Selbstbefriedigung Fantasie
»Sie können ruhig schon mal durchgehen, ich schließe gleich ab«, sagte ich und wischte mir die Erde von den Händen.
Die Frau vor mir lächelte, und es war dieses Lächeln, das mich den Besen fester greifen ließ. Nicht das höfliche Kundinnenlächeln, das ich den ganzen Tag über sehe, sondern etwas, das tiefer saß. Sie war vielleicht Mitte dreißig, trug eine verwaschene Jeans und eine Leinenbluse, deren oberster Knopf offenstand. Livia, wie ich später erfuhr. Sie suchte angeblich eine Kletterrose für ihre Terrasse, aber ihre Blicke wanderten immer wieder zu mir, nicht zu den Pflanzen.
Das Gartencenter lag im letzten Licht des Spätsommerabends. Die Schatten der Palmen und Olivenbäume fielen lang über den Kiesboden, und irgendwo tropfte Wasser von einem der Bewässerungsschläuche. Ein leises, rhythmisches Geräusch, das in meine Gedanken sickerte, während ich sie beobachtete. Ich bin Anton, vierzig, seit zwei Jahren geschieden, und ich hatte verlernt, solche Blicke zu deuten. Aber mein Körper hatte es nicht verlernt.
Sie blieb vor den Bougainvilleen stehen, berührte eines der papierenen Hochblätter mit den Fingerspitzen. »Die sind wunderschön. Halten die auch auf einem Westbalkon?«
Ich trat näher, erklärte ihr etwas über Standfestigkeit und Winterschutz, während ich ihren Nacken betrachtete. Einzelne hellbraune Härchen, die sich aus dem lockeren Knoten gelöst hatten. Der leichte Schweißfilm auf ihrer Haut. Es war warm gewesen den Tag über, das Gewächshausdach hatte die Hitze gespeichert, und ich roch ihren Duft – kein Parfüm, sondern einfach sie. Etwas Frisches, leicht Salziges.
»Entschuldigung, ich war gerade in Gedanken«, sagte sie plötzlich und wandte sich mir zu. Ihre Augen waren grau mit goldenen Sprenkeln. »Ich heiße Livia.«
Anton. Ich sagte es leise, und wir gaben uns die Hand. Ihre Finger blieben einen Moment länger in meinen, als es nötig gewesen wäre. In meinem Kopf formte sich bereits eine Selbstbefriedigungsfantasie, noch bevor ich sie bewusst zulassen konnte. Das passierte mir oft – mein Verstand begann, Szenen zu weben, lange bevor irgendetwas tatsächlich geschah. Es war, als würde mein Körper die Sprache sprechen, die mein Kopf noch nicht gelernt hatte.
»Sie sind sicher müde«, sagte sie. »So ein langer Tag im Gartencenter.«
»Es geht. Ich mag die Abende, wenn alle Kunden weg sind. Dann gehört der Ort mir.«
Ein Satz, der mehr preisgab, als ich beabsichtigt hatte. Livia zog eine Augenbraue hoch. »Und was machen Sie dann? Wenn der Ort Ihnen gehört?«
Ich lachte, zu schnell, zu verlegen. » Aufräumen. Die Pflanzen zurückschieben. Die verwelkten Blätter abzupfen.«
»Klingt fast meditativ.«
»Ist es auch. Die meisten Leute unterschätzen, wie sinnlich das sein kann. Pflanzenpflege, meine ich.«
Es war herausgerutscht. Das Wort „sinnlich“. Es hing zwischen uns wie der Duft der blühenden Jasminstöcke, die in der Ecke standen. Ich sah, wie Livia den Atem leicht einzog. Sie wandte sich wieder den Blumen zu, aber ihre Haltung hatte sich verändert. Ihre Schultern waren nicht mehr die einer Kundin, die sich beraten lässt. Sie stand da wie jemand, der auf etwas wartet.
Die Stille zwischen den Regalen
Ich ließ sie stehen, ging zum Haupteingang und zog das Rollgitter halb herunter. Das Metall quietschte, dann war es still. Nur noch das Tropfen des Wasserhahns und das ferne Rauschen der Schnellstraße. Livia war tiefer in das Gewächshaus gegangen, zwischen die hohen Regale mit den Farnen und Philodendren. Ich wusste, dass ich eigentlich darauf bestehen sollte, dass sie jetzt geht. Ladenöffnungszeiten und so. Aber ich blieb, wo ich war, und wartete.
»Anton?« Ihre Stimme klang gedämpft zwischen dem vielen Grün. »Kommen Sie mal her. Diese Pflanze hier – was ist das?«
Ich fand sie vor einer überdimensionalen Efeutute, deren Blätter fast tellergroß waren. Sie stand mit dem Rücken zu mir, die Hände auf ein Blatt gelegt, als würde sie es streicheln. Ihre Fingerspitzen glitten über die wächserne Oberfläche, langsam, fast zärtlich.
»Epipremnum aureum«, sagte ich, und meine Stimme klang rauer als beabsichtigt. »Im Volksmund Efeutute. Sehr pflegeleicht. Verzeiht vieles.«
»Verzeiht vieles«, wiederholte sie leise und drehte sich um. Ihre Bluse hatte sich weiter geöffnet, ich konnte den Ansatz ihres Schlüsselbeins sehen, die zarte Wölbung ihrer Brust unter weißer Baumwolle. »Das ist eine gute Eigenschaft. An Pflanzen. An Menschen.«
Ich nickte stumm. Meine Hände waren feucht. Nicht nur von der Arbeit. Livias Blick wanderte über mein Gesicht, blieb an meinem Mund hängen, glitt tiefer. Ich spürte, wie sich mein Körper unter dieser Musterung veränderte. Wie mein Blut schneller floss.
Vielleicht war es die Situation selbst, die uns enthemmte. Ein geschlossenes Gartencenter, das niemand mehr betreten würde. Die Abenddämmerung, die das Licht weich und unwirklich machte. Oder einfach zwei erwachsene Menschen, die spürten, dass da etwas war, das sich nicht mit Smalltalk abtun ließ.
»Ich war nicht wirklich wegen der Kletterrose hier«, sagte Livia plötzlich.
»Ich weiß.«
»Woher?«
Ich zuckte mit den Schultern. »Man merkt das. Wenn jemand eigentlich etwas anderes sucht.«
Sie strich sich eine Strähne aus der Stirn. Ihre Hand zitterte kaum merklich. »Mein Mann ist auf Geschäftsreise. Seit drei Wochen. Ich bin durch die Stadt gelaufen, den ganzen Nachmittag, und irgendwann stand ich vor Ihrem Gartencenter und dachte, dass ich einfach etwas Grünes brauche. Etwas Lebendiges. Und dann waren Sie da, mit Ihren erdverschmierten Händen und diesem konzentrierten Blick, mit dem Sie die Pflanzen gegossen haben, und ich –
Sie brach ab. Ihr Atem ging schneller.
Ich machte einen Schritt auf sie zu. Der Boden unter unseren Füßen war mit Pinienrinde bedeckt, das Knirschen klang überlaut in der Stille. »Sie und ich? Wir kennen uns nicht. Aber Ihr Körper kennt meinen bereits. Und meiner kennt Ihren. Das reicht manchmal.«
Livia schloss für einen Moment die Augen. Als sie sie wieder öffnete, war die Entscheidung gefallen. Ich sah es in den grauen Sprenkeln, bevor sie den Mund öffnete. »Was machen Sie jetzt? Jeden Abend. Wenn Sie allein sind und die Pflanzen eingeräumt sind?«
Was das Gewächshaus sieht, wenn niemand zusieht
Ich wusste, was sie hören wollte. Aber mehr noch – ich spürte, dass sie es wirklich wissen wollte. Dass ihre Frage kein Spiel war, sondern echter Hunger. Mein Körper gab die Antwort, bevor mein Verstand sie formulieren konnte. Ich spürte das vertraute Ziehen im Unterleib, diese Mischung aus Anspannung und Vorfreude, die einsamen Abenden vorausgeht.
»Manchmal«, sagte ich langsam, »wenn ich die Bewässerung abstelle und es ganz still wird, dann setze ich mich auf die Bank hinter den Palmen. Dort, wo die Luft noch warm ist vom Tag und alles nach feuchter Erde riecht. Und dann denke ich an nichts Bestimmtes. Oder besser: Ich lasse die Gedanken kommen, wie sie wollen.«
Livias Lippen öffneten sich leicht. »Was für Gedanken?«
Ich trat noch näher. Jetzt hing der Geruch der Erde auch in ihren Haaren, und ich konnte die feinen Linien um ihre Augen sehen, diese kleinen Zeugen gelebten Lebens. » Gedanken an Haut. An Hände, die mich berühren. Manchmal an eine Fremde, die mir im Supermarkt begegnet ist und deren Parfüm ich noch Stunden später in der Nase hatte. Manchmal an etwas, das nie passiert ist, aber in meinem Kopf so real wird, dass mein Körper darauf reagiert.«
Meine Selbstbefriedigung Fantasie begann nie mit einem festen Bild. Sie begann mit einer Empfindung. Dem Gefühl von Sehnsucht. Es war der leere Raum im Bett neben mir. Dem Wissen, dass irgendwo da draußen Menschen einander berühren, während ich allein unter meiner Decke liege. Und dann, ganz langsam, füllte sich dieser Raum mit etwas, das ich nicht benennen konnte – bis es zu spät war, um es aufzuhalten.
Livia griff nach meiner Hand. Ihre Finger waren kühl, trotz der Wärme. »Zeig es mir«, flüsterte sie.
Die Bank stand wirklich hinter den Palmen. Ein einfaches Holzbrett auf zwei Stapeln Ziegelsteinen, mehr nicht. Aber von hier aus sah man durch die Glasscheiben des Gewächshauses den Himmel, der sich langsam rosa färbte. Ich setzte mich, Livia blieb vor mir stehen. Ihr Gesicht war jetzt auf der Höhe meines Bauches. Sie knöpfte ihre Bluse nicht weiter auf, aber sie zog sie aus dem Hosenbund, und ich sah den Streifen Haut über ihrer Jeans, blass und weich.
»Du hast erzählt, was du denkst«, sagte sie. Ihre Stimme war jetzt tiefer, rauer. »Aber was tust du?«
Ich lehnte mich zurück, spürte das Holz in meinem Rücken. Meine Hände lagen auf meinen Oberschenkeln, unbewegt. »Ich öffne meine Hose. Langsam. Ich habe Zeit, es eilt ja niemand. Nur die Pflanzen und ich. Und während ich den Reißverschluss herunterziehe, stelle ich mir vor, es wären nicht meine eigenen Hände.«
Livia kniete sich hin. Ihre Knie sanken in die feuchte Pinienrinde, ein leises Knacken. Sie legte ihre Hände auf meine Knie, schob sie höher, bis ihre Daumen auf der Innenseite meiner Schenkel lagen. Sie drückte nicht zu, wartete einfach.
»Mach weiter«, sagte sie.
»Ich spüre die Wärme meiner eigenen Hand«, fuhr ich fort, während ich tatsächlich meinen Gürtel öffnete. »Ich stelle mir vor, es wäre die Hand einer Frau. Jemand, den ich begehre. Jemand, der mich begehrt. Ich umfasse mich selbst und es ist, als würde ich mich zum ersten Mal berühren. Vorsichtig zuerst. Nur die Fingerspitzen.«
Ich holte mich aus der geöffneten Hose. Ich war hart, so hart, dass es fast schmerzte. Livia betrachtete mich mit einem Ausdruck, den ich nicht deuten konnte. Andacht vielleicht. Oder einfach Lust, reine, konzentrierte Lust. Sie leckte sich über die Lippen, eine unwillkürliche Bewegung.
»Und dann?« Ihre Stimme war kaum mehr als ein Hauch.
Zwischen Welkes und Blühendes – eine Berührung nach Ladenschluss

Ich umschloss mich mit der Hand. Es war meine eigene, vertraute, aber durch Livias Blick wurde sie zu etwas Fremdem, Neuem. Ich bewegte sie langsam auf und ab, so wie ich es immer tat, wenn ich allein war. Nur dass ich jetzt nicht allein war. Und dieser Unterschied veränderte alles.
»Dann wird der Rhythmus schneller«, sagte ich leise. Meine Stimme war belegt, ich musste mich konzentrieren, um die Worte zu formen. »Ich denke an Hüften, die sich mir entgegenheben. An einen Mund an meinem Hals. An das Geräusch, das eine Frau macht, kurz bevor sie kommt – dieses tiefe, fast erschrockene Keuchen.«
Livia hatte ihre Bluse jetzt ganz geöffnet. Darunter trug sie ein schlichtes weißes Oberteil mit dünnen Trägern, das sie sich über den Kopf zog. Ihre Brüste waren schwer, die Brustwarzen dunkel und hart in der kühler werdenden Abendluft. Sie beugte sich vor, nahm meine freie Hand und legte sie auf ihre linke Brust. Die Haut war weich und warm, und ich spürte ihren Herzschlag, schnell und hart.
»Berühr mich«, sagte sie. »Während du dich selbst berührst.«
Meine Finger schlossen sich um ihren Oberkörper, mein Daumen strich über die Brustwarze. Livia stöhnte leise auf, und der Laut fuhr durch meinen ganzen Körper, direkt in meine Hand hinab, die mich jetzt fester umschloss. Ich erhöhte das Tempo, während ich mit dem Daumen Kreise auf ihre Brustwarze malte. Ein Zittern lief durch ihre Schultern.
»Deine Fantasie«, flüsterte sie. »Erzähl weiter. Was siehst du?«
»Ich sehe dich«, stieß ich hervor. Die Worte kamen jetzt schwer, meine Atmung ging stoßweise. »Genau so, wie du jetzt vor mir kniest. Deine Brüste. Deine Augen. Deinen Mund. Ich stelle mir vor, wie deine Lippen sich um mich schließen. Wie deine Zunge mich berührt. Ich stelle es mir vor, und es ist fast so, als würde es wirklich passieren.«
Livia lächelte. Es war kein sanftes Lächeln. Es war triumphierend und hungrig zugleich. Sie schob meine Hand von ihrer Brust, beugte sich tiefer hinab. Ihr Atem strich über meine Eichel, warm und feucht. Dann öffnete sie den Mund und nahm mich auf.
Ich stöhnte auf, so laut, dass es von den Glasscheiben widerhallte. Ihre Lippen waren weich, ihre Zunge geschickt, und sie wusste genau, was sie tat. Sie nahm mich tief in den Mund und zog sich dann zurück. Sie nahm nur die Spitze zwischen ihre Lippen und umspielte sie mit der Zungenspitze, während ihre Hand den Schaft umfasste, dort, wo mein eigener Griff geendet hatte.
»Warte«, keuchte ich. »Nicht so schnell. Ich will – ich will dich auch berühren.«
Sie ließ von mir ab, leckte sich die Lippen. Ihr Mund war gerötet, feucht. »Dann tu es.«
Ich zog sie zu mir hoch auf die Bank. Sie setzte sich rittlings auf meinen Schoß, ihre Jeans rieb an meiner nackten Haut. Ich öffnete den Knopf, zog den Reißverschluss herunter, schob meine Hand in ihre Unterwäsche. Sie war nass. So unglaublich nass, dass meine Finger sofort glitten, ohne jeden Widerstand. Livia warf den Kopf zurück, ihre Hüften bewegten sich gegen meine Hand.
»Ja«, stieß sie hervor. »Genau da. Mehr.«
Ich schob zwei Finger in sie hinein, tief, und mein Daumen fand ihre Klitoris. Sie war geschwollen, hart unter meiner Berührung. Ich rieb sie in langsamen Kreisen, während meine Finger in ihr blieben, tief und unbewegt, nur die Enge spürend, die Hitze, das Pulsieren ihrer Muskeln um mich herum.
Livia begann, sich auf meinem Schoß zu bewegen. Sie ritt meine Hand, ihre Hüften rollten in einem Rhythmus, der immer schneller wurde. Ich sah ihr ins Gesicht – ihre Augen waren geschlossen, ihr Mund offen, ihre Wangen gerötet. Ihre Brüste wippten mit jeder Bewegung, und ich beugte mich vor und nahm eine Brustwarze in den Mund. Sie schmeckte nach Salz und Haut und etwas, das einfach nur Frau war.
»Ich bin so nah«, flüsterte sie. »So verdammt nah. Mach weiter. Bitte.«
Ich zog meine Hand aus ihr heraus, sie protestierte mit einem scharfen Aufschrei – dann führte ich meine Finger zu ihrem Mund. Sie öffnete die Lippen, leckte ihre eigene Feuchtigkeit von meiner Haut, und ihr Blick dabei ließ meinen Unterleib fast explodieren. Dann legte ich meine Hand um mich selbst und positionierte mich an ihrem Eingang.
»Jetzt«, sagte ich.
Sie sank auf mich hinab, in einer einzigen, gleitenden Bewegung. Wir stöhnten beide gleichzeitig auf, ein Duett der ungläubigen Lust. Sie war eng, so unfassbar eng, und heiß und nass, und für einen Moment saßen wir einfach nur da, vereint, bebend, während die letzten Sonnenstrahlen durch die beschlagenen Scheiben fielen.
Das Summen der Kühlaggregate und was danach bleibt
Livia begann, sich zu bewegen, langsam zuerst, fast zögerlich. Ihre Hände lagen auf meinen Schultern, ihre Fingernägel gruben sich leicht in meine Haut. Ich hielt ihre Hüften, spürte jeden Muskel, der sich anspannte und entspannte, während sie auf und ab glitt. Der Rhythmus war ungleichmäßig, suchend, als würden wir beide erst lernen müssen, wie unsere Körper zusammenpassten.
Dann fand sie den richtigen Winkel. Ein tieferes Senken, eine leichte Drehung ihrer Hüfte, und plötzlich rieb meine Basis gegen ihre Klitoris. Livias Atem setzte aus, ihre Augen weiteten sich. »Da«, presste sie hervor. »Genau so. Nicht aufhören.«
Ich grub meine Finger in die weichen Mulden über ihren Hüftknochen und half ihr, den Rhythmus zu halten. Jedes Mal, wenn sie sich senkte, stieß ich ein wenig entgegen, tiefer, fester. Die Holzbretter der Bank ächzten unter unseren Bewegungen. Irgendwo tropfte immer noch der Wasserhahn, aber jetzt klang er wie ein fernes Echo, eine Begleitung zu unserem Atem, dem feuchten Gleiten unserer Körper.
Das Summen der Kühlaggregate setzte ein, tief und monoton. Ich hatte es immer geliebt, dieses Geräusch. Es war das Geräusch der Einsamkeit, des Feierabends, der leeren Gänge. Jetzt vermischte es sich mit Livias Stöhnen, und etwas in mir verknüpfte diese beiden Klänge für immer miteinander. Jedes zukünftige Summen eines Kühlgeräts würde mich an diesen Moment erinnern – an ihre gespreizten Schenkel, ihren aufgelösten Haarknoten, den Glanz auf ihrer Stirn.
»Ich hab vor, dich zu sehen«, flüsterte sie. »Wenn du kommst. Ich will in deine Augen sehen.«
Ich nickte, unfähig zu sprechen. Die Spannung in meinem Unterleib war unerträglich geworden, eine geballte Ladung, die nur darauf wartete, freigesetzt zu werden. Meine Selbstbefriedigungsfantasie endete hier – aber diesmal würde ich nicht allein sein am Höhepunkt. Diesmal würde sie mich ansehen. Wirklich ansehen.
Livia erhöhte das Tempo. Sie ritt mich jetzt hart und schnell, ihre Brüste wippten, ihr Atem kam in kurzen, abgehackten Stößen. Ich spürte, wie sich ihre inneren Muskeln um mich zusammenzogen, das unverkennbare Zeichen ihrer nahenden Erlösung. Sie krallte ihre Finger in meine Haare, zog meinen Kopf zurück und presste ihren Mund auf meinen. Ihr Kuss war wild, zahnend, verzweifelt – und dann zersprang sie.
Ihr Orgasmus riss sie von mir fort, warf sie in sich selbst zurück. Sie schrie auf, ein hoher, klagender Laut, der in der feuchten Treibhausluft hing wie ein eigenes Wesen. Ihr Körper bäumte sich auf, versteifte sich, dann zitterte sie, zitterte in Wellen, die ich in mir spüren konnte, um mich herum, pulsierend und unaufhaltsam.
Das war der Moment, in dem ich mich fallen ließ. Ich starrte in ihre Augen – diese grauen Augen mit den goldenen Sprenkeln, jetzt verschleiert und weit – und ließ die Anspannung los, die ich so lange gehalten hatte. Mein Höhepunkt riss mich mit, schleuderte mich in einen weißen, glühenden Raum, in dem es nur noch Livia gab und das Gefühl, mich tief in ihr zu entleeren, heiß und unendlich. Ich stöhnte ihren Namen, oder vielleicht nur einen Laut, ein wortloses Gebrüll, das von den Glasscheiben zurückgeworfen wurde.
Wir blieben ineinander verschlungen, schwer atmend. Die Pflanzen um uns herum standen still und grün, Zeugen einer Verschmelzung, die niemand geplant hatte. Livia lehnte ihre Stirn an meine. Ihre Haut war feucht, ihr Atem strich über meine Lippen.
»Das war keine Fantasie«, murmelte sie nach einer langen Stille.
»Nein«, sagte ich. »Das war besser.«
Sie löste sich vorsichtig von mir, stand auf zittrigen Beinen. Ihre Jeans hing ihr halb von den Hüften, ihre Bluse lag auf dem Boden. Sie bückte sich, zog sich an, langsam, fast feierlich. Ich blieb sitzen, meine Hose noch offen, meine Hände auf den Knien. Ich sah ihr zu, wie sie ihre Haare wieder zum Knoten band, wie sie mit dem Handrücken über ihre geschwollenen Lippen fuhr.
»Ich brauche eine Kletterrose«, sagte sie plötzlich und lächelte. Es war wieder dieses Lächeln vom Anfang, nur jetzt kannte ich seinen Ursprung.
Ich lachte leise. »Ich glaube, wir haben noch eine. Sorte ‚New Dawn‘. Wächst schnell, blüht den ganzen Sommer.«
»Klingt perfekt.«
Ich stand auf, schloss meine Hose und gemeinsam gingen wir durch die dunklen Gänge des Gartencenters. Das Licht der Straßenlaternen fiel durch die Glasfront und malte helle Rechtecke auf den Boden. Ich suchte die Rose heraus, eine kräftige Pflanze im Zehn-Liter-Topf, und trug sie für sie zum Ausgang.
An der Tür drehte sie sich noch einmal um. »Anton?«
»Ja?«
»Ich komme wieder. Nächste Woche. Ich brauche dann Dünger. Oder so.«
Ich nickte. »Oder so«, wiederholte ich.
Sie lächelte, trat hinaus in die blaue Abenddämmerung und verschwand mit ihrer Rose im Kofferraum eines silbernen Kombis. Ich zog das Rollgitter ganz herunter, schloss ab und lehnte mich gegen das kalte Metall. Das Summen der Kühlaggregate war jetzt lauter, die Luft kühl und klar.
Morgen würde ich wieder hier stehen, Pflanzen gießen, Kunden beraten. Aber etwas war anders. Nicht nur die Erinnerung an Livia, nicht nur der Geruch ihrer Haut, der noch an meinen Fingern haftete. Sondern das Wissen, dass manche Fantasien Wirklichkeit werden können. Dass der Körper manchmal klüger ist als der Verstand. Dass eine Selbstbefriedigungsfantasie der Anfang von etwas sein kann, das man nicht zu hoffen wagte.
Ich ging zurück hinter die Palmen und hob die umgeworfene Bank wieder auf. Auf den Holzplanken glänzte etwas Feuchtes im Licht der Notbeleuchtung. Ich lächelte, ließ es unberührt und machte mich an den Feierabend.
– ENDE –
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