Selbstbefriedigung Fantasie
Als ich Andreas zwischen den Regalen verschwinden sah, spürte ich sofort, wie mein Atem flacher wurde. Nicht wegen der körperlichen Anstrengung – die schweren Terrakottatöpfe und Säcke mit Blumenerde hatten meinen Rücken längst taub gemacht. Sondern wegen dieser eigenartigen Mischung aus Vorfreude und Verlegenheit, die mich jedes Mal überkam, wenn wir allein waren. Ich musterte meine Hände, die noch immer Spuren von getrocknetem Lehm unter den Fingernägeln trugen, und fragte mich, ob er sie wohl bemerkt hatte.
Seit drei Monaten arbeiteten wir nun schon gemeinsam in diesem Gartencenter am Stadtrand, und seit mindestens zwei davon gab es diese unterschwellige Spannung zwischen uns. Kein billiges Anzüglichkeiten-Geflunker, wie es in den Pausen unter den Kollegen manchmal vorkam, sondern etwas Tieferes, Unausgesprochenes, das sich in langen Blicken und zufälligen Berührungen an der Kasse äußerte. Katharina mochte ich sofort. Sie lachte, ohne die Hand vor den Mund zu nehmen, begutachtete Pflanzen fachmännisch und versank manchmal völlig unvermittelt in Gedanken, nur um dann wie ertappt zusammenzuzucken.
»Soll ich die Clematis noch reinholen?«, rief sie von irgendwo hinter dem Staudenregal, ihre Stimme gedämpft durch die üppigen Grünpflanzen, die hier draußen wie eine lebendige Wand standen.
»Klar, bring sie rüber. „Die sind zu empfindlich für die Nachtkühle“, antwortete ich und ärgerte mich sofort über meinen sachlichen Ton. Warum klang ich immer wie ein betriebsblinder Abteilungsleiter, wenn ich eigentlich etwas ganz anderes sagen wollte?
Draußen vor den großen Schaufenstern senkte sich bereits die Dämmerung über die Parkplätze. Die letzten Kunden waren vor zwanzig Minuten gegangen. Eine ältere Dame hatte einen übervollen Einkaufswagen voller Hornveilchen, und eine junge Familie war auf der Suche nach einer Zimmerpalme. Letztendlich hatten sie doch einen zierlichen Ficus benjamini erwählt. Jetzt hing nur noch das Summen der Lüftungsanlage in der Luft und das gelegentliche Klappern von Tontöpfen, wenn Andreas im hinteren Bereich die Ware sortierte.
Ich wischte mir unwillkürlich die Hände an meiner grünen Arbeitsschürze ab. Warum war ich eigentlich so nervös? Wir waren doch nur zwei erwachsene Menschen, die ihren Job machten. Aber genau das war der Punkt: Wir machten unseren Job. Und zwischen den Handgriffen entstand etwas Eigenes, etwas, das nichts mit dem Sortieren von Kräutern oder dem Auszeichnen von Sonderangeboten zu tun hatte. Es fühlte sich an wie eine stille Verabredung, die wir beide noch nicht in Worte gefasst hatten.
Mein Blick folgte ihm durch die beschlagene Scheibe zum Gewächshaus-Anbau. Seine Schultern zeichneten sich unter dem verwaschenen Baumwollhemd ab – nicht protzig oder trainiert, sondern auf diese selbstverständliche Art, die von tatsächlicher Arbeit stammte. Ich mochte, wie er beim Tragen der schweren Säcke leicht in die Knie ging, statt sich mit krummem Rücken zu verrenken. Eine praktische Intelligenz in der Bewegung, die mir seltsam anziehend erschien.
Während ich die Lavendeltöpfe für die Nacht zurechtrückte, ertappte ich mich bei einem dieser Tagträume, die in letzter Zeit immer häufiger kamen. Tagsüber schob ich sie meist beiseite, aber jetzt, im schwindenden Licht, mit der Gewissheit, dass außer uns beiden niemand mehr im Gebäude war, hatten sie etwas Drängendes. Die Vorstellung, er könnte plötzlich hinter mir stehen, seine Hände auf meine Hüften legen, ganz sachte, als wäre es die natürlichste Geste der Welt. Ich stellte mir vor, wie er mein Haar beiseitestrich, um meinen Nacken zu küssen. Das war eine Stelle, die ich selbst kaum beachtete, bis ich bemerkte, wie sein Blick manchmal dorthin wanderte, wenn ich mich bückte, um Etiketten zu prüfen.
So eine Selbstbefriedigungsfantasie war mir nicht fremd. Schon als junges Mädchen hatte ich gelernt, mich in Gedankenwelten zu flüchten, wenn der Alltag zu eng wurde. Später, erwachsen geworden, waren die Fantasien geblieben, nützlich und tröstlich in einsamen Nächten, ein privates Reich ohne Rechenschaft. Dass sie jetzt zunehmend von einem konkreten Menschen handelten, den ich jeden Tag sah, gab ihnen eine neue, fast beunruhigende Schärfe.
Eine Hortensie stand schief. Ich bückte mich, um sie zurechtzurücken, und spürte dabei das vertraute Ziehen im unteren Rücken. Acht Stunden auf den Beinen – mein Körper brauchte dringend eine heiße Dusche und das Sofa. Aber gleichzeitig wollte ich diesen Moment nicht enden lassen, diesen Zustand der Möglichkeit, in dem noch nichts geschehen und doch alles spürbar war.
»Katharina? Alles okay bei dir?« Andreas stand plötzlich im Durchgang, eine leere Transportkiste unter dem Arm, sein Haar vom Wind zerzaust, der durch die Verladezone pfiff.
»Ja, alles gut. Musste nur kurz durchatmen.« Ich lächelte, hoffentlich nicht zu verlegen. » Der Tag war lang.«
»Kann man wohl sagen. Komm, ich helfe dir mit den letzten Töpfen, dann machen wir Feierabend.«
Ob er es auch spürte, dieses eigenartige Zögern im Satz, als wollte er »Feierabend« nur ungern aussprechen?
Das Gewächshaus duftete nach feuchter Erde und etwas Ungesagtem.
Andreas hatte den Wasserschlauch aufgerollt und verstaute ihn sorgfältig in der Halterung, wobei seine Hände mit einer Präzision arbeiteten, die ich schon oft beobachtet hatte. Ich mochte diese Handgriffe an ihm – nichts war fahrig oder ungeduldig, jeder Knoten wurde ordentlich geschlungen, jedes Werkzeug an seinen Platz zurückgelegt. Meine Oma hätte gesagt: »Der Junge hat Hand und Fuß.« Meine Gedanken schweiften kurz ab zu Omas Küche, zu ihren Kräutertöpfen auf dem Fensterbrett, die genauso rochen wie die Abteilung, in der wir jetzt standen – nach Basilikum und Zitronenmelisse, einem Hauch Minze.
»Weißt du, was ich neulich gelesen habe?«, begann Andreas und hielt eine Topfpflanze prüfend gegen das Licht. »Dass manche Pflanzen tatsächlich auf Berührung reagieren. Nicht nur die Mimose, sondern ganz normale Grünpflanzen. Die spüren Wärme, Druck, sogar die Anwesenheit von Menschen.«
»Kein Wunder, dass sie hier so gut gedeihen«, rutschte es mir heraus, und sofort spürte ich die Wärme in meinen Wangen. War das zu direkt gewesen? Ich hatte es eigentlich scherzhaft gemeint, aber meine Stimme hatte einen Unterton bekommen, den ich selbst nicht erwartet hatte.
Andreas sah auf, seine grauen Augen hielten meinen Blick fest. Nicht fordernd, sondern eher fragend, als wollte er sich vergewissern, dass er richtig verstanden hatte. »Magst du deine Arbeit?«, fragte er dann, scheinbar harmlos, aber die Frage hing seltsam in der Luft, als ginge es um etwas ganz anderes.
»Manchmal mehr, manchmal weniger.« Ich zuckte mit den Schultern. Heute definitiv mehr.
Wir arbeiteten uns langsam durch die schmalen Gänge, schoben Kübelpflanzen in ihre Überwinterungsquartiere, deckten empfindliche Exemplare mit Vlies ab. Unsere Wege kreuzten sich immer öfter, und jedes Mal, wenn wir aneinander vorbeimussten, geschah es, dass unsere Schultern sich leicht berührten oder seine Hand wie zufällig meinen Rücken streifte. Einmal griff ich nach dem gleichen Blumentopf wie er – einer himmelblauen Keramikschale mit weißen Punkten – und unsere Finger verschränkten sich für einen kurzen Moment an dem kühlen Ton.
»Entschuldigung«, flüsterte ich, zog meine Hand aber nicht sofort zurück.
»Musst dich nicht entschuldigen.« Seine Stimme war leiser geworden, fast ein Murmeln. Sein Daumen strich einfach über meinen Handrücken, eine winzige Bewegung, kaum spürbar und zugleich wie ein elektrischer Schlag bis in meine Magengrube.
Ich riskierte einen Blick hoch zu seinem Gesicht. Die Dämmerung und das gedämpfte Kunstlicht der Sicherheitslampen zeichneten weiche Schatten auf seine Züge. Er war nicht im klassischen Sinne gutaussehend – seine Nase war etwas zu breit, die Wangen von der Sonne gegerbt –, aber er hatte ein Gesicht, das Geschichten erzählte. Er schaute mich an, ohne dieses typisch männliche Taxieren, sondern einfach interessiert, als wäre ich eine seltene Pflanze, die er zum ersten Mal blühen sah.
»Hast du auch manchmal das Gefühl, dass…«, setzte ich an, brach aber ab, weil ich nicht wusste, wie ich den Satz beenden sollte.
»Dass was?«
»Dass wir beide hier nicht nur wegen der Arbeit sind?«
Andreas lächelte, und ich sah sofort, wie lächerlich diese Formulierung eigentlich war. Natürlich waren wir wegen der Arbeit hier. Aber nicht nur.
»Ich bin gerne mit dir hier«, sagte er einfach, und diese klaren Worte lösten etwas in mir, das den ganzen Abend über unter Spannung gestanden hatte.
»Ich auch. Ich meine, ich bin auch gern mit dir hier.«
Er nahm mir vorsichtig den Topf aus der Hand und stellte ihn auf ein Regalbrett. Dann, mit einer Selbstverständlichkeit, die mich fast erschreckte, legte er seine Hand an meine Wange. Seine Haut war warm und ein wenig rau vom Sägeschleppen, und sie roch nach Erde und Holzspänen und etwas Metallischem, vermutlich vom Rollsplitt, den wir heute Morgen verteilt hatten.
Ich lehnte mich gegen das schwere Holzregal und fühlte, wie die Hortensienblätter hinter mir nachgaben. Mein Herz schlug so heftig, dass ich sicher war, er konnte es durch meine Bluse sehen. Dabei waren wir doch erwachsen, beide längst über dreißig, hatten Beziehungen hinter uns, Enttäuschungen, das ganze Programm. Und trotzdem fühlte ich mich plötzlich wie sechzehn, voller bangender Erwartung, was der nächste Moment bringen mochte.
Seine Lippen tasteten sich an meine heran, zuerst nur ein leichter Druck, fragend, zögernd. Dann, als ich meine Hände in sein Hemd krallte und ihn näher zog, entschiedener. Der Kuss war weich und drängend zugleich, und er schmeckte nach dem Pfefferminztee aus dem Automaten, den er immer in der Pause trank. Meine Zunge fand einen Weg zwischen seine Lippen, und er empfing sie mit einem leisen, kehligen Laut, der über meine Wirbelsäule hinablief wie warmer Honig.
»Wir können auch einfach weiter einräumen«, murmelte er gegen meinen Mund, und ich schüttelte lachend den Kopf.
»Jetzt bloß nicht.«
Die Dämmerung machte mutig – und die Stille zwischen den Pflanzen schrie förmlich nach Berührung.

Ich wusste nicht, wer von uns den ersten entscheidenden Schritt machte, aber plötzlich standen wir nicht mehr zwischen Stauden und Samentütchen, sondern in einem kleinen, halb verborgenen Bereich hinter der großen Monstera-Ausstellung. Der Besitzer hatte hier eine Art gemütliche Ecke für Stammkunden eingerichtet, mit ein paar alten Weidenkörben, in denen eigentlich Kissen liegen sollten, die aber irgendwann bei einer Inventur verloren gegangen waren. Jetzt dienten die Körbe als Ablage für Preislisten und verwelkte Werbeprospekte, aber die Matten auf dem Boden waren noch da, ein Überbleibsel aus florierenden Marketingtagen.
Andreas zog mich sanft auf diese Matten hinunter, und ich ließ mich fallen wie eine dieser abendlichen Blüten, die ihre Kelche dem schwindenden Licht entgegenstrecken. Sein Körper legte sich neben meinen, nicht aufdringlich, sondern einfach da, bereit, nah, eine stille Einladung, der ich nicht widerstehen konnte.
»Ist das wirklich okay?«, fragte er, und in seinen Augen las ich, dass er bei einem Nein sofort aufstehen und sich entschuldigen würde, als hätte er eine unverzeihliche Grenze überschritten.
»Mehr als okay«, flüsterte ich und küsste ihn erneut, diesmal mit weniger Vorsicht und mehr Verlangen. Meine Hände wanderten über seine Schultern, ertasteten die festen Muskeln unter dem dünnen Stoff, fuhren seinen Rücken entlang bis zum Gürtel. Ich spürte, wie er unter meiner Berührung erschauderte, wie sein Atem schneller ging, genau wie meiner.
Er öffnete behutsam die Knöpfe meines Arbeitshemds. Nicht hastig, nicht wie jemand, der ein Paket auspackt, sondern mit einer bedächtigen Sorgfalt, die mich fast wahnsinnig machte. Jeder freigelegte Zentimeter Haut wurde von seinen Lippen begrüßt – das empfindliche Grübchen zwischen meinen Schlüsselbeinen, der Ansatz meiner Brüste, den der BH nur notdürftig bedeckte.
»Du riechst gut«, murmelte er, und ich lächelte, weil ich gar kein Parfum trug, nur den leichten Schweiß der Arbeit und die Seife aus dem Personalwaschraum.
»Du auch«, antwortete ich, und es stimmte. Sein Geruch war erdig und warm und unverstellt, nichts Künstliches.
Meine Finger nestelten an den Knöpfen seines Hemds, befreiten ihn aus dem Stoff, strichen über seine Brust, wo sich hellbraune Härchen kräuselten. Ich mochte Körper, die nicht perfekt waren – die kleinen Unebenheiten, die Narben, die Sommersprossen auf seinen Schultern. Ich mochte auch das Muttermal am Hals, das ich im Neonlicht nie bemerkt hatte und das mir jetzt wie eine private Entdeckung erschien.
Er streifte mir die Träger von den Schultern, öffnete den BH-Verschluss mit geübten Fingern und entblößte meine Brüste, die im Halbdunkel blass und rund schimmerten. Seine Hände umfassten sie zärtlich, Daumen umkreisten die dunklen Höfe, bis sie sich unter seiner Berührung verhärteten. Ich stöhnte leise, als seine Lippen sich um eine Brustwarze schlossen, erst sanft saugend, dann mit mehr Druck, bis ein köstlicher Schmerz meinen ganzen Körper durchzuckte.
»Gefällt dir das?«, raunte er, und ich nickte heftig, zu atemlos für Worte.
Meine Hand tastete währenddessen nach unten, über den flachen Bauch, an dem seine Hosenknöpfe saßen. Ich spürte, wie sich unter dem Jeansstoff etwas regte, hart und drängend. Gleichzeitig hatte ich das Wissen, dass ich das auslöste. Mein Körper, meine Berührung, meine bloße Gegenwart hatten diese Wirkung auf ihn. Das ließ eine Welle der Erregung durch meinen Unterleib strömen.
Ich öffnete den Knopf und zog den Reißverschluss langsam nach unten. Das metallische Geräusch war viel zu laut in der Stille des Gewächshauses. Andreas half mir, seine Jeans über die schmalen Hüften zu schieben, zusammen mit der Boxershorts, die einfach und grau war und nach Waschmittel roch.
Sein Glied sprang frei, aufgerichtet und bereits feucht an der Spitze. Ich nahm es in die Hand, fühlte, wie sich die samtweiche Haut über die Härte darunter spannte, wie der Puls darin schlug, ein eigener, schneller Rhythmus. Meine Finger erkundeten ihn, umfassten ihn, glitten auf und ab, während seine Atmung stoßweise gegen mein Ohr drang.
»Warte«, hauchte er, »ich will dich auch spüren.«
Er drehte mich behutsam auf den Rücken, kniete sich zwischen meine Schenkel und öffnete meine Hose mit der gleichen Achtsamkeit, mit der ich seine geöffnet hatte. Als meine Kleidung beiseitegeschoben war und seine Hand mich fand, direkt dort, wo ich schon lange feucht war, hielt ich für einen Moment die Luft an. Seine Finger erkundeten mich, erst zaghaft, dann zielstrebiger, glitten durch meine Schamlippen, fanden meine Klitoris, die unter seiner Berührung anschwoll und pulsierte.
»So nass«, stellte er fest, nicht triumphierend, sondern ehrfürchtig, als hätte er eine seltene Blüte im Morgentau entdeckt.
Ich griff erneut nach ihm, diesmal drängender, und führte ihn zu mir. Er verstand ohne Worte, positionierte sich zwischen meinen Beinen und drang langsam in mich ein. Nicht stoßend oder forsch, sondern gleitend, Zentimeter für Zentimeter, bis er vollständig in mir war. In diesem endlosen Moment verharrten wir reglos, nur verbunden durch unseren Atem in der warmen Luft, die nach feuchter Erde, Blättern und unserer beider Erregung roch.
Dann begann er, sich zu bewegen.
Ein Rhythmus zwischen Monstera und wildem Wein – der Höhepunkt im sachten Abendgrau
Seine Bewegungen waren anfangs langsam, bedächtig, als kostete er jede Sekunde aus, jede Nuance von Reibung und Feuchtigkeit. Ich spürte ihn in mir, tief und ausfüllend, wie er zurückwich und dann wieder vordrang, ein Rhythmus, der meinem Herzschlag glich und sich allmählich beschleunigte. Meine Hände lagen auf seinen Schulterblättern, die sich unter meinen Handflächen bewegten wie die Flügel eines großen, gleichmäßig atmenden Tiers, und ich musste daran denken, wie seltsam vertraut sich das alles anfühlte, als hätten wir das schon hundertmal getan und nicht zum ersten Mal.
Die Matte unter meinem Rücken roch leicht modrig, aber das war mir gleichgültig. Alles, was zählte, war der Druck in meinem Unterleib, der sich aufbaute. Es war das Gefühl, ausgefüllt zu sein und zugleich nach mehr zu verlangen, nach schneller, nach härter, nach einer Lösung dieser Spannung, die mich fast zerriss.
»Schneller«, wisperte ich, »bitte.«
Andreas stützte sich mit einer Hand neben meinem Kopf ab, während die andere zwischen unseren Körpern wanderte, dorthin, wo wir vereint waren, und sein Daumen fand erneut meine Klitoris und umkreiste sie mit kleinen, präzisen Bewegungen. Ich keuchte auf, viel zu laut für diesen stillen Raum. Aber es war mir egal, sollte doch die ganze Welt hören, was in diesem Gartencenter geschah, kurz vor Ladenschluss, unter den gelangweilten Blättern der Topfpflanzen.
Er stieß jetzt fester und tiefer zu, während ich ihm mit jedem Hub meiner Hüften entgegenkam. Unsere Körper fanden einen gemeinsamen Takt, der nichts mehr mit Zärtlichkeit zu tun hatte, sondern nur noch mit Dringlichkeit, mit dem animalischen Bedürfnis, das sich nicht länger verleugnen ließ. Der alte Weidenkorb neben uns geriet ins Wanken und kippte um, Prospekte flatterten auf den Boden, aber wir hielten nicht inne.
Sein Gesicht über mir war konzentriert, die Stirn gefurcht, der Mund leicht geöffnet, die Augen halb geschlossen. Er schwitzte, ein einzelner Tropfen rann von seiner Schläfe über die Wange, und ich streckte meine Zunge heraus, um sie aufzufangen, als er sich zu einem Kuss herabsenkte. Der salzige Geschmack vermischte sich mit dem vertrauten Pfefferminztee-Aroma, und ich schmeckte uns beide darin, unsere Arbeit, unsere Müdigkeit, unser Verlangen.
»Ich komme gleich«, presste er hervor, »warte auf mich.«
Aber ich konnte nicht warten. Die Spannung in mir war längst über den Punkt hinaus, an dem ich sie hätte kontrollieren können. Sein Daumen auf meiner empfindlichsten Stelle, sein Glied tief in mir, das rhythmische Stoßen und die schummrige Atmosphäre des Raums erzeugten eine ekstatische Stimmung. Die verbotenen Pflanzen um uns herum verstärkten das Gefühl. All das entlud sich in einem plötzlichen, überwältigenden Orgasmus, der durch meinen Körper fuhr wie ein gleißender Blitz.
Ich schrie auf, konnte es nicht mehr zurückhalten, und meine inneren Muskeln zogen sich um ihn zusammen, rhythmisch, unkontrollierbar, während Wellen der Lust von meinem Zentrum aus bis in die Fingerspitzen loderten. Mein ganzer Körper zitterte und bäumte sich auf, und irgendwo in meinem halb blinden Zustand nahm ich wahr, dass auch Andreas erbebte. Ein gutturaler Laut aus seiner Kehle brach und er ergoss sich tief in mich, Stoß um Stoß, während sein Rücken sich versteifte und seine Hände sich in meine Hüften krallten. Das mit einer Kraft, die morgen blaue Flecken hinterlassen würde, die ich heimlich im Spiegel betrachten und dabei lächeln würde.
Dann brach er über mir zusammen, schwer und warm und atmend. Ich hielt ihn und strich über seinen Rücken, der unter meinen Fingern bebte. Ich fühlte, wie sein Herzschlag gegen meine Brust pochte, doppelt und wild.
Wir blieben eine ganze Weile so liegen, ineinander verschlungen, während der Schweiß auf unserer Haut kühlte und der Geruch von Sex sich mit dem der Pflanzen mischte. Eine Grille zirpte irgendwo zwischen den Verkaufstischen, und durch das Glasdach sah ich die ersten Sterne am Abendhimmel aufblitzen, winzige, ungerührte Punkte in der unendlichen Schwärze.
»Das war…«, begann ich, aber mir fehlten die Worte.
»Ich weiß«, sagte er nur, und das reichte.
Irgendwann, als unsere Atmung sich normalisiert hatte und die Kühle des Betonbodens durch die dünne Matte kroch, richteten wir uns auf. Andreas half mir beim Zuknöpfen meines Hemds, und ich lachte leise, als er es falsch herum versuchte und die Knopflöcher nicht passten. Wir zogen uns gegenseitig wieder an. Es war eine rührend ungeschickte Prozedur, bei der wir uns mehr im Weg standen als halfen. Ich musste denken, dass dieser Moment fast noch intimer war als alles Vorherige – diese stille, selbstverständliche Fürsorge, die nichts forderte und nichts voraussetzte.
»Wir müssen noch die Clematis reinholen«, erinnerte ich ihn.
»Die Clematis kann warten.« Er küsste meine Schläfe, ganz zart. »Morgen ist auch noch ein Tag.«
Zurück in die Welt der Gießkannen und Preislisten – aber alles ist anders.
Die letzten Handgriffe erledigten wir in einem seltsam verzauberten Schweigen. Nicht peinlich, sondern nachdenklich, als verarbeiteten wir beide gerade, was geschehen war, und fänden keine Eile, es zu kommentieren. Ich räumte die letzten Lavendeltöpfe ins Regal, ordnete die umgekippten Prospekte und strich über die Blätter der Monstera, die Zeugin unserer Begegnung geworden war. Die Pflanze sah unverändert aus, natürlich, fünf imposante, tiefgrüne Blätter mit den charakteristischen Löchern, und trotzdem kam sie mir jetzt anders vor, bedeutungsvoller irgendwie.
Andreas harkte den Splitt vor dem Gewächshaus glatt, eine unnötige Sorgfalt um diese Zeit, aber ich verstand, dass er etwas tun musste mit seinen Händen, während sein Kopf anderswo war. Ich beobachtete ihn durch die beschlagenen Scheiben, wie sein Körper sich im gelblichen Licht der Außenlampen bewegte. Dennoch verspürte ich ein warmes Gefühl der Zugehörigkeit, das nichts Besitzergreifendes hatte, sondern einfach still und ruhig war.
Als wir schließlich unsere Schürzen an die Haken hängten und die Alarmanlage scharf stellten, war es kurz vor neun. Der Parkplatz lag leer und dunkel, nur mein alter Kombi und sein Fahrradständer standen noch da, zwei einsame Inseln in einem Meer aus Asphalt.
»Fährst du wirklich mit dem Rad?«, fragte ich, obwohl ich die Antwort kannte. Er wohnte nur fünfzehn Minuten entfernt, in einem der Reihenhäuser hinter der Kleingartenanlage. Das hatte er mir in der ersten Woche erzählt.
»Ja, ist nicht weit. Und du?«
Ich zuckte mit den Schultern. »Zwanzig Minuten mit dem Auto. Aber ich hab’s nicht eilig.«
Wir standen eine Weile unschlüssig vor dem Personaleingang, und ich spürte, wie die Frage im Raum stand, was nun aus uns würde. Waren wir jetzt Kollegen, die einmal zu weit gegangen waren? Oder der Beginn von etwas Neuem, von dem wir beide bisher nicht wussten, welche Form es annehmen würde?
»Möchtest du vielleicht…«, setzte er an, und ich unterbrach ihn mit einem Nicken.
»Ja, gern. Aber nicht heute. Ich muss das erst mal sacken lassen.«
Er lächelte, und da war es wieder, dieses schmale, wissende Grinsen, das ich vom ersten Tag an so gemocht hatte. »Verstehe ich. Geht mir genauso.«
»Vielleicht morgen? Ein Kaffee nach der Schicht?«
»Morgen«, bestätigte er, »ein Kaffee nach der Schicht.«
Er beugte sich zu mir herüber, und seine Lippen berührten meine Wange, einfach, ganz förmlich fast, als wollte er nicht, dass der Kuss vom Nachmittag durch diesen hier ersetzt würde – als sollte der Nachmittagskuss für sich stehen, ein eigenständiges Ereignis, das keiner Wiederholung oder Bestätigung bedurfte.
Ich sah ihm nach, wie er sein Fahrrad aufschloss, den Helm aufsetzte (ein lächerlich orangefarbenes Ding, das ich insgeheim entzückend fand) und in die Dunkelheit davonfuhr. Der Abendwind trug den Duft von frisch gemähtem Gras von den Verkaufsflächen herüber, und irgendwo bellte ein Hund, ein vertrautes, beinahe schon friedliches Geräusch.
Mein Auto war kalt, als ich einstieg, und ich ließ den Motor erst einmal laufen, ohne loszufahren. Die Heizung pustete warme Luft gegen meine Beine, und ich lehnte den Kopf gegen die Nackenstütze, ließ den Tag Revue passieren. Meine Gedanken kreisten immer wieder zu dieser Selbstbefriedigungsfantasie zurück, die am Nachmittag noch so abstrakt gewesen war und jetzt plötzlich einen Körper, einen Geruch, einen Geschmack bekommen hatte. Wie merkwürdig das war. Jahrelang hatte ich mir in stillen Momenten ausgemalt, wie es sein könnte, mit jemandem zu schlafen, den ich wirklich begehrte. Nun war es wahr geworden, und es fühlte sich weniger an wie das Ende einer Fantasie als wie der Anfang von etwas ganz Unerwartetem.
Morgen würde ich ihn wiedersehen. Morgen würden wir wieder zwischen den Regalen stehen, Dünger einräumen und Tomatenpflanzen gießen, und niemand würde uns ansehen, was geschehen war. Und doch würde alles anders sein, eine geheime Welt unter der Oberfläche der Alltäglichkeit, die nur uns beiden gehörte. Ich lächelte in die Dunkelheit meines Autos hinein, legte den Gang ein und fuhr nach Hause.
– ENDE –
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