Heimliche Selbstbefriedigung
Amara sah, wie Niklas sich mit dem Handrücken über die Stirn fuhr und dabei einen schwarzen Fettstreifen hinterließ. Er bemerkte es nicht. Sie sagte nichts. Seine Hände waren rau, die Fingerkuppen aufgeraut von Jahren an Schraubenschlüsseln und Kettenöl, und trotzdem bewegten sie sich mit einer fast zärtlichen Präzision, als er die Kurbelgarnitur aus dem Rahmen löste. Eine einzelne Schweißperle lief an seiner Schläfe hinab und blieb am Kieferknochen hängen. Amara schlug die Beine übereinander, lehnte sich auf dem wackligen Werkstattstuhl zurück und spürte, wie der Nachmittag sich dehnte wie ein warmes Band. Irgendwoher, aus einem Hinterzimmer oder einer alten Anlage, drang Musik – etwas mit Bass, etwas, das im Brustkorb vibrierte. Der Geruch von Gummi, Lösungsmitteln und dem leicht säuerlichen Schweiß eines Männertorsos nach acht Stunden Arbeit lag in der Luft.
Niklas hatte ihr gesagt, das Ersatzteil würde vielleicht eine Stunde brauchen. Vielleicht länger. Der Lieferant war unzuverlässig, sagte er, ohne aufzublicken. Sein T-Shirt spannte über den Schultern, als er sich vorbeugte, der Stoff alt und dünn, an den Nähten fast durchscheinend. Amara dachte an ihren Mann zuhause, an die Klimaanlage, die sie hatte reparieren wollen, an die Hitze in ihrer Wohnung. Und dann dachte sie an nichts mehr außer an Niklas‘ Unterarme. Wie sich die Sehnen darin bewegten. Wie die Adern leicht hervortraten, wenn er Kraft aufwendete.
Eine Spannung griff nach ihr, die nichts mit dem kaputten Fahrrad zu tun hatte. Es war eine heimliche Selbstbefriedigung, noch bevor überhaupt etwas geschah – ein inneres Lodern, das sie seit Wochen mit sich herumtrug und das jetzt, in dieser stickigen Werkstatt, ganz plötzlich seine Form fand. Niklas murmelte etwas über das Tretlager, über verschlissene Kugellager. Seine Stimme war tief und ruhig. Sie hörte kaum zu, sah nur seinen Mund. Wie er die Worte formte. Wie seine Zunge kurz die Unterlippe streifte, als er sich konzentrierte.
Es war absurd. Sie kannte diesen Mann seit zwanzig Minuten. Er war der Mechaniker, der zufällig Dienst hatte, als sie mit quietschender Kette und einem Gefühl vager Unzufriedenheit hereingekommen war. Und jetzt saß sie hier und fragte sich, ob er wohl so stöhnen würde wie die Männer in den Clips, die sie nachts ansah, wenn ihr Mann längst schlief. Das Summen der Neonröhren. Das Klackern von Metall auf Metall. Ein alter Kühlschrank brummte in der Ecke. Niklas richtete sich auf, wischte die Hände an einem Lappen ab, den er aus der Gesäßtasche zog. Sein Blick traf sie kurz, und sie spürte etwas in ihrem Bauch kippen. Nicht unangenehm.
Eher wie der Moment, bevor eine Achterbahn den ersten Hügel hinabschießt. Sie wusste, dass sie errötete. Sie wusste auch, dass es ihm nicht entging. Er sagte nichts. Griff nur zur Wasserflasche, trank, ließ das Wasser an seinem Hals hinabrinnen. Amara presste die Oberschenkel zusammen. Ihre Jeans war zu eng, zu warm, alles war zu warm. Sie fragte sich, ob er sie durchschaute. Ob er merkte, wie ihr Atem flacher wurde, wie sie die Finger um die Tischkante krallte. Draußen fuhr ein Lieferwagen vorbei. Drinnen begann etwas, das sie nicht mehr kontrollieren wollte.
Niklas stellte die Wasserflasche ab. Das Geräusch von Plastik auf Metall hallte kurz nach. Er sah sie an, länger diesmal, und in seinen Augen lag etwas, das zwischen Belustigung und Ernst oszillierte. Vielleicht auch Berechnung. Oder einfach nur Neugierde. Seine Pupillen waren geweitet, trotz des grellen Werkstattlichts, und seine Nasenflügel blähten sich minimal, als ob er die Luft um sie herum einsog. Es war ein animalisches Erkennen. Ein wortloses Signal, das zwischen ihnen hin- und hersprang wie statische Entladung. Er wusste es. Sie wusste, dass er es wusste. Jemand hatte einmal zu ihr gesagt, erwachsene Lust sei eine Frage von Timing und Gelegenheit, nicht von Moral oder Vorsatz.
Sie dachte an ihren Mann – an seine Fürsorge, seine Zuverlässigkeit, seine Vorhersehbarkeit. An das Bett, in dem sie nebeneinander lagen wie zwei müde Hunde. An den Vibrator, den sie unter der Matratze versteckte und der ihr in letzter Zeit der einzige Trost war, wenn die Sehnsucht nach etwas Schärferem, Roherem überhandnahm. Heimliche Selbstbefriedigung war zu ihrer zweiten Natur geworden. Und jetzt saß dieser Mann vor ihr. Greifbar. Wirklich. Nicht Pixel. Nicht Fantasie. Niklas ließ den öligen Lappen auf die Werkbank fallen. „Dauert noch“, sagte er. Seine Stimme war eine Oktave tiefer als vorhin. Oder bildete sie sich das ein? Er lehnte sich gegen den Tisch, die Hüfte vorgeschoben, die Arme vor der Brust verschränkt.
Die Pose war locker, aber seine Knöchel waren weiß. Auch er hielt etwas zurück. Auch er rechnete. Sie konnte das Zifferblatt der alten Uhr über der Tür ticken hören. Oder war es ihr eigener Puls? „Stört es dich, wenn ich hier warte?“, fragte Amara und war überrascht, wie fest ihre Stimme klang. „Überhaupt nicht.“ Er lächelte. Nur ganz leicht, nur ein Zucken im Mundwinkel. Aber es war da. Sie rutschte auf dem Stuhl nach vorn. Die Bewegung war unschuldig. Nur ein bisschen unbequem gesessen, mehr nicht. Ihr Knie kam dabei dem seinen näher. Zehn Zentimeter. Fünf. Keine Berührung, aber fast. Ein Summen lag in der Luft, das nicht von den Neonröhren kam. Niklas sah auf ihr Knie. Dann wieder in ihr Gesicht.
Es war keine Hast in seinem Blick, kein schuljungengleiches Erschrecken – es war ein Abwägen. Er taxierte sie, wie er wahrscheinlich eine lose Schraube taxierte: Was hält das aus? Wie weit kann ich gehen? „Du bist verheiratet“, sagte er plötzlich. Kein Fragezeichen. Amara trug ihren Ring nicht. Sie hatte ihn heute Morgen abgenommen, weil ihre Finger in der Hitze geschwollen waren, zumindest hatte sie das gedacht. Vielleicht hatte sie andere Gründe gehabt. „Ja“, sagte sie. Niklas nickte langsam. Einverstanden mit der Tatsache, nicht mit dem, was sie bedeutete. Sein Daumen rieb über den Handrücken der anderen Hand. Ein unbewusster Tick, vielleicht. Oder eine bewusste Geste. Amara folgte der Bewegung mit den Augen. Sie stellte sich vor, wie dieser Daumen über ihre Haut strich. Über ihre Hüfte. Tiefer. Ein heißer Schauer lief von ihrem Nacken bis zum Steißbein hinab. Sie atmete hörbar ein.
Er hörte es. Natürlich hörte er es. „Dein Mann“, sagte Niklas und brach ab. „Mein Mann ist nicht hier“, erwiderte sie schneller, als gut für sie war. Die Worte standen im Raum, nackt und fordernd. Sie hatte die Grenze übertreten. Sie beide wussten es. Jetzt gab es kein Zurück mehr in die Unschuld der Smalltalk-Zone. Jetzt war jedes Wort ein Pfahl, der das Zelt ihrer Anonymität weiter aufspannte. Niklas löste die verschränkten Arme. Seine Hände fielen an seine Seiten herab. Er machte einen halben Schritt auf sie zu und blieb stehen. Nahe genug, dass sie den Duft seiner Haut riechen konnte – Moschus, Eisen, Salz. Ihr Schoß zog sich zusammen, ein tiefes, dumpfes Pochen, wie ein zweiter, verborgener Herzschlag. Sie legte die Hand auf ihren Oberschenkel. Nicht, um sich zu beruhigen. Sondern um den Druck zu spüren. Den Gegendruck. Zu wissen, dass ihr Körper noch reagierte, dass er lebendig war, dass all die heimliche Selbstbefriedigung der letzten Monate nicht ihr einziges Ventil bleiben musste.
Unter dem Summen der Neonröhren
Er bewegte sich zuerst, aber sie war es, die den Abstand endgültig auflöste. Ein Schritt, mehr Hüfte als Bein, und ihre Knie berührten sich. Leicht. Kaum mehr als ein Hauch von Jeansstoff auf Jeansstoff. Niklas stockte. Sein Adamsapfel hüpfte, einmal, zweimal, während er schluckte. Dann legte er seine Hand auf ihren Oberschenkel. Nicht zögernd, aber auch nicht fordernd. Eher wie eine Frage, die er mit den Fingerspitzen stellte. Seine Haut war warm, ein wenig rau vom Werkstattalltag, und die Hitze drang durch den dünnen Denim, als wäre der Stoff gar nicht vorhanden. Amaras Hals wurde eng. Ihr Mund öffnete sich leicht, aber es kam kein Laut. Sie nickte stattdessen – kaum merklich, aber unmissverständlich. Er verstand. Seine Finger wanderten höher, langsam, mit einer Bedächtigkeit, die sie fast wahnsinnig machte.
Am Rand ihres Schoßes stoppte er, ließ den Daumen kleine Kreise malen, die sie bis in den Unterleib spürte. Ihre Jeans war nass. Sie wusste es, und sie wusste, dass er es gleich merken würde. Sollte er. Sollte er sehen, was er mit ihr machte. „Hier?“, murmelte Niklas und drückte mit dem Daumenballen fester gegen die Naht. „Ja“, presste sie hervor. Hier. Die Werkstatt verschwamm zu einer Kulisse aus Schatten und summendem Licht. Der alte Kühlschrank röhrte, ein Lieferwagen hupte irgendwo draußen, aber all das war weit weg, jenseits der Glasfront, die plötzlich beschlagen schien. Seine andere Hand fand ihre Taille, schob das T-Shirt ein Stück hoch, so dass seine Finger nackte Haut berührten. Sie erschauerte, Gänsehaut auf den Armen, obwohl die Luft stickig war. „Du bist unglaublich“, sagte er heiser. Es klang nicht nach Kompliment. Es klang nach Feststellung.
Als hätte er etwas gefunden, das er schon lange suchte und dessen Existenz er bezweifelt hatte. Amara griff nach seinem Gürtel. Ihre Finger waren ungeschickter, als sie erwartet hatte, zitterten ein wenig, als sie die Schnalle öffnete, den Knopf, den Reißverschluss. Seine Erektion sprang ihr entgegen, warm und hart, und sie schloss die Hand darum, spürte den Puls unter der samtigen Haut, das leise Zucken bei jeder ihrer Bewegungen. Er stöhnte auf – ein Laut, tief und ungefiltert, der direkt zwischen ihre Beine fuhr. Niklas zog sie von ihrem Stuhl hoch, eine fließende Bewegung, und drehte sie um, bis sie mit dem Rücken an der Werkbank lehnte. Metall drückte kühl gegen ihre Schulterblätter. Er kniete sich vor sie hin, wie jemand, der ein Ritual vollzieht, und öffnete ihre Jeans mit einer Selbstverständlichkeit, als hätte er das schon hundertmal getan. Als der Stoff nach unten rutschte, entwich ihr ein Keuchen.
Seine Hände auf ihren Hüften. Seine Lippen auf ihrem Bauch. Sein Atem heiß auf dem Slip. „Du riechst so gut“, sagte Niklas. Er zog den feuchten Stoff zur Seite, ohne Eile, ohne falsche Scham. Sein Daumen glitt durch ihre Falten, verteilte die Nässe, fand ihre Klitoris mit der Präzision eines Mannes, der genau wusste, was er tat. Amaras Kopf fiel zurück. Ihre Hände krallten sich in seine Schultern, spürten Muskeln unter dem dünnen Shirt, spürten, wie er sich senkte. Seine Zunge ersetzte den Daumen. Er leckte sie langsam, bedächtig, in langen, breiten Strichen, die jede Faser ihres Körpers unter Strom setzten.
Sie hörte sich selbst wimmern, gedämpft, als käme der Laut von weit her. Er tauchte tiefer ein, die Zunge spitz und fordernd, dann wieder flach und schmeichelnd. Ihre Hüften bewegten sich gegen sein Gesicht, sie konnte die Kontrolle nicht halten, wollte sie nicht halten, es war ihr egal, ob jemand hereinkam, ob der Lieferant klingelte, ob die Welt unterging. Es gab nur diesen Mund. Diesen Rhythmus. Diesen Mann, der sie auseinandernahm, Stück für Stück, wie eine Maschine, die er genau kannte. Sie spürte, wie sich etwas in ihr zusammenzog, ein Knoten, der immer fester geschnürt wurde, bis sie dachte, sie müsse zerreißen. „Komm“, flüsterte Niklas gegen ihre feuchte Haut, und sie kam. Nicht der stille, kontrollierte Orgasmus, den sie sich nachts selbst verschaffte, sondern eine Explosion, die ihre Beine zittern ließ und ihre Kehle einen Schrei ausstoßen ließ, der irgendwo zwischen Lust und Erleichterung lag. Er hielt sie fest, während die Wellen durch sie hindurchliefen, den Mund noch immer auf ihr, sanfter jetzt, fast tröstend.
Kein Zurück mehr

Sie gab ihm keine Zeit, aufzustehen. Zog ihn hoch an seinem Gürtel, den sie noch immer umklammert hielt, zerrte ihn an sich, bis sein Mund auf ihrem lag und sie sich selbst schmeckte – salzig, metallisch, erdig. Es war der Geschmack von Verlangen, das zu lange eingesperrt gewesen war, und sie wollte mehr davon. Ihre Zunge drängte in seinen Mund, fordernd, gierig, und er gab den Laut zurück, den sie ihm geschenkt hatte: tief, kehlig, vibrierend. Amaras Hände schoben sein Shirt hoch, Nägel über nackte Haut, über die Rillen seiner Rippen, die harten Platten seiner Brust. Sie wollte ihn fühlen. Alles von ihm. Den Schweiß auf seiner Haut, die Härchen auf seiner Brust, die zuckenden Muskeln unter seinen Schulterblättern, als sie sich festkrallte. „Ich will dich in mir“, sagte sie, und ihre Stimme war rau, als hätte sie seit Tagen nicht gesprochen. Es war kein Bitten. Es war eine Forderung, die keinen Widerspruch duldete.
Niklas riss sich das Shirt über den Kopf. Sie sah die Tätowierung auf seiner linken Brust – ein Kompass, die Nadel nach Norden weisend. Ihr fiel auf, wie sinnlos alle Symbolik in diesem Moment war. Keine Richtung, kein Ziel, nur dieses gottverdammte Jetzt. Er hob sie mühelos auf die Werkbank, schob ihre Knie auseinander, trat zwischen ihre Schenkel. Der Schraubstock neben ihrem Ellbogen war kalt, die Werkbank ölgetränkt, und sie saß hier wie ein selbstverständlicher Teil des Inventars, als wäre sie nie woanders gewesen. Seine Hände legten sich um ihre Hüften, während seine Erektion gegen ihre Mitte drückte. Sie spürte die Spitze, warm und glatt, suchte nach der richtigen Position, und dann – ein Druck, ein Dehnen, ein Ausfüllen, das ihr den Atem raubte. Er schob sich langsam hinein, Zentimeter für Zentimeter, und sie beobachtete sein Gesicht dabei: die zusammengezogenen Brauen, die bebenden Lider, die fest aufeinandergepressten Lippen, die Mühe, die es ihn kostete, nicht sofort die Kontrolle zu verlieren.
„Scheiße“, flüsterte er. „Du bist so eng.“
Sie antwortete nicht mit Worten. Ihre Fersen gruben sich in seine Hüften, zogen ihn tiefer, und er begann, sich zu bewegen. Langsam zuerst, ein ruhiges Gleiten, bei dem sie jeden Zentimeter spürte, jede Ader, jedes leichte Pulsieren. Seine Hände wanderten über ihren Körper – Brüste, die unter dem BH pochten, Hals, an dem ihr eigener Puls raste, Haar, das er sich um die Faust wickelte, nicht schmerzhaft, aber mit einer Bestimmtheit, die sie neue Nässe zwischen die Beine trieb. Sie legte die Hand an ihre eigene Kehle, spürte ihr Herz gegen die Fingerkuppen hämmern, während er in sie stieß. Er verstand sofort. Seine Hand legte sich über ihre, drückte sanft, und das Gefühl von Druck und Fülle gleichzeitig ließ sie laut aufstöhnen. Die Werkbank ächzte unter ihrem Rhythmus. Irgendwo klirrte ein Werkzeug zu Boden, aber keiner von beiden sah hin.
„Ich hab an dich gedacht“, presste sie hervor, während seine Stöße tiefer wurden, härter, unrhythmischer. „Schon die ganze Zeit. Schon bevor ich hier reinkam. Die Worte sprudelten aus ihr heraus, eine Beichte, die sie nicht länger zurückhalten konnte. „Ich dachte an deine Hände. An deinen Mund. Ich hab mich letzte Nacht selbst angefasst und mir vorgestellt, du wärst es.
Sein Stöhnen wurde lauter. Er packte ihre Hüften fester, zog sie an den Rand der Werkbank, bis sie fast herunterrutschte, und er den Winkel fand, der sie beide erzittern ließ. „Zeig’s mir“, sagte er rau. „Zeig mir, wie du dich anfasst.“
Sie zögerte keine Sekunde. Ihre Finger glitten zwischen ihren Körper, fanden die empfindliche Stelle, massierten in kleinen, schnellen Kreisen, während er sich in ihr bewegte, tief und kraftvoll. Das Bild, das sie bot – halbnackt, verschwitzt, die Hand zwischen den eigenen Beinen, während ein wildfremder Mann in ihr versank –, dieses Bild brannte sich in ihren Verstand, und es war besser als jeder Clip, jeder Porno, jede heimliche Selbstbefriedigung, die sie je erlebt hatte. Es war wirklich. Es war jetzt.
„Schau mich an“, befahl er, und sie hob den Blick. Seine Augen waren fast schwarz, die Pupillen riesig, nur ein dünner Ring aus Bernstein war noch zu sehen. Er lächelte nicht. Er schaute sie an, als wollte er sie verschlingen, und sie hielt seinem Blick stand, während die nächste Welle heranrollte. Diesmal langsamer, tiefer, eine Spannung, die ihren ganzen Körper erfasste und dann zerriss.
Sie schrie nicht. Sie atmete seinen Namen aus wie ein Gebet, während ihr Inneres sich um ihn zusammenzog und alle Muskeln sich anspannten und wieder lösten. Er folgte ihr drei Stöße später, mit einem kehligen Laut, der irgendwo zwischen Triumph und Kapitulation lag, presste sich so tief in sie hinein, wie es ging, und ließ los. Sie spürte sein Pulsieren in ihrem Inneren, warm und unaufhaltsam, eine Flüssigkeit, die sie füllte und zeichnete und für immer veränderte.
Sie blieben so. Verschwitzt. Verklammert. Atem, der sich beruhigte, aber nur langsam. Die Neonröhre summte. Der Kühlschrank brummte. Die Welt draußen fuhr fort, ungerührt von dem, was hier gerade geschehen war.
Der Geruch von Metall und uns
Amara löste ihre Beine von seinen Hüften. Ihre Muskeln fühlten sich an wie Wackelpudding, unzuverlässig und weich, aber der Boden unter ihren nackten Füßen war fest. Sie suchte ihre Jeans, fand sie neben einem Haufen Kettenglieder und zog sie hoch, ohne sich zu beeilen. Es gab keine Hast mehr. Kein schlechtes Gewissen. Nur eine dumpfe, warme Zufriedenheit, die ihren ganzen Unterleib ausfüllte. Niklas lehnte an der Werkbank, noch immer halb entblößt, und sah ihr zu. Sein Blick war anders jetzt. Weicher vielleicht. Oder vielleicht auch nicht. Vielleicht war sie es, die anders sah.
„Das war …“, begann er und brach ab.
„Ja“, sagte sie. „Das war es.“
Sie lächelte, und er erwiderte es. Kein verlegenes Grinsen, sondern das Lächeln zweier Erwachsener, die eine Grenze überschritten hatten und nun auf der anderen Seite standen, unversehrt, vielleicht sogar erleichtert. Es gab so vieles, was sie hätte fühlen sollen – Schuld, Scham, Reue. Stattdessen fühlte sie sich wach. Lebendig. Als hätte jemand einen Schleier von ihren Nervenenden gezupft.
Der Moment wurde unterbrochen von einem Klopfen an der Tür. Beide fuhren herum. Niklas zog sich hastig die Hose hoch, knöpfte, strich sich durchs Haar. „Das wird der Lieferant sein“, murmelte er, und seine Stimme war wieder die des Mechanikers, sachlich und ein wenig distanziert. „Warte hinten.“
Sie trat in den Schatten des Hinterzimmers, während er die Tür öffnete und ein Paket entgegennahm. Sie hörte die gedämpften Stimmen, das Rascheln von Verpackungsmaterial, ein kurzes Lachen. Die Normalität des Vorgangs stand in so krassem Gegensatz zu dem, was hier eben passiert war, dass sie fast lachen musste. Als die Tür wieder zufiel und Niklas mit einem braunen Karton zurückkam, hatte sie ihr T-Shirt zurechtgezogen und strich sich mit den Fingern durch die verfilzten Haare.
„Das fehlende Kettenblatt“, sagte er und hielt den Karton hoch.
„Perfektes Timing“, erwiderte sie.
Er klemmte das Paket unter den Arm und sah sie an. Lange. Suchend. „Bereust du es?“, fragte er leise.
Amara schüttelte den Kopf. „Nein. Du?
„Kein bisschen.“
Sie standen sich gegenüber, zwischen Regalen voller Ersatzteile und Dosen mit Schmiermittel, und plötzlich fühlte es sich an wie der Anfang von etwas, nicht wie das Ende. Niklas warf einen Blick auf das Fahrrad, das halb zerlegt im Ständer hing. „Das repariere ich dir jetzt. Dauert vielleicht zwanzig Minuten.“ Ein Lächeln spielte um seine Lippen. „Wenn du willst, kannst du weiter warten.“
„Zwanzig Minuten“, wiederholte sie. „Und dann?“
Er zuckte mit den Schultern, aber seine Augen sagten mehr. „Dann hast du ein funktionierendes Fahrrad. Und ich habe deine Nummer nicht.
Sie griff in ihre Tasche, zog eine alte Quittung hervor und kritzelte ihre Handynummer auf die Rückseite. Als sie ihm den Zettel reichte, berührten sich ihre Finger. Keine statische Entladung diesmal. Etwas anderes. Etwas Ruhigeres, das dennoch summte.
„Für den Fall, dass wieder was kaputtgeht“, sagte sie.
„Fahrräder gehen ständig kaputt“, erwiderte er und steckte den Zettel in die Hosentasche.
Sie setzte sich wieder auf den wackligen Werkstattstuhl, sah zu, wie er das neue Kettenblatt montierte. Seine Hände waren wieder präzise, sicher, die Bewegungen fließend wie vor einer Stunde. Aber jetzt wusste sie, wie diese Hände sich auf ihrer Haut anfühlten. Wie sie rochen. Wie sie schmeckten. Es war ein Wissen, das sie mit niemandem teilen würde, und doch hatte es Gewicht, Masse, Realität. Sie dachte an ihren Mann. An die Wohnung, in die sie zurückkehren würde. An den Vibrator unter der Matratze, der vielleicht eine Zeit lang nicht mehr zum Einsatz kommen würde. Und dann dachte sie an nichts mehr, sondern sah einfach nur dem Mann zu, der ihr Fahrrad flickte und ihren Körper neu justiert hatte.
Als er fertig war, rollte er das Rad hinaus auf die Straße. Die Nachmittagshitze lag noch immer über der Stadt, aber sie fühlte sich anders an – weniger erdrückend, mehr wie eine warme Haut, die sich um ihre Schultern legte. Sie stieg auf, prüfte die Pedale, die Kette, das Zusammenspiel der Gänge. Alles lief perfekt.
„Gute Arbeit“, sagte sie.
„Welche meinst du?“, fragte er.
Sie lachte, und es war ein freies Lachen, das in der engen Werkstatt seltsam hallte. Dann trat sie in die Pedale und fuhr los, ohne sich umzusehen. Sein Blick brannte auf ihrem Rücken. Sie spürte ihn, bis sie um die Ecke bog und die Stadt sie wieder verschluckte wie eine Welle, die über einem Geheimnis zusammenschlägt.
In ihrer Wohnung roch es nach Abendessen und dem Deo ihres Mannes. Er saß auf dem Sofa, sah fern, fragte, ob das Rad jetzt wieder ging. „Alles bestens“, sagte sie, ging ins Bad und schloss die Tür hinter sich ab. Sie wusch ihre Hände. Ihr Gesicht. Betrachtete sich im Spiegel. Die Frau, die zurückblickte, hatte einen Fleck Fahrradfett am Hals und eine Nummer, die in einer Mechanikerhose steckte, und etwas in ihren Augen war anders als heute Morgen. Etwas Hungriges, das endlich gefressen hatte.
Sie zog ihr T-Shirt aus und fand den Abdruck von Niklas‘ Daumen auf ihrer Hüfte, einen hellen Fleck auf sonnengebräunter Haut, der in ein paar Tagen verblassen würde. Aber die Erinnerung nicht. Die würde bleiben. Und das Wissen, dass heimliche Selbstbefriedigung ein Ersatz war für das, was sie heute bekommen hatte, aber keine dauerhafte Lösung. Nicht mehr. Sie lächelte ihr Spiegelbild an, und das Spiegelbild lächelte zurück, und es war das Lächeln einer Frau, die gerade erst angefangen hatte, ihren Hunger zu verstehen.
– ENDE –
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