Beidseitige Lust – die Kiste vergessener Wünsche und das Knistern

Bisex beidseitige Lust
  • Beitrags-Kategorie:Bisex
Lesedauer 13 Minuten

Beidseitige Lust 

Amara zog den schweren Pappkarton unter Niklas’ Schreibtisch hervor, während er bereits mit zwei Kaffeetassen zurück ins Wohnzimmer kam. »Der da?«, fragte sie und klopfte auf den staubigen Deckel. Niklas stellte die Tassen auf dem Couchtisch ab und ließ sich neben ihr auf das Sofa fallen, sein Oberschenkel streifte ihren. »Genau der. Meine Mutter hat den letzte Woche vorbeigebracht. Angeblich alles, was ich in meiner alten Wohnung vergessen habe.« Er grinste schief. »Ich hab seit Jahren nicht reingeschaut.«

Amara öffnete den Karton, und ein Geruch nach altem Papier und längst vergangenen Umzügen stieg auf. Der graue Sonntagnachmittag drückte gegen die Fenster, aber hier drinnen war es warm, das Licht der Stehlampe fiel weich auf das Sofa und die Kiste zwischen ihnen. Amara begann, die oberste Schicht aus losen Fotografien, Konzertkarten und handgeschriebenen Briefen durchzugehen, während Niklas sich zurücklehnte und ihr zusah, wie ihre Finger behutsam Erinnerungen freilegten, die nicht ihre eigenen waren.

»Oh mein Gott, bist du das?« Sie hielt ein Foto hoch, auf dem ein langhaariger Teenager mit sichtlich schlecht gezupften Augenbrauen in die Kamera blickte. Niklas stöhnte auf. »Bitte. Das war die Phase, in der ich dachte, ein Nasenpiercing würde mein Leben verändern.« Amara lachte, ließ das Bild sinken und tauchte weiter in den Karton. Fundstücke wanderten auf den Couchtisch – ein ramponiertes Festivalbändchen von 214, ein Streichholzbriefchen aus einem Club, an dessen Namen sich Niklas nicht mehr erinnerte, Polaroids von Geburtstagen und verregneten Grillabenden. Die Zeit verlangsamte sich zu einem gemütlichen Trott aus halben Sätzen, aufblitzenden Anekdoten und der stillen Vertrautheit, die Amara an diesen grauen Sonntagen mit Niklas so liebte.

Dann griff sie tiefer. Ihre Finger ertasteten eine kleinere Schachtel, die unter den losen Bildern versteckt gewesen war – ein altes Holzkästchen mit einem abgegriffenen Messingschloss, das nicht eingerastet war. »Und das?« Sie zog es hervor, stellte es auf ihre Knie. Niklas warf einen Blick darauf und erstarrte für einen kaum merklichen Moment. »Ach. Das ist ewig her.« Seine Stimme klang beiläufig, aber seine Finger spielten mit dem Saum eines Sofakissens. Amara kannte ihn gut genug, um die kleine Spannung zu bemerken, die plötzlich in seinen Schultern saß.

Sie öffnete den Deckel. Obenauf lagen ein paar vergilbte Polaroids, die sie zunächst für weitere Partybilder hielt. Dann sah sie genauer hin. Die Fotos zeigten Niklas – jünger, vielleicht Mitte zwanzig – gemeinsam mit einem Mann. Auf einem Bild lagen die beiden nebeneinander auf einer Picknickdecke, die Köpfe dicht zusammen, die Mienen entspannt. Auf einem anderen blickte der Unbekannte direkt in die Kamera, sein Lächeln warm und offen, Niklas’ Arm locker um seine Schultern geschlungen. Es waren keine expliziten Fotos, nichts, was auf eine bestimmte Art von Beziehung schließen ließ. Und trotzdem war da etwas in der Art, wie die beiden zueinander fanden, in Niklas’ Gesichtsausdruck, das Amara innehalten ließ.

Sie spürte, wie sich etwas in der Luft zwischen ihnen veränderte. Kein Unbehagen, eher ein neues Gewicht, ein unausgesprochenes Etwas, das plötzlich im Raum stand und darauf wartete, angeschaut zu werden. »Wer ist das?«, fragte sie leise und hielt das Bild so, dass sie Niklas’ Gesicht dabei sehen konnte. Er zögerte keine Sekunde, aber seine Antwort kam mit einer neuen, tieferen Tonalität. »Dorian. Er war zwei Jahre lang mein Mitbewohner. Und zeitweise mehr als das.«

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Amara legte das Foto behutsam zu den anderen auf den Tisch. Nicht aus Schrecken, sondern aus Respekt. Als wolle sie diesen Namen und das, was er bedeutete, ordentlich vor sich ausbreiten. »Mehr als ein Mitbewohner«, wiederholte sie. Keine Frage, eher ein vorsichtiges Betasten der Worte. Niklas nickte. Er sah sie an, und in seinen Augen lag etwas, das sie vorher nicht benennen konnte – vielleicht die Erleichterung, diesen Satz endlich vor ihr ausgesprochen zu haben. Oder die Sorge, wie er jetzt weitersprechen sollte.

Er stockte und holte Luft. »Bis jetzt warst du die erste Person außerhalb dieses Freundeskreises damals, die davon erfährt.«

Amara spürte, wie ihr Herz einen Schlag aussetzte, nicht vor Schock, sondern vor einer plötzlichen, überwältigenden Nähe. Sie dachte an die Male, die sie mit Niklas geschlafen hatte, an die Sicherheit und Neugier, die zwischen ihnen immer geherrscht hatten. Und sie dachte an etwas anderes. Es war etwas, das sie selbst nie benannt hatte, das aber seit Jahren in ihr schlummerte: das leise Ziehen, wenn sie Frauen betrachtete, das nie mehr als ein Gedanke gewesen war. Ein Gedanke, dem sie nie Raum gegeben hatte. Jetzt sah sie Niklas an und fragte sich, ob sie diesen Raum gemeinsam betreten könnten.

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»Ich wusste es nicht«, sagte Amara. Sie ließ die Worte einfach so stehen, ohne ihnen eine Wertung mitzugeben. Niklas schwieg, aber seine Haltung war nicht mehr angespannt. Er hatte den entscheidenden Satz gesagt, der Rest war jetzt ein gemeinsamer Weg.

Sie griff nach einem weiteren Foto aus dem Kästchen, diesmal eines, das die Männer nicht zusammen zeigte, sondern nur Dorian. Er saß an einem Küchentisch, das Kinn auf die Hand gestützt, das Lächeln verträumt und ein wenig schelmisch. Amara betrachtete sein Gesicht länger, als ein flüchtiger Blick erfordert hätte. »Er hat schöne Augen«, sagte sie.

Niklas folgte ihrem Blick auf das Foto. »Das hat er. Und er wusste es.« Ein leises Lachen. Dann drehte er seinen Oberkörper zu ihr, und etwas in der Art, wie er sie jetzt musterte, hatte sich verändert. Nicht fordernd, sondern fragend. Als ob zwischen ihnen eine Tür aufgegangen wäre, die vorher nicht einmal einen Spalt breit offen gestanden hatte.

»Darf ich fragen, was genau du darüber denkst?« Seine Stimme war ruhig, aber seine Finger – jene Finger, die sie so gut kannte – strichen jetzt beiläufig über die Rückenlehne des Sofas, nur Zentimeter von ihrer Schulter entfernt. »Weil das für mich nie nur eine Episode war. Es war Teil meiner Sexualität. Teil von dem, was ich begehre.«

Amara ließ ihre Hand zu dem Kästchen zurückkehren, aber nicht zu den Fotos. Ihre Finger strichen über das glatte, abgegriffene Holz. »Ich glaube«, sagte sie langsam, »dass ich selbst noch nie ganz ehrlich zu mir war, was meine eigenen Wünsche angeht.« Sie sah ihn nicht an, während sie sprach, sondern fixierte das Kästchen auf ihrem Schoß. »Es gab Momente. Frauen, bei denen ich länger hingesehen habe, als ich sollte. Aber ich habe das nie als Einladung verstanden, es wirklich zu fühlen. Geschweige denn, es auszusprechen.«

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Niklas atmete hörbar aus. Kein Seufzer der Erleichterung, sondern ein Loslassen von etwas, das er sehr lange bei sich getragen hatte. »Jetzt sitzen wir also hier«, sagte er mit sanfter Ironie, »zwei Menschen, die sich beim Durchstöbern alter Fotos gegenseitig ihre verborgenen Seiten offenbaren. Sehr solide Sonntagnachmittagsplanung übrigens.«

Amara lachte auf, und diese Heiterkeit löste den Rest der Spannungen, die noch im Raum gehangen hatten. Sie schloss das Kästchen, stellte es auf den Tisch und drehte sich zu ihm. Ohne es bewusst zu planen, legte sie ihre Hand auf seine, die noch immer auf der Rückenlehne ruhte. Seine Haut war warm, die Berührung vertraut und doch elektrisch neu.

»Niklas«, sagte sie, »wenn du wüsstest, wie viele Gedanken mir gerade durch den Kopf schießen.«

»Erzähl mir einen.« Seine Stimme war jetzt tiefer, fast ein Flüstern, als hätte er Angst, den fragilen Moment zu zerstören.

Amara schluckte. Ihr Daumen strich über seine Knöchel. »Ich habe mich gerade gefragt, wie es sich anfühlen würde, eine Frau zu küssen. Richtig zu küssen. Mit Zunge, mit Hingabe, mit allem. Nicht nur diesen flüchtigen Gedanken daran. Und dann habe ich mich gefragt, ob du mir dabei zusehen würdest.«

Seine Pupillen weiteten sich. Es war ein winziges Detail, aber sie sah es, und es schickte einen heißen Impuls durch ihren Unterleib. Niklas’ Hand drehte sich unter ihrer, seine Finger verschränkten sich mit ihren. »Ich würde dir nicht nur zusehen«, murmelte er. »Ich würde am liebsten dabei sein. Mit dir zusammen erkunden, was du bisher nicht kennst. Was wir beide noch nicht gemeinsam kennen.«

Die beidseitige Lust, die sich in diesem Satz entfaltete, vibrierte zwischen ihnen. Keiner von beiden wich zurück. Amara spürte, wie ihre Brustwarzen sich unter dem dünnen Stoff ihres Pullovers verhärteten, eine körperliche Antwort auf Worte, die tiefer drangen als jede Berührung zuvor. Sie beugte sich ein Stück vor, und Niklas tat dasselbe, sodass ihre Stirnen sich fast berührten. Die Fotos, der Karton, der graue Himmel draußen – alles war sekundär geworden. Hier im Warmen gab es nur diesen neuen Raum, den sie betreten hatten, und er war weit und aufregend und roch nach dem, was möglich war.

Niklas’ freie Hand hob sich und strich eine lose Haarsträhne aus Amaras Gesicht. Die Geste war zärtlich, aber sie verweilte. Seine Fingerspitzen glitten von ihrer Schläfe über ihre Wange bis zum Kieferknochen. Amara schloss die Augen und gab sich ganz der Berührung hin. Diese fühlte sich auf einmal nicht mehr wie eine beiläufige Zärtlichkeit an, sondern wie das erste, vorsichtige Öffnen eines Vorhangs vor einer Bühne, die sie noch nie betreten hatte.

»Was siehst du, wenn du die Augen schließt?«, fragte er.

»Ich sehe uns«, antwortete Amara, ohne zu zögern. »Und ich sehe eine dritte Person, die ich bisher nicht kenne. Eine Frau. Vielleicht auch einen Mann. Jemanden, der zu uns kommt und bleibt. Nur für eine Nacht. Oder für länger. Ich weiß es nicht. Aber ich will es wissen.«

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Niklas ließ seine Stirn gegen ihre sinken und atmete tief ein, als wollte er diesen Moment aufnehmen und für immer speichern. »Das ist die ehrlichste Sache, die du je zu mir gesagt hast, Amara. Und die aufregendste.«

Sie öffnete die Augen und fand seine direkt vor sich, nur Zentimeter entfernt. Das Grau seiner Iris war heute dunkler als sonst, das Licht der Lampe fing sich darin. Sie kannte sein Gesicht so gut. Sie kannte die feinen Linien um seine Augen. Sie kannte auch die Narbe über der linken Augenbraue, die er von einem Sturz als Kind hatte. Zudem kannte sie die Art, wie sich sein Mund beim Lächeln immer zuerst auf der rechten Seite hob. Und jetzt sah sie noch etwas Neues darin: eine Bereitschaft, die keine Grenzen forderte, sondern nur Offenheit.

»Was machen wir jetzt mit dem, was hier gerade passiert?«, fragte Amara.

»Wir könnten es fühlen«, sagte Niklas. »Statt nur zu reden, könnten wir es fühlen.« Wenn du willst.

Amara antwortete nicht mit Worten. Sie küsste ihn. Nicht den routinierten Kuss des Vertrauten, sondern einen neuen, fragenden, neugierigen, der mit geschlossenen Lippen begann und sich dann öffnete, langsam, als würde sie ihn zum ersten Mal schmecken. Seine Zunge glitt an ihre, und der Kuss vertiefte sich und wurde fordernder. Amara spürte, wie Hitze in ihr aufstieg und sich ausbreitete, von ihrem Mund hinunter zu ihren Brüsten, in ihren Bauch und zwischen ihre Schenkel.

Seine Hände fanden ihren Pullover und zogen ihn hoch, und sie hob die Arme, ließ zu, dass er den Stoff über ihren Kopf streifte und auf den Boden fallen ließ. Dann öffnete er mit geübten Fingern den Verschluss ihres BHs, und auch der landete irgendwo neben dem Couchtisch. Niklas lehnte sich zurück, nur eine Handbreit, und sah sie an. Sein Blick glitt über ihre nackten Brüste, ihre bereits harten Brustwarzen, über die Gänsehaut, die sich auf ihren Armen ausbreitete. »Du bist so unglaublich schön«, murmelte er. »Und heute siehst du anders aus. Offen. Ich kann nicht genau sagen, was es ist, aber ich sehe es.«

»Vielleicht siehst du mich zum ersten Mal ganz«, sagte Amara, und es war keine Frage.

Jetzt war sie es, die zu ihm rückte. Sie zog sein T-Shirt aus und warf es achtlos hinter sich. Dann waren sie Haut an Haut, Brust an Brust, seine Wärme gegen ihre. Das Gefühl, das sie kannte und das jetzt doch elektrisch anders war, ließ sie leise aufstöhnen. Niklas’ Hände wanderten über ihren Rücken, seine Fingerspitzen zeichneten die Wirbelsäule nach, von den Schulterblättern hinunter bis zum Ansatz ihrer Jeans, und jede Stelle, die er berührte, fühlte sich hellwach an.

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Amara öffnete den Knopf seiner Hose und zog den Reißverschluss nach unten. Sie spürte, wie hart er bereits war, denn der Stoff wölbte sich deutlich. Als sie ihre Hand darauflegte, nur durch den dünnen Baumwollstoff seines Slips, stieß er einen kehligen Laut aus, der tief aus seiner Brust kam. »Warte«, flüsterte er, »nicht so schnell. Wenn das hier der Anfang von etwas Neuem ist, dann will ich jeden Schritt auskosten.«

Er drückte sie sanft in die Sofakissen und beugte sich über sie. Dann küsste er ihren Hals, das empfindliche Stück Haut direkt unter dem Ohr, und wanderte dann tiefer zum Schlüsselbein und zu ihren Brüsten. Seine Zunge beschrieb langsame Kreise um ihre rechte Brustwarze, während seine Finger die linke reizten, und Amaras Körper antwortete mit einer Welle von Hitze, die sich in ihrer Mitte sammelte. Sie spürte, wie sie feucht wurde, wie ihr Becken sich unmerklich aufwölbte, dem Gewicht seines Körpers entgegen.

Sie griff zwischen sie, öffnete seine Hose nun ganz und schob sie zusammen mit dem Slip über seine Hüften. Sein Schwanz sprang frei, warm und prall, und sie umschloss ihn mit der Hand, strich langsam auf und ab, spürte das vertraute Gewicht und jede einzelne pulsierende Ader. Niklas stöhnte gegen ihre Brust, und sie spürte die Vibration auf ihrer Haut. »Ich habe die Absicht, dich in mir zu spüren«, sagte sie. »Aber heute will ich auch mit dir fantasieren, während wir es tun. Ist das okay?«

»Mehr als okay.« Er richtete sich auf, befreite sich vollends von der Hose und half ihr, ihre Jeans und den Slip abzustreifen. Dann kniete er zwischen ihren geöffneten Schenkeln, betrachtete sie mit einem Ausdruck, der beinahe andächtig war – und voller Begierde. »Erzähl mir, was du siehst. wenn du siehst.«

Amara schloss halb die Augen. Ihr Atem ging schneller, während seine Finger ihre Innenschenkel entlangstrichen, knapp an ihrer Mitte vorbei, neckend, versprechend. »Ich stelle mir eine Frau vor«, sagte sie, und ihre eigene Stimme kam ihr rauer vor als sonst. »Jemand, den wir beide nicht kennen. Sie hat sich zu uns auf das Sofa gesetzt. Sie beobachtet uns. Ihre Hand liegt auf ihrem eigenen Oberschenkel, und sie bewegt sie nach oben, ganz langsam, während sie uns zusieht.«

Niklas’ Finger glitten zwischen ihre Schamlippen, und er stöhnte leise auf, als er spürte, wie nass sie bereits war. »Erzähl weiter«, forderte er, während er ihre Klitoris mit kreisenden Bewegungen reizte. Amaras Hüften zuckten.

»Sie zieht ihr Kleid aus. Darunter trägt sie nichts. Ihre Brüste sind schwer, ihre Brustwarzen voluminös und dunkel, und sie berührt sich selbst, während sie uns anfassen. Ihre Finger gleiten zu mir, während deine in mir sind. Sie küsst mich, und ich schmecke sie, schmecke etwas völlig Neues, und ich will mehr, Niklas, ich will so viel mehr –«

Ihr gemeinsamer Rhythmus, ihr geteiltes Bild

Ihre Worte brachen ab, als Niklas zwei Finger in sie schob, tief und langsam, und ihr Körper sich wölbte und ihm entgegendrängte. Er bewegte sie in einem Rhythmus, den er kannte und der sie trotzdem jedes Mal neu überraschte, und während er sie fickte – sanft, aber bestimmt –, beugte er sich über sie und flüsterte an ihrem Ohr: »Und ich sehe ihn. Den Mann, den du vielleicht eines Tages auch für dich entdecken wirst. Er kniet hinter dir, seine Hände liegen auf deinen Hüften, und er dringt langsam in dich ein, während ich in deinem Mund bin. Spürst du das?«

Amara keuchte auf. Die Bilder in ihrem Kopf überlagerten sich mit den physischen Empfindungen – seine Finger in ihr, die Reibung an ihrer Klitoris, das nasse Geräusch, das bei jeder Bewegung entstand. Sie wusste nicht mehr, wo die Fantasie endete und die Realität begann. »Ich spüre es«, presste sie hervor. »Ich spüre euch beide. Und ich will sie auch, die Frau, will ihre Zunge auf meiner Brust, während du mich füllst. Ich will euch alle, ich will alles –«

Niklas zog seine Finger aus ihr, langsam, und sie stöhnte auf über den plötzlichen Verlust. Aber nur eine Sekunde später positionierte er sich über ihr und dann spürte sie seinen Schwanz an ihrem Eingang, warm und hart. Er drang ein, langsam, unaufhaltsam, bis er ganz in ihr war und sie beide einen gemeinsamen, tiefen Atemzug nahmen.

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Er begann, sich zu bewegen, und diesmal war es kein sanftes Gleiten, sondern ein tiefer, fordernder Rhythmus, der das Sofa unter ihnen knarren ließ. Amaras Hände krallten sich in seinen Rücken, ihre Fersen gruben sich in seine Oberschenkel. Sie spürte, wie die Lust sich in ihr aufstaute, Schicht um Schicht, angetrieben von seinen Stößen und von den Bildern, die hinter ihren geschlossenen Lidern weitertanzten. Eine Frau, die ihren Namen flüsterte. Ein Mann, der zusah, während er sich selbst berührte. Hände und Münder und Haut, so viel Haut, warm und fordernd, und Niklas’ Gewicht auf ihr, in ihr, um sie herum.

»Ich habe den Wunsch, dich kommen zu hören«, keuchte er, und seine Bewegungen wurden schneller, härter. »Komm für mich, Amara. Komm mit dem Gedanken an sie. An ihn. An das, was wir noch alles entdecken werden.«

Und sie kam. Die Wellen rollten durch ihren Körper, beginnend tief in ihrem Becken und sich ausbreitend wie ein Lauffeuer. Die Muskeln ihrer Vagina zogen sich rhythmisch um seinen Schwanz zusammen, und sie schrie auf, ein gutturaler Laut, der alles enthielt – die Lust, die Überraschung, die Befreiung, das Versprechen. Niklas hielt sie und stieß noch zwei, drei Mal tief in sie. Dann spürte sie, wie er ebenfalls kam, wie sein Körper sich über ihr versteifte. Ein heiserer Schrei brach aus seiner Kehle und er ergoss sich pulsierend in ihr.

Sie blieben so liegen, ineinander verschlungen, während ihre Atmung sich beruhigte. Niklas’ Gewicht war schwer und tröstend auf ihr, und sie wollte nicht, dass er sich von ihr löste. Die Welt draußen vor den Fenstern war immer noch grau, aber in diesem Raum war sie farbenprächtig, weit und neu.

Nach einer stillen Ewigkeit rollte er sich zur Seite und zog sie in seine Arme. Sie schmiegte sich an ihn, ihre Wange an seiner Brust, und spürte seinen Herzschlag, der sich langsam normalisierte. »Das war«, begann er.

»Ja«, unterbrach sie ihn. »Das war.

Was aus dem Grau des Sonntags wird

Sie lagen noch lange so, während der Nachmittag langsam in den frühen Abend überging und das Licht weicher, rötlicher wurde. Irgendwann zog Niklas die Wolldecke, die über der Sofalehne hing, über ihre verschlungenen Körper, und Amara kuschelte sich tiefer in seine Wärme. Der Karton stand noch immer halb ausgepackt neben dem Couchtisch. Aber das Kästchen mit Dorians Fotos lag jetzt obenauf, als wäre es ein Symbol für etwas, das sie geöffnet hatten und nicht mehr schließen würden.

»Was wir vorhin gesagt haben«, begann Amara leise. »Das mit dem Mann. Und der Frau. War das nur eine Fantasie für den Moment, oder …« Sie ließ die Frage offen.

Niklas’ Hand strich durch ihr Haar, langsam und nachdenklich. »Für mich war es keine reine Fantasie. Ich glaube, es war der erste Schritt, so etwas gemeinsam zu wollen. Nicht heute, nicht morgen. Aber irgendwann. Wenn du bereit bist. Wenn ich bereit bin. Wenn wir die richtige Person finden – oder die richtigen Personen.«

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Amara drehte den Kopf, um ihn anzusehen. Die Idee, die vor ein paar Stunden noch undenkbar gewesen war, fühlte sich jetzt nicht mehr fremd an. Sie fühlte sich an wie eine Tür, hinter der kein Abgrund lag, sondern ein Raum voller Möglichkeiten. »Ich dachte immer, dass so etwas unsere Beziehung gefährden würde«, sagte sie. »Dass Begehren, das über den Partner hinausgeht, automatisch eine Bedrohung ist. Aber vielleicht ist das nicht wahr. Vielleicht kann man gemeinsam begehren, statt nebeneinander.«

»Beidseitige Lust«, sagte Niklas, und das Wort, das zuvor so theoretisch in der Luft gehangen hatte, bekam jetzt eine tiefere, gelebte Bedeutung. »Nicht jeder möchte das. Aber ich glaube, wir könnten es wollen. Wir beide. Zusammen.«

Amara richtete sich ein Stück auf, stützte sich auf einen Ellbogen und sah auf ihn herab. Sein Gesicht war entspannt, der Ausdruck offen und neugierig, und sie empfand eine Welle von Zuneigung, die fast schmerzte. »Was, wenn wir es nie tun? Wenn es immer nur eine Fantasie bleibt?«

»Dann haben wir eine verdammt gute Fantasie, die uns gehört«, sagte Niklas grinsend. Aber dann wurde er wieder ernst. »Aber ich glaube nicht, dass das passieren wird. Nicht nach heute. Wir haben beide einen Teil von uns offengelegt, den wir jahrelang versteckt haben. Das steckt man nicht einfach wieder zurück in eine Kiste und tut so, als wäre nichts geschehen.«

Er hatte recht. Amara spürte in sich eine neue Wachheit, eine Bereitschaft, die nicht mehr rückgängig zu machen war. Sie dachte an Frauen, denen sie in Cafés begegnet war, an Blicke, die sie zu lange gehalten und dann verlegen weggeschaut hatte. Sie dachte an die Bilder, die sie beim Masturbieren manchmal vor sich gesehen hatte und die sie immer schnell weggedrückt hatte, weil sie nicht sein durften. Und sie dachte daran, wie es sich angefühlt hatte, sie endlich zuzulassen. Niklas’ Gewicht lag auf ihr, seine Worte drangen in ihr Ohr und der gemeinsame Rhythmus vereinte nicht nur ihre Körper, sondern auch ihre verborgenen Wünsche.

»Weißt du, was ich am meisten an alldem liebe?«, fragte sie. »Dass ich nicht allein bin damit. Dass du das Gleiche in dir trägst. Dass wir das gemeinsam erkunden können, in unserem Tempo, mit unseren Regeln. Ich muss nicht alles auf einmal verstehen. Ich muss nur wissen, dass ich mit dir darüber reden kann. Dass ich mit dir darüber fantasieren kann. Dass du mich nicht dafür verurteilst.«

»Ich verurteile dich für gar nichts«, sagte Niklas sanft. »Jedenfalls nicht für deine Wünsche. Höchstens für deinen Musikgeschmack. Aber das ist ein anderes Thema.«

Amara lachte und boxte ihn spielerisch gegen die Schulter. Dann wurde ihr Lachen leiser und schließlich ganz still. Sie legte ihren Kopf wieder auf seine Brust, und die Dämmerung draußen malte lange Schatten an die Wände.

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»Eines Tages«, murmelte sie, mehr zu sich selbst als zu ihm, »werde ich bereit sein. Und dann rufen wir jemanden an. Oder wir gehen in einen Club. Oder wir lernen jemanden kennen, ohne es zu planen. Und dann werde ich eine Frau küssen, und du wirst dabei sein, und es wird sich genau richtig anfühlen. Oder ich werde zusehen, wie du einen Mann küsst, und es wird dasselbe sein. Kein Verrat. Keine Eifersucht. Nur wir. Nur mehr.«

Niklas drückte sie fester an sich. »Nur mehr«, wiederholte er. Und so blieben sie liegen, während der Abend kam. Die Kiste voller Vergangenheit stand geöffnet neben ihnen. Aber ihre Gedanken gehörten nun der Zukunft, die sie sich an diesem grauen Sonntag gemeinsam ausgemalt und zum ersten Mal körperlich ersehnt hatten. Ein Versprechen, noch ohne Namen und ohne Gesicht, aber mit einem Gewicht, das realer war als alles, was sie je gewagt hatten.

– ENDE –

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