Ein wilder Swingerabend
Ich hasse Umziehen. Diesen Moment, wenn man vor zwanzig Kartons steht und sich fragt, warum zur Hölle man eigentlich siebzehn Tassen besitzt. Svenja hockt auf dem Boden. Ihre Jeans spannt über den Knien, während sie Teller in Zeitungspapier wickelt. Ihre bloßen Arme bewegen sich gleichmäßig, das T-Shirt ist ihr von der Schulter gerutscht. Die nackte Haut leuchtet in der Nachmittagssonne. Ich taste mit dem Cutter-Messer die Linie des Kartons entlang, ohne hinzusehen.
„Du starrst“, sagt sie.
„Nein.“
„Doch.“
„Ich sortiere gedanklich.“
Svenja lacht. Es ist dieses halb erstickte Lachen, bei dem sie den Kopf schüttelt und ihre blonden Strähnen übers Gesicht fallen. Wir haben den halben Vormittag geschuftet. Die Regale sind leer, die Wände kahl, die Gardinenstangen baumeln nutzlos von den Halterungen. Nur das riesige Sofa steht noch, Restbestand aus Zeiten, als diese Wohnung mal ein Zuhause war statt Zwischenlager.
„Wir brauchen Verstärkung“, sagt Svenja.
Ich denke an unser letztes Gespräch, vor drei Tagen. Betrunken in der Küche nach einer WG-Party. Irgendwer hatte von Swingern geredet, von diesem Club am Stadtrand. Svenja hatte mir über den Tisch hinweg diesen Blick zugeworfen. Wir waren nicht zusammen, nicht richtig. Aber wir teilten uns seit einem Jahr die Wohnung, die Sofadecke, manchmal mehr. Wir hatten eine Sprache entwickelt aus Blicken und halben Sätzen und Nächten, in denen die Jalousien offenblieben.
„Was für Verstärkung?“, frage ich.
Sie legt den Teller weg. Ihre Hände bleiben ruhig auf den Oberschenkeln liegen. „Patrick. Wir ziehen in drei Tagen aus. Danach wohnen wir nicht mehr zusammen.“
„Und?“
„Und dann verpasst man vielleicht Dinge, die man noch hätte machen können.“
Ich weiß genau, was sie meint. Mein Herz schlägt zweimal extra, so einen harten, dumpfen Schlag gegen die Rippen. „Du willst …“
„Ich möchte nichts Bestimmtes. Ich sage nur: Wir könnten Leute einladen. Heute Abend. Keine Bekannten, keine Kollegen.“ Sie zögert, dann grinst sie. „Sondern die anderen.“
Es ist immer nur ein erstes Wort, dann fällt alles Weitere von selbst.
Das „die anderen“ ist so ein Satzteil, der im Raum stehen bleibt und langsam auskühlt. Ich setze mich auf den Boden, lehne den Rücken gegen die Wand. Der Putz ist rau durchs T-Shirt. Svenja sitzt mir gegenüber, die Knie fast an meinen.
„Du meinst Club-Bekanntschaften“, sage ich.
„Ich meine Leute, die man nicht jeden Tag trifft und die genau wissen, worum es geht.“
So reden wir immer. Um die Sache herum, aber nie drumherum. Es ist ein Spiel, das wir seit Monaten spielen. Der Swinger-Club, in dem wir zweimal waren. Das erste Mal nur an der Bar gesessen, Svenjas Hand auf meinem Knie, meine Finger an ihrem Nacken. Das zweite Mal waren wir in einem Separee, das halb öffentlich war, während Svenja mit einem fremden Mund an ihrer Brust berührt wurde und mir gleichzeitig in die Augen sah. Wir haben nie darüber gesprochen, was das bedeutet. Aber wir haben beide die Nummern gespeichert.
Drei Nummern, um genau zu sein. Zwei Männer, eine Frau. Ich weiß noch, wie Svenja die Frau ansah. Wie ihre Pupillen gewaltiger wurden damals, als wären da Türen hinter ihren Augen aufgegangen.
„Schreib ihnen“, sagt Svenja.
„Allen?“
„Allen.“
„Jetzt?“
„Jetzt. Bevor die Kartons uns einholen.“
Ich hole mein Handy raus. Svenja beugt sich vor. Ich schreibe die Nachricht viermal, jedes Mal dieselbe: „Heute Abend, unsere halbleere Wohnung, bringt nichts mit außer euch.“ Es klingt wie ein Code. Es ist einer. Svenjas Finger tippen die letzten Worte, ihre Hand über meiner. Ich drücke Senden. Dann nochmal. Dann nochmal.
Das Summen der Antworten kommt schneller als erwartet. Zuerst Lukas, der nie lange überlegt. Bin um neun da. Dann Mira, die fragt, ob sie etwas Bestimmtes anziehen soll. Svenja tippt: „Was du nach fünf Minuten ausziehen willst.“ Dann Tom. Der zögert kurz, schreibt dann: „Und wer kommt noch?“ Svenja nimmt mir das Handy aus der Hand und tippt, ohne zu zögern: „Reicht dir das nicht?“
Wir lachen beide. Der Sound hallt von den leeren Wänden zurück.
„Ich stell mir das gerade vor“, sage ich. „Wir hier, die anderen kommen, und dann …“
„Dann passiert, was auch immer.
„Kein Plan?“
Kein Plan. Nur Regeln. Sag „Stopp“, und es stoppt. Zeig, was du willst, und du bekommst es. Und keiner geht hier raus und redet.
Mein Puls pocht in den Handflächen. Ich sehe Svenja an, die Frau, mit der ich mir ein Jahr lang Badezimmer und guten Morgen und manchmal viel mehr geteilt habe. Sie sitzt da in ihren alten Jeans, die Haare im Nacken verklebt, die Stirn blank.
„Wann hast du gewusst, dass du das heute willst?“, frage ich.
„Als ich heute früh aufgewacht bin und die Kartons gesehen habe. Und dich daneben. Und gedacht hab ich: „Ich will nicht, dass das hier einfach so endet.“
Von draußen kommt das Geräusch eines Möbelwagens, der irgendwo weiter unten in der Straße hält. Irgendwo zieht auch jemand um. Aber nicht so.
Die Klingel geht fünfmal, und jedes Mal ist es ein anderer Mensch.
Lukas ist der Erste. Er kommt mit einer Flasche Wein und diesem selbstverständlichen Grinsen, das schon im Club niemanden kaltgelassen hat. Er trägt ein schwarzes Hemd, die Ärmel hochgekrempelt, die Unterarme muskulös. Er umarmt Svenja, dann mich. Seine Hände bleiben einen Moment zu lang auf meinen Schultern liegen.
„Das ist also die berühmte Wohnung“, sagt er und sieht sich um. „Viel Platz für wenig Möbel.“
„Wir haben bewusst Platz gelassen“, sagt Svenja.
Wenige Minuten später kommen Tom und Mira zusammen. Mira trägt ein Kleid, das aussieht wie flüssiges Kupfer. Es schmiegt sich an Hüften und Brüste, als hätte jemand Metall über ihren Körper gegossen. Tom, groß und drahtig, steht hinter ihr wie eine dunkle Folie. Er erinnert mich an die Nacht im Separee, seine Hand an Svenjas Rücken, während ich zusah.
„Ist das jetzt eine Umzugsparty oder was?“, fragt Mira.
„Kommt drauf an, wie sehr wir die Kartons ignorieren“, sage ich.
Keiner rührt Kartons an.
Die Dynamik baut sich auf wie ein Gewitter, das sich zusammenbraut, während der Himmel noch blau ist. Wir sitzen auf dem Sofa und dem Boden, fünf Erwachsene in einer leeren Wohnung. Der Wein wird geöffnet, Svenja lehnt sich mit dem Rücken an meine Brust, ihre Beine lang ausgestreckt. Miras Blick streift Svenjas Hals, ihren Ausschnitt, die nackten Knöchel. Die Spannung wächst mit jedem Atemzug. Es ist, als würden wir alle durch eine dünne Membran atmen, die jeden Moment reißen kann.
Mira stellt ihr Glas ab und steht auf, geht barfuß durch den Raum. Ihre Füße hinterlassen keine Abdrücke auf dem dunklen Parkett. Nur die Vibration ihrer Schritte.
„Weißt du, was ich an leeren Räumen liebe?“, fragt sie in die Runde und bleibt vor Svenja stehen. „Dass man alles hört.“ Jedes Geräusch. Jeden Atemzug.“
Lukas lacht leise. Tom legt den Kopf schief. Ich spüre Svenjas Rücken an meiner Brust wärmer werden.
Mira beugt sich vor und küsst Svenja auf den Mund. Kein fragender Blick vorher, kein Zögern. Einfach dieser Kuss, weich, erkundend, als würde sie eine Tür aufstoßen, von der alle wussten, dass sie da ist. Svenjas Lippen öffnen sich. Eine Hand von Mira liegt jetzt an Svenjas Hals, der Daumen an ihrem Kiefer. Ich sehe zu und spüre, wie mein Körper reagiert. Ein dumpfer Schlag in mir, der immer tiefer wandert.
„Nicht schlecht“, murmelt Tom.
„Erst der Anfang“, sagt Lukas.
Mira lässt von Svenja ab und dreht sich zu mir. Ihr Mund ist noch feucht. „Du bist damit einverstanden?“
„Nein.“
„Gut.“ Sie greift nach meinem Hemdkragen und zieht mich zu sich herunter. Der Kuss ist anders als bei Svenja. Weniger zärtlich, mehr fordernd. Ihre Zunge stößt gegen meine, ihre Zähne streifen meine Unterlippe. Neben mir höre ich Svenja leise stöhnen. Als ich die Augen öffne, sehe ich, wie Tom sich über sie beugt, während Lukas von der anderen Seite kommt. Svenjas Körper wird von zwei Männern eingerahmt. Toms Hand liegt auf ihrer Schulter, Lukas streicht ihr über die nackte Wade.
Mira lässt mich los. „Zeig mir den Rest der Wohnung“, sagt sie.
„Es gibt nicht mehr viel zu sehen.“
„Das glaube ich nicht.“
Sie schiebt mich rückwärts durch den leeren Raum, vorbei an den Kartons, in Richtung des Schlafzimmers. Das Bett steht noch, abgezogen, nur die nackte Matratze. Miras Kleid raschelt leise, als sie sich darauf sinken lässt. Sie zieht mich mit, ihre Beine schlingen sich um meine Hüften.
Aus dem Wohnzimmer höre ich Laute. Ein Keuchen, das sich überschlägt. Svenja, eindeutig Svenja. Und Männergeräusche, tief und vibrierend.
„Mach dir keine Sorgen um sie“, sagt Mira und öffnet mein Hemd Knopf für Knopf. „Die hat gerade den besten Umzugshelfer ihres Lebens.“
Nasse Haut und Wege, sich wortlos zu verstehen

Mira arbeitet schnell. Sie schält mich aus den Sachen mit einer Selbstverständlichkeit, die nichts mit Routine zu tun hat, sondern mit Begierde. Meine Hosen landen auf dem Boden, meine Boxer folgen. Sie selbst öffnet den Reißverschluss ihres Kleides, aber langsam, Zentimeter für Zentimeter. Als der Stoff fällt, bleibt sie in einem Set aus schwarzer Spitze zurück. Ihre Haut schimmert.
„Ich mag es, wenn Männer zusehen“, sagt sie.
Ich sehe zu. Meine Hände wollen sie berühren, aber sie hält mich auf Abstand. „Erst ich.“
Sie kniet sich auf die Matratze und beugt sich über meinen Schoß. Ihre Lippen sind warm und präzise. Ich spüre ihre Zunge, die kreist, bevor sie mich ganz in den Mund nimmt. Ich stöhne auf, lauter als beabsichtigt, und aus dem Wohnzimmer kommt ein Lachen als Antwort. Es klingt nach Svenja, aber tiefer, kehliger, vermischt mit einem Stöhnen, das ich noch nie von ihr gehört habe.
Mira hebt den Kopf. „Die beiden tun ihr gut.“
„Das höre ich.“
„Willst du sie sehen?“
Ich nicke, und Mira lässt von mir ab. Wir gehen nackt zurück ins Wohnzimmer, wo Svenja auf dem geräumigen Sofa liegt. Oder besser: schwebt. Tom kniet hinter ihrem Kopf, seine Hände umfassen ihre Brüste, während Lukas mit dem Kopf zwischen ihren Schenkeln liegt. Svenjas Rücken ist durchgebogen, ihre Lider flattern. Sie hat die Augen halb geschlossen, aber als sie mich sieht, öffnet sie sie ganz.
„Patrick.“ Mein Name wird als ein einziger langgezogener Laut ausgesprochen.
Lukas hebt den Kopf. Sein Mund glänzt. „Willkommen zurück.“
Tom nickt mir zu, ohne seine Hände von Svenjas Brüsten zu nehmen. „Setz dich zu uns.“
Ich setze mich ans Fußende des Sofas, Svenjas nackte Füße neben meinem Oberschenkel. Mira setzt sich neben mich, ihre Hand gleitet über meinen Bauch, tiefer, und umschließt mich. Ich schließe die Augen. Als ich sie wieder öffne, wechselt die Konstellation.
Lukas zieht Svenja hoch, dreht sie auf Hände und Knie. Ihre Brüste schwingen leicht. Sie sieht mich an, während Tom sich vor sie kniet und ihren Mund nimmt, nicht küssend, sondern so, dass sie ihn mit Lippen und Zunge verwöhnt. Lukas positioniert sich hinter ihr. Svenjas Blick bleibt an mir hängen. Ihre Augen sind weit, wild und voller Einverständnis.
„Ja“, sagt sie, den Mund schon halb an Tom. „Ja.“
Lukas schiebt sich in sie hinein, und Svenja stöhnt auf. Es ist ein Laut, der von tief unten kommt, aus ihrem Zentrum, und sich in der leeren Wohnung vervielfacht. Ich kann nicht anders, als meine Hand auf Miras Kopf zu legen, während sie mich mit dem Mund verwöhnt. Ihr Rhythmus passt sich dem von Lukas an. Stoßen und Nachgeben, Stoßen und Nachgeben.
Mira lässt von mir ab und flüstert: „Komm.“
Sie zieht mich zu Svenja, zu den anderen. Tom macht Platz, Lukas hält inne. Svenja blickt auf, verschwitzt, mit geröteten Wangen.
„Ich will, dass du mich küsst“, sagt sie zu mir. „Während er …“
Ich küsse sie, bevor sie den Satz beenden kann. Mein Mund auf ihrem, während Lukas sich wieder in ihr bewegt. Ich schmecke Tom auf ihren Lippen, schmecke Wein und Begierde und diesen metallischen Geschmack, den Lust manchmal hat. Svenja stöhnt in meinen Mund hinein. Ihre Hände krallen sich in meine Schultern.
Hinter mir höre ich Mira und Tom. Ich drehe den Kopf und sehe, wie Tom Mira gegen die nackte Wand drückt, ihre Beine um seine Hüften geschlungen. Miras Kopf ist zurückgeworfen, ihre Mähne streift den Putz.
„Das ist besser als jeder Umzug“, keucht Svenja und lacht, mitten im Stöhnen.
Lukas wird schneller, tiefer. Svenjas Körper spannt sich an. Ich halte ihr Gesicht in beiden Händen, meine Daumen an ihren Wangenknochen.
„Komm“, sage ich. „Lass los.“
Sie kommt. Ein Beben, das durch ihren ganzen Körper läuft, von den Schultern bis zu den Zehenspitzen. Ihre inneren Muskeln umklammern Lukas, der mit einem tiefen Brummen in ihr erstarrt. Svenjas Schrei hallt von den Wänden wider.
Was bleibt, wenn alle gegangen sind und die Kartons noch da sind
Es ist nach Mitternacht. Tom und Lukas haben sich verabschiedet. Tom küsste Svenja auf die Stirn – so zärtlich, wie sie es am Nachmittag sicher nicht erwartet hätte. Lukas umarmte mich, lange, mit einem Blick, der sagte: „Wir sehen uns wieder.“ Mira blieb etwas länger. Sie zog sich langsam wieder an, trank noch ein Glas Wasser, strich mit den Fingern über einen halbgefüllten Umzugskarton.
„Es ist komisch“, sagt sie. „Ich kenne euch kaum, aber ich weiß jetzt Dinge über euch, die eure besten Freunde nicht wissen.“
„Vielleicht sind das die Dinge, die wirklich zählen“, sage ich.
Mira lächelt. „Vielleicht.“
Sie umarmt Svenja, dann mich, dann ist sie weg. Die Tür fällt ins Schloss.
Svenja und ich sitzen auf dem Sofa. Das Leder ist fleckig, warm, benutzt. Sie trägt nur mein Hemd, ich nur meine Jeans, die Beine ineinander verschlungen. Die Kartons stehen um uns herum wie stumme Zeugen.
„Das war …“, beginne ich.
„Ja.“
„Bereust du was?“
Svenja schüttelt den Kopf. Kein bisschen. Du?
„Nichts.“
Ich sehe auf unseren gemeinsamen Krempel, der in Pappkisten auf ein neues Leben wartet. Wir ziehen in drei Tagen auseinander. Und trotzdem fühlt es sich nicht nach Ende an. Eher nach einer Art Übergabe. Oder einem Anfang, der nicht mehr an eine Wohnung gebunden ist.
„Weißt du noch, wie wir letztes Jahr hier eingezogen sind?“, frage ich.
„Mit deiner scheußlichen Stehlampe und meiner Sammlung alter Schallplatten.“
„Und wir haben so getan, als wären wir bloß Mitbewohner.“
Svenja lacht leise. „Das hat ungefähr zwei Wochen gehalten.“
„Zwei Wochen und drei Tage.“
Sie legt den Kopf an meine Schulter. Ich rieche ihr Haar – Wein, Schweiß, und darunter immer noch der vertraute Geruch ihres Shampoos.
„Was machen wir jetzt mit uns?“, fragt sie.
„Ich weiß es nicht“, sage ich ehrlich. „Aber ich weiß, dass ich keine von diesen Nummern lösche. Und du?
„Ich auch nicht.“
Ihre Hand findet meine. Wir sitzen in der Stille, die keine Leere ist, sondern Nachhall. Die Geräusche der Nacht sickern durch die Fenster. Irgendwo kläfft ein Hund. Irgendwo fährt eine letzte Bahn. Hier drinnen ist der Geruch von Sex noch in der Luft, vermischt mit Karton und kaltem Wein.
„Morgen packen wir weiter“, sage ich.
„Ja.“
„Aber heute …“
„Heute war wichtig.“ Sie hebt den Kopf und sieht mich an. Ihre Pupillen sind immer noch groß, dunkel, voller Bilder, die wir beide nicht vergessen werden. „Heute war das, was passieren muss, bevor man weiterziehen kann. Weißt du?“
Ich küsse sie. Es ist ein anderer Kuss als vor zwei Stunden. Kein Sturm mehr, sondern das leise Ausklingen. Zärtlich, wissend, voller Geschichte.
„Lass uns schlafen“, sagt sie. „Hier auf dem Sofa. Nur wir zwei.
Wir kuscheln uns in die Enge der Polster. Svenja zieht die Beine an, ich lege meinen Arm um sie. Wir fragen nicht, wie das wird in zwei Nächten. Wir fragen nicht, ob wir unsere jeweiligen neuen Wohnungen mit Geheimnissen füllen werden. Wir atmen nur synchron, wie fünf Menschen in der Erinnerung.
Die Kartons warten. Die Möbel sind abgeholt. Was bleibt, sind zwei Körper, die sich kennen, und ein Abend, der alles verändert hat.
Die letzte Sache, die ich höre, ist Svenjas Flüstern in meinem Halbschlaf-Halbwach.
„Wenn wir in den neuen Wohnungen sind“, murmelt sie, „packen wir zuerst das Bett aus.“
Ich grinse in die Dunkelheit. „Und laden dann Leute ein?“
Vielleicht. Oder wir fahren wieder in den Club. Mal sehen.“
Es ist das „Mal sehen“, das alles offenlässt. Nicht Ende. Nicht Anfang. Sondern eine Tür, die jetzt für immer einen Spalt weit aufsteht.
– ENDE –
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