Eine lesbische Verführung
„Du hältst die Gießkanne schief, Talia – der Arme da kriegt ja gar nichts ab, während sein Nachbar schon fast ertrinkt.“
Friedas Stimme kam von irgendwo hinter dem Gewächshausregal, und Talia zuckte so heftig zusammen, dass tatsächlich ein Schwall Wasser über den Rand der Blechkanne schwappte und ihre ohnehin schon erdverschmierten Turnschuhe traf. Sie hatte gedacht, sie wäre allein. Die letzten Kunden waren vor einer halben Stunde gegangen, das große Rolltor vorn war schon halb heruntergelassen, und draußen dämmerte es über den Frühbeetkästen. Nur noch das leise Summen der Beregnungsanlage und das gelegentliche Tropfen von irgendwo durchzog die schwere, feuchtwarme Luft. Und jetzt diese Stimme – dunkel, ein wenig rau, mit einem Anflug von Belustigung, der Talia seltsamerweise mehr unter die Haut ging als der eigentliche Inhalt der Worte.
„Ich weiß, wie man gießt“, sagte sie, ohne sich umzudrehen, und richtete die Kanne gerade. „Der Hibiskus braucht mehr. Der Lavendel daneben verträgt keine nassen Füße. Steht auf dem Schild.“
Schritte hinter ihr, weich auf dem feuchten Betonboden. Die Frau trat neben sie. Talia sog unwillkürlich den Geruch von frischer Blumenerde und etwas anderem ein, etwas Blumigem, aber nicht Aufdringlichem – vielleicht Jasmin, vielleicht einfach sie selbst. Diese Fremde hatte kurz geschnittene graue Locken und Lachfältchen um die Augen. Sie sah aus, als hätte sie Jahrzehnte in der Sonne gearbeitet und dabei nie zu lächeln aufgehört.
„Frieda“, sagte die Frau und streckte eine Hand aus, an deren Fingernägeln noch schwarze Erde klebte. „Ich leite hier den Staudenbereich. Normalerweise bin ich längst weg um diese Zeit, aber die Lieferung aus Holland kam zu spät. Hast du den Schlüssel für die Wasserpflanzenbecken?“
„Talia. Und nein, den hat Mira. Ich mach nur die Tropenhaus-Ecke und räume die Restbestände ein.“ Sie schlug ein, und Friedas Griff war trocken und warm und hielt eine Sekunde länger als nötig. Oder bildete Talia sich das nur ein?
„Die Restbestände.“ Frieda seufzte theatralisch, ließ ihre Hand los und deutete auf eine Reihe von Pflanzcontainern, die noch mitten im Gang standen. „Weißt du, was da drin ist? Fünfzehn Solanum rantonnetii. Blauer Kartoffelstrauch. Die Dinger sind im Herbst empfindlich wie Operndiven. Wenn wir die nicht innerhalb der nächsten Stunde ins Warmhaus bekommen, können wir sie morgen auf den Kompost werfen. Und ich habe zwei Arme und der Praktikant ist heute früher weg, weil sein Hund Geburtstag hat oder so. Hilfst du mir?“
Es war keine Frage, nicht wirklich. Frieda hatte die Ärmel ihrer groben Arbeitsbluse schon hochgekrempelt und hob den ersten Container an, als wäre es selbstverständlich, dass Talia mit anpacken würde. Und das Seltsame war: Es fühlte sich auch so an. Talia kannte diese Frau nicht. Sie war erst seit drei Wochen im Gartencenter angestellt für die Wintersaison. Eigentlich arbeitete sie dort nur, weil sie nach der Trennung von Lisa irgendwas zu tun brauchte, irgendwas mit Erde und Wachsen und Dingen, die weitermachen, egal was passiert. Sie hatte nicht erwartet, dass ihr jemand hier wirklich auffallen würde. Aber Frieda war ihr aufgefallen, schon am ersten Tag, wie sie mit einer Selbstverständlichkeit zwischen den Staudenregalen hantierte, als gehörte jeder Grashalm ihr. Dabei sang sie leise vor sich hin, irgendwelche alten Lieder, die Talia nicht kannte.
„Klar helfe ich“, hörte sie sich sagen. Dann trugen sie gemeinsam die schweren Plastikcontainer durch den schmalen Gang. Sie gingen vorbei an hängenden Farnen, deren Wedel ihnen ins Gesicht streiften, und an Bergen von Terrakottatöpfen, die aussahen wie eine vergessene Stadt im Halbdunkel. Das Licht im hinteren Teil der Halle war schon ausgeschaltet, nur noch die gedimmte Notbeleuchtung warf lange Schatten über die Pflanzenregale. Talia spürte, wie der Schweiß zwischen ihren Schulterblättern zu jucken begann. Ihre Armmuskeln spannten sich an, als sie die Container anhob. Sie war fit, aber das hier war richtige Arbeit. Auf eine seltsame Weise fühlte es sich gut an, so körperlich, so unmittelbar.
Frieda ging vor ihr. Talia ertappte sich dabei, wie sie die Bewegungen der älteren Frau beobachtete. Sie betrachtete das leichte Federn in den Knien beim Heben, die straffen Oberarme, die sich unter dem dünnen Stoff abzeichneten. Auch die Art, wie sie den Kopf neigte, wenn sie durch die Glastür ins Warmhaus trat, als müsste sie erst horchen, ob die Pflanzen auch schliefen, fand sie bemerkenswert. Einmal drehte Frieda sich um, als sie spürte, dass Talia sie ansah, und lächelte. Es war nicht verlegen, sondern ganz offen, ganz ruhig, als hätte sie nichts dagegen. Im Gegenteil, sie hätte schon lange darauf gewartet, dass jemand genauer hinsah.
Warmhaus – zwei Frauen, ein Umweg über die Zitrusbäume
Sie brauchten fast eine Dreiviertelstunde, um alle Kartoffelsträucher umzuräumen. Danach standen sie im Warmhaus, erschöpft und erhitzt, und Frieda wischte sich mit dem Handrücken über die Stirn, wobei sie eine dunkle Spur Blumenerde auf ihrer Schläfe hinterließ. Talia machte eine Bemerkung darüber, und Frieda lachte, und dann nahm Talia, ohne groß nachzudenken, den Zipfel ihres eigenen T-Shirts und wischte ihr sanft die Erde weg. Ihre Fingerknöchel streiften Friedas Haaransatz, eine flüchtige Berührung nur, aber nahe genug, um zu spüren, wie die grauen Locken dort ganz weich waren, geschmeidiger, als sie erwartet hatte.
Frieda hielt ganz still. Ihre Augen, haselnussbraun mit grünen Sprenkeln, ruhten auf Talias Gesicht, und für einen Moment sagte keine von beiden etwas. Die Wärme im Warmhaus, die modrig-süße Luft, die von den gewaltigen Bananenstauden und den feuchten Rindenmulchbeeten aufstieg, schien sich um sie zu verdichten. Ein unsichtbarer Kokon aus Hitze und Stille und dem, was zwischen zwei Menschen passiert, die sich gerade erst begegnen und doch schon etwas voneinander ahnen.
„Ich zeig dir was“, sagte Frieda schließlich, und ihre Stimme war jetzt eine Spur leiser, als spräche sie gegen eine Regel, die sie selbst aufstellte. Sie führte Talia durch das Labyrinth des Warmhauses, vorbei an den Palmenkübeln und den Orchideentischen, bis zu einer Ecke, die von riesigen Zitrusbäumen fast verdeckt wurde. Dahinter stand eine alte Werkbank mit einem ausgedienten Korbstuhl davor, und auf der Bank eine Thermoskanne und zwei Blechtassen.
„Mein Geheimversteck“, sagte Frieda und goss dampfenden Tee ein. „Lindenblüte. Kein Kunde findet hierher.“ Sie setzte sich auf den Korbstuhl, der unter ihr ächzte, und klopfte auf die freie Fläche neben sich. Es war nicht genug Platz für zwei, nicht wirklich. Talia zögerte, dann schob sie sich neben Frieda, ihren Oberschenkel fest an deren Hüfte gepresst, und nahm eine der Tassen. Der Tee war viel zu heiß, aber sie trank trotzdem, weil sie das Gefühl hatte, irgendetwas tun zu müssen mit ihren Händen und ihrem Mund.
„Du bist nicht wegen der Saisonarbeit hier“, sagte Frieda. Es war keine Frage, sondern eine Feststellung, und ihr Ton war nicht aufdringlich, sondern eher nachdenklich, als würde sie einen Gedanken zu Ende führen, den sie schon länger verfolgte.
„Wieso nicht?“
„Weil du dir beim Gießen mehr Mühe gibst als beim Kassieren. Weil du die Pflanzen mit Namen ansprichst, wenn du denkst, es hört keiner. Und weil du aussiehst, als hättest du was hinter dir, mit dem du noch nicht ganz fertig bist.“
Talia starrte in ihre Teetasse. „Lisa ist seit August vor zwei Jahren vorbei.“ Ich dachte, Pflanzen wären … einfacher.“ Sie lachte kurz auf, ein Geräusch ohne Humor. „Es stellt sich heraus, dass sie auch kompliziert sind.“ Aber immerhin beißen sie nicht.“
„Und sie gehen nicht weg“, sagte Frieda leise. „Nicht einfach so, über Nacht und völlig unerwartet. Höchstens, wenn man sie ertränkt wie deinen armen Lavendel vorhin.“ Sie stupste Talia mit der Schulter an, eine winzige Geste, aber sie ließ ein Kribbeln über Talias Rücken laufen, das sie unter anderen Umständen für die Wärme des Tees gehalten hätte.
Sie redeten. Über Pflanzen, dann über Musik, dann über die Frage, ob man im Winter wirklich depressiv wird oder nur nachdenklicher. Und irgendwann über die erste Frau, in die Frieda sich je verliebt hatte – eine Floristin aus Bremen, vor zwanzig Jahren. Diese Frau hatte ihr beigebracht, wie man Rosen veredelt und dass es okay war, diese zu mögen, nicht nur distelige Stauden und kantige Gräser. Frieda erzählte es mit einer Selbstverständlichkeit, die Talia fast neidisch machte. Sie selbst hatte Jahre gebraucht, um sich einzugestehen, dass Lisa nicht nur eine Freundin war. Und jetzt saß sie hier, in einem geheimen Winkel eines Warmhauses, mit einer Frau, die sie vor drei Stunden noch gesiezt hatte. Ihre Oberschenkel berührten sich und keine von ihnen rückte weg.
Irgendwann stellte Frieda ihre Tasse ab und drehte sich ein wenig zu Talia, und dabei fiel der Stoff ihrer Bluse ein Stück von ihrer Schulter. Die Haut darunter war gebräunt, mit einem schmalen weißen Trägerabdruck, und Talia musste sich zusammenreißen, um nicht hinzustarren – oder Schlimmeres. Stattdessen sah sie Frieda an, direkt in diese haselnussbraunen Augen, und was sie darin las, ließ ihr Herz einen unregelmäßigen Schlag aussetzen und dann schneller weiterschlagen.
„Du zitterst“, sagte Frieda.
„Ist kühl hier“, log Talia.
Frieda lächelte nur und legte ihre Hand auf Talias Knie. Ganz ruhig, ganz flach, ein angenehm schwerer Druck, der durch den dünnen Jeansstoff sickerte wie Wärme durch Erde im Frühjahr.
Dämmerlicht und salziger Geschmack – wachsende Spannung

Eine Weile saßen sie einfach so da. Talia spürte Friedas Hand auf ihrem Knie und fühlte jeden Finger einzeln. Sie spürte den Daumen, der ein wenig höher lag als die anderen, kurz vor der Innenseite ihres Oberschenkels, wo der Stoff anfing, sich zu spannen. Sie atmete den Geruch von Zitrusholz und warmem Tee und die animalische, erdige Note von Schweiß und Frauenkörper ein, die in der stickigen Luft des Warmhauses hing wie ein Versprechen. Ein dicker Tropfen Kondenswasser löste sich von einem Bananenblatt über ihnen und fiel mit einem leisen Platsch auf den Rindenmulch.
„Frieda“, sagte Talia, aber was sie eigentlich sagen wollte, wusste sie selbst nicht. Vielleicht: Hör nicht auf. Vielleicht: Was machst du da mit mir? Vielleicht einfach nur den Namen, den sie vor ein paar Stunden zum ersten Mal gehört hatte und der sich jetzt seltsam vertraut anfühlte wie der Refrain eines alten Liedes.
Frieda antwortete nicht mit Worten. Ihre Hand bewegte sich, unendlich langsam, ein paar Zentimeter höher. Ihre Finger schoben sich unter den Saum von Talias T-Shirt, nur ein kleines Stück, gerade genug, um die nackte Haut über ihrem Hosenbund zu berühren. Der Temperaturunterschied war überraschend – Friedas Finger waren kühl vom Tee, und Talias Haut war heiß, fast fiebrig, als hätte sich alle Wärme ihres Körpers dort gesammelt, um ihr entgegenzudrängen.
„Ist das okay?“, murmelte Frieda, und ihre Lippen waren jetzt dicht an Talias Ohr, ihr Atem ein warmes Pulsieren an der empfindlichen Stelle direkt unter dem Ohrläppchen.
Talia nickte. Dann, weil sie Angst hatte, das wäre nicht deutlich genug, sagte sie: „Ja. Ja, das ist … ja.“ Ihre eigene Stimme klang rau, als hätte sie Sand im Mund, und sie schluckte hart, um die Wörter klarer zu machen. Frieda lächelte gegen ihr Ohr, das spürte sie mehr, als sie es sah. Es war eine winzige Muskelbewegung der Lippen, die Talias Haut streifte. Es war nicht mal ein Kuss, sondern nur diese Andeutung, diese leichte feuchte Spur, die beim Zurückweichen zurückblieb.
Dann endlich, endlich ein richtiger Kuss. Frieda drehte Talias Kinn mit zwei Fingern zu sich, ganz sanft, als würde sie einen Setzling ausrichten, der in die falsche Richtung gewachsen war. Und ihre Lippen trafen Talias Lippen, nicht fordernd, nicht drängend, nur fragend, als würden sie an eine Tür klopfen und höflich warten, bis geöffnet würde. Talia öffnete. Sie öffnete ihren Mund unter Friedas. Plötzlich küssten sie sich richtig, hungrig und suchend. Talia schmeckte Lindenblütentee, eine winzige Spur von Minze und darunter etwas, das sie nicht benennen konnte, aber unbedingt mehr davon probieren wollte.
Der Korbstuhl gab ein gefährliches Knarren von sich, als Talia sich drehte, um Frieda besser zu erreichen. Ihre Hände fanden Friedas Oberarme, umklammerten sie, spürten die festen Muskeln unter der weichen Haut einer Frau, die ihr Leben lang körperlich gearbeitet hatte. Frieda zog sie näher, eine Hand jetzt in Talias Nacken, die andere auf ihrem Rücken, unter dem T-Shirt, Finger, die sich über Talias Wirbelsäule spreizten, jeden einzelnen Knochen zu kennen schienen. Talia stöhnte in den Kuss hinein, ein Geräusch, das tief aus ihrer Kehle kam und sie selbst überraschte.
„Nicht hier“, flüsterte Frieda gegen ihren Mund, aber sie hörte nicht auf, sie zu küssen. „Der Stuhl … bricht … gleich … zusammen …“
„Mir egal“, murmelte Talia und zog Friedas Unterlippe zwischen ihre Zähne, ganz vorsichtig, nur ein winziger Druck, bevor sie sie wieder losließ. Frieda lachte leise und atemlos, ein Geräusch, das wie ein Schluckauf klang und dann wie ein Seufzen, als Talias Hände die Knopfleiste von Friedas Bluse fanden.
Sie kniete jetzt halb auf dem Stuhl, ein Bein zwischen Friedas Schenkeln, während ihre Finger an den kleinen, störrischen und mit Erde verkrusteten Knöpfen nestelten. Frieda half ihr nicht. Sie sah nur zu, wie Talia kämpfte, und ihr Blick war dunkel und konzentriert und ein bisschen spöttisch. Erst als der dritte Knopf aufsprang, hob sie die Hände und streifte die Bluse gleich selbst über die Schultern. Sie trug keinen BH darunter, und Talia hielt inne, einfach so, mitten in der Bewegung, und starrte auf Friedas Brüste, die schwer und prall waren mit voluminösen, dunklen Brustwarzen, die sich in der kühleren Luft des Warmhauses zusammenzogen.
„Gefällt dir, was du siehst?“, fragte Frieda, und es klang herausfordernd, aber darunter war eine Unsicherheit, die Talia fast tröstlich fand. Selbst diese Frau, diese erdverbundene, selbstsichere Frau, war nicht unverwundbar.
„Du bist so schön“, sagte Talia einfach, und beugte sich vor und nahm eine der Brustwarzen in den Mund.
Ernte unter Zitronenbäumen – die Kunst der Hingabe
Friedas Rücken bog sich durch, als Talias Zunge ihre Brustwarze umkreiste. Sie hatte die Augen geschlossen, den Kopf zurückgelehnt, und ihre Hände krallten sich in Talias Haar, nicht grob, aber mit einer Dringlichkeit, die alles Bisherige zwischen ihnen wie bloßes Vorspiel erscheinen ließ. Der Korbstuhl ächzte unter dem Gewicht beider Frauen. Talia war die Hälfte ihres Bewusstseins tief versunken in den Geschmack und die Textur von Friedas Haut. Sie registrierte dumpf, dass sie irgendwie auf den Boden mussten, bevor das Möbel unter ihnen kollabierte.
„Warte“, keuchte Frieda, „warte –“ und schob Talia ein Stück von sich, gerade genug, um vom Stuhl zu rutschen. Sie zog Talia mit sich hinunter auf den warmen Rindenmulch, der unter ihren Knien nachgab und einen intensiven, harzigen Geruch an die Luft abgab. Frieda breitete eine alte Sisalmatte aus, die zusammengerollt neben der Werkbank gelegen hatte, und dann lagen sie nebeneinander auf dem Boden, umgeben von herabgefallenen Zitronenblättern und dem ewigen leisen Zischen der Beregnungsdüsen.
Jetzt war Frieda es, die Talias T-Shirt auszog, langsam, Zentimeter für Zentimeter, und jeden Streifen Haut küsste, der dabei freigelegt wurde. Talias Bauch, flach und fest, zog sich unter ihren Lippen zusammen. Ihre Rippen, die sich unter der blassen Haut abzeichneten wie ein filigranes Gerüst, wanderten unter Friedas Mund entlang, eine nach der anderen, als spielte sie ein Instrument, das sie neu erlernte. Oben angekommen, entfernte sie Talias BH mit einem geübten Handgriff, und dann nahm sie sich Zeit. So viel Zeit. Ihre Hände wurden langsamer, ihre Lippen forschender, als sie Talias Brüste erkundete. Diese waren kleiner als ihre eigenen und hatten hellere, empfindlichere Brustwarzen, die bei jeder Berührung hart wurden wie kleine Knospen kurz vor dem Aufbrechen.
„So viele Nächte“, murmelte Frieda gegen Talias Hals, während ihre Finger über deren Bauch abwärts wanderten, sich unter den Hosenbund schoben, den Knopf der Jeans öffneten. „So viele Nächte habe ich dich gesehen. Beim Einräumen der Stiefmütterchen. Beim Fegen des Gehwegplatten-Gangs. Deine Hände. Deine Konzentration. Ich habe mir vorgestellt, wie deine Hände wären. Auf mir.“ Der Reißverschluss gab mit einem leisen Surren nach. Talia hob die Hüften, um Frieda zu helfen, ihr die Jeans und den Slip abzustreifen. Bald lag sie nackt unter den tropischen Blättern, die Haut mit Gänsehaut überzogen, obwohl es warm war. Ihre Augen waren auf Frieda gerichtet, dunkel und flehend.
„Dann fass mich an“, sagte Talia. Es war keine Bitte. Es war eine Aufforderung, eine dringende, ungeduldige. Frieda lächelte und senkte den Kopf. Sie küsste den Weg von Talias Brustbein bis hinunter zu ihrem Bauchnabel, tiefer, bis ihr Kinn den Venushügel streifte und Talias Hüften zuckten wie unter einem kleinen elektrischen Schlag.
Frieda schob Talias Schenkel auseinander, legte ihre Hände flach auf die Innenseiten der Oberschenkel und hielt sie sanft, aber bestimmt geöffnet. Sie betrachtete Talias Vulva in der Dämmerung. Die samtigen Schamlippen waren bereits dunkel und geschwollen. Auch die feuchte Glätte schimmerte im schwachen Licht. Zudem lugte die kleine, sich aufrichtende Perle der Klitoris unter ihrer Schutzkappe hervor. Sie konnte den Geruch von Talias Erregung riechen, moschusartig und salzig und unverwechselbar, und er mischte sich mit dem Zitrusduft und der modrigen Wärme, bis Frieda ganz benommen war.
„Du bist so nass“, sagte sie, und ihre Stimme war voller Bewunderung. „So nass für mich.“ Dann beugte sie sich vor und leckte mit der ganzen Fläche ihrer Zunge über Talias Schamlippen, einmal von unten bis oben, ein langer, genüsslicher Strich, der an der Klitoris endete. Talia schrie auf, ein erstickter Laut, der von den Bananenblättern geschluckt wurde. Ihre Hände gruben sich in den Mulch, fanden keinen Halt, entdeckten stattdessen Friedas Schultern und krallten sich dort fest.
„Oh Gott, Frieda, ja, mach das noch mal, bitte –“
Und Frieda machte. Sie leckte Talia mit einer Ausdauer und Hingabe, die aus jahrelanger Erfahrung und echter, tiefer Lust am Geben erwuchs. Ihre Zunge umspielte die Klitoris, umkreiste sie, zog sich zurück und kam wieder. Sie trieb Talia mit wechselnden Rhythmen immer näher an den Rand. Nur wenn sie spürte, wie Talias Muskeln sich anspannten, wie ihre Atmung flach wurde und ihre Hüften anfingen, sich ihrem Mund entgegenzudrängen, verlangsamte sie das Tempo. Sie tauchte ihre Zunge in Talias Eingang und küsste sie dort, wo sie unglaublich weich und empfänglich war. Talia stöhnte Wörter, die keinen Sinn ergaben, aneinandergereihte Silben aus Flehen, Friedas Namen und unartikulierter Lust.
Es war Friedas Hand, die sie schließlich über die Schwelle brachte. Während ihre Zunge weiterhin die Klitoris leckte, ließ sie vorsichtig einen Finger in Talia gleiten, dann einen weiteren, und bewegte sie in einem Rhythmus, der dem ihrer Zunge entsprach. Die Enge, die Hitze, die sich um ihre Finger schloss, war atemberaubend. Sie spürte Talias Wände, die sich anspannten und lockerten, nahm das feine Zittern wahr, das zuerst in den Oberschenkeln begann und dann den ganzen Körper erfasste wie eine Welle.
Talia kam mit einem langen, hohen Ton, der in ein heiseres Keuchen überging, als ihr Orgasmus sie durchflutete. Ihre Hände pressten Friedas Kopf an sich, ihre Hüften bewegten sich unkontrolliert, ritten Friedas Mund und Finger durch die aufeinanderfolgenden Kontraktionswellen, die durch ihren Unterleib zuckten. Frieda hielt sie fest, fest und sicher, und ließ nicht nach, bis Talia ihren Griff lockerte und mit einem tiefen, zitternden Atemzug in den Mulch zurücksank.
Wurzeln schlagen – was bleibt nach der Dämmerung
Die Stille danach war anders als die Stille davor. Sie war schwerer, bedeutungsvoller, erfüllt von dem gemeinsamen Geheimnis dessen, was sie gerade getan hatten. Talia lag noch immer auf dem Rücken, den Arm über die Augen gelegt, und atmete tief und langsam. Frieda hatte sich neben ihr ausgestreckt, eine Hand leicht auf Talias Bauch gelegt und spürte das Heben und Senken von Talias Atmung, das allmählich ruhiger wurde.
Nach einer Weile drehte Talia den Kopf und sah Frieda an. Ihr Gesicht war gerötet, ihr schweißnasses Haar klebte an den Schläfen. Sie lächelte ein Lächeln, das erschöpft und fassungslos und gleichzeitig vollkommen entspannt war, als hätte man eine Feder gelöst, die jahrelang unter Spannung gestanden hatte.
„Das war …“ Sie suchte nach einem Wort und fand keines. Sie lachte stattdessen, ein kleines, ungläubiges Lachen. „Ich bin noch nie einfach so … auf Rindenmulch …“
„Ich weiß.“ Frieda grinste und zupfte ein kleines Rindenstück aus Talias zerzausten Locken. „Entschuldige die Unterlage. Das Bett in meiner Wohnung ist deutlich bequemer, aber das hier hatte eine gewisse Dringlichkeit. Ich weiß nicht, ob du das mitbekommen hast.“ Sie sprach scherzhaft, aber ihre Augen waren ernst und forschend, als wollte sie sichergehen, dass Talia nichts bereute, dass hier nichts zerbrochen war, was nicht hätte zerbrechen sollen.
Talia rollte sich auf die Seite, stützte den Kopf in die Hand und sah Frieda an. Die grauen Locken, die erdverschmierten Hände, die Brüste, die unter der halb offenen Bluse noch immer entblößt waren, die Trägerabdruck-Linien auf den gebräunten Schultern. Alles an dieser Frau fühlte sich wahr an, ungeschönt und real und unendlich begehrenswert.
„Du hast gesagt, du hast mich all die Nächte gesehen“, sagte sie nachdenklich. „Wieso hast du nichts gesagt? Vorher?
Frieda zog die Augenbrauen hoch. „Weil du die Neue warst. Weil du verletzt warst – das habe ich gesehen – und verwundete Menschen verlieben sich manchmal in die erste Person, die liebenswürdig zu ihnen ist, ohne selbst zu wissen, ob sie das wirklich wollen. Ich wollte nicht … eine Notlösung sein, keine Rebound-Nummer unter Zitrusbäumen. – Wobei“, sie fuhr mit einem Finger über Talias nackten Oberarm, „jetzt bin ich das vermutlich trotzdem, nur mit etwas mehr Anstand davor.“
Talia betrachtete die Frau neben ihr lange. Die Dämmerung draußen vor dem Glasdach war vollends in Dunkelheit übergegangen, und drinnen leuchteten nur noch die kleinen LED-Lämpchen, die die empfindlichsten Orchideen vor Kälte schützten. Sie sahen aus wie Glühwürmchen, die in der warmen, schweren Luft stillstanden.
„Du bist keine Notlösung“, sagte Talia schließlich. „Lisa war … Mit Lisa war ich zusammen, weil ich dachte, ich müsste es allen beweisen. Für euch, für mich, für meine Familie. Dass ich wirklich lesbisch bin und nicht nur verwirrt oder ziellos oder was auch immer. Aber das hier …“ Sie griff nach Friedas Hand, verschränkte ihre Finger mit den erdigen Fingern der anderen Frau. „Das hier fühlt sich an wie das erste Mal, dass ich nicht beweise, sondern einfach … bin. Weißt du, was ich meine?“
Frieda nickte langsam. „Ich glaube schon. Es ist der Unterschied zwischen einem Setzling, den man mit Gewalt in einen Topf zwängt, in den er nicht gehört, und einer Pflanze, die man einfach wachsen lässt. Klingt esoterisch, ich weiß, ich bin Gärtnerin, ich kann nicht anders.“ Sie lächelte, ein echtes, breites Lächeln, das ihre Lachfältchen in alle Richtungen strahlen ließ.
„Ich möchte, dass das hier kein One-Night-Stand auf Rindenmulch war“, sagte Talia, und es klang entschlossener, als sie sich fühlte. „Ich will … mehr. Mehr von dir, Frieda. Mehr davon, wie du mich ansiehst, als wäre ich etwas Lebendiges, das es wert ist, gepflegt zu werden. Mehr von deinen Händen. Mehr von deinem Tee. Mehr von dieser Art, wie du still wirst, bevor du etwas Wichtiges sagst.“
Frieda lachte leise. „Mehr von meiner Art, still zu werden.“ Wer hätte gedacht, dass das mal jemand attraktiv findet.“ Sie beugte sich vor und küsste Talia, langsam und gründlich. Diesmal schmeckte Talia sich selbst auf Friedas Lippen. Ein Geschmack, der sie seltsamerweise mehr erregte als beschämte – die tiefe, körperliche Vertrautheit, die darin lag, sich selbst auf der Zunge einer anderen Frau wiederzufinden.
„Okay“, flüsterte Frieda, als sie den Kuss löste. „Okay. Dann machen wir das. Langsam. Schritt für Schritt. Zuerst stehe ich jetzt auf und schließe richtig ab, weil es kann wirklich nicht sein, dass der Nachtwächter hier reinkommt und uns findet. Dann bringe ich dich nach Hause, und morgen, wenn du willst, essen wir zusammen zu Mittag im Personalraum, und alle werden tuscheln. Und übermorgen koche ich für dich in meiner Wohnung – ich habe sechs verschiedene Sorten Basilikum und ich mach ein Pesto, das dich umhauen wird. Und dann sehen wir weiter, ja?“
„Ich will gar nicht mehr nach Hause“, sagte Talia, aber sie stand trotzdem auf, streifte ihre Jeans über, zog das T-Shirt glatt, das mittlerweile ebenso erdverschmiert war wie ihre Gedanken. Sie half Frieda, die losen Rindenstücke aufzusammeln und die Sisalmatte wieder aufzurollen. Sie schalteten die Sprinkler aus, kontrollierten die Schlösser, schoben den letzten Container mit blauen Kartoffelsträuchern an den vorbestimmten Platz. Sie taten das alles in stiller Vertrautheit, jede mit dem Bewusstsein der anderen neben sich, und es fühlte sich nicht an wie ein Ende, sondern wie etwas, das gerade erst anfing.
Als sie schließlich das Haupttor öffneten und in die kühle Oktobernacht hinaustraten, roch die Luft nach feuchten Blättern und Holzrauch aus irgendeinem Kamin in der Nachbarschaft. Frieda zog ihre Jacke enger und sah zu Talia, deren Gesicht im Schein der Straßenlaterne blass und nachdenklich wirkte.
„Woran denkst du?“, fragte sie.
„Ich denke“, sagte Talia und hob eine Hand, um eine graue Locke aus Friedas Stirn zu streichen, „dass ich noch nie so froh war, eine Gießkanne schief gehalten zu haben.“ Und dann lachte sie, und Frieda lachte mit ihr. Sie gingen in die Nacht hinaus, dicht beieinander, mit dem Vorgeschmack von Basilikumpesto auf der Zunge. Sie wussten, dass etwas gewachsen war in dieser Nacht, das tiefer wurzelte als jede Topfpflanze.
– ENDE –
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