregung auf der Zunge spürte.

Aber er ließ sie nicht lange gewähren. „Nein“, sagte er heiser, „nicht so. Ich will dich ganz. Er zog sie hoch, half ihr aus dem Slip, der sich wie ein letzter, lächerlicher Vorhang zwischen ihnen löste. Dann hob er sie auf den massiven Holztisch, direkt neben die halbfertigen Sträuße, und ein paar Zinnienköpfe rollten zur Seite wie betrunkene Schmetterlinge. Greta öffnete ihre Beine, und Moritz trat zwischen sie, sein Glied drängte gegen ihre Mitte, die bereits feucht genug war, um mühelos in sie eindringen zu können.

Sprache der Haut, Grammatik der Lust

Die ersten Stöße waren langsam – nicht aus Zurückhaltung, sondern weil es sich so unbeschreiblich gut anfühlte, dass sie jeden einzelnen Millimeter seines Eindringens bewusst auskosten wollten. Greta lag halb auf dem Tisch, die Schulterblätter auf einer Lage von Zeitungspapier, auf dem sich die Feuchtigkeit der zerdrückten Stiele in dunklen Flecken abzeichnete. Ihre Beine umschlangen Moritz‘ Hüften, und bei jedem Stoß stieß sie ein leises, kehliges Stöhnen aus, das sich mit dem Ächzen des alten Holztisches mischte. Eine Vase klirrte irgendwo, und keiner von ihnen kümmerte sich darum.

Moritz‘ Hände umfassten ihre Brüste, während er sich in ihr bewegte, seine Daumen strichen über ihre Brustwarzen und sandten kleine elektrische Schläge durch ihren ganzen Körper. Greta sah zu ihm auf, auf sein konzentriertes Gesicht, die leicht zusammengezogenen Augenbrauen und den halbgeöffneten Mund. Sie fühlte eine Welle von Zärtlichkeit, die mit der puren körperlichen Lust um die Vorherrschaft kämpfte. Es war nicht so, dass sie Christoph nicht liebte. Es war so, dass sie jetzt, in diesem Moment, gar nicht an Christoph dachte, sondern nur an diesen Mann, diesen Tisch. Nur an dieses unendliche Gleiten und Stoßen, das ihren Körper in einen Zustand jenseits aller Moral versetzte.

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Er beugte sich hinab und küsste ihren Hals, ihre Kehle, die kleine Kuhle zwischen ihren Schlüsselbeinen, während sein Rhythmus schneller und drängender wurde. Seine eine Hand wanderte hinab zwischen ihre Körper, fand ihre Klitoris und begann, sie zu reiben in einem Takt, der mit dem seiner Stöße korrespondierte. Greta spürte, wie sich die Lust in ihrem Unterleib zusammenzog, zu einem Knoten schnürte, der mit jeder Berührung, jedem Stoß, jeder kleinen Reibung enger wurde und gleichzeitig kurz davorstand, zu explodieren.

„Sag meinen Namen“, flüsterte sie heiser, ohne zu wissen, warum, und Moritz tat es, wieder und wieder, während er sich in ihr bewegte: Greta, Greta. Es war obszön und zärtlich zugleich, ein Mantra der Unerlaubtheit, das sie nur noch mehr erregte. Sie spürte den Orgasmus kommen, nicht als Explosion, sondern als ein langes, unausweichliches Anschwellen, das sie schließlich mit einem lauten Aufschrei überspülte. Ihre inneren Muskeln zogen sich um Moritz‘ Glied zusammen, krampften und pulsierten. Moritz fühlte, wie sie um ihn herumzuckte, und stieß ein letztes Mal tief in sie hinein. Dann ergoss er sich mit einem Stöhnen, das irgendwo aus seiner Brust zu kommen schien wie der Ruf eines verwundeten Vogels.

Sie blieben ineinander verschlungen, atemlos und verschwitzt, während die letzten Zuckungen der Lust durch ihre Körper liefen. Der Tisch roch nach ihnen beiden, vermischt mit dem Duft zertretener Kräuter und dem süßen Aroma verwundeter Blüten. Es war ein Geruch, den Greta nie wieder vergessen würde, ein Parfum aus Schweiß, Sperma, Blumen und dem unverwechselbaren Aroma des Verrats.

Was bleibt, wenn der Duft verfliegt

Viel später saßen sie nebeneinander auf den Stufen zur Hintertür, die auf einen winzigen, von Mauern umgebenen Hof führte. Moritz rauchte eine der Zigaretten, die er für Notfälle in der Schublade des Kassenhäuschens aufbewahrte, und Greta trank das lauwarme Wasser aus einer verbeulten Blechtasse. Sie hatte sich ihr Kleid übergeworfen, aber der Slip steckte noch irgendwo in den Tiefen des Ladens, und das Gefühl des Stoffs direkt auf ihrer bloßen Haut war wie eine fortgesetzte Berührung.

Die Sommerdämmerung begann bereits, den Himmel über dem Hof in ein weiches Pfirsichrosa zu tauchen. Die Mauern speicherten noch die Wärme des Tages und strahlten sie in den Abend ab wie riesige, steinerne Öfen. In der Ferne hupte ein Auto, ein Kind lachte, irgendwo klapperte Geschirr. Das Leben da draußen nahm seinen gewohnten Lauf, unbeeindruckt von dem, was im Blumenladen geschehen war.

„Ich habe keine Schuldgefühle“, sagte Greta leise und stellte erstaunt fest, dass es die Wahrheit war. Kein einziger Satz ihres inneren Anklägers hatte sich zu Wort gemeldet. Vielleicht kam das noch. Vielleicht würde die Reue sie heute Nacht überfallen, wenn sie neben Christoph lag und seinen vertrauten Atem hörte. Oder vielleicht morgen früh beim Kaffeekochen. Oder nächste Woche, wenn Christoph ahnungslos den Bund Zinnien bewunderte, den sie ihm mitbrachte – dieselben, die als stumme Zeugen auf dem Arbeitstisch gelegen hatten. Aber jetzt, in dieser Stunde, gab es nur sie beide und den Rauch seiner Zigarette und die unausgesprochene Frage, die zwischen ihnen in der Luft hing.

Moritz schnippte die Asche auf den Boden. „Bei mir ist das anders“, sagte er langsam. „Ich habe mir das so lange vorgestellt, dass die Wirklichkeit jetzt fast fremd wirkt. Als hätte ich ein Bild gemalt, und jetzt stehe ich mittendrin und weiß nicht, ob es hält, was ich mir versprochen habe.“ Er drehte den Kopf und sah sie an, und in seinen Augen lag dieser ruhige Ausdruck von vorhin, nur jetzt mit einem neuen Unterton: eine Art von rückhaltloser Offenbarung. „Es war alles, was ich wollte. Aber ich will es wieder. Und das ist das Problem.“

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Greta nickte. Sie verstand ihn. Nicht den Worten nach, sondern in jener tieferen Schicht, in der die wirklichen Dinge verhandelt werden. Der Laden mit seinen Blumen und seinen Erinnerungen war für immer verändert. Sie konnten nicht zurückkehren zur Routine des gemeinsamen Arbeitens, den vertrauten Handgriffen und beiläufigen Gesprächen. All das hatte eine neue Bedeutung gewonnen und war aufgeladen mit der Elektrizität dessen, was zwischen ihnen geschehen war. Die Gladiolen waren nicht mehr nur Blumen, sondern die Wächter ihrer verbotenen Vereinigung. Der Tisch war nicht mehr nur ein Möbel, sondern der Altar ihres Ehebruchs.

Eine Kirchturmuhr schlug irgendwo achtmal, und Greta begann, ihre Schürze zusammenzulegen. Sie hatte noch genau siebzehn Minuten, bis der Bus fuhr, mit dem sie in ihren Vorort zurückkehrte, in die Wohnung mit den dunkelgrünen Sofakissen und dem gerahmten Hochzeitsfoto auf der Kommode. Siebzehn Minuten, um von der Frau, die auf einem Blumentisch zum Höhepunkt gekommen war, wieder zu der Frau zu werden, die den Müll hinunterbrachte und die Zimmerpflanzen goss.

Als sie sich zum Gehen wandte, hielt Moritz sie noch einmal am Handgelenk fest. Nicht fordernd, nicht bittend, sondern einfach, um den Kontakt aufrechtzuerhalten. „Nächsten Donnerstag“, sagte er, und es war keine Frage.

Greta antwortete nicht. Aber sie entzog ihm auch ihre Hand nicht. Sie ließ sie in seiner liegen, spürte seine Wärme, spürte die Narben an seinen Fingerkuppen vom jahrelangen Umgang mit den Rosen. Dann zog sie sich langsam zurück, drehte sich um und ging durch den dunklen Laden nach vorn zur Straße. Die Kühltheke summte und irgendwo tropfte Wasser. Der Strauß, den sie heute gebunden hatte, stand unvollendet, aber auf seltsame Weise vollkommen in seiner Vase auf dem Tresen. Er sandte seinen betörenden Duft in die hereinbrechende Nacht.

Die Tür fiel hinter ihr ins Schloss. Sie blieb einen Moment auf dem Bürgersteig stehen, atmete die staubige Abendluft und wusste, dass sie lügen würde, heute Abend und morgen früh und an all den anderen Tagen, die noch vor ihr lagen. Aber während sie zum Busbahnhof ging, spürte sie noch immer die Stellen, an denen seine Hände gewesen waren. Ihr Körper summte wie die Kühltheke im leeren Laden, leise und unüberhörbar und voller Verheißung.

– ENDE –

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