Ein wilder Swingerabend
Florians Hand lag warm und bestimmt auf Johannas Rücken, genau dort, wo die Wirbelsäule in das sanfte Gefälle ihres Gesäßes überging. Sie spürte jeden einzelnen seiner Finger durch den dünnen Stoff ihres Kleides, das sie nur für ihn – und für diesen Abend – aus dem hintersten Winkel ihres Kleiderschranks hervorgekramt hatte. Der Stoff schmiegte sich an ihre Hüften wie eine zweite Haut, während sie die letzte Treppenstufe der Bahnhofsunterführung hinabstiegen.
Das Neonlicht flackerte in unregelmäßigen Abständen, warf zuckende Schatten an die gekachelten Wände und tauchte den langen Tunnel in ein fahles, fast unwirkliches Blau. Der Geruch nach kaltem Stein, altem Urin und dem metallischen Aroma stillgelegter Gleise hing schwer in der Luft. Darunter war eine Note von etwas, das sie nicht sofort einordnen konnte – Moschus vielleicht, oder der entfernte Hauch von Schweiß, der sich mit der Kühle der Nacht vermischt hatte.
Johanna drehte den Kopf leicht zur Seite, sodass ihre Wange beinahe Florians Brust berührte. »Bist du sicher, dass hier noch jemand ist?«, flüsterte sie, obwohl ihre Stimme in der Leere der Unterführung unnatürlich laut widerhallte. Die letzte Bahn war vor über einer Stunde abgefahren, die Rolltreppen standen still und die Anzeigetafeln über den Bahnsteigen zeigten nur noch schwarze, leblose Flächen. Alles an diesem Ort schrie nach Verlassenheit, nach dem Ende des Tages, nach Rückzug.
Und doch hatte Florian ihr auf der Fahrt hierher, während die Stadtlichter am Taxifenster vorbeigezogen waren, mit dieser rauen, verschwörerischen Stimme, die sie so sehr an ihm liebte, von einem Treffen erzählt. Von Leuten, die sich erst spät in der Nacht an Orten wie diesem zusammenfanden, abseits der ausgetretenen Pfade, jenseits der Clubs mit ihren überteuerten Getränken und ihrer abgenutzten Musik. Ein wilder Swingerabend, hatte er gesagt, und dabei hatte sich ein einzelner Tropfen Speichel auf seiner Unterlippe gesammelt, den sie ihm mit dem Daumen abgewischt hatte, bevor sie ihn küsste.
Jetzt, in der kahlen Akustik der Unterführung, klang die Erinnerung an dieses Wort fast absurd. Aber da war noch etwas anderes in der Luft, etwas, das Johannas Nackenhaare sich aufstellen ließ. Gleichzeitig entzündete sich eine Wärme in ihrem Unterleib, die nichts mit der stickigen Sommernacht über ihnen zu tun hatte. Das Geräusch von Schritten. Nicht ihre eigenen. Mehrere Paare, gedämpft, aber deutlich, irgendwo weiter hinten, wo der Tunnel eine leichte Biegung machte und die Neonröhren noch flackernder wurden.
Florians Hand glitt tiefer, legte sich um die Rundung ihrer Hüfte, zog sie fester an sich. Sie spürte die beginnende Härte seiner Erregung durch den Stoff seiner Jeans, und ihr Atem beschleunigte sich, kaum merklich, aber genug, dass sie es selbst registrierte. Die Schritte kamen näher, und mit ihnen ein leises, kehliges Lachen, das von den Kacheln brach und sich in tausend Splittern im Raum verteilte.
Dein Puls an meinem Handgelenk verrät dich längst.
Die Gruppe, die um die Ecke bog, bestand aus fünf Personen – drei Männern und zwei Frauen. Sie waren alle in jenem schwer zu definierenden Alter zwischen Ende zwanzig und Mitte vierzig, das nur die Nacht und das gedämpfte Licht so unkenntlich machen können. Die Frauen trugen Kleider, die ähnlich geschnitten waren wie Johannas, fließend, anschmiegsam, das eine in tiefem Bordeauxrot, das andere in einem matten Schwarz, das das flackernde Neonlicht förmlich aufzusaugen schien.
Die Männer hatten sich für dunkle Jeans und schlichte Hemden entschieden, die Ärmel hochgekrempelt, als wären sie gerade aus einer Bar gekommen und hätten nur noch schnell den Kragen gelockert. Einer von ihnen, groß, mit kurz geschorenem Haar und einem Bart, der sich wie ein Schatten über seinen Kiefer legte, hob grüßend die Hand. Nicht unbeholfen, nicht zögerlich, sondern mit der ruhigen Selbstverständlichkeit von jemandem, der genau weiß, warum er hier ist.
»Ihr seid pünktlich«, sagte er, und seine Stimme war tiefer, als Johanna erwartet hatte. Sie vibrierte in der Luft, pflanzte sich durch den Betonboden fort und schien direkt in ihren Knochen Widerhall zu finden. Florian trat einen halben Schritt vor, ohne den Kontakt zu Johanna zu verlieren – seine Hand lag noch immer auf ihrer Hüfte, der Daumen zeichnete kleine, träge Kreise auf den Stoff. »Der Taxifahrer kannte eine Abkürzung«, antwortete er, und ein amüsiertes Lächeln huschte über sein Gesicht.
Die Frau im bordeauxroten Kleid, deren Haar in losen Wellen über ihre Schultern fiel, musterte Johanna mit unverhohlener Neugier. Kein taxierender Blick, keine Konkurrenz, sondern etwas Weicheres, fast Zärtliches, das Johanna mit einem leichten Schauer über den Rücken lief.
Sie traten näher zusammen, die sieben Körper bildeten einen losen Kreis in der Mitte der Unterführung, umgeben von gefliesten Wänden, die jeden Laut zurückwarfen. Die Namen wurden ausgetauscht, leise, fast nebensächlich – Mara und Thomas, das Paar im Rot und der Mann mit dem kurz geschorenen Haar; Lena und Sven, die beiden in Schwarz, die einander so vertraut berührten, dass ihre Hände ständig irgendwo am Körper des anderen zu liegen schienen; und David, der dritte Mann, allein, mit ruhigen Augen und einer Gelassenheit, die etwas ungemein Beruhigendes hatte.
Johanna spürte, wie Florians Daumen auf ihrem Hüftknochen verharrte, drückend, fragend. Sie lehnte sich unmerklich in die Berührung hinein, gab ihre stumme Zustimmung, und der Kreis rückte enger zusammen.
Lena war die Erste, die die unsichtbare Grenze überschritt. Ihre Finger, kühl von der Nachtluft, legten sich auf Johannas Unterarm, glitten langsam hinauf bis zur Ellenbeuge, wo der Puls dicht unter der Haut pochte. »Dein Herz schlägt schnell«, murmelte sie, und ihre Lippen verzogen sich zu einem wissenden Lächeln. Johanna antwortete nicht, konnte nicht entgegnen, denn in diesem Moment trat David hinter sie, so nah, dass sie die Wärme seines Körpers durch das Kleid spürte, ohne dass er sie berührte.
Sein Atem streifte ihren Nacken, roch nach Minze und etwas Dunklerem, Erdigem, und sie schloss für einen kurzen Moment die Augen, ließ die Empfindung in sich einsinken. Florian beobachtete sie, seine Pupillen geweitet, die Lippen leicht geöffnet. Sie kannte diesen Ausdruck, hatte ihn schon oft gesehen, aber nie in Gegenwart so vieler fremder Augen, und die Intimität dieses Wissens ließ eine Woge von Wärme durch ihren Körper strömen.
Wo deine Haut aufhört und meine beginnt, ist jetzt nur noch ein Gedanke.

Mara löste sich aus der Umarmung von Thomas und trat vor Johanna, so dicht, dass sich die Säume ihrer Kleider fast berührten. Ein Hauch von Jasmin und warmer Haut stieg Johanna in die Nase, als Mara die Hand hob und mit den Fingerspitzen über Johannas Schlüsselbein strich, federleicht, kaum mehr als ein Hauch. »Du zitterst«, sagte sie, und ihre Stimme war weich wie Samt. »Ist das die Kälte, oder sind das wir?« Johanna schluckte, spürte, wie sich ihre Brustwarzen unter dem dünnen Stoff hart gegen das Kleid drückten.
»Ihr«, hauchte sie, und das Wort war kaum mehr als ein Ausatmen, aber in der Stille der Unterführung klang es so deutlich wie ein Schrei.
Thomas trat von der Seite heran, seine Hand legte sich auf Florians Schulter, eine stumme Frage, die dieser mit einem kaum merklichen Nicken beantwortete. Dann glitt Thomas‘ Hand tiefer, über Florians Brust, wo sich die Knöpfe des Hemdes unter seinen Fingern spannten. Johanna sah, wie Florians Atem stockte, wie seine Bauchmuskeln sich unter dem Stoff anspannten, und die Erregung, die sie schon den ganzen Abend in Schach gehalten hatte, brach mit solcher Wucht über sie herein, dass ihr kurz schwindelig wurde.
Sie griff nach hinten, fand Davids Handgelenk, zog ihn näher, bis sein Körper sich an ihren Rücken presste und sie die deutliche Wölbung seiner Erregung durch den rauen Jeansstoff spürte.
Lenas Finger wanderten unterdessen höher, schoben den Träger von Johannas Kleid beiseite, entblößten die Schulter, die sich im fahlen Neonlicht fast marmorn abzeichnete. Ihre Lippen folgten der Spur ihrer Finger, legten sich auf die nackte Haut, warm und feucht, und Johanna stöhnte leise auf. Es war ein Laut, der von den Kacheln zurückgeworfen wurde und sich mit dem Echo von Florians beschleunigtem Atem vermischte. Es gab auch das leise Rascheln von Stoff, als Sven hinter Lena trat und begann, den Reißverschluss ihres schwarzen Kleides zu öffnen.
Die Geräusche überlagerten sich, schufen eine Symphonie aus Begehren, die in der leeren Unterführung etwas Beinahe-Sakrales bekam.
David schob Johannas Haar zur Seite, legte seine Lippen auf die Stelle hinter ihrem Ohr, die so empfindlich war, dass sie jedes Mal zusammenzuckte, wenn Florian sie dort küsste. Jetzt war es ein Fremder, dessen Zunge über ihre Haut glitt. Und doch fühlte es sich nicht fremd an, sondern richtig, notwendig, als würde ihr Körper schon seit Stunden auf genau diese Berührung warten. Seine Hände legten sich um ihre Taille, zogen sie fester an sich, während seine Hüften sich langsam, fast unmerklich gegen ihr Gesäß bewegten.
Es war ein Rhythmus, der nichts forderte, sondern nur anbot, und Johanna ließ sich hineinfallen wie in warmes Wasser.
Mara hatte unterdessen Florians Hemd aufgeknöpft, Schicht um Schicht, ihre Finger flink und sicher, und Thomas half ihr, den Stoff von Florians Schultern zu streifen. Die nackte Haut schimmerte im Neonlicht, die Muskeln zeichneten sich unter der Oberfläche ab, und Mara beugte sich vor, presste ihre Lippen auf Florians Brustbein, genau dort, wo das Herz schlug.
Johanna sah, wie Florian die Augen schloss und wie seine Hand sich in Maras Haar krallte, nicht grob, sondern haltungssuchend. Ein tiefes Gefühl von Zärtlichkeit durchströmte sie, vermischt mit einer Erregung, die so scharf war, dass sie beinahe schmerzte.
Lass dich fallen, der Boden hier trägt mehr als nur Beton.
Lena hatte Johannas Kleid inzwischen über die Hüften geschoben, der Stoff fiel raschelnd zu Boden und legte sich wie eine Pfütze aus Seide um ihre Knöchel. Die kühle Luft der Unterführung strich über ihre nackte Haut, ließ sie erschauern, aber die Kälte war nur ein fernes Echo, übertönt von der Hitze, die von innen kam.
Lenas Hände legten sich um ihre Brüste, die Handflächen warm und fest, die Daumen strichen über die harten Spitzen. Johanna ließ den Kopf gegen Davids Schulter sinken und gab sich der doppelten Berührung hin – seine Erektion an ihrem Gesäß, ihre Hände an ihren Brüsten, seine Lippen an ihrem Hals.
Sven hatte Lena vollständig entkleidet, und nun kniete sie vor Johanna, nackt und ungeschützt, und doch mit einer Selbstverständlichkeit, die nichts Exhibitionistisches hatte. Es war einfach nur natürlich, so wie das Atmen oder das Schlagen des Herzens. Ihre Finger hakten sich in den Bund von Johannas Spitzenhöschen und zogen es langsam nach unten. Johanna hob gehorsam erst den einen, dann den anderen Fuß, bis das letzte Stück Stoff von ihr wich. So stand sie nackt in der Mitte des Kreises, umgeben von fremden Händen und vertrauten Blicken.
Florian, dessen Hose inzwischen ebenfalls den Weg zu Boden gefunden hatte, trat zu ihr, seine Hand legte sich an ihre Wange, zwingend sanft, und küsste sie. Es war ein tiefer, suchender Kuss, der nach all den Jahren noch immer die Fähigkeit besaß, sie aus der Gegenwart zu lösen, aber diesmal war es anders.
Diesmal spürte sie, während seine Zunge in ihren Mund glitt, gleichzeitig Davids Finger, die sich von hinten zwischen ihre Schenkel schoben und die feuchte Wärme ertasteten, die sich dort gesammelt hatte. Sie stöhnte in Florians Mund, als Davids Finger in sie eindrangen, erst einer, dann zwei, langsam, drehend, suchend.
Mara und Thomas hatten sich auf einer mitgebrachten Decke niedergelassen, die sie irgendwo aus einer Tasche gezaubert hatten. Mara lag halb aufgerichtet, während Thomas‘ Kopf zwischen ihren Schenkeln vergraben war und seine Zunge sie in einem Rhythmus leckte, der ihre Hüften zucken ließ. Sven war hinter Lena getreten mit seinem erigierten Glied in der Hand. Er führte es langsam von hinten in sie ein, während sie sich auf Händen und Knien abstützte, das Gesicht Johannas Schoß zugewandt.
Ihre Zunge fand Johannas Klitoris, ohne Vorwarnung, ohne Zögern, und Johanna schrie auf, ein Laut, der in der leeren Unterführung wie ein Peitschenschlag hallte.
David zog seine Finger aus ihr, und für einen endlosen Moment war da nur Leere, ein schmerzhaftes Fehlen, das sofort von Lenas Mund gefüllt wurde, aber es war nicht genug. Sie griff nach hinten und fand sein Glied, hart und warm und pulsierend. Dann führte sie es zu ihrer Mitte, während Florian ihre Brüste küsste und ihre Brustwarzen mit Zähnen und Zunge bearbeitete, bis sie kaum noch stehen konnte. David drang in sie ein, langsam, Zentimeter um Zentimeter, und sie spürte, wie ihr Körper sich um ihn schloss, ihn aufnahm, als wäre er nie woanders gewesen.
Der Rhythmus, den er anschlug, war tief und gleichmäßig. Lenas Zunge folgte ihm, leckend um die Stelle, wo sein Glied in ihr verschwand. Johanna wusste nicht mehr, wo ihre Empfindungen aufhörten und die der anderen begannen.
Florian, dessen Erregung sich inzwischen in einem stetigen Tropfen auf ihrem Bauch abzeichnete, wurde von Mara zu sich herübergezogen. Sie öffnete ihre Schenkel, lud ihn ein, und er drang in sie ein, während Thomas sich über sie beugte und sein Glied an ihre Lippen führte.
Johanna sah, wie Mara es in den Mund nahm und wie ihre Wangen sich wölbten. Sie sah auch, wie Thomas‘ Hüften in einem langsamen, bedächtigen Rhythmus zu stoßen begannen. Der Anblick, zusammen mit Davids Stößen in ihr und Lenas unermüdlicher Zunge, ließ die Spannung in ihrem Unterleib sich so eng zusammenziehen, dass sie kaum noch Luft bekam.
Was zwischen diesen Kacheln geschah, nimmt der Morgen mit sich fort.
Der Orgasmus kam nicht wie eine Welle, sondern wie ein Beben, das von innen heraus alles erfasste. Johannas Muskeln zogen sich um David zusammen, rhythmisch und unkontrollierbar. Sie spürte, wie er in ihr pulsierte, wie sein Atem in ihrem Nacken stockte und er sich mit einem tiefen, kehligen Laut in sie ergoss. Die Wärme, die sich in ihr ausbreitete, vermischte sich mit der Hitze ihrer eigenen Erlösung. Sie klammerte sich an Florians Schulter, der noch immer in Mara stieß. Währenddessen trug Lenas Zunge sie durch die letzten Wellen, sanft jetzt, fast tröstend.
Einer nach dem anderen fanden auch die übrigen Körper ihre Erlösung. Florian, dessen Gesicht sich in der Konzentration der Lust fast schmerzhaft verzerrte, presste sich tief in Mara und verharrte dort, während seine Hände ihre Hüften umklammerten. Thomas, dessen Stöße in Maras Mund immer schneller geworden waren, zog sich im letzten Moment zurück. Sein Samen ergoss sich in einem heißen Schwall über ihre Brüste und vermischte sich mit dem Schweiß, der ihre Haut glänzen ließ.
Sven und Lena, die sich irgendwann umgedreht hatten, lagen ineinander verschlungen. Ihre Atemzüge gingen schwer und synchron. Davids Hand, die sich nach dem Höhepunkt um Johannas Taille gelegt hatte, hielt sie noch immer fest, als wollte er sie nicht loslassen.
Die Stille, die folgte, war von einer anderen Qualität als die Stille zuvor. Sie war nicht leer, sondern erfüllt, gesättigt mit dem, was geschehen war. Die Neonröhren flackerten noch immer, warfen ihr fahles Licht auf die verschlungenen Körper, auf die verstreuten Kleider, auf die Decke, die unter Mara und Thomas zerknittert war. Der Geruch nach Sex hing schwer in der Luft, vermischt mit dem kühlen Hauch des Betons und der fernen, kaum wahrnehmbaren Ahnung des beginnenden Morgens.
Irgendwo über ihnen, unsichtbar und doch spürbar, zog die Stadt den Atem an für einen neuen Tag, aber hier unten, in dieser Blase aus Neon und gefliesten Wänden, schien die Zeit stillzustehen.
Johanna löste sich langsam aus den Umarmungen und spürte die Kühle auf ihrer verschwitzten Haut. Sie fühlte das sanfte Ziehen in den Muskeln und die Wärme von Davids Samen, der an der Innenseite ihrer Schenkel herabrann. Florian reichte ihr sein Hemd, ohne dass sie darum bitten musste, und sie schlüpfte hinein, genoss den vertrauten Geruch, der sich mit den fremden Gerüchen mischte, die an ihr hafteten. Die anderen begannen sich ebenfalls zu sammeln, tauschten Blicke und leise Worte, halfen einander beim Aufheben der verstreuten Kleidungsstücke.
Es lag keine Eile in ihren Bewegungen, kein Bedauern und keine Peinlichkeit, nur eine ruhige, fast feierliche Langsamkeit, als wollten sie den Moment so lange wie möglich ausdehnen.
Thomas rollte die Decke zusammen, Mara strich sich das Haar aus dem Gesicht und lächelte Johanna an, ein Lächeln, das mehr sagte als tausend Worte. Lena und Sven standen bereits wieder angekleidet da, seine Hand auf ihrem Rücken, ihre Finger in seine Gürtelschlaufe gehakt. David, der als Letzter seine Jeans schloss, trat zu Johanna und küsste sie auf die Stirn, eine Geste so zart, dass sie ihr beinahe die Tränen in die Augen trieb.
Dann, einer nach dem anderen, wandten sie sich dem Ausgang zu und stiegen die Treppe hinauf, dem fahlen Licht des frühen Morgens entgegen. Ihre Schritte verhallten in der Unterführung, bis nur noch das Flackern der Neonröhren und das leise Tropfen einer undichten Leitung zu hören waren.
Florian und Johanna blieben noch einen Moment, standen einfach nur da, seine Hand in ihrer, und sahen den anderen nach. »War es das, was du dir vorgestellt hast?«, fragte sie leise, und er drehte sich zu ihr, küsste sie auf die Lippen, schmeckte nach ihr und nach den anderen und nach der Nacht. »Mehr«, sagte er. »So viel mehr.« Dann stiegen auch sie die Treppe hinauf und traten hinaus in die Stille der erwachenden Stadt. Hinter ihnen erlosch das Neonlicht mit einem letzten, surrenden Aufbegehren, als hätte es nur auf sie gewartet.
– ENDE –
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